BMW R 51/2
BMW R 51/2, Baujahr 1950, Originalrestaurierung

Die BMW R51/2 ist das erste Boxer-Motorrad, das BMW nach dem Zweiten Weltkrieg baute. Es wurde nur in den Jahren 1950/51 in einer geringen Stückzahl von 5000 Exemplaren gefertigt. Das Nachfolgemodell, die BMW R51/3 wurde ab 1951 in weitaus größeren Stückzahlen hergestellt.

Inhaltsverzeichnis

Vorgängerversion

Die BMW R 51/2 ist ein Zweizylinder-Motorrad des Herstellers BMW mit Boxermotor von 494 cm³ Hubraum und 18 kW. Der Vorgänger der R 51/2 war das von 1938 bis 1940 gebaute Modell BMW R 51 mit im wesentlichen gleichem Fahrwerk, Teleskopgabel und Geradweg-Hinterradfederung.

Konstruktionsmerkmale

Der Rahmen ist aus Stahlrohr geschweißt mit seitlich angebrachten Kugelköpfen für den Seitenwagen-Betrieb. Der S 350 oder der TR 500 von Steib sind passende Seitenwagen. Zum Beiwagen-Betrieb ist eine spezielle Zahnradübersetzung des Kardanantriebes erforderlich.

Schutzbleche, Tank und Felgen sind aus Stahlblech. Der Motorblock ist wie das Getriebe und das Kardangetriebe-Gehäuse aus Aluminiumguss. Wie bei den Vormodellen, der BMW R 5 und der BMW R 51, ist der Motor mit den Motor-Steckachsen in Gummibuchsen gelagert. Der Auspufftopf ist mit Schellen direkt an Motorachse und Rahmen befestigt.

Motor

R51/2 Motor

Der Motor der R 51/2 ist die letzte Version der Vorkriegs-Zweizylinder mit zwei kettengetriebenen Nockenwellen über der Kurbelwelle; der (stabilere) Nachfolger-Motor der BMW R 51/3 hat nur eine Nockenwelle, über Zahnradpaar angetrieben. Im Motor ist nur noch eine Ölfüllung im Umlauf; die Vorgängermotoren der R 5 und R 6 hatten neben der Motorschmierung noch separate Ölfüllungen für jeden Zylinderkopf.

Der Motorblock ist wie das Getriebe und das Kardangetriebe-Gehäuse aus Aluminiumguss. Der Motor ist wie bei den Vorgängermodellen BMW R 5 und BMW R 51 ein längslaufender Zweizylinder-Boxer-Viertakt-Motor mit außen, über den Zylindern in verchromten Stahlrohren geführte Stößelstangen (OHV-Motor). Die Stößelstangen betätigen die Kipphebel im Zylinderkopf, die ihrerseits die hängenden Ventile betätigen. Die Kipphebel sind wie die beiden Pleuellager in Bronzebuchsen gelagert; die Kurbelwelle läuft in Kugellagern. Die Nockenwellen werden über eine Steuerkette von der Kurbelwelle angetrieben. Die Ölpumpe befindet sich hinter dem vorderen Gehäusedeckel und ist eine einfache Zahnradpumpe, die von einer Nockenwelle durch eine Schneckenrad-Untersetzung angetrieben wird.

Getriebe

Auf dem hinteren Kurbelwellenstumpf sitzt die schwere Schwungscheibe (mit im Schauloch einsehbarer Zündeinstellmarkierung), die die Einscheibentrockenkupplung aufnimmt. Die Kupplung wird mit Axiallager über eine Druckstange betätigt, die durch die hohle Getriebehauptwelle verläuft. Dieses Modell hat den klassisch geschwungenen verchromten Kickstarter-Hebel. Am Getriebe befindet sich auf der rechten Seite des Motorrades zusätzlich ein Handschalthebel.

Zündung und Lichtmaschine

Die R 51/2 ist das letzte Modell mit externer Lichtmaschine. Sie sitzt sichtbar auf dem Motorblock, wird von der Steuerkette angetrieben und dient gleichzeitig als Kettenspanner. Die Lichtmaschine ist eine klassische Gleichstrom-Lichtmaschine mit Laderegler. Auf der linken Nockenwelle sitzt hinter dem Aluminiumguss-Deckel der spritzwasserdicht gekapselte Zündverteiler und die Zündspule. Auch diese Bauweise ist letztmals beim Modell 51/2 zu sehen. Die Zündanlage ist eine Batteriezündung, ohne Fliehkraftverstellung, von der linken Nockenwelle angesteuert. Der Zündzeitpunkt wird von Hand eingestellt. Das Nachfolgemodell R 51/3 hatte dann einen Magnetzünder, eine automatische Fliehkraftverstellung und verzichtete auf einen Zündverteiler. Mit dem Magnetzünder konnte die 51/3 auch mit leerer (bzw. ohne) Batterie ganz normal gestartet werden, da der Zündstrom unabhängig von der Lichtmaschine erzeugt wird. Der Bleiakku ist ungekapselt auf einem Halter auf dem unteren Rahmenrohr unter dem Sattel befestigt.

Vergaser, Luftfilter

Die beiden Vergaser sind Bing-Schwimmerkammervergaser mit konischer Nadel im Rundschieber. Das Nass-Luftfilterelement sitzt auf dem Getriebegehäuse, ein Stahlnetz, an dem der Staub sich beim Ansaugen der Luft festsetzt, das zu Wartungszwecken ausgewaschen und dann mit Öl benetzt wird.

Antrieb

Der Antriebsstrang erfordert am Getriebeausgang ein elastisches Drehmoment-Übertragungselement. Dazu ist eine schwarze textilverstärkte Gummi-Vierlochscheibe (Hardyscheibe) am Zweifingerflansch des Getriebes aufgeschoben, die das Drehmoment der Getriebeausgangswelle auf die Zweifingeraufnahme der Kardanwelle überträgt. Diese Hardyscheibe ist wegen der hohen Fliehkräfte der rotierenden Gummischeibe stirnseitig mit einem verchromten Stahlring bestückt.

Die Kardanwelle zum Hinterrad ist hochglanzverchromt und freilaufend. Das am Winkelgetriebe befestigte Kreuzgelenk der Kardanwelle ist gegen Staub mit einer verchromten Schraubkappe abgedeckt. Gegen diese Schraubkappe läuft ein mit der Welle rotierender Dichtungsgummi, der den losen Schmutz aus dem Kardangelenk fernhält.

Die Kardanwelle ist mit einem Kardangelenk versehen und am Winkelgetriebe mittels Verzahnung befestigt. Das Umlenkgetriebe ist ein Kegelgetriebe mit Hypoidverzahnung und 90° Umlenkung. Die Hypoidzahnräder des Umlenkgetriebes laufen in einem speziellen Schwergetriebeöl für hohe Flankenpressungen (Hypoidöl).

Räder

Die R 51/2 ist mit schmalen Halbbremsnaben ausgerüstet. Das Nachfolgemodell R 51/3 bekam dann vorn und hinten Aluminium-Vollnabenbremsen mit erheblich verbesserten Verzögerungswerten.

Technische Daten

  • Zweizylinder-Viertaktmotor
  • Bohrung 68 mm, Hub 68 mm, Hubraum 494 cm³
  • Leistung 18 kW / 24 PS

Siehe auch


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