BSG Schuhmetro Weißenfels-Mitte
Logo des 1. FC Weißenfels

Der 1. FC Weißenfels ist ein deutscher Fußballverein in der sachsen-anhaltischen Stadt Weißenfels.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Die Anfänge des Weißenfelser Fußballs gehen auf den Weißenfelser FC Preußen 1900 zurück. Aus ihm entstand die Turn- und Rasensportvereinigung, dessen Fußballspieler ab 1920 zu registrieren sind. Sie spielten ab 1929 in einem der schönsten deutschen Fußballstadien, das aus einer seit 1926 bestehenden Rennbahn umgebaut worden war und 20.000 Zuschauer fasste.

Betriebssportgemeinschaft Fortschritt

1946 fiel die Sportvereinigung unter das Vereinsverbot der Besatzungsmächte, und an ihrer Stelle wurde die Sportgemeinschaft (SG) Weißenfels-Süd gegründet. Nach Wiederaufnahme des geregelten Sportverkehrs, der zuerst nur auf Kreisebene gestattet wurde, spielte die Fußballmannschaft der SG in der Kreisliga, ab 1948 in der Landesklasse Sachsen-Anhalt. Als im Jahre 1950 der Sportbetrieb in der DDR auf Betriebssportgemeinschaften (BSG) umgestellt wurde, wandelte sich die SG Weißenfels-Süd in die BSG Schuhmetro Weißenfels um. Der finanzierende Trägerbetrieb war der später größte DDR-Schuhfabrikant VEB Schuhfabrik „Banner des Friedens“. Nach der Einrichtung von zentralen nach Industriezweigen geordneten Sportvereinigungen nannte sich die BSG am 1. April 1951 als Zeichen der Zugehörigkeit zur Leicht- und Textilindustrie in BSG Fortschritt um. Neben der Fußballsektion entwickelte sich hier eine lange Zeit den DDR-Damenhandball dominierende Mannschaft, die zwischen 1955 und 1964 15 DDR-Meistertitel im Feld- und Hallenhandball errang.

Die erfolgreichen 1950er Jahre

Die Fußballmannschaft hatte 1950 den dritten Platz in der Landesklasse erkämpft und sich damit für die zweitklassige DDR-Liga qualifiziert. Dort spielte sie von Anfang an eine gute Rolle und belegte in den folgenden vier Spielzeiten Plätze zwischen 4 und 2. Am 14. Juni 1953 wurde Alfred Reinhardt als halbrechter Stürmer in der DDR-Nationalmannschaft eingesetzt, die in Dresden ein 0:0 gegen Bulgarien erzielte. Reinhardt blieb Weißenfels einziger Fußballnationalspieler. Mit Beginn des Spieljahres 1954/55 übernahm Werner Pytlick das Training der Weißenfelser. Pytlick kam aus Duisburg-Meiderich, wo er beim Meidericher SV in der westdeutschen Oberliga gespielt hatte. Er verschärfte das Training, und am Ende der Saison hatte die Mannschaft den ersten Platz in der Liga-Staffel 2 und den damit verbundenen Aufstieg in die DDR-Oberliga errungen. Im Laufe der Saison war die Sportgemeinschaft im Zuge der Sportklubbildung im DDR-Sport als Schwerpunktklub der Sportvereinigung Fortschritt am 21. Dezember 1954 als SC Fortschritt aufgewertet worden. Da 1955 der Fußballspielbetrieb auf das Kalenderjahr umgestellt wurde, musste der SC im Herbst des Jahres die bedeutungslose Übergangsrunde absolvieren, in der er den 7. Platz belegte. Obwohl Trainer Pytlick aus Unmut über die politische Gängelung Anfang 1956 den Klub wieder verließ, konnten sich die Weißenfelser in den folgenden Spielzeiten in der obersten Liga gut behaupten und erreichten in der Saison 1959 mit Platz 6 ihr bestes Ergebnis. Ihre gute Form in diesem Jahr bewiesen sie auch mit dem Vordringen bis in das Viertelfinale des DDR-Pokals (FDGB-Pokal). Nachdem man im Achtelfinale beim Vorjahreszweiten SC Motor Jena mit 4:2 gewonnen hatte, war erst nach einem 0:1 gegen die BSG Motor Zwickau Schluss. In das inzwischen in „Otto-Müller-Kampfbahn“ umgetaufte Stadion kamen durchschnittlich 8.000, in Spitzenspielen bis zu 15.000 Zuschauer.

Stammelf 1959
Name Alter Position Saisonspiele späterer Werdegang
Hans-Günther Tuszynski 23 Tor 22 1961 Motor Zwickau
Dieter Gänkler 23 Rechtsverteidiger 26
Diethard Stricksner 21 Stopper 24 1961 Motor Jena
Harry Wiesemann 32 Linksverteidiger 26 1960 Karriereende
Heinz Elzemann 25 Rechter Läufer 26
Wolfgang Blatt 26 Linker Läufer 19
Alfred Reinhardt 31 Rechtsaußen 17 1961 Karriereende
Hans Ackermann 30 Halbrechts 26
Eberhard Dallagrazia 22 Mittelstürmer 25
Karl Meyer 26 Halblinks 24
Heinz Degenkolbe 21 Linksaußen 26

Vom Oberligisten zum Bezirksligisten (1960–1989)

Völlig überraschend kam 1960 der krasse Niedergang. Ohne Sieg aber mit hohen Niederlagen (0:7 gegen Empor Rostock und 1:7 gegen Dynamo Berlin) landete Fortschritt am Ende der Saison auf dem letzten Tabellenplatz. Auch in der DDR-Liga-Saison 1961/62 wurden die Weißenfelser bis zum vorletzten Tabellenplatz durchgereicht, entgingen aber dem erneuten Abstieg, da die DDR-Liga von einer auf zwei Staffeln erweitert wurde. Trotzdem erlebten die Fortschritt-Sportler einen Abstieg anderer Art. Als im Laufe des Jahres 1961 die DDR-Sportfunktionäre die Sportklubs neu organisierten, verlor Weißenfels trotz der hervorragenden Leistungen seiner Handballerinnen den Klubstatus zugunsten des SC Chemie Halle, dem neuen Schwerpunktklub des Bezirkes. Zwei Jahre lang konnten sich die Fußballer der so zurückgestuften Betriebssportgemeinschaft Fortschritt im Mittelfeld der DDR-Liga halten bis 1966 erneut der Sturz ans Tabellenende folgte. Zwar konnte die Mannschaft nach einem Jahr in der Bezirksliga Halle wieder aufsteigen, stieg jedoch postwendend wieder ab. Bis zum Ende des DDR-Fußballs verblieb Fortschritt Weißenfels in der drittklassigen Bezirksliga.

1. FC Weißenfels

Nach dem Ende der DDR wurde 1990 in Ostdeutschland wieder die Gründung bürgerlicher Vereine möglich. Mitglieder der bisherigen Betriebssportgemeinschaft Fortschritt gründeten daraufhin in Rückbesinnung auf die alte Sportvereinigung 1861 den neuen Verein Sportclub Weißenfels 1861. Dessen 1. Fußballmannschaft wurde mit Beginn der Spielzeit 1990/91 in die Landesliga Sachsen-Anhalt (5. Liga) eingestuft. Als der Sportclub 1992 in finanzielle Schwierigkeiten geriet, spaltete sich die Fußballabteilung ab und gründete den 1. FC Weißenfels. Bis auf das Jahr 1998 konnte sich der FC in der Landesliga halten, stieg 2007 aber erneut in die Landesklasse ab.

Ligastistik

  • 1946–1948 Kreisliga Weißenfels
  • 1948–1950 Landesklasse Sachsen-Anhalt
  • 1950–1955 1. DDR-Liga
  • 1955–1960 DDR-Oberliga
  • 1961–1966 DDR-Liga
  • 1966/67 Bezirksliga Halle
  • 1967/68 DDR-Liga
  • 1968–1990 Bezirksliga Halle
  • 1990–2007 Landesliga/Verbandsliga Sachsen-Anhalt (1998/99 Landesklasse)
  • 2007/08 Landesklasse Sachsen-Anhalt

Erfolge und Titel

  • Viertelfinalist im FDGB-Pokal 1959
  • Bezirks-Pokalsieger 1975, 1980
  • Kreis-Pokalsieger 2001, 2002, 2003, 2004

Weblinks


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