Schönbach (Kirchhain)

Schönbach (Kirchhain)
Schönbach
Stadt Kirchhain
Wappen von Kirchhain
Koordinaten: 50° 50′ N, 8° 51′ O50.8322222222228.8555555555556200Koordinaten: 50° 49′ 56″ N, 8° 51′ 20″ O
Höhe: 200–221 m ü. NN
Einwohner: 387
Postleitzahl: 35274
Vorwahl: 06422

Schönbach ist der westlichste Stadtteil von Kirchhain im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Das Dorf liegt auf den Hängen zweier Erhebungen, die als Ausläufer der Lahnberge in das Amöneburger Becken hereinragen. In einer von diesen Erhebungen gebildeten Senke entspringt der Schönbach unweit des Dorfes und mündet nach etwa 900 Metern in die Ohm.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Erste Besiedlungsspuren in Schönbach reichen bis in die Hallstattzeit zurück. So wurden auf dem Reichert beim Bau des Sportplatzes mehrere Hügelgräber von dem damaligen Direktor der Vor- und Frühgeschichte in Marburg Gero von Merhart freigelegt. Auch innerhalb des Dorfes wurden bei Baumaßnahmen Reste von mehreren Urnenbestattungen gefunden, die jetzt im Universitätsmuseum des Marburger Schlosses zu sehen sind. Reste eines noch älteren, spätbronzezeitlichen Hauses wurden beim Bau einer Gasleitung zwischen Schönbach und Großseelheim aufgedeckt.

Schönbach wird als Saynenbach erstmals im Jahre 1248 in einer Heberolle des Erzstifts Mainz[1] erwähnt. Vermutlich ist das Dorf, zumindest aber die Mühle, bereits in fränkischer Zeit gegründet worden. Der Name Saynenbach geht möglicherweise auf den lateinischen Begriff sagena (Fangnetz) zurück[2], und würde gleichzeitig auf Fischerei im Bereich des heutigen Dorfes schließen lassen. 1256 erhielt der Deutsche Orden in Marburg von Konrad von Marburg Güterbesitz in Schönbach. Es folgten weitere Gütererwerbungen durch den Orden 1261 und 1270. 1358 verfügte der Orden über einen Hof mit 59 Morgen Ackerland und 5 Morgen Wiesen. 1361 waren die mainzischen Güter an einen Friedrich von Schönbach verpachtet. Vielleicht ist damit auch ein Ortsadel fassbar. Die zwei Flurnamen Niederndorf im Norden von Schönbach und Machthuser Lache südlich der Grindelmühle weisen auf wüst gefallene Siedlungen hin. Ein Plebanus ist für Schönbach erstmals 1295 erwähnt[3]. Bis zur Reformation war Schönbach nach Bauerbach eingepfarrt, wovon die immer noch zu besichtigende „Schöbacher Pforte“ in der dortigen Kirche „St. Cyriakus“ zeugt. Im Zuge der Reformation unterstand sie dann spätestens ab 1577 der Großseelheimer Kirche. Deshalb existiert auch in dieser Kirche eine „Schönbacher Pforte“. Der Ort zählte Anfang des 16. Jahrhunderts noch knapp 20 Einwohner, diese Zahl stieg bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf ca. 150 und bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts auf über 200 Einwohner.

Bauwerke

Kirche

Die Kirche von Schönbach

Die Kirche von Schönbach wird an den Beginn des 17. Jhs. datiert. Damit ist sie eine der wenigen erhaltenen Fachwerkkirchen, die den Dreißigjährigen Krieg überdauert haben[4]. In der mündlichen Überlieferung des Dorfes heißt es, dass das Gebäude mit dem rechteckigen Grundriss und dem steilen Dach früher eine Zehntscheune war. Obwohl die Kirche wahrscheinlich einige Jahrzehnte nach Einführung der Reformation in Schönbach erbaut wurde, ist es gut möglich, dass hier der „Zehnte“ aufbewahrt wurde, da die Praxis der Zehntabgabe nach Einführung der Reformation auf die Grundherren überging und sich vielen Orten noch bis ins 19. Jh. hielt. Tatsächlich sind die hohen Speicher dieser Kirchen als Lagerraum für Getreide bezeugt. Ein Friedhof um die Kirche in Schönbach ist schon 1549 erstmals erwähnt. Es handelt sich bei dieser Erwähnung also wahrscheinlich um einen Vorgängerbau der heutigen Kirche, von dessen Standort und Aussehen aber nichts mehr bekannt ist. Der Innenraum der Kirche ist sehr schlicht gehalten und stammt in seinem heutigen Zustand weitgehend aus dem späten 18. Jh.

Grindelmühle

Die Grindelmühle ist bereits seit dem 14. Jh. urkundlich erwähnt. Die Bezeichnung Grindl kommt aus dem fränkischen und bedeutet Sand oder Kies. Seit 1423 war sie fest im Besitz des Deutschen Ordens. Aus dem Jahr 1582 ist ein Rechtsstreit zwischen den Niederwäldern und Grindelbachern erhalten, in dem der Landgraf die Tieferlegung der Mühle befahl, um die Äcker der Niederwälder vor Überflutung und einem langsamen Versumpfen zu schützen. Wahrscheinlich stand die Mühle daher vor 1582 weiter östlich an der Straße nach Großseelheim. Dort entdeckte Fundamente scheinen diese Annahme zu stützen. Der Chronist Kaspar Preiss aus Stausebach schreibt in seiner Chronik, dass umherstreifende Truppenteile im Dreißigjährigen Krieg, genauer 1640, die Mühle niederbrannten, wobei etliche Menschen getötet wurden. 1709 wurde die Mühle vom Orden aber wieder aufgebaut. Neben Mehl wurde in der Mühle auch Öl gemahlen. Nach der Ohmregulierung wurde die Mühle von ihrer Wasserzufuhr abgeschnitten, worauf sie noch einige Jahre mit Strom weiterbetrieben wurde. Anfang der 50er Jahre wurde der Betrieb jedoch vollständig eingestellt. Das heutige Aussehen der Mühle stammt aufgrund zahlreicher Brände und Umbauten weitgehend aus den letzten Jahrzehnten des 19. Jhs. Reste eines der beiden Backhäuser Schönbachs sind bei genauem Hinsehen noch heute in der Böschung an der Kreisstraße direkt gegenüber der Mühle zu sehen. Es wurde 1956 bei der Verbreiterung der Kreisstraße abgerissen.

Das Stauwerk

Schönbach heute

In den Jahren 1952–1955 wurde bei Schönbach das Stauwerk des 900 ha Grundfläche umfassenden Ohm-Rückhaltebeckens mit einem maximalen Fassungsvermögen von 15 Mio. Kubikmetern erbaut.

Seit den späten 1970er Jahren stieg die Einwohnerzahl durch das Ausweisen der Neubaugebiete Am Heydwolf und Tannenweg bis heute weiter an. Aktuell hat das Dorf 387 Einwohner.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. H. A. Erhard: Erzbischöflich-mainzische Heberolle aus dem dreizehnten Jahrhundert, in: Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Alterthumskunde, Bd. 3, 1840, S. 47.
  2. D. Werkmüller: 750 Jahre Schönbach. 1248-1998, 20–21.
  3. A. Wyss: Hessisches Urkundenbuch, 1. Abt.: Urkundenbuch der Deutschordensballei Hessen, Band 1: 1207-1299, in: Publikationen aus den königlich preußischen Staatsarchiven, Bd. 3, 1879, Nr. 1292.
  4. I. Bott: Fachwerkkirchen in Hessen, Königstein im Taunus 1987, S. 13–14, 80.

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