Baal (Brecht)
Daten des Dramas
Titel: Baal
Originalsprache: Deutsch
Autor: Bertolt Brecht
Erscheinungsjahr: 1922
Uraufführung: 8. Dezember 1923
Ort der Uraufführung: Altes Theater in Leipzig
Ort und Zeit der Handlung: Beginn des 20. Jahrhunderts
Personen
  • Baal, Lyriker
  • Ekart, Komponist, Freund Baals
  • Mech Verleger und Großkaufmann
  • Emilie, Mechs Frau
  • Dr. Piller, Kritiker
  • Johanna, Johannes Freundin
  • Luise, Kellnerin
  • Johannes Schmidt, Baal-Jünger
  • Die beiden Schwestern

Das Drama Baal wurde von Bertolt Brecht 1918 während seines Militärdienstes verfasst und trägt autobiografische Züge. Viele Elemente des Stücks entnahm Brecht aus den Gedichten François Villons. Brecht teilte seinem Freund Münsterer im Mai 1918 den geplanten Titel mit: „Baal frißt! Baal tanzt!! Baal verklärt sich!!!“. Das Stück wurde am 8. Dezember 1923 nach der Verleihung des Kleist-Preises an Brecht im Leipziger Alten Theater unter der Regie von Alwin Kronacher uraufgeführt.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Baal ist ein junger talentierter Dichter und trägt seinem Gönner, dem Großkaufmann Mech, bei einer Abendgesellschaft ein Gedicht vor. Obwohl man ihm Begeisterung sowie Verwunderung entgegenbringt, zeigt Baal kein Interesse, benimmt sich rüpelhaft und wird hinausgeworfen. Baal dazu: „Was kann ich dafür wenn dein Wein, den du mir gibst mich besoffen macht!“ Mechs Frau wird Baals Liebhaberin, er behandelt sie roh, zwingt sie z.B. in einer Branntweinschenke einen Kutscher zu küssen. Er schläft mit Johanna, der wesentlich jüngeren Freundin seines Bewunderers Johannes, diese stürzt sich, als er sich nichts weiter aus ihr macht, verzweifelt in einen Bach.

Baal schwängert Sophie Dechant, die er anfangs wohl liebte, dann jedoch schnell als Last ansieht und seinem Freund Ekart „abtreten“ will („Baal: Was muss ich dir geben, dass du meine Frau nimmst?“), im Frühling haut er mit Ekart ab. Mit Ekart zieht Baal betrügenderweise durch die Lande. Acht Jahre später ersticht Baal Ekart im Streit und stirbt bei Holzfällern, zu denen er sich geflüchtet hat. Das Drama endet mit den Worten eines Holzfällers, der von den letzten Worten Baals berichtet, die lauteten: „Ich horche noch auf den Regen“.

Epische Strukturelemente

Baal entstand lange vor Brechts Konzeption des Epischen Theaters. Einzelne Elemente im Baal aber weisen bereits in Richtung seiner späteren Theater-Theorie. So sind etwa Anfang und Schluss des Stücks jeweils offen gehalten und grenzen sich damit von der aristotelischen Theorie ab. Abgrenzen wollte sich Brecht mit der Sinnlichkeit und 'Diesseitigkeit' des Baal auch vom Pathos des Expressionismus.

Abgrenzung vom Expressionismus

Baal entstand 1918 aus einer Gegenposition zum expressionistischen Drama "Der Einsame. Ein Menschenuntergang" von Hanns Johst. Dort scheitert ein Dichter an der Gesellschaft, weil er dieser geistig weit voraus ist und endet in der Einsamkeit. Baal sollte das radikale Gegenbild zu Johsts Gestalt Grabbe aus "Der Einsame" darstellen. Brecht zeigt einen Menschen, der sich dem Vitalismus verschrieben hat. Eine vollkommene Hinwendung zur Natur hat eine Abwendung vom Menschen zur Folge. Und dies auf Kosten der Gesellschaft.

Brecht demontiert damit das expressionistische Pathos, das den Menschen in den natürlichen Zustand zurückversetzen will, indem er den Vitalismus ad absurdum führt. Der Expressionismus kann als Anregungspunkt für die Entstehung des Baal verstanden werden.[1] Gleichzeitig bedient sich Brecht expressionistischer Stilmittel.

Abgrenzung zur aristotelischen Theorie

Brecht fordert ein antiillusionäres Theater. Denn der Zuschauer sei durch die Illusion am selbstständigen Denken gehindert. Das Ziel war ein Stück, mit dem sich der Zuschauer nicht identifizieren kann. In sein Tagebuch schrieb er: „Einen großen Fehler sonstiger Kunst hoffe ich im Baal und Dickicht vermieden zu haben: ihre Bemühung mitzureißen. […]"[2]

Baal und die Theorie vom epischen Theater

Die spätere Theorie vom epischen Theater entstand erst 1930 und damit nach der Entstehung der Erstfassung des Baal. Eine endgültige Fassung der Theorie gab es nie. Es existieren im Baal aber bereits viele Elemente des epischen Theaters wie der Verfremdungseffekt.

Ein wichtiges Element dieser Verfremdung sind eingestreute Songs und Gedichte in Baal. Bereits das Eingangsgedicht "Der Choral vom großen Baal" ist ein Teil dieses Effekts.[3] Weitere epische Elemente im Baal:

  • Einarbeitung verschiedener Gattungen,
  • Identitätsauflösungen,
  • Regieanweisungen und Nebentext,
  • Figuren als Erzähler,
  • Widersprüchlichkeiten in der Handlung,
  • Widersprüche im zeitlichen Ablauf,
  • Widersprüchliche Dialoge,
  • offener Einstieg,
  • offenes Ende.

Dennoch kann bei dem Erstlingsdrama Baal noch keine Rede von einem Stück des Epischen Theaters sein. Hierzu fehlt die Einbindung der Darstellung von Gesellschaftsprozessen. Der Faktor Geschichte taucht in Baal nur in abstrakter Form auf. Dies spricht zwar für eine gewisse Episierung des Dramas, dennoch fehlt die typische Dialektik, die für alle späteren Werke Brechts typisch ist. Eine Episierung findet hier in der Form, nicht aber im Inhalt statt.[4]

Literatur

Ausgaben

  • Bertolt Brecht: Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Band 1. Stücke 1 Suhrkamp Verlag, 1989 (Die neue kommentierte Ausgabe)
  • Bertolt Brecht: Baal. Der böse Baal der asoziale. Texte, Varianten und Materialien edition Suhrkamp, 1973 (preiswerte Taschenausgabe)
  • Bertolt Brecht Baal. Drei Fassungen edition Suhrkamp (Fassungen von 1918, 1919 und 1926)
  • Bertolt Brecht: Baal. Drei Fassungen. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1966

Vertonungen

Friedrich Cerha stellte aus den vier Fassungen Bertolt Brechts den Text zu seiner Oper Baal zusammen, welche bei den Salzburger Festspielen 1981 uraufgeführt wurde (Regie: Otto Schenk, Dirigent: Christoph von Dohnányi, Baal: Theo Adam, Koproduktion mit der Wiener Staatsoper). Für eine Fernsehproduktion der BBC spielte David Bowie fünf Lieder aus Baal ein, die EP David Bowie in Bertolt Brecht's "Baal" erschienen 1982.

Weiterführende Literatur

  • Damm, Benjamin: Baal und das epische Theater. Grin 2011. ISBN 978-3-640-99243-0
  • Denkler, Horst: Das Drama des Expressionismus. in: Rothe, Wolfgang: Expressionismus als Literatur. Gesammelte Studien. Bern: Francke 1969
  • Hauptmann, Elisabeth (Hg.): Brecht: Über den Expressionismus. In: Gesammelte Werke. Bd. 15. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1966
  • Kesting, Marianne: Das Epische Theater. Zur Struktur des modernen Dramas. Stuttgart: Kohlhammer 1959
  • Rülicke-Weiler, Käthe: Die Dramaturgie Brechts. Theater als Mittel der Veränderung. Berlin: Henschel 1966
  • Schmidt, Dieter: „Baal“ und der junge Brecht. Eine textkritische Untersuchung zur Entwicklung des Frühwerks. Stuttgart: Metzler 1966
  • Schumacher, Ernst: Brecht. Theater und Gesellschaft im 20. Jahrhundert. Berlin: Henschel 1981
  • Schürer, Ernst: Überlegungen zur Bildsprache des Expressionismus. In: Dialog mit der Moderne : Fritz Wotruba und die Sammlung Kamm. Zug: Balmer 1998
  • Szondi, Peter: Theorie des modernen Dramas. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1956

Weblinks


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