BPW Bergische Achsen Kommanditgesellschaft
BPW Bergische Achsen KG
BPW-Logo.svg
Rechtsform KG
Gründung 15. Juli 1898[1]
Sitz Wiehl, NRW, Deutschland
Leitung Uwe Kotz,
Michael Pfeiffer,
Irmgard Scherer,
Dr. Bert Brauers,
Uwe Frielingsdorf,
Dr. Frank Sager,
Markus Schell
Mitarbeiter über 1.600 (in Wiehl)
rund 5.000 (weltweit)
Umsatz 810 Mio. Euro im Jahr 2010 (konsolidiert)
Branche Metallverarbeitung
Produkte Anhängerachsen und Fahrwerksysteme
Website www.bpw.de

BPW Bergische Achsen Kommanditgesellschaft entwickelt und produziert als weltweit operierender Zulieferer der Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie komplette Fahrwerksysteme für die Auflieger- und Anhängerbranche. Mit über 100-jährigem Know-how stellt BPW Fahrwerke für den Schwerlastbereich, für landwirtschaftliche Fahrzeuge und Maschinen, für PKW- und Leicht-LKW-Anhänger, für Caravans, für Industrie- und Arbeitsmaschinen für Kunden in der ganzen Welt her. Schwere Achsen (Achslast über 5,5 t) für Lkw-Anhänger und Auflieger bilden den Schwerpunkt der Produktion und werden neben Deutschland in BPW eigenen Werken in Italien, Ungarn, Südafrika und China gefertigt. Die Produktpalette reicht von Achsen mit Trommel- und Scheibenbremsen über Luft- und Blattfederungen bis hin zu Pendel- und Lenkachsen. Mit mehr als 12 Millionen verkauften Achsen, 400 Patenten und 2500 Innovationen ist BPW in diesem Kerngeschäft die Nummer 1 in Europa. Stammsitz des Unternehmens ist Wiehl, 50 Kilometer östlich von Köln.

Inhaltsverzeichnis

Firmengeschichte

Am 15. Juli 1898 gründeten Otto Nohl, Carl Ferdinand Reusch, Ernst Gustav Reusch und Friedrich Zapp die Bergische Patentachsenfabrik GmbH in Wiehl. Nohls Gesellschafteranteil finanzierte sein Schwiegervater Gustav Friedrich Kotz sen. 12 Mitarbeiter begannen am 3. Oktober mit der Fertigung von Eisenachsen für Kutschen, Ackerwagen und Speditionsfuhrwerke. Neben den täglich mit Wagenfett zu schmierenden Achsen stellte BPW Patentachsen her, die eine Öl-Dauerschmierung besaßen. Im Jahr 1900 schieden Carl Ferdinand und Ernst Gustav Reusch aus dem Unternehmen aus und verkauften ihre Geschäftsanteile an Otto Nohl und Friedrich Zapp.

Am 1. Oktober 1901 trat Nohls Schwager Gustav Friedrich Kotz jun. in das Unternehmen ein und wurde am 1. April 1902 Geschäftsführer. Er kaufte die Geschäftsanteile von Friedrich Zapp. Im gleichen Jahr knüpfte Gustav Friedrich Kotz erste Geschäftskontakte mit Kunden in den Niederlanden und Dänemark.

Zwischen den Jahren 1903 und 1907 entwickelte das Unternehmen die neuartige NOKO-Patentachse, welche von der Fachpresse "als epochemachende Erfindung" gepriesen wurde. Im Verlauf des Ersten Weltkrieges wurden Gustav Friedrich Kotz und Teile der Belegschaft zum Kriegsdienst eingezogen. Bis zum Kriegsbeginn hatte die BPW seit ihrer Gründung 313.300 Achsschenkel produziert. Neben Schmier- und Patentachsen produzierte das Unternehmen Gleitlagerachsen für Militärfuhrwerke. Nachdem Otto Nohl schwer erkrankte, wurde Gustav Friedrich Kotz vom Militärdienst befreit und übernahm dessen Geschäftsanteile. Er wurde nun alleiniger Inhaber der BPW. Der Betrieb beklagte 14 gefallene Mitarbeiter.

Im Jahr 1924 rüstete das Unternehmen erstmals eine Achse mit Kegelrollenlagern in Zusammenarbeit mit SKF aus. Gegenüber anderen Achssystemen erzielte die BPW eine Zugkraftersparnis von 50 Prozent, eine Schmiermittelersparnis von bis zu 80 Prozent sowie eine Kraftstoffersparnis von rund 10 Prozent. Bei gleicher Zugkraft konnten Rollenlagerachsen um die Hälfte mehr beladen werden und schneller fahren, da sich ihre Lager nicht so schnell erwärmen.

1929 wurde der BPW ein neues Warenzeichen eingetragen. Es zeigt in einem Kreis die Buchstaben BPW mit einer Achse und zwei Rädern auf einer gepflasterten Straße. In modifizierter Form wird diese Logo noch heute gebraucht. Mittlerweile belieferte das Unternehmen Kunden in Argentinien, Brasilien, Chile, Frankreich, Italien, Kroatien, Polen, Spanien, Südafrika, Tschechien und Ungarn.

Mitte der 1930er Jahre wurde ein privater Gleisanschluss an die Wiehltalbahn am gegenüberliegenden Steinbruch Harschlenke geschaffen. Eigentlich hatten beide Firmen einen eigenen Anschluss beantragt, die Reichsbahndirektion Elberfeld wollte aber nur einen Anschluss genehmigen und tat dies nur unter der Auflage, dass die andere Firma den Anschluss mitbenutzen solle. Der Anschluss am Steinbruch wurde schließlich genehmigt, blieb aber nur 10 Jahre in Betrieb und wurde dann bis zur Fertigstellung des eigenen Anschlusses der Achsenfabrik im Jahre 1949 von dieser weiter genutzt.

Die BPW wurde 1937 in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt. Der Firmenname lautete nun Bergische Achsenfabrik Fr. Kotz & Söhne. Der Betrieb beschäftigte erstmals mehr als 1000 Mitarbeiter. Neben Verkaufsstellen in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und Leipzig eröffnete die BPW Zweigstellen in Breslau, Königsberg, Stettin und Wien.

Am 1. September 1939 begann Hitler den Zweiten Weltkrieg mit dem Polenfeldzug. Die von der BPW belieferten Fahrzeugbauer produzieren überwiegend militärische Anhänger, Geschützlafetten und Scheinwerferwagen sowie in geringem Umfang auch zivile Anhänger. Seit 1942 war die Produktion rückläufig und im November 1944 kamm der Export zum Erliegen. Von den einst 1327 Mitarbeitern beklagte die BPW 201 gefallene und 62 vermisste Angestellte. Bereits im Juli 1945 erhielt das Unternehmen wieder eine begrenzte Fertigungserlaubnis von den alliierten Behörden.

Nachkriegsgeschichte

1948, im Jahr des 50-jährigen Firmenjubiläums, starb Gustav Friedrich Kotz. Sein Sohn Fritz Kotz übernahm die Geschäftsführung.

1958 begann die BPW mit der Serienfertigung von Vierkanthohlachsen für LKW-Anhänger. Gegenüber den bis dahin weit verbreiteten Achsen mit massivem Querschnitt sind die Vierkanthohlachsen deutlich leichter und dennoch höher belastbar. Ein Jahr später präsentierte die BPW auf der IAA erstmals eine Luftfeder-Kurbelachse für LKW Anhänger, 1967 folgte die Luftfederachse mit Schlauchrollbalg.

1961 trat Christian Peter Kotz in die BPW ein. Uwe Kotz folgte ihm 1968. Die Brüder führen das Unternehmen seit dem Tod ihres Vaters Fritz Kotz im Jahre 1980 weiter. Bis zum Jahr 1990 gründete und übernahm die BPW Vertriebsgesellschaften in Australien, Dänemark, Finnland, Großbritannien, Italien, Norwegen, Schweden, Schweiz, Singapur, Südafrika und Spanien. Darüber hinaus entstanden Fertigungsstätten in Australien und Südafrika. Gleichzeitig führte der Betrieb ein neues System der Material- und Produktionskontrolle ein. Die sogenannte „dokumentierte Fertigung“ sichert eine detaillierte Erfassung und Auswertung aller wichtigen Produktionsmerkmale und garantiert somit die Rekonstruktion jeder Herstellungsstufe - es handelte sich sozusagen um die Vorläufer eines Qualitätsmanagementsystemes.

1994 erfolgte die Umbenennung in BPW Bergische Achsen Kommanditgesellschaft.

Ebenfalls 1994 wurde der private Gleisanschluss an der Wiehltalbahn stillgelegt, der Transport wurde danach vollständig auf die Straße verlagert. Allerdings kündigte nicht BPW den Anschluss, sondern die Deutsche Bahn, um die Stilllegung einzuleiten. Zuvor war die BPW der wichtigste und umsatzträchtigste Kunde der Wiehltalbahn. Der Gleisanschluss wurde daraufhin abgebaut. Nach Stilllegung des Gleisanschlusses wurde der Bau eines neuen Logistikzentrums nötig, das im Jahr 2000 fertiggestellt wurde.

BPW nimmt seit 1995 am Öko-Audit-System der EU teil. Die EMAS (Öko-Audit-Verordnung) wurde bei der BPW 2001 mit der Zertifizierung nach DIN ISO 14001 abgelöst.

1998 wurde Michael Pfeiffer neben Christian Peter und Uwe Kotz persönlich haftender Gesellschafter. Des Weiteren wurde im Jahr des 100-jährigen Firmenjubiläums die weltweit erste KTL-Beschichtungsanlage für LKW-Anhängerachsen in Betrieb genommen sowie das Tochterunternehmen BPW Italia zur Herstellung von Lenkachsen gegründet. Die Fertigungsanlagen in Wiehl wurden modernisiert. 2009 wurde Irmgard Scherer in den Kreis der persönlich haftenden Gesellschafter aufgenommen.

2011 hat sich Christian Peter Kotz, nach 50 Jahren erfolgreichen Wirkens, aus der aktiven Geschäftsführung zurückgezogen.

Uwe Kotz, Irmgard Scherer und Michael Pfeiffer werden BPW als persönlich haftende Gesellschafter weiterführen. Um der bedeutenden Marktposition der BPW im internationalen Geschäft gerecht zu werden, wurde die operative Geschäftsleitung neben Dr. Bert Brauers, wie bisher verantwortlich für den Vertrieb, erweitert um Uwe Frielingsdorf (Leiter Finanzen und Versicherungen), Dr. Frank Sager (Leiter Konstruktion, Entwicklung und Versuch) und Markus Schell (Leiter Unternehmensplanung).[2]

Firmenmuseum

Das firmeneigene Museum Achse, Rad und Wagen erzählt (mit Ausnahme der Eisenbahn) die Geschichte diverser Transportmittel.

Auszeichnungen

  • Von 2005 an gewann das Unternehmen fünfmal den jährlich vergebenen Imagepreis "Beste Marke" in der Kategorie Trailerachsen [3]

Einzelnachweise

  1. http://www.bpw.de
  2. http://www.bpw.de/presse/pressemitteilungen/index.html
  3. Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.

Weblinks


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