BVG-Baureihe G
U-Bahn Berlin
Kleinprofil-Baureihe G
GI/1E-Zug 1083 im Bombardier-Werk Hennigsdorf
Nummerierung: s.u.
Anzahl: 123 Doppeltriebwagen
Hersteller: LEW
Baujahr(e): 1974–1989
Achsformel: B'B'+B'B'
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Kupplung: 12.830 mm
Höhe: 3.190 mm
Breite: 2.360 mm
Drehzapfenabstand: 7.570 mm
Drehgestellachsstand: 1.850 mm
Leermasse: 37,0 t (GI/1)
Nutzmasse: 54,4 t (GI/1)
Höchstgeschwindigkeit: 62 km/h
Stundenleistung: 480 kW
Beschleunigung: 1,15 m/s²
Bremsverzögerung: 1,15 m/s² (elektrisch)
1,50 m/s² (pneumatisch)
Raddurchmesser: 820 mm
Stromsystem: 750 V DC
Stromübertragung: seitliche, von oben bestrichene Stromschiene
Anzahl der Fahrmotoren: 4
Antrieb: Zweiachslängsantrieb
Steuerung: Schützensteuerung
Kupplungstyp: Scharfenbergkupplung
Sitzplätze: 66
Stehplätze: 133
Fußbodenhöhe: 1.010 mm

Die Baureihe G der Berliner Verkehrsbetriebe ist die einzige in der DDR konstruierte Fahrzeugserie für das Kleinprofilnetz der Berliner U-Bahn. Die Fahrzeuge kommen fast ausschließlich auf der U2 zum Einsatz.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

Gisela und Gustav

Während für die Großprofillinie E (heutige U5) aus umgebauten Fahrzeugen der Berliner S-Bahn die EIII-Wagen entstanden, fuhren auf der Linie A (heutige U2) immer noch die Züge der Vorkriegsbaureihen AI und AII. Mit einem Alter von bis zu über 70 Jahren waren die Fahrzeuge Anfang der 1970er Jahre bereits an die Grenzen ihrer Lebensdauer gestoßen.

Das Problem bei der Beschaffung von Neubaufahrzeugen lag darin, dass sowohl ein Umbau von ehemaligen S-Bahnwagen der Baureihe 275 als auch eine Lieferung von Moskauer U-Bahnfahrzeugen nicht in Frage kam, da das kleine Profil der Wagen dem widersprach. Ergo mussten die Verkehrsbetriebe selbst den Bau einer eigenen Baureihe in Auftrag geben. 1974 wurde LEW „Hans Beimler“ in Hennigsdorf mit dem Bau einer solchen Baureihe beauftragt, die 1975 mit dem Prototyp G umgesetzt wurde. In Anlehnung zu seinem Kennbuchstaben erhielt der Prototyp den Namen Gustav. Das Fahrzeug wurde daraufhin an die BVB ausgeliefert, umfangreich getestet und auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1975 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Das Fahrzeug wurde, ähnlich wie die West-Berliner Baureihe A3 über alle Achsen angetrieben, der Wagenkastenaufbau orientiert sich jedoch an dem Triebwagen-Beiwagen-Prinzip, das heißt ein Triebwagen besitzt einen Führerstand am Wagenende, während der andere Triebwagen überhaupt keinen Führerstand besitzt. Als Folge daraus ist die kleinste, im Personenverkehr einsetzbare Einheit ein Vier-Wagen-Zug.

Der Prototyp wies bei den ersten Umläufen auf der Linie A noch manche Probleme auf. Die Konstrukteure feilten daraufhin an einem verbesserten Modell, welches die Serienreife erlangen sollte. Gustav wurde noch 1979 abgestellt, der Serie GI angepasst, 1993 ausgemustert und schließlich 1997 verschrottet.

GI-Serienhalbzug auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1982

Das Ergebnis war die wesentlich verbesserte Baureihe GI mit Spitznamen Gisela. Optisch unterscheiden sich die Serienfahrzeuge vom Gustav im Wesentlichen durch die charakteristischen Stirnleuchten, beim Prototyp war die Anordnung vom Typ EIII übernommen worden, bei den Serienfahrzeugen sind Front- und Zugschlussleuchten nebeneinander angeordnet. Die Auslieferung begann ab 1978, es bestand die Vorgabe sämtliche Altbaufahrzeuge der Reihen AI und AII bis 1984 durch die Giselas zu ersetzen, was in Anbetracht des enormen Alters der Vorkriegsfahrzeuge auch berechtigt war.

1983 mussten auf Grund von Exportverpflichtungen jedoch zehn Doppeltriebwagen ab Werk an die Vorortbahn Piräus–Athen–Kifissa geliefert werden. Da hier ein größeres Profil verwendet wurde, mussten an den Wagenkästen zur Überbrückung der Lücke zwischen Zug und Bahnsteigkante Ausgleichswulsten, so genannte „Blumenbretter“ angebracht werden. Die Fahrzeuge erhielten die Bezeichnung GII, kamen ab 1985 bereits nach Ost-Berlin zurück und wurden in die GI eingereiht. Ersetzt wurden sie durch ebenfalls von LEW hergestellte, an die G-Züge angelehnte, aber von MAN entwickelte Fahrzeuge, die nun ausschließlich auf der Athener Bahn zum Einsatz kommen sollten. Nach ihrem Vorbild erhielten sie die Bezeichnung GIII, die Fahrzeuge kamen nie in Deutschland zum Einsatz. Da der Export der GIII dem Staat Devisen brachte, hatte der Auftrag Vorrang gegenüber der Ablösung der AI und AII, somit konnte der für 1984 vorgesehene Termin der Ausmusterung nicht eingehalten werden.

Nachdem der Auftrag für Athen abgeschlossen wurde, produzierte LEW ab 1986 eine nochmals technisch verbesserte Version des GI, die die Bezeichnung GI/1 erhielt. Die Auslieferung dieser Wagen wurde 1989 abgeschlossen, am 5. November desselben Jahres wurden die letzten A-Wagen ausgemustert, zu diesem Zeitpunkt waren die ältesten Fahrzeuge bereits über 80 Jahre in Betrieb.

Werdegang nach der Wiedervereinigung

Inneneinrichtung eines GI/1E-Zuges. Zu erkennen sind unter anderem die hellgelben Griffstangen und das dunkle Sitzpolster, beide nach dem Corporate Design der BVG gestaltet

Zur Wende waren 119 Einheiten, bestehend aus 238 Einzelwagen im Einsatz. Für die Kleinprofillinie A (ab 1990 U2) reichte diese Anzahl vollkommen aus, es waren sogar noch mehrere Fahrzeuge im Überschuss. Begründet wurde dieser damit, dass im Notfall eine ausreichend große Reserve bereitstünde; bereits 1972 kam es zu einem Tunnelbrand am U-Bahnhof Alexanderplatz, bei dem 14 Einzelwagen vollständig ausbrannten.

Die Fahrzeuge kamen zunächst weiterhin auf der U2 zum Einsatz, später auch gelegentlich auf der ehemaligen Linie U15 (heutige U1). Schnell bemerkte man allerdings auch die ersten Mängel an den Fahrzeugen, die oftmals einfach stehen blieben. Die BVG wollten sich bereits von den Fahrzeugen trennen und veranlassten die Produktion der Baureihe A3L.92, die jedoch den Wagenpark nicht hätte komplett ersetzen können. Für die allerdings überschüssig gewordenen Fahrzeuge wurde schnell ein Abnehmer gefunden, die U-Bahn Pjöngjang. Neben 60 Doppeltriebwagen der Baureihe GI (darunter die ehemaligen GII aus Athen) übernahm die U-Bahn der nordkoreanischen Hauptstadt auch 108 Doppeltriebwagen der Baureihe D, die zuletzt auf der U5 zum Einsatz kamen. Über Wismar wurden die Fahrzeuge zu ihrem Einsatzort verschifft und, wiederum mit „Blumenbrettern“ versehen, den örtlichen Gegebenheiten angepasst.

1997 ertüchtigte die BVG bereits die ersten GI/1, sie wurden mit Lautsprecheransagen versehen, die Sitzpolster aus Kunstleder wurden gegen vandalismusresistente ausgetauscht, automatische Türknöpfe eingebaut und für den Zugführer-Selbstabfertigungs-Betrieb (ZSA) vorbereitet.

Am 8. Juli 2000 kam es während der Love Parade zu einem Brand im U-Bahnhof Deutsche Oper, bei dem ein GI-Zug ausbrannte. Daraufhin stellte die BVG sämtliche Fahrzeuge der Baureihe bis Dezember 2001 ab, da die Brandursache offensichtlich bei dem Fahrzeug lag. Die Wagen wurden bis zur Rückkehr in den Liniendienst wiederum ertüchtigt.

2004 beschloss die BVG nochmals eine umfassende Ertüchtigung der verblieben Giselas. Die Fahrzeuge sollen optisch dem Corporate Design der BVG angepasst und mit einem Mehrzweckabteil für Kinderwagen oder Rollstuhlfahrer ausgestattet werden. Des Weiteren werden je zwei Einheiten dauerhaft kurzgekuppelt, womit ein Vierwagenzug die kleinste betriebliche Einheit wird. Da dieses Muster dem der Baureihe HK ähnelt, wird in Zukunft auch entsprechende Nummerierung vorgenommen. Interessant ist, dass die knapp 20 Jahre alten Fahrzeuge durch den Einbau von fast 40 Jahre alten Komponenten (u. a. Fahrschaltereinheit) aus abgestellten Fahrzeugen des Typs DL „modernisiert“ wurden. Die ersten beiden Fahrzeuge wurden am 25. Oktober 2005 bei einem feierlichen Roll Out der Öffentlichkeit vorgestellt.

Wagenbauliches

Ausfahrt eines GI/1-Zuges am Bahnhof Gleisdreieck (U2)
Typ Lieferjahr Athen BVB BVG
G 1974 135 750–135 756
135 751–135 757
499–493
498–492
GI 1978 135 758–135 772
135 759–135 773
491–477
490–476
1979 135 774–135 778
135 775–135 779
475–471
474–470
1979 135 782–135 794
135 783–135 795
469–457
468–456
1980 135 796–135 832
135 797–135 833
455–419
454–418
1980 135 836
135 837
417
416
1981 135 838–135 852
135 839–135 853
415–401
414–400
1982 135 854–135 856
135 855–135 857
399–397
398–396
1983 135 858–135 862
135 859–135 863
395–391
394–390
GII 1983 102
202
135 866
135 867
389
388
1983 104–107
204–207
135 870–135 876
135 871–135 877
387–381
386–380
1983 108
201
135 878
135 879
379
378
1983 109–112
209–212
135 880–135 886
135 881–135 887
377–371
376–370
GI/1 1987 135 896–135 898
135 897–135 899
369–367
368–366
1988 135 900–135 938
135 901–135 939
365–327
364–326
1989 135 940–135 998
135 941–135 999
325–267
324–266

Der GI/1 besteht aus zwei je vierachsigen, untereinander kurzgekuppelten Triebwagen. Der Wagenkasten der Fahrzeuge wurde in Aluminium-Leichtbauweise erstellt unter Verwendung von Strangpressprofilen. Für die Seitenverkleidung wurden gesickte Aluminiumblech verwendet, die dem Fahrzeug die charakteristischen Züge verleihen.

Pro Doppeltriebwagen wurde nur insgesamt ein Führerstand vorgesehen, daher folgt die Unterscheidung in GIa und GIb. Der zweite Führerstand war nicht vorgesehen, da im Regelbetrieb der Vierwagenzug die kleinste Einheit bilden sollte.

Bei den Fahrzeugabmessungen orientieren sich die G-Wagen stark an denen der AI und AII, ebenfalls sind nur zwei Türen pro Wagen und Seite vorgesehen, die dafür eine lichte Weite von 1.200 Millimetern aufweisen um die fehlende dritte Tür auszugleichen. Es handelt sich um druckluftbetriebene Doppelschiebetüren.

Das über Schütze betriebene Schaltwerk der Fahrzeuge weist insgesamt 23 Fahr- und 22 Bremsstufen auf. Pro Drehgestell ist ein längsliegender Motor verbaut, der über zwei Hohlwellengetriebe beide Achsen des Drehgestells antreibt.

Gebremst wird die Einheit durch eine selbsterregte Widerstandsbremse, zusätzlich dazu besitzen die Wagen eine auf alle Achsen wirkende Druckluft-Scheibenbremse sowie als Feststellbremse eine Federspeicherbremse.

Lieferserien

Zusammengezählt mit den Prototypen verließen insgesamt 123 G-Wagen das Werk in Hennigsdorf. Einige dieser Wagen kamen dabei außer in Berlin auch in Athen und Pjöngjang zum Einsatz. Die nebenstehende Tabelle soll eine Übersicht über die Wagen und ihrer Nummerierung geben.

Zur besseren Übersicht sind a- und b-Wagen voneinander getrennt, die erste Zeile gibt die Nummerierung des b-Wagen, die zweite die des a-Wagen wieder.

Literatur

Weblinks

 Commons: BVG-Baureihe G – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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