Baby-Benz
Mercedes-Benz
190 E, Baujahr 1993, mit „Sacco-Brettern“

190 E, Baujahr 1993, mit „Sacco-Brettern

W201
Hersteller: Daimler-Benz
Produktionszeitraum: 1982–1993
Klasse: Mittelklasse
Karosserieversionen: Limousine, 4-türig
Motoren: Ottomotoren:
1,8–3,2 Liter
(66–172 kW)

Dieselmotoren:
2,0–2,5 Liter
(53–93 kW)

Länge: 4420–4448 mm
Breite: 1678–1706 mm
Höhe: 1361–1390 mm
Radstand: 2665 mm
Leergewicht: 1080–1340 kg
Vorgängermodell: keines
Nachfolgemodell: C-Klasse W202

Der Mercedes W201, 190er oder (vor Erscheinen der A-Klasse) Baby-Benz genannt, ist der erste Mercedes der Mittelklasse und der Vorläufer der C-Klasse. Er zielte vor allem auf die Käuferschicht des erfolgreichen BMW 3er ab. Er kam am 8. Dezember 1982 auf den Markt und wurde bis 1993 mehr als 1,8 Millionen mal produziert. Damit zählt er zu den erfolgreichsten Modellen von Mercedes-Benz. Aufgrund der großen Nachfrage musste man verhältnismäßig hohe Wartezeiten in Kauf nehmen.

Anmerkung: In der Sprechweise von Mercedes-Benz zählte der W201 zur Kompaktklasse. Dies entspricht nicht der heute geläufigen Autokompaktklasse.

Das Design mit dem relativ kurzen, hohen und sich verjüngenden Heckabschluss brach radikal mit den bisherigen Mercedes-Modellen. In den Grundzügen blieben die Proportionen des W201 bis zum Modell W203 erhalten. Auch war der W201 der erste Mercedes, der äußerlich – mit Ausnahme des Kühlergrills – gänzlich auf Chromschmuck verzichtete. Der cw-Wert liegt nach Angaben von Daimler-Benz von 1983 bei 0,33.

Inhaltsverzeichnis

Technik

Der W201 war der erste Mercedes-PKW mit der sogenannten Raumlenker-Hinterachse. Sie hatte pro Rad fünf Achslenker, die am Achsschenkel und am Achsträger bzw. der Karosserie an jeweils einem Punkt angelenkt waren. Jeder dieser Lenker nimmt dem Achsschenkel einen der sechs Freiheitsgrade der Bewegung eines Körpers im Raum, so dass gerade ein Freiheitsgrad für die Ein- und Ausfederung bleibt. Diese Konstruktion bietet gegenüber konventionellen Achsen mehr Möglichkeiten, um die Änderung von Sturz und Vorspur abhängig von der Einfederung und den wirkenden Kräften (Elastokinematik) abzustimmen.

Die Vorderachse war dafür eine vergleichsweise einfache Dämpferbeinachse mit Dreiecksquerlenker. Sie ähnelte der McPherson-Achse, nur dass die Schraubenfeder nicht um den Stoßdämpfer herum angeordnet war, sondern auf den Dreiecksquerlenker wirkte.

Anstelle der sonst Mercedes-typischen Fußfeststellbremse befindet sich eine „normale“ Stock-Handbremse auf der Mittelkonsole. Der Grund dafür ist im relativ engen Fußraum des Wagens zu suchen, der nicht den Platz für ein Feststell-Pedal bot.

Bemerkenswert ist auch der Einarmwischer, der später mit einer speziellen Hubtechnik ausgestattet wird und damit eine größere Fläche abdeckt. Dieser wird auch ab 1984 in der Modellreihe W124 verwendet.

Modellpflege

190 D vor der Modellpflege
190 E nach der Modellpflege (US-Version)

Im September/Oktober 1988 wurden im Rahmen einer großen Modellpflege folgende Änderungen vorgenommen:

  • neue lackierte Stoßfänger und Seitenplanken („Sacco-Bretter“)
  • neue Sitze mit Neigungsverstellung, neuer Polsterung und Schaumkern anstatt Federkern.
  • Gurte vorn höhenverstellbar
  • elektrisch beheizbarer Außenspiegel, rechts
  • hämatitfarben eloxierte Fenstereinfassungen

Im Frühjahr 1991 wurde die Auspuffanlage des 190 E 2.0 und 2.3 geändert, wodurch beide Varianten die durch den Katalysator verlorenen 4 PS zurück erhielten. Sie leisteten nun wieder 122 und 136 PS statt 118 und 132.

Der letzte 190er wurde im August 1993 im Werk in Bremen gebaut und dem Mercedes-Benz Museum übergeben. Der Nachfolger des 190er wurde 1993 die C-Klasse W202.

Es gab vier Sondermodelle mit besonderer Metallic-Lackierung und auffälliger Innenausstattung. Sie wurden unter der Modellbezeichnung Avantgarde in limitierter Stückzahl verkauft:

  • 190 E 2.3 Azzurro (blau)
  • 190 E 1.8 Rosso (rot)
  • 190 D 2.5 Verde (grün)
  • 190 E 1.8/2.3 Primavera (grün) (Dieses Sondermodell wurde nur für die Schweiz gebaut.)

Auch gab es weniger bekannte Sondermodelle wie den 190E Berlin 2000, DTM '92 und den 190 E 3.2 AMG.

Produktion

190 E (1988–1993)
190E (1991–1992)
190E (1991–1992)
190 E 2.3 Avantgarde Azzurro (1992)

Produziert wurden insgesamt ca. 1,9 Millionen Mercedes 190. Eine Besonderheit war, dass erstmals in der Geschichte von Daimler-Benz an zwei Standorten gleichzeitig produziert wurde. 58 % der Fahrzeuge lieferte das eigens dafür umgebaute, ehemalige Borgward-Werk in Bremen-Sebaldsbrück. Die anderen 42 % der Fahrzeuge wurde im Stammwerk Sindelfingen hergestellt.

Produktionszahlen

53 % der gebauten Fahrzeuge wurde in Deutschland verkauft, jedes zehnte Fahrzeug in den USA. Meistgefragte Typen waren die 190 E 2.0 Standardmodelle (34 %) und der 190 D (24 %). Obwohl erst 1990 eingeführt, konnte der 190E 1.8, womöglich durch sein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, in kurzer Zeit ein Drittel für sich einnehmen.

Gebaute Mercedes 190
Insgesamt 1.879.629 Stück
Anteil Dieselversionen 33,6 %
Anteil Sechszylinderversionen 5,6 %
Anteil Sechzehnventilerversionen 1,4 %
Anteil Sondermodelle 0,4 %

Motortypen

Zunächst wurden die Modelle als 190 und 190 E (mit dem Ottomotor M102) angeboten; ab Herbst 1983 ergänzte die 53 kW starke Dieselvariante 190 D (OM601) und die Sportversion 190 E 2.3-16 (M102 mit vier Ventilen je Zylinder und 136 kW/185 PS) das Programm. Ab 1985 wurden weitere Modelle angeboten, der 190 D 2.5 (OM602) mit 66 kW, der 190 E 2.3 mit 100 kW und der 190 E 2.6 mit einem 122 kW starken Sechszylinder-Reihenmotor (M103). Später wurde der 190 D 2.5 in einer auf 90 kW verstärkten Turboversion, zunächst serienmäßig mit Viergang-Automatikgetriebe, ausgelieferent. Exportmärkten vorbehalten war der 180 E. Auf dem Pariser Autosalon wurde 1986 die neue Generation von Sechzehnventilern vorgestellt. Das Modell 190 E 2.5-16 mit 143 kW (195 PS) macht sich auch als Evo-Renntourenwagen einen Namen.

Das Topmodell war der im Jahre 1992 erschienene 190 E 3.2 AMG mit 172 kW (234 PS).

Ottomotoren:

Modell Bauzeit Motortyp Ventile/Zyl. Hubraum
[cm3]
Leistung [kW/PS]
bei Drehzahl [U/min]
Drehmoment [Nm]
bei Drehzahl [U/min]
190 82–84 M 102 2/4 1997 66/90 bei 5000 165 bei 2500
84–88 77/105 bei 5200 170 bei 2500
190 (KAT) 85–90 77/105 bei 5700 158 bei 3500
190 E 82–88 90/122 bei 5100 178 bei 3500
190 E (KAT) 85–91 87/118 bei 5100 172 bei 3500
190 E 2.0 91–93 1996 90/122 bei 5300 175 bei 3500
190 E 1.8 90–93 1797 80/109 bei 5500 150 bei 3700
190 E 2.3 85–88 2299 100/136 bei 5100 205 bei 3500
190 E 2.3 (KAT) 85–91 97/132 bei 5100 198 bei 3500
190 E 2.3 91–93 2298 100/136 bei 5200 200 bei 3500
190 E 2.3-16 (ECE) 84–88 4/4 2299 136/185 bei 6200 235 bei 4500
190 E 2.3-16 (RÜF) 8?–8? 130/177 bei 5800 230 bei 4750
190 E 2.3-16 (KAT) 82–87 125/170 bei 5800 220 bei 4750
190 E 2.5-16 (RÜF) 87–88 2498 150/204 bei 6750 240 bei 5000-5500
190 E 2.5-16 (KAT) 7.88–6.93 143/195 bei 6800 235 bei 5000-5500
190 E 2.5-16 Evolution (RÜF) 3.89–5.89 2463 150/204 bei 6750 240 bei 5000-5500
190 E 2.5-16 Evolution (KAT) 143/195 bei 6800 235 bei 5000-5500
190 E 2.5-16 Evolution II (KAT) 5.90–7.90 173/235 bei 7200 245 bei 5000-6000
190 E 2.6 85–88 M 103 2/6 2597 122/166 bei 5800 228 bei 4600
190 E 2.6 (KAT) 85–92 118/160 bei 5800 220 bei 4600
190 E 3.2 AMG 92 3206 172/234 bei 5750 305 bei 4500

Einige Jahre bot Mercedes-Benz sowohl Modelle mit Katalysator (KAT) als auch ohne (RÜF) an. Bei den RÜF-Modellen gab es die Möglichkeit einer späteren Nachrüstung. Die Versionen ohne Kat hatten eine etwas höhere Leistung. Dieses, durch Einführung des Katalysators, entstandene Leistungsdefizit der 190E 2.0 und 2.3 Modelle wurde ab 1991 durch Verwendung der Auspuffanlage des 190E 2.6 ausgeglichen. Die Leistung stieg beim 2.0 von 118 auf 122PS und beim 2.3 von 132 auf 136PS.

Dieselmotoren:

Modell Bauzeit Motortyp Hubraum
[cm3]
Leistung [kW/PS]
bei Drehzahl [U/min]
Drehmoment [Nm]
bei Drehzahl [U/min]
190 D 83–89 OM 601 1997 53/72 bei 4600 123 bei 2800
190 D 89–92 55/75 bei 4600 126 bei 2700-3550
190 D 2.5 85–90 OM 602 2497 66/90 bei 4600 154 bei 2800
190 D 2.5 90–92 69/94 bei 4600 158 bei 2600–3100
190 D 2.5 Turbo 86–89 90/122 bei 4600 225 bei 2400
190 D 2.5 Turbo 89–93 93/126 bei 4600 231 bei 2400

Mercedes 190 DTM-Versionen

190 E EVO II DTM-Version 1992

Ein großer Erfolg gelang mit dem Mercedes-Benz 190 E 2.5-16 in der Rennsaison 1992: Er gewann 16 von 24 Rennen der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) und belegte in der Endabrechnung die Plätze eins bis drei. Kein anderes Auto sammelte bis dato in einer DTM-Saison mehr Siege, mehr Punkte, mehr Trainingsbestzeiten, mehr schnellste Runden und mehr Führungskilometer als die von Mercedes-Benz Haus-Tuner AMG vorbereiteten 190 E 2.5-16 in ihrer zweiten Evolutionsstufe, Kurzbezeichnung: EVO II.

Der 2,5-Liter-Vierzylinder des Siegerwagens von Werkspilot Klaus Ludwig leistet dank Vierventiltechnik und Motronic rund 272 kW bei 9.500/min. Durch konsequente Gewichtseinsparung wiegt der EVO II fahrfertig lediglich 980 Kilogramm. Er beschleunigt in 4,5 Sekunden vom Stand auf 100 km/h. Seine Kraft liefert er über ein geradverzahntes Sechsgang-Getriebe an die Hinterachse mit mechanischer Sperre. Geschaltet wird, ohne zu kuppeln, bei Vollgas. Der Zylinderkopf des Motors stammte von der britischen Firma Cosworth.

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