Baal Zebub
Darstellung des Beelzebubs aus dem Dictionnaire Infernal (1863)

Der Beelzebub (auch Belzebub, Beelzebul, Beelzebock, Belsebub) ist ein Dämon der christlichen Mythologie und im Volksmund ein Synonym für den Teufel.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Mit dem Namen Beelzebub (hebräisch בעל זבוב) wird im Alten Testament der Stadtgott von Ekron im Land der Philister bezeichnet. König Ahasja von Israel erbat von ihm Orakel (2. Könige 1 EU). Baal Zebub wird übersetzt mit Herr der Fliegen und ist vermutlich eine Verballhornung des eigentlichen Namens בעל זבול Baal Zebul (erhabener Fürst), um den Gott bzw. dessen Anhänger zu verspotten (so genannter Schandname). Alle Namensformen sind Beinamen des Gottes Ba'al (babylonisch Marduk). Der eigentliche Name wurde erst aus Textvergleichen mit dem Ugaritischen erhoben. In frühjüdischer Zeit wurde dieser kanaanäische Gott zum Inbegriff des Götzen und im dualistischen Denken zum Anführer der widergöttlichen Mächte. So erscheint er auch im Neuen Testament (in der Mehrheit der griechischen Handschriften unter βεελζεβούλ Beelzebul) als der Oberste der Dämonen. Bedeutung erlangte er auch in lokalen Sagen und Märchen, wo er häufig im Zusammenhang mit Zaubersprüchen auftritt. Peter Binsfeld hat 1589 Beelzebub mit der Todsünde Völlerei assoziiert. In John Miltons Epos Paradise Lost (1667) ist Beelzebub der zweithöchste Höllenfürst nach Satan. In der Zeit der Hexenverfolgung vom 14. bis 17. Jahrhundert wird in verschiedenen Quellen der Begriff Beelzebock verwendet, eine Umdeutung, die zweifelsohne mit der vorgestellten Bocksgestalt des Teufels zusammenhängt. Diese Bocksgestalt hinwiederum ist erstmals nachgewiesen in einem Bericht eines Zauberprozesses von 1335 in Toulouse, hat sich aber bis heute im Volksglauben erhalten.

Heutiger Gebrauch

Heute hat der Beelzebub immer noch regionale Bedeutung und bezeichnet z. B. in Bayern mit Tierfellen behängte Gestalten (Dämonen).

Auch in der Redewendung Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, die auf eine Begebenheit im Lukasevangelium 11,15 EU zurückgeht, lebt das Wort weiter. Sie bedeutet sinngemäß „etwas Schlimmes mit etwas Schlimmem beseitigen“ (siehe auch Tautologie).

Der Beelzebub in den Medien

Als literarische Bearbeitung erschienen Charaktere namens Beelzebub in verschiedenen Werken. Diese Figuren sind zumeist als Gegenspieler der Protagonisten charakterisiert.

  • Der Beelzebub ist der Besen der Hexe Hicksi, einer Figur aus den Lustigen Taschenbüchern (erster Auftritt in Band 11). Er ist lebendig und eigenwillig und hilft ihr manches Mal in brenzligen Situationen.
  • In der Heftserie Professor Zamorra ist Beelzebub alias Belial ein teuflischer Gegner des Helden, ranghoher Dämonenfürst, der später von diesem getötet wird.
  • Beelzebub ist der Vorname des bösen Zauberers aus dem Wunschpunsch von Michael Ende.
  • Die Hauptrolle des Mangas Sandland, gezeichnet von Akira Toriyama, ist ein kleiner Teufel namens Beelzebub, welcher der Sohn von Satan ist.
  • Beelzebub ist auch der Spitzname von Piccolo beim 23. Großen Turnier im Anime Dragonball. Anfangs der Feind von Son Goku wird er in Dragonball Z zu seinem Verbündeten.
  • Auch in der Anime-Serie Ouran Highschool Host Club ist der Name einer Katzenhandpuppe Beelzebub; diese Puppe gehört Umehito Nekozawa, dem Leiter des Clubs für schwarze Magie.
  • Herr der Fliegen (Originaltitel: Lord of the flies, 1953) lautet der Titel eines Romans des englischen Schriftstellers William Golding. Er erscheint dort in Gestalt eines auf einen Stock aufgespießten Schweinekopfs, der von Fliegen umkreist wird. Eine auf einer Insel gestrandete Gruppe von Jugendlichen teilt sich in zwei Fraktionen: die Anhänger der Vernunft und Zivilisation und die Anhänger der Körperkraft und des Ritus. Der erjagte Schweinekopf wird von letzteren als Symbol ihrer Gruppenstärke angebetet, aber auch gleichzeitig zum Symbol des feigen Mordes an einem Schwächling.
  • Das Buch Die Fliegen des Beelzebub von Ralf Thenior ist ein Jugendroman, welches von einem Jungen erzählt, der über eine Freundin in eine Pseudosekte gerät, hier wird sowohl die Sekte als auch der anschließende Exorzismus durch Fanatiker kritisiert und der Leser vor Sekten, falsch verstandenem Okkultismus und falschen Vorbildern gewarnt.
  • In dem Buch Meg Finn und die Liste der vier Wünsche von Eoin Colfer ist Beelzebub der Vorsteher der Hölle.
  • In dem Videospiel Shin Megami Tensei – Lucifer's Call ist Beelzebub einer der stärksten Endgegner des Spiels, ebenso in dem MMORPG Ragnarok Online.
  • In dem Film Pick of Destiny von Jack Black wird Beelzebub (bzw. „Beelzeboss“) als der Teufel dargestellt, dem die Protagonisten in einem finalen Musik-Kampf gegenübertreten.

Literatur

  • Georg I. Gurdjieff: Beelzebubs Erzählungen für seinen Enkel. ISBN 3-720-52112-5
  • Leander Petzoldt: Kleines Lexikon der Dämonen und Elementargeister, 3. Auflage München 2003, Seite 33 ISBN 3-406-49451-X

Siehe auch


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