BMW R 6
BMW R 5

Die BMW R 5 ist ein sportliches Zweizylinder-Motorrad des Herstellers BMW mit einem 500-cm³-Boxermotor und einer Leistung von 17 kW. Das Parallelmodell R 6 ist ein hubraumstärkeres, jedoch beim Motor einfacher aufgebautes Touren-Motorrad im gleichen Rahmen. Die R5 wurde von 1936 bis 1937 gebaut, die R6 1937.

Inhaltsverzeichnis

Konstruktionsmerkmale

Der Rahmen ist (entgegen den Vormodellen, die einen Blechpressrahmen hatten) aus oval und konisch gezogenen Stahlrohren erstmals unter Schutzgas verschweißt. Somit ist die R 5 der „Prototyp“ der BMW-Modelle bis 1955 (Spitzenmodell R 68). Sie gibt die elegante Linienführung der Modelle der 1950er-Jahre vor.

Die R 5 entstand als straßentaugliche „Replica“ der erfolgreichen BMW-Grand-Prix-Rennmaschine von 1935, ohne allerdings deren aufwendigen DOHC-Königswellenmotor mit Kompressoraufladung zu verwenden.

Schutzbleche, Tank und Felgen sind aus Stahlblech. Der Motorblock ist wie das Getriebe und das Kardangetriebegehäuse aus Aluminiumguss. Der Motor der BMW R 5 ist mit zwei Steckachsen im Rahmen gelagert. Die Auspufftöpfe sind mit Schellen an Motorachse und Rahmen befestigt; sie zeigen das bis in die 1950er-Jahre gängige "Fischschwanz"-Aussehen mit senkrechtem Schlitzauslass.

Motor

Der Motor der R 5 hat zwei kettengetriebene Nockenwellen für die OHV-betätigten Ventile. Die Motoren der R 5 haben neben der Motorschmierung auch (separat zu prüfende und zu wechselnde) Ölfüllungen für jeden Zylinderkopf.

Das 600er Touren-Parallelmodell R 6 hat trotz höherem Hubraum einen schwächeren, einfacher aufgebauten Motor mit Seitenventilen (SV) und war mit dem hohen Drehmoment bei niedrigeren Drehzahlen eher für einen Gespannbetrieb vorgesehen.

Der Motorblock ist wie das Getriebe und das Kardangetriebegehäuse aus Aluminiumguss. Der Motor ist ein längslaufender Zweizylinder-Boxer-Viertakt-Motor mit außen über den Zylindern in verchromten Hülsen geführten Stößelstangen (OHV-Motor). Die Stößelstangen bewegen die Kipphebel im Zylinderkopf, die ihrerseits die hängenden Ventile betätigen. Die Kipphebel sind wie die beiden Pleuel in Nadellagern gelagert; die Kurbelwelle läuft in Kugellagern. Die Nockenwellen werden über eine Steuerkette von der Kurbelwelle angetrieben. Die Ölpumpe befindet sich im Gehäusesumpf und ist eine einfache Zahnradpumpe, die von der rechten Nockenwelle durch eine Schneckenrad-Untersetzung über eine Zwischenwelle angetrieben wird.

Getriebe

Auf dem hinteren Kurbelwellenstumpf sitzt die Schwungscheibe, welche die Einscheibentrockenkupplung aufnimmt. Die Kupplung wird mit Axiallager über eine Druckstange betätigt, die durch die hohle Getriebehauptwelle verläuft. Das Getriebe besitzt vier klauengeschaltete Gänge und ist das erste serienmäßige BMW-Motorradgetriebe mit Fußschaltung, wie es vorher bei BMW nur in den Rennmaschinen verwendet wurde. Zusätzlich zur Fußschaltung befindet sich auf der rechten Seite des Getriebes noch ein Handschalthebel, mit dem nicht nur jeweils ein Gang weiter, sondern jeder Gang direkt gewählt und auch z. B. direkt vom vierten Gang in den Leerlauf geschaltet werden kann.

Zündung und Lichtmaschine

Auf dem Motorgehäuse sitzt unter einem ab 1937 zur besseren Kühlung gerippten Aluminiumdeckel die spritzwasserdicht gekapselte Bosch-Gleichstrom-Lichtmaschine vom Typ RD 45/6 2800 RS 15 (RS 21 bei der R 6) mit Laderegler. Die Zündanlage ist eine Bosch-Batteriezündung mit Zündverteilung über Schleifring (VU 2 DL 9 bei der R6, VU 2 DR 7 bei der R 5) mit manueller Verstellung der Vorzündung, von der linken Nockenwelle angetrieben. Das Motorrad kann demnach nicht mit leerer Batterie (bzw. ohne Batterie) mit dem Kickstarter gestartet werden. Es lässt sich jedoch anschieben und dann fahren, da die Gleichstromlichtmaschine im Gegensatz zu einer Drehstromlichtmaschine auch ohne Batterie Strom erzeugen kann und der Laderegler dabei nicht zerstört wird. Der Bleiakku ist ungekapselt auf einem Halter am Rahmen hinter dem Getriebe befestigt.

Vergaser, Luftfilter

Die beiden Vergaser sind Fischer-Amal-Schwimmerkammervergaser mit konischer Nadel im Rundschieber. Das Nass-Luftfilterelement sitzt ab Baujahr 1937 auf dem Getriebegehäuse: ein Stahlnetz, an dem der Staub sich beim Ansaugen der Luft festsetzt, das zu Wartungszwecken ausgewaschen und dann mit Öl neu benetzt wird.

Antrieb

Der Antriebsstrang besteht aus der offen laufenden Kardanwelle und dem Kegelradgetriebe am Hinterrad.

Fahrgestell und Fahrwerk

Das Fahrgestell ist ein Doppelschleifen-Rohrrahmen noch ohne eine Federung des Hinterrades. Die Telegabel wurde erstmals mit einer Öldämpfung, die verstellbar ist, ausgerüstet. Hierzu kann während der Fahrt stufenlos ein Verstellhebel an der oberen Gabelbrücke umgestellt werden, von harter bis weicher hydraulischer Dämpfung.

Räder

Die R 5 ist mit schmalen Halbnabenbremsen ausgerüstet; die schlechten Verzögerungswerte dieser sogenannten „Dosendeckelbremsen“ sind in der heutigen Zeit mit Vorsicht zu betrachten und durch vorausschauende Fahrweise zu berücksichtigen.

Technische Daten

R 5 R 6
Bauzeit 1936 bis 1937
Bauart Zweizylinder-Boxer mit Kardan
Motor OHV-Boxer SV-Boxer
Bohrung x Hub (mm) 68 x 68 70 x 78
Hubraum 494 cm³ 594 cm³
Leistung 18 kW (24 PS) 12 kW (18 PS)
bei 4800/min
Vmax 140 km/h 125 km/h
Leergewicht ca. 165 kg
Gesamtgewicht --- kg
Tankinhalt 15 Liter

Veteran

Die BMW R 5 ist wegen der frühen Vorbildfunktion für praktisch alle BMW-Motorräder ab der Mitte der 1930er- bis zum Ende der 1960er-Jahre ein extrem begehrtes Oldtimer-Fahrzeug. Der Wert einer R 5 wird nur noch von besterhaltenen BMW R 68 übertroffen (bzw. von den nicht mehr gehandelten Ikonen der BMW R 17). In der Optik der BMW R 5 findet sich prototypisch das Aussehen mehrerer Generationen von BMW-Motorrädern angelegt. Insbesondere die Telegabel vorn und der runde Schwung des Rahmenheckrohrbogens sind klassische Merkmale der BMW-Motorräder und werden von Liebhabern besonders geschätzt. Die Nachteile der R 5, der etwas anfällige Motor mit kettengetriebenen zwei Nockenwellen, die mehreren Ölfüllungen für Kurbeltrieb, Getriebe, Kardanantrieb und zwei einzelne Zylinderköpfe fallen nicht zu sehr ins Gewicht; deutlich weniger günstig jedoch ist (mangels Fliehkraftverstellung) die Notwendigkeit, die Zündung parallel zu Drehzahl und Motorlast von Hand zu justieren, was ein großes Maß an Übung erfordert und bei Fehlbedienung die Gefahr eines schweren Motorschadens birgt. Eine R 5 zu fahren ist daher Sache eines Experten.

Siehe auch


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