Babypinkeln

Unter der Bezeichnung Babypinkeln (auch Babybier, Kindpinkeln, Kinderpinkeln, Pissparty, Pinkelparty oder Pullerparty genannt) werden gesellige Veranstaltungen aus Anlass der Geburt eines Kindes verstanden. Dieser Brauch ist im Umfeld von Familien-, Freundes- und Nachbarschaftskreisen beheimatet.[1] Nach der Überlieferung soll dieser feierliche Umtrunk dem Neugeborenen nach der Geburt durch den Genuss der Getränke symbolisch beim Wasserlassen helfen, damit es keine Schmerzen erleidet.

Der Brauch ist im norddeutschen Raum entstanden und hat sich von dort auf verschiedene deutsche Regionen ausgebreitet. Typischerweise können sich die Ausgestaltungen dieses Brauches innerhalb einer Region schon deutlich voneinander unterscheiden. Vielfach feiert der Vater die Geburt des Kindes mit Freunden und Nachbarn, während die Mutter mit dem Neugeborenen noch im Krankenhaus liegt. Es kommt aber auch vor, dass die Feier erst etwas später ausgerichtet wird, so dass auch die Mutter daran teilnehmen kann. In jedem Fall findet das Babypinkeln aber noch vor der Taufe statt. Manchmal ist das Babypinkeln auch ein Fest, bei dem sich eingeladene Paare das „Ja“ zu einem eigenen Kind geben.

Bei der Ausgestaltung des Festes ist es in einigen Regionen üblich, die Gäste in eine Gaststätte einzuladen. Häufig wird die Feier jedoch im Elternhaus durchgeführt, was durch das Aushängen eines Bettlakens oder einer Fahne aus dem Fenster bekanntgegeben wird, und Freunde und Nachbarn werden auf diese Weise informiert. Eine explizite Einladung ist dann nicht erforderlich. Teilweise wird erwartet, dass die Gäste für Speisen und Getränke sorgen. Auch dies ist von der jeweiligen Region abhängig. Oft wird ein hölzerner Storch aufgestellt, der die Geburt des Kindes weithin sichtbar macht.

Regionale Ausprägungen

In Nordhessen findet der beschriebene Brauch unter dem Namen Pullerschnaps oder Pullerschoppen statt. Ausgeschenkt werden in der Regel „kurze“ klare Schnäpse oder Bier. Im Hunsrück wird dies auch Pissparty genannt.

Besonders in Westerwälder Gemeinden und im Kreis Limburg/Weilburg ist das sogenannte Bäumchenstellen verbreitet. Dabei werden einige Wochen nach der Geburt vor dem Haus der jungen Familie von Nachbarn, Freunden, Verwandten und Arbeitskollegen Bäumchen aufgestellt, die man mit gebrauchter Babykleidung und alten Spielsachen behängt. Oft werden statt eines Bäumchens auch Wäscheleinen gespannt. Auf großen regensicheren Plakaten wird dann in Reimform der neue Erdenbürger begrüßt. Eingeladen zum Bäumchenstellen wird häufig öffentlich, so dass sich alle, die sich mit dem neuen Baby verbunden fühlen, zu diesem traditionellen Treffen versammeln. Anschließend gibt es einen Umtrunk und eine einfache gemeinsame Feier in gemütlicher Atmosphäre. Der neue Erdenbürger ist damit in die Dorfgemeinschaft symbolisch eingeführt.

Am Niederrhein und Ruhrgebiet wird das Babypinkeln sehr kurz nach der Geburt vom Vater des Neugeborenen meist nur mit seinen männlichen Freunden und Verwandten gefeiert, während die Mutter noch mit dem Kind im Krankenhaus ist. Der Vater verkündet in diesem Kreis nur, wann das Babypinkeln stattfindet, eine wirkliche Einladung gibt es nicht.

In Ostfriesland heißt diese Tradition Kindskiek (plattdeutsch). Hier werden zur Geburt Verwandte, Nachbarn und Freunde eingeladen, denen dann Bohntjesopp serviert wird. Dabei handelt es sich nicht um eine herkömmliche Bohnensuppe, sondern um ein Getränk aus Branntwein, Rosinen und Zucker.

In Thüringen wird das Babypinkeln Brunsbier oder Sächbier genannt. Im südthüringer Raum spricht man häufig von Pischbier oder auch Püschbier. Auch hier wird oft gleich nach der Geburt nur mit männlichen Verwandten und Freunden gefeiert und Bier getrunken. In einigen Regionen beschränkt es sich darauf, dass der Vater des Kindes auf der Arbeit den Kollegen Schnaps, Bier oder Sekt ausgibt.

In Hessen nennt sich dieser Brauchtum „Baasche wäsche“ oder „Baasche nass mache“, welches auf Hochdeutsch so viel wie „Beinchen waschen“ bzw. „Beinchen nass machen“ bedeutet. Auch hier trifft sich gewöhnlich nur der Vater des Kindes mit seinem Freundeskreis, um auf die Geburt des Kindes anzustoßen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Vgl. Handball. Nach dem „Babypinkeln“ Harmonie auf dem Feld. In: Rheinische Post vom 24. September 2009; abgerufen am 8. August 2011.

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