BSVAG
Kombinierter Bus- und Straßenbahn-Bahnhof vor dem Hauptbahnhof

Die Braunschweiger Verkehrs-AG (BSVAG) besorgt den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) im Großraum Braunschweig mit mehreren Bus- sowie Straßenbahnlinien zusammen mit anderen Verkehrsunternehmen innerhalb der Verbundtarifs Region Braunschweig (VRB).

Das Unternehmen wurde 1879 unter dem Namen Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft gegründet, aus der die „Elektrizitätswerke und Straßenbahn Braunschweig AG“ hervorgingen, die wiederum 1937 in die „Stadtwerke“ umgewandelt wurden. Seinen heutigen Namen erhielt das Unternehmen 1972.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Anfänge

Die Geschichte des Personennahverkehrs in Braunschweig begann bereits in den 1870er Jahren. Die zu dieser Zeit betriebenen Buslinien wurden zunächst ausschließlich mittels Pferdeomnibussen befahren. Für den 10. Mai 1877 sind bereits drei Linien verzeichnet:

Eröffnungsdatum
Pferdeomnibus Strecken 1877
16.01.1873 Hauptbahnhof - Bankplatz – Kohlmarkt - Schuhstraße - Sack - Höhe – Hagenmarkt - Fallersleber Tor
02.02.1873 Holst Kaffegarten (Badetwete) - Augusttor - Hauptbahnhof - Bankplatz - Kohlmarkt - Altstadtmarkt - Radeklint - Amalienplatz)
10.05.1877 Holst Kaffegarten (Badetwete) - Augusttor - Hauptbahnhof - Bankplatz - Kohlmarkt - Schuhstraße - Höhe - Hagenmarkt - Fallersleber Tor

Nur zwei Jahre später, 1879, wurde die Straßen-Eisenbahn-Gesellschaft, der Rechtsvorgänger der heutigen Braunschweiger Verkehrs-AG gegründet. Im selben Jahr begann die Personenbeförderung mittels Pferdebahnen auf Lochschienen, ab 1881 auf Rillenschienen. Das Schienensystem wurden sukzessive ausgebaut, so dass 1893 bereits vier Strecken mit einer Gesamtlänge von 13,5 km betrieben wurden:

Eröffnungsdatum
Pferdebahn Strecken 1879
unbekannt Nordbahnhof - Bohlweg - Kohlmarkt - Friedrich-Wilhelm-Platz - Westbahnhof
unbekannt Fallersleber Tor - Casparistr. - Münzstr. - Bruchtorwall - Augusttor - Schloss Richmond
unbekannt Hauptfriedhof - Marienstift - Adolfstr. - Steinweg - Altstadtmarkt - Hohetor
unbekannt - Kohlmarkt - Altstadtmarkt - Petritor - Weißes Roß

Bis zum Zweiten Weltkrieg

18 Jahre nach der Gründung fuhr ab 1897 die er erste elektrisch betriebene Straßenbahn in Braunschweig. Sie verkehrte u.a. bis in das nahe gelegene Wolfenbüttel. Zusätzlich zum Personenverkehr wurde die Tram zwischen Braunschweig und Wolfenbüttel von 1899 bis 1921 für den Güterverkehr genutzt. Das Unternehmen betrieb seit 1902 zudem vierachsige Großraumwagen aus Amerika auf dieser Strecke. Eine Besonderheit der Braunschweiger Straßenbahn ist ihre Spurweite von 1100 Millimetern. In Deutschland gab es diese Spurweite nur noch in Lübeck und Kiel. Bis 1909 wurden zusätzlich weitere Strecken in Betrieb genommen. In diesem Jahr besaß Braunschweig bereits ein Straßenbahnnetz mit einer Gesamtlänge von 30,6 km:

Eröffnungsdatum
Straßenbahnlinie
Strecke
unbekannt 1 Schloss Richmond - Rathaus - Schützenhaus
unbekannt 2 Hauptbahnhof - Nordbahnhof
unbekannt 3 Ruhfäutchenplatz - Gliesmarode
unbekannt 4 Madamenweg - Rathaus - Marienstift/Hauptfriedhof
unbekannt 5 Ölper - Hauptbahnhof - Augusttor
unbekannt 6 Hauptbahnhofsvorplatz - Rathaus – Stadtpark
unbekannt 7 Westbahnhof - Rathaus - Kastanienallee
unbekannt A Augusttor - Wolfenbüttel Bahnhof

Die ersten Omnibusse wurden ab 1928 zu Personenbeförderung eingesetzt. Sie bedienen seither sowohl den innerstädtischen Personennahverkehr als auch den in der Region. Am 14. Oktober 1941 wurde der neue Betriebshof in der Georg-Westermann-Allee eingeweiht.

Nachkriegszeit

GT6S-Wagen auf dem Bohlweg

Obwohl während des Zweiten Weltkrieges zahlreiche Busse und Straßenbahnen, aber auch die Infrastruktur z. T. schwer beschädigt bzw. vollkommen zerstört worden waren, gelang es bereits im Mai 1945, nur wenige Wochen nach der Besetzung der Stadt durch amerikanische Truppen (12. April 1945), wieder eine erste Straßenbahnlinie im Stadtgebiet zu betreiben.

Die Verbindung nach Wolfenbüttel wurde 1954 eingestellt, was sich später als Fehlentscheidung herausstellte, wie auch die Einstellung des Schienenverkehrs nach Riddagshausen und nach Ölper (1963). Seit dieser Zeit gibt es keinen Schienennahverkehr über die Stadtgrenze mehr.

Aktuell

Seit dem 12.10.2008 gibt es ein neues Liniennetz. Neu eingeführt wurden die sogenannten Metrolinien, welche sowohl Bus- wie auch Straßenbahnlinien sein können. Metrolinien verbinden auf direktem Wege die wichtigsten Stadtteile mit der Innenstadt.

Einzelne Linien in der Stadt Braunschweig werden nicht von der Braunschweiger Verkehrs-AG, sondern von anderen Verkehrsunternehmen betrieben:

Ausführlichere Informationen unter: Nahverkehr in Braunschweig

Fahrzeugentwicklung

Wie andere Städte in Westdeutschland auch, begann auch dieser Verkehrsbetrieb seine Fahrzeugflotte nach dem Zweiten Weltkrieg zu modernisieren. Dem auf Fahrgestellen kriegszerstörter Zweiachs-Wagen hergestellten Aufbauwagen folgte der Verbandswagen, der als Neubau auf neuen Fahrgestellen verwirklicht wurde. Beide Fahrzeugtypen stellten eine Weiterentwicklung des Kriegsstraßenbahnwagens dar. Danach wurde sich ab 1957 dem Großraumwagen zugewandt. Diesen Weg ging auch Braunschweig.

Ab 1957 lieferte Linke-Hoffmann-Busch (LHB), heute Alstom, aus Salzgitter zehn vierachsige Triebwagen (2–8, 10–12) und zehn Beiwagen (201–207, 209, 210) an die BSVAG. Die Triebwagen wurden 1961 und 1962 bei Credé in Kassel und DWM in Berlin in sechsachsige Gelenkwagen umgebaut. Die Triebwagen waren später als 6252–6258 und 6260–6262 eingereiht worden, die Beiwagen als 5771–5777 und 5779, 5780.

Ebenso ab 1962 kamen die ersten Gelenkwagen von Düwag aus Düsseldorf. Diese Einrichtungswagen des Einheitstyp GT 6 bekamen die Betriebsnummern 31–35, später 6263–6267. LHB war wieder 1969 mit sechs Triebwagen des Typs GT 6 am Zuge, die einen recht eckig wirkenden Wagenkasten aufwiesen. (13–18, später 6951–6956).

Weitere Wagenkäufe gab es dann 1973 bis 1977. Diese verbesserte Version des GT 6 Duewag-Einheitswagens des Typs „Mannheim“ wurde in mehreren Jahreschargen beschafft. Wobei die ersten zwei Ziffern der Wagennummer das Beschaffungsjahr angeben:

  • 1973: 7351–7358
  • 1975: 7551–7556
  • 1977: 7751–7762

Dazu wurden auch Beiwagen (B 4) der Mannheimer Bauart geliefert:

  • 1974: 7471–7476
  • 1977: 7771–7776

Bei der 1977er Lieferserie handelt es sich um LHB-Lizenzbauten.

1981 wurde die neu entwickelte Wagenserie GT 6 und B 4 von LHB als „Stadtbahnwagen Typ Braunschweig“ in Dienst gestellt. Hier wurden 15 GT 6-Triebwagen (8151–8165) und vierzehn Beiwagen (8171–8182 und 8471–8472) beschafft.

1995 kamen die ersten Niederflurwagen nach Braunschweig. Zwölf Fahrzeuge des Typs GT6S von Adtranz wurden als 9551–9562 in Dienst gestellt.

2000 wurde nach einem schweren Unfall der LHB-Tw 7762 mit einem Niederflur-Mittelteil ausgerüstet. Er erhielt eine neue Antriebssteuerung und wurde im Fahrgastraum an das Design der 1995er Niederflurbahnen angepasst. Ursprünglich war eine Umrüstung von weiteren Bahnen geplant, wovon man jedoch aufgrund gestiegener Preise Abstand nahm. Somit ist dieser Wagen, der nun die Wagennummer 0051 trägt, ein Einzelgänger. Wegen seines Erscheinungsbildes hat der Wagen den Spitznamen "Hängebauchschwein" bekommen.

2007 sind 12 neue Niederflurwagen vom Typ NGT8D des Firmenkonsortiums Alstom LHB und Bombardier angeliefert worden. Wagen dieser Art verkehren in Magdeburg, Gera und Darmstadt. Für diese Wagen werden zurzeit die 1974er DUEWAG-Beiwagen umgebaut. Fertiggestellt ist seit Ende 2007 bereits der Beiwagen 7476. Ende 2008 kam 7475 dazu. Die Wagen 7471 und 7472 befinden sich im Umbau. Der erste Zug aus NGT8D und B4 verkehrt seit 13. Oktober 2008 regelmäßig im Linienbetrieb (0754 mit 7476, ebenso wie 0755 mit 7475 meist auf der Linie M3).

Alle Fahrzeuge ab Baujahr 1977 sind bis auf 7760 (verschrottet) und 8163 (verschrottet nach Unfall) heute noch in Braunschweig vorhanden. Die beiden letzten originalen DUEWAG-Züge aus Tw 7553 und Bw 7474 bzw. Tw 7554 und Bw 7473 sollten zum Liniennetzwechsel am 12. Oktober 2008 abgestellt werden, fahren aber momentan noch als Reserve (Stand 19.April 2009).

Weiterhin befinden sich die Triebwagen (Tw) 15 (6953; z.Zt. nicht fahrfähig), Tw 35 (6267), Tw 41 (7356; seit 2008), Tw 103 und Tw 113 sowie die Beiwagen (Bw) 201 (5771) und 250 als Museumswagen im Bestand der BSVAG. Für Tw 82 ist eine Restaurierung vorgesehen.

Künftige Entwicklung

Mit der geplanten RegioStadtBahn Braunschweig soll das Braunschweiger Umland nach dem Karlsruher Modell an die Innenstadt angeschlossen werden. In der Stadt werden Gleise der Braunschweiger Straßenbahn genutzt, im Umland werden Strecken der Deutschen Bahn befahren. Geplant sind Endpunkte in Salzgitter, Goslar, Bad Harzburg, Schöppenstedt, Gifhorn und Uelzen.

Da die Braunschweiger Straßenbahn eine Spurbreite von 1100 mm hat, muss die Innenstadtstrecke der RegioStadtBahn mit einem Dreischienengleis ausgerüstet werden. Die erste Stadtbahnlinie soll 2012/13 in Betrieb genommen werden. Da die Eisenbahnstrecken des Umlandes nicht elektrifiziert sind, werden Fahrzeuge angeschafft, die mit Diesel und Strom (600V und 15000V) angetrieben werden können.

Siehe auch

Literatur

  • Höltge, Dieter: Die Braunschweiger Strassenbahn; GeraMond Verlag, München; 1997; ISBN 3-932785-00-2

Weblinks


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