BSG Motor Stralsund

Der TSV 1860 Stralsund ist ein Sportverein in der Hansestadt Stralsund.

Inhaltsverzeichnis

Vorläufer

Zunächst ausschließlich als Männerverein wurde am 17. August 1860 der Turn- und Sport-Verein Stralsund gegründet. Erst 1899 ließ der Verein die Gründung einer Frauenabteilung zu. Er nahm eine günstige Entwicklung, 1935 waren über 1100 Mitglieder registriert. Mit Ausnahme der Jahre 1924 bis 1930 unterhielt der TSV auch eine Fußballabteilung, die aber nie überregional bekannt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste der TSV in Folge des von der sowjetischen Besatzungsmacht initiierten allgemeinen Vereinsverbots aufgelöst werden. Im Rahmen des zugelassenen Sportbetriebs auf lokaler Ebene gründeten Stralsunder Sportler 1946 die Sportgemeinschaft Stralsund. Als der Sport in Ostdeutschland auf die Basis von Betriebssportgemeinschaften (BSG) umgestellt wurde, wurde als eine der ersten am 27. September 1948 die BSG Volkswerft Stralsund gegründet. Kurzfristig wurde sie in BSG Anker und schließlich 1952 in BSG Motor Stralsund umbenannt. Mit Hilfe der wirtschaftsstarken Volkswerft als Trägerbetrieb wurde sie schnell zur größten Sportgemeinschaft der Hansestadt, und bot 1955 schon Sport in 20 Abteilungen an. Die Mitgliederzahl wurde von 689 im Jahr 1955 auf etwa 1300 im Jahr 1960 und auf 2395 im Jahr 1980 gesteigert. Zu den erfolgreichsten Sektionen gehörte die Sportarten Gewichtheben und Ringen.

Neugründung

Nach der Änderung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Folge der politischen Wende von 1989 entfiel für die Betriebssportgemeinschaft die weitere Trägerschaft durch die Werft. Die BSG-Mitglieder nahmen daraufhin die Gelegenheit wahr, nach dem bundesdeutschen Recht einen bürgerlichen Verein zu gründen. In Rückbesinnung auf alte Zeiten gaben sie ihm in der Gründungsversammlung am 17. August 1990 den traditionellen Namen TSV 1860 Stralsund. Auf eine solide Basis gestellt, konnte der Verein an die sich ebenso gut entwickeln, wie ehemals die BSG. Seine Mitgliederzahl stieg auf fast 700 Sportler an, die sich in elf Abteilung und Sportgruppen betätigen können. Es werden unter anderem Fußball, Gewichtheben, Leichtathletik, Volleyball, Radsport und Tischtennis angeboten.

Fußball

Die Fußballmannschaft der SG Stralsund bzw. ihrer Nachfolger spielte zunächst in der Landesklasse Mecklenburg-Vorpommern und nach Abschaffung der Länder zugunsten der DDR-Bezirke in der Bezirksliga Rostock. Als BSG Motor wurde die Mannschaft 1955 Bezirksmeister und qualifizierte sich dadurch für die drittklassige II. DDR-Liga. Es folgte bis 1962 ein Wechselspiel zwischen dritter und vierter Spielklasse, und als es schien, dass sich Stralsund mehr als zwei Jahre in der II. DDR-Liga halten könnte, wurde diese aufgelöst, und der eigentlich gute sechste Platz am Ende der Saison 1962/63 bedeutete die Rückstufung in die Bezirksliga. Dort wartete die BSG drei Jahre, ehe 1966 mit der nun schon vierten Bezirksmeisterschaft der Aufstieg in zweitklassige DDR-Liga gelang. Doch wieder konnte die Klasse nicht gehalten werden, und in der nächsten Saison wurde Stralsund bis in die viertklassige Bezirksklasse durchgereicht. Nach dem prompten Wiederaufstieg spielte Motor Stralsund neun Jahre lang wieder in der Bezirksliga. Zwischenzeitlich wurde die BSG Motor zusätzlich dadurch geschwächt, dass sie zur Stärkung der von Rostock umgesiedelten Armeesportgemeinschaft Vorwärts die meisten Jugendmannschaft abtreten musste. Der fünften Bezirksmeisterschaft 1978 folgte abermals ein erfolgloses Gastspiel in der DDR-Liga, ebenso wie in der Saison 1983/84. 1989 trat der kuriose Umstand ein, dass Motor Stralsund als Tabellensechster in die DDR-Liga aufsteigen konnte, weil die besser platzierten Mannschaften keine Aufstiegsberechtigung besaßen bzw. auf den Aufstieg verzichteten. In der letzten Saison der DDR-Liga 1989/90 erreichte Stralsund Platz 10 und qualifizierte sich damit für die Liga des neu geschaffenen Nordostdeutschen Fußballverbandes. Der noch junge TSV 1860 sah sich im Laufe des Jahres 1990 nicht mehr in der Lage, eine überregional spielende Fußballmannschaft zu unterhalten und zog deshalb mitten in der Saison die Mannschaft aus dem Spielbetrieb zurück. Als formeller Absteiger spielte der TSV 1991 in der Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern, wo er sich in den Folgejahren stets im Vorderfeld platzieren konnte. Als sich im Juli 1994 die Fußballspieler dem kurz zuvor gegründeten FC Pommern anschlossen, stellte die Abteilung Fußball des TSV ihren Betrieb ein. Sie lebte erst im Jahr 2000 wieder auf, als ein Teil der Spieler des FC Pommern, der auch nicht über das Verbandsliga-Niveau hinaus gekommen war, wieder zum alten Verein zurückkehrten. Als neu angemeldete Mannschaft musste der TSV ganz unten in der 1. Kreisklasse anfangen, doch mit dem ehrgeizigen Trainer Axel Duggert gelang innerhalb von vier Jahren der Aufstieg in die siebtklassige Bezirksliga Nord.

Ligastatistik

  • Landesklasse Mecklenburg-Vorpommern: 1946 - 1951
  • Bezirksliga Rostock: 1952/53 - 1954/55, 1957*,1960*, 1963/64 - 1965/66, 1967/68, 1969/70 - 1977/78, 1979/80 - 1982/83, 1984/85 - 1988/89
  • II. DDR-Liga: 1956*, 1958*, 1959*, 1961/62
  • DDR-Liga: 1966/67, 1978/79, 1983/84, 1989/90, NOFV-Liga 1990/91
  • Bezirksklasse Rostock: 1968/69
  • Landesliga Mecklenburg-Vorpommern: 1991/92 - 1993/94
  • Bezirksliga Mecklenburg-Vorpommern: seit 2004/05

(*zwischen 1956 und 1960 war die Fußballsaison dem Kalenderjahr angeglichen)

Logohistorie

Gewichtheben

Zu den erfolgreichen Sportarten zählte in den 1950er Jahren noch das Ringen, später immer mehr das Gewichtheben. Die Gewichtheber erreichten von 1948 an über 90 Medaillenplätze bei Olympischen Spielen und Welt- und Europameisterschaften, dazu über 120 Verbandsmeisterschaftstitel. Zu den erfolgreichsten Gewichthebern zählten Jürgen Heuser, Helmut Losch und Andreas Behm. In den Jahren 2000, 2001, 2004 und 2005 wurden die Gewichtheber Deutscher Meister, 2002 und 2003 Vize-Meister.

Schach

Schach wurde im Verein ab 1952 gespielt. Seit 1963 trägt der Verein den Ostseepokal aus, ein internationales Blitzschach-Turnier für Mannschaften. Zweimal spielte Stralsund in der Oberliga, der damaligen 2. Liga der DDR. Dirk Poldauf, ein Spieler Stralsunds, wurde zweimal DDR-Jugendmeister. 1990 fusionierte die Schachsektion mit der Schachabteilung des Polizeisportvereins Stralsund. In den 1990er-Jahren spielte die Jugendabteilung in der Jugendbundesliga.[1]

Erfolgreiche Athleten des Vereins

Sonstiges

Im April 2005 erregte die Affäre um den Vereinsvorsitzenden Claus-Peter Schoschies Aufsehen. Dieser hatte über Jahre Auftritte und Erfolge bei internationalen Problemschach-Wettkämpfen vorgetäuscht und war aufgrund dieser angeblichen Erfolge gerade erst zum "Sportler des Jahres" in Stralsund und in Mecklenburg-Vorpommern gewählt worden.

Weblinks

Fußnoten

  1. Chronik der Schachabteilung

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