Scud-Rakete

Scud-Rakete
Mobile Scud-Abschussplattform
Scud-B im polnischen Armeemuseum Poznan
Irakische SCUD-B-Raketen, Aufnahme 1989
Überreste einer 1991 in Tel Aviv niedergegangenen Scud

Scud ist die NATO-Bezeichnung für die sowjetische bzw. russische ballistische Boden-Boden-Rakete R-11 (DIA-Code SS-1b, GRAU-Index 8K11) und später R-17 (DIA-Code SS-1c, GRAU-Index 8K14) [1]. Die Scud-Raketen gehören zur Klasse der Kurzstreckenraketen (SRBM).

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

Das Entwicklungsbüro Makejew OKB entwickelte sie in den 1950er Jahren über die Schritte der R-1 und R-2 aus der deutschen A4-Rakete. Dieser Raketentyp war kleiner und wesentlich ökonomischer als diese Modelle. 1961 und 1965 wurden die verbesserten Varianten B und C eingeführt, die beide entweder einen konventionellen hochexplosiven, einen nuklearen Sprengkopf von fünf bis 80 Kilotonnen oder einen chemischen Gefechtskopf (eingedicktes VX) tragen konnten. Die in den 1980er Jahren entwickelte D-Version kann entweder einen konventionellen, einen mit Benzin gefüllten (Aerosol-Sprengkopf), 40 für die Zerstörung von Startbahnen ausgelegte Streubomben oder 100 x 5 kg-Splitterbomblets (Submunition) tragen.

Technik

Bis auf die Scud-A (10,25 m) sind alle Modelle 11,25 m lang und haben einen Durchmesser von 0,88 m. Der Flüssigtreibstoff-Raketenmotor verbrennt in der Scud-A entweder Kerosin und Salpetersäure, oder UDMH und RFNA (rauchende Salpetersäure) wie in den anderen Modellen. Das Triebwerk kann die Rakete zwischen 300 km (Scud-B) und 700 km (Scud-D) weit tragen. Die Navigation beschränkt sich auf Kreisel (INS), womit die Rakete relativ unpräzise ist.

Die Flugkörper werden meist mit einem Fahrzeug in Stellung gebracht und von diesem aus abgefeuert. Die Mobilität bedeutet Flexibilität bei der Wahl der Feuerposition und erhöht die Überlebensfähigkeit des Waffensystems.

Einsatz im Golf-Krieg

Im Irak wurden aus der Scud drei weitere Versionen entwickelt: Eine reichweitengesteigerte Scud, die Al Hussein und die Al Abbas. Zielsetzung war dabei vor allem die Steigerung der Reichweite, was allerdings zu Lasten der ohnehin schon schlechten Genauigkeit ging. Die Al Abbas sind eher als Fehlschläge einzustufen, da sie nur kleine Gefechtsköpfe tragen konnten und dazu tendierten, im Flug auseinanderzubrechen.

Im Zweiten Golfkrieg wurden irakische Scuds auf Israel (40 Starts) und Saudi-Arabien (46 Starts) abgefeuert. Das vielfach in der NATO eingesetzte Flugabwehrraketensystem MIM-104 Patriot konnte viele Erfolge beim Abfangen der Raketen verbuchen, andere Quellen berichten jedoch, dass die Genauigkeit der Patriot-Raketen übertrieben wurde. Die Scuds führten zum Tod von einem Israeli und 28 US-Soldaten, als eine Rakete eine US-Kaserne in Saudi-Arabien traf.

Technische Daten der SS-1 Scud

System R-11 Elbrus R-17 Aerofan R-17E Elbrus-E R-17M Elbrus-M
Lenkwaffe 8K11 8K14 unbekannt 8K72
NATO-Code SS-1b Scud-A SS-1c Scud-B SS-1d Scud-C SS-1e Scud-E
Einführungsjahr 1955 1961 1965 Entwicklung eingestellt
Antrieb 1 Stufe Flüssigtreibstoff 1 Stufe Flüssigtreibstoff (lagerfähig) 1 Stufe Flüssigtreibstoff (lagerfähig) 1 Stufe Flüssigtreibstoff (lagerfähig)
Länge 10,50 m 11,16 m 11,25 m 12,29 m
Rumpfdurchmesser 884 mm 884 mm 884 mm 884 mm
Gewicht 4460 kg 6370 kg 6400 kg 6500 kg
Sprengkopf Nuklear 50 kT, 950 kg konventionell Splitter Nuklear 5-70 kT, 985 kg konventionell Splitter, Bomblets (Submunition), FAE, Chemisch Nuklear 80 kT, 600 kg konventionell Splitter, Bomblets (Submunition), FAE, Chemisch Nuklear 5-70 kT, 985 kg konventionell Splitter, Bomblets (Submunition)
Einsatzreichweite 180 km 280 km 450 km 300 km
Lenksystem Trägheitsnavigation Trägheitsnavigation Trägheitsnavigation Trägheitsnavigation plus digital-optische Endphasenlenkung
Treffergenauigkeit (CEP) 3000 m 450 m 700 m ~50 m

Siehe auch

Quellen

  1. Globalsecurity: Scud

Weblinks


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