Baby Doc

Jean-Claude Duvalier (* 3. Juli 1951 in Port-au-Prince), genannt Baby Doc, ist ein ehemaliger haitischer Politiker und Diktator.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Jugend

Duvalier erhielt in den besten Schulen Haitis seine Erziehung und ging nach erfolgreichem Abschluss der Schule an die Universität von Port-au-Prince. Hier studierte er Rechtswissenschaften, zeigte dabei aber wenig Interesse für Politik oder haitianische Belange.

Präsident

Jean-Claude Duvalier folgte seinem Vater, dem Arzt François Duvalier, genannt Papa Doc, der in Haiti bereits 1957 eine Familiendiktatur errichtet hatte, in das Amt des Staatsoberhauptes im Alter von nur 19 Jahren.

Nachdem sein Vater am 21. April 1971 gestorben war, ließ sich Jean-Claude Duvalier als Präsident auf Lebenszeit bestätigen. Er ist damit der jüngste Präsident eines Landes überhaupt gewesen. Die Staatsgeschäfte übergab er indirekt seiner älteren Schwester, Marie-Denise Duvalier, die zeremoniellen Aufgaben wurden für ihn oft von seiner Mutter, Simone Ovide Duvalier, wahrgenommen. Duvalier selber lebte größtenteils das Leben eines Jetset-Playboys.

Anfangs initiierte er leichte Reformen, so etwa eine Lockerung der Pressefreiheit, Amnestien für politische Gefangene und eine Justizreform, letztlich jedoch änderte sich nicht viel im Vergleich zur diktatorischen Herrschaft seines Vaters. Auch er stützte sich auf die Tonton Macoute.

Seine Haupteinkünfte bestritt er durch die Einnahmen der Régie du Tabac, der Tabak Administration, über die er das Tabakmonopol Haitis kontrollierte. Später wurden zu diesen steuerfreien Einnahmen noch weitere Einnahmen aus staatlichen Unternehmen gezogen, die Duvalier kontrollierte. Seine Einnahmen lagen jährlich bei über 100 Millionen Dollar.

Heirat

Im Mai 1980 heiratete er Michèle Duvalier, die aus der gehobenen Mulattenschicht Haitis kam. Ihr Vater wurde von François Duvalier wegen diverser Vergehen zwischenzeitlich eingesperrt und ihr erster Mann ebenfalls, da dieser Staatsstreichpläne hegte. Duvalier konzentrierte sich nach der Heirat auf die Stärkung der mulattischen Minderheit Haitis. Diese Politik stand im Gegensatz zu der seines Vaters, der die schwarze Bevölkerungsmehrheit als Machtpotential nutzte.

Die Kosten der opulenten Hochzeit des Präsidentenpaares betrugen etwa drei Millionen Dollar. Mit seiner Frau hat er die zwei gemeinsamen Kinder Francois Nicolas und Anya.

Ende der Präsidentschaft

Mit dem Besuch des Papstes im März 1983 und dessen öffentlicher Kritik an den haitianischen Zuständen, begann der Unmut der Bevölkerung zu steigen. Im Oktober 1985 starteten die Unruhen in den größten Städten Haitis. Duvalier reagierte mit einer zehnprozentigen Herabsetzung der Höchstpreise auf Grundnahrungsmittel, der Schließung unabhängiger Radiostationen, Polizei- und Militäraktionen und einer Kabinettsumbildung. Diese Maßnahmen brachten jedoch keinerlei Erfolg und führten zur Verschärfung der allgemeinen Lage.

Die US-amerikanische Regierung unter Ronald Reagan übte daraufhin auf Duvalier Druck aus, dass er das Land verlassen sollte. Schon vorher hatte man mit wirtschaftlichen Sanktionen auf Duvalier Druck ausüben wollen, um ihn zu stärkerer Demokratisierung zu bewegen, nachdem US-amerikanische Regierungen seinen Vater und ihn über Jahrzehnte mit Wirtschaftshilfen gestützt hatten. Duvalier ließ diese Aufforderung unbeachtet verstreichen.[1]

Am 7. Februar 1986 wurde Duvalier daraufhin abgesetzt und floh nach Frankreich ins Exil. Die Herrschaft der Duvaliers hat das Land etwa 30.000 Menschenleben gekostet.[2]

Exil

Die erste Zeit lebte das Ehepaar Duvalier im Luxus mit zwei Wohnungen in Paris, einer Villa in Cannes und einem Chateau. Zwischenzeitlich setzte ihn die französische Regierung temporär unter Hausarrest.

1993 verlor er den Großteil seines Vermögens, als er sich von seiner Frau hat scheiden lassen. Weiterhin sind seine in der Schweiz lagernden 7,6 Millionen Franken[3] seit 1986 ein Streitpunkt zwischen der haitianischen und der schweizer Regierung. Im Jahre 2002 fror die schweizer Regierung das Konto ein.[4] In wohl nicht allzu ferner Zukunft wird über das endgültige Verfahren entschieden werden.[5]

Versuche haitianische Aktivisten und Exilanten ihn vor ein Gericht zu stellen wurden von der französischen Regierung in den 90er Jahren unterbunden. Sie beriefen sich auf die Tatsache, das Duvalier keine offiziellen Asylantenstatus in Frankreich genießt. 2004 erklärte er, nachdem die Regierung Aristide gestürzt worden war, dass er nach Haiti zurückkommen wollte, um an der Präsidentenwahl 2005 als Kandidat der National Unity Party teilzunehmen. Dazu ist es freilich nicht gekommen.

2007 erklärte er über eine haitianische Radiostation, dass er nun nach Haiti zurückkehren wolle, da das Exil ihn "gebrochen" habe. Der amtierende Präsident René Préval erlaubte daraufhin offiziell die Einreise Duvaliers.

Derzeit lebt er in einem Ein-Zimmer-Apartment in Paris mit seiner Jugendfreundin Veronique Roy zusammen, deren Großvater, Paul Eugène Magloire, von 1950 bis 1956 Präsident Haitis war und sich in der Regierungszeit der Duvaliers im Exil befand.

Zitate

„Ist es das Schicksal der Leute von Haiti, zu leiden“

Jean-Claude Duvalier[6]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. muz-online.de
  2. Süddeutsche Zeitung
  3. swissinfo.org
  4. focus.de
  5. Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement
  6. allezitate.com

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