Baal HaSulam

Rabbi Yehuda Leib Ha-Levi Ashlag (* 1884 Warschau; † 1954 Jerusalem) gilt als bedeutender jüdischer Kabbalist des 20. Jahrhunderts.

Ashlag interpretierte die Kabbala systematisch neu. Ashlag schrieb u.a. umfangreiche Kommentare zu den grundlegenden kabbalistischen Schriften „Etz Chaim (Baum des Lebens)" von Rabbi (Isaak Luria) und zu dem Buch „Sohar" (1943). Nach seinem Werk „Talmud Eser Sefirot" (Kommentare zu den Schriften Lurias) und seinem Sohar-Kommentar wird Ashlag auch Baal HaSulam (בַּעַל הַסּוּלָם, wörtl.: „Meister der Leiter") genannt.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Polen

Ashlag begann Berichten zufolge mit dem Studium der Kabbalah im Alter von sieben Jahren, nachdem ihm ein kabbalistisches Buch auf den Kopf gefallen war, als er im Bett lag. Sein Vater erklärte ihm auf seine Nachfrage hin, dieses Buch sei "für Engel geschrieben, und nicht für Menschen" [1] Ashlag studierte diese Schriften trotzdem und versteckte herausgerissene Seiten des Werkes "Baum des Lebens" von Isaac Luria zwischen denen des Talmud, welchen er eigentlich studieren sollte. Im Alter von zwölf Jahren studierte er den Talmud bereits selbstständig. Mit neunzehn Jahren besaß er solch fundierte Kenntnis der Torah, dass ihm die Warschauer Rabbiner den Titel eines Rabbiners verliehen. In dieser Zeit arbeitete Ashlag als Richter am Gericht der Warschauer Rabbiner und sammelte Erfahrung als Ausbilder für andere Richter. In dieser Zeit in Warschau studierte er auch Deutsch und las Originaltexte von Hegel, Marx, Nietzsche und Schopenhauer.[1]

Noch in Polen traf Ashlag einen bis heute nicht näher identifizierten Geschäftsmann, der sich ihm als Kabbalist zeigte. Ashlag studierte mit diesem ungewöhnlichen Lehrer drei Monate lang jede Nacht, bis sich "meine Arroganz zwischen uns stellte" (sic) und der Lehrer verschwand. Einige Monate später traf er den Lehrer wieder und konnte ihn nach langen Zuredungen überzeugen, ihm ein wichtiges kabbalistisches Geheimnis zu enthüllen. Am nächsten Tag starb der Lehrer. [1]

Israel

1921, im Alter von 36 Jahren, entschied sich Ashlag, nach Israel zu ziehen, eine Reise, die mehrere Monate dauerte.[1] Die ersten Jahre lebte er dort anonym und versorgte tagsüber seine Familie mit regulärer Arbeit und schrieb nachts seine Kommentare. Letztlich wurde er durch seine Arbeiten erkannt und wurde 1924 zum Rabbiner von Givat Shaul, einer orthodoxen Gemeinde in Jerusalem, berufen.

Ashlag war befreundet mit Abraham Isaak Kook, dem Oberrabbiner des unter britischem Mandat stehenden Palästina. Ashlag hatte große Hoffnung, in Jerusalem großartige Kabbalisten zu treffen, wurde jedoch bitter enttäuscht. Deren Ansichten zur Kabbalah standen im Gegensatz zu seinen Erfahrungen, aufgrund deren er in der Kabbalah ein Mittel zur grundlegenden Wandlung der Persönlichkeit und zu spiritueller Erleuchtung sah.[1]

1926 ging Ashlag nach London, wo er auch seinen Kommentar zu Lurias "Baum des Lebens" schrieb. Das Buch wurde "Panim Meirot Umasbirot" benannt und Ashlag brauchte eineinhalb Jahre, um es zu vollenden. Es wurde 1927 veröffentlicht und 1928 kehrte Ashlag zuück nach Palästina.[1]

Lehre

Ashlag unterscheidet sich grundlegend von früheren Kabbalisten, welche die Kabbala nur unter Geheimhaltung studierten und lehrten. Im Gegensatz dazu war eines seiner größten Anliegen die Massenverbreitung der Kabbala.[1] Diese schien ihm aufgrund der Entwicklung des menschlichen Egoismus erforderlich. Seiner Ansicht nach würde diese Entwicklung zu ungekanntem Leid und einer gänzlich neuen Ebene der inneren Leere führen, die es dem Menschen unmöglich machen würde, ohne Spiritualität auszukommen. Ashlag entwickelte daher ein System, das es jedem Menschen ermöglichen sollte, den Sinn seiner Existenz zu erfahren, mit diesem in Einklang zu leben und dadurch Vollkommenheit zu erlangen. Ashlag sagte als Zeitpunkt, ab welchem sich die Massen der Kabbalah zuwenden, das Jahr 1995 voraus.

Als weiteres Werk, das Y. Ashlag zuzuordnen ist, gilt das Buch „Shamati". Hierbei handelt es sich um direkte Niederschriften des gesprochenen Wortes von Y. Ashlag durch seinen Sohn und Nachfolger Baruch Shalom Ashlag (1906–1991).

Werke von Yehuda Ashlag

  • Gift of the Bible (Hebräisch), Kabbalah Learning Center (Juni 1984), ISBN 0943688302
  • Ten Luminous Emanations (Englisch), Kabbalah Learning Center (Oktober 1991), ISBN 0943688906
  • Entrance to the Zohar (Englisch), Kabbalah Learning Center (Juni 1974), ISBN 0943688043
  • An Entrance to the Tree of Life of Rabbi Isaac Luria (Englisch), The Kabbalah Learning Centre (31. Dez. 1977), ISBN 0943688353

Quellen

  1. a b c d e f g Micha Odenheimer: Latter-day luminary: Teil 2. Haaretz, 16. Dezember, 2004. Abgerufen am 2006-10-16.

Weblinks


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