Babytaufe

In Deutschland wird die Bezeichnung Kindertaufe bzw. Säuglingstaufe für die Taufe von religionsunmündigen Personen angewendet.

Sie ist in der weltweiten Christenheit die vorherrschende Regel. So wird sie auch in Deutschland von den Volkskirchen und in einigen Freikirchen praktiziert. Die Mehrheit der taufgesinnten Kirchengemeinschaften erkennt Kindertaufen nicht an und praktiziert die sogenannte Gläubigentaufe.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Neutestamentliche Texte und deren kontroverse Auslegung

Im Neuen Testament fehlt eine ausgeführte Lehre von der Taufe. Deshalb wird auch nirgendwo die Frage erörtert, ob Kinder getauft werden sollen oder nicht. Außerdem wird die Taufe eines Kindes nicht ausdrücklich erwähnt; es ist vielmehr eindeutig zu sagen: Berichte über den Vollzug der Kindertaufe liegen nicht vor.[1] Allerdings finden sich im Neuen Testament Passagen, die so verstanden werden können, dass schon in neutestamentlicher Zeit bei der Taufe ganzer Familien auch unmündige Kinder mitgetauft wurden.

Markus 10,13-16 LUT
„Und sie brachten Kinder zu Jesus, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.“
Dies wird als Aufruf dazu verstanden, auch Kinder und solche, die Kindern intellektuell ähnlich sind, vollgültig an der Gemeinschaft der Christen teilhaben zu lassen. Die Gemeinde ist nach Paulus Leib Christi (vgl. Röm 12,5 LUT: „so sind wir viele ein Leib in Christus …“). Mit der Taufe werden Menschen ein Glied dieses Leibes (1 Kor 12,13 EU). Deshalb sollten auch schon Kinder in diesen hineingetauft werden.
Gegner der Kindertaufe schließen aus dem zweiten Halbsatz „solchen gehört das Himmelreich“ und aus dem durch diesen Text bezeugten Sachverhalt, dass Jesus die Kinder nicht tauft, sondern segnet, dass Kindern auch ohne Taufe das Heil gewiss ist.
Johannes 3,5 EU
„Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“
Die Heilsnotwendigkeit der Taufe, wie sie insbesondere im Augsburger Bekenntnis und der katholischen Lehre anzutreffen ist, verweist hauptsächlich auf die Bibelstellen Johannes 3 EU und Galater 3,26f EU.
Der Glaube eines Menschen allein bringt keine Erlangung des Heiles, welches nur durch die Taufe erhalten wird. Eine Ablehnung der Taufe bedeutet nach diesem Verständnis gleichzeitig die Ablehnung von Gottes Heilshandeln und damit Lästerung seines Geistes (vgl. Lukas 12,10 EU).
Gegner der Kindertaufe verweisen hingegen auf den Römerbrief 4,5 EU. Danach sei bereits der Glaube allein hinreichend für das Heil, ohne dass dafür irgendwelche Handlungen erbracht werden müssten. Außerdem gehen sie davon aus, dass mit der Neugeburt aus „Wasser“ das Wort Gottes gemeint sei, da auch an anderen Stellen „Wasser“ ein Symbol für das Wort Gottes ist (vgl. Eph 5,26 EU).
Apostelgeschichte 16,15 LUT; 16,30-34 EU; 18,8 EU und 1.Korintherbrief 1,16 EU
Es werden einzelne Personen „mit ihrem Haus“ getauft oder mit den „ihrigen“ (Apg 16,33 EU).
Siehe ausführlicher: Haustaufen im Neuen Testament.
Das Haus eines Menschen wird im AT stellvertretend für die Familie und das Gesinde gebraucht. Deswegen sehen Befürworter der Kindertaufe darin eine Rechtfertigung der Kindertaufe durch das Beispiel der Apostel.
Die Befürworter sehen das explizite Mitnennen weiterer Personen, auch bei der Frage der Taufe, als nicht notwendig an.
Gegner verweisen darauf, dass Kinder nicht ausdrücklich erwähnt werden. Im kultischen Bereich solle ein Christ nur das praktizieren, was auch ein Vorbild in der Bibel aufweise. Aus diesem Grund sei die Kindertaufe nicht statthaft.
Missionsauftrag in Matthäus 28,16-20 LUT

16 Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. 17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. 18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. 19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes 20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Der Missionsbefehl richtet sich an Christen, die teilweise noch zweifeln. Die Befürworter der Kindertaufe schließen daraus, dass vollkommener Glaube weder bei Taufendem noch bei Täufling vorausgesetzt wird. Die menschliche Unzulänglichkeit rückt gegenüber dem von Gott gegebenen Auftrag und Christi Vollmacht (Vers 18) in den Hintergrund. Aus diesem Grund taufen die Kirchen auch Kinder. Gemäß den Versen 19 und 20, in denen die Lehre auf die Taufe folgt, soll die Erziehung im christlichen Glauben der Taufe folgen.
Die Gegner der Kindertaufe verweisen auf die Apostelgeschichte (z.B. 8,26-28 EU; 16,14-15 EU), in der mehrmals berichtet wird, dass sich Menschen nach dem Hören einer Predigt taufen ließen. Kinder können den Inhalt einer Predigt nicht verstehen, daraus wird geschlossen, dass man sie noch nicht taufen darf.

Die Kindertaufe in der Alten Kirche

Eine der frühsten Darstellungen einer Taufe in der Calixtus-Katakombe (3. Jh.) zeigt die Taufe eines Kindes.

Seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. liegen eindeutige Hinweise und Dokumente für die Säuglings- und Kindertaufen vor:

  • Tertullian, * um 150, Jurist und christlicher Schriftsteller aus Nordafrika, lehnte die Taufe von Kindern ab, aus Sorge, diese könnten sich später der Taufe nicht würdig erweisen. Die Gültigkeit einer Taufe von Kindern stellt er nicht in Frage. Seine Ausführungen belegen, dass zu seiner Zeit die Säuglings- und Kindertaufe selbstverständlich vollzogen wurde.[2]
  • Hippolyt, * um 170, Presbyter der römischen Christengemeinde, berücksichtigte in seiner Kirchenordnung, der Traditio Apostolica, die Taufe auch von Kleinkindern, für welche deren Eltern sprechen sollen.
  • Origenes, * 185, Theologe in Caesarea in Palästina, stellte in seinen Schriften fest, dass die Kindertaufe apostolisch sei, d.h. schon in der Urchristenheit ausgeübt wurde. Er hielt sie für geboten, da die präexistente Seele des Neugeborenen durch Zeugung und Geburt befleckt sei.
  • Cyprian, * um 200, Bischof von Karthago, befürwortete eine Taufe sofort nach der Geburt, um ihr Heil nicht zu gefährden, da sie von der Erbsünde betroffen sei. Als weiteres Argument nannte er: Denn sowenig Gott auf die Person sieht, ebensowenig sieht er auf das Alter, da er sich allen, die die himmlische Gnade erlangen wollen, ohne jeden Unterschied als Vater erweist.[3]

Inschriften aus selbiger Zeit belegen, dass Kinder wie Erwachsene oft erst auf dem Sterbebett getauft wurden.

Augustinus und die Lehre von der Erbsünde

Der theologische Disput zwischen Augustinus und Pelagius ist symptomatisch für die spätere Diskussion um die Kindertaufe. In diesem Streit um die Sünde des Menschen und die Gnade Gottes ging es insbesondere um die Erbsünde und die Größe der Gnade Gottes. Dabei war für Augustinus die bestehende kirchliche Übung, auch kleine Kinder zu taufen, ein Beleg für das Vorhandensein ererbter Schuld. Der Glaube könne später dazutreten. Die Säuglingstaufe sei dabei besonders empfehlenswert, weil das unmündige Kind der heiligen Handlung noch keine widersetzlichen Gedanken entgegensetzen könne.[4]

Da die Säuglingstaufe als Ausdruck der Gnade angesehen wurde, verschärften sich in der Folge die Positionen. Die Kirche entschied sich nach einigem Schwanken für die augustinische Position und ordnete in der 4. Synode von Karthago 418 die Taufe von Kindern christlicher Eltern bald nach der Geburt an, „um sie der Gefahr der Verdammnis zu entreißen, die ihnen droht, falls sie ungetauft sterben …“ Ebenfalls ist dort von einer Art „Zwischenhimmel“ für ungetauft verstorbenen Kinder die Rede.[5] Diese Lehre vom Limbus infantium wurde im Mittelalter noch weiter spezifiziert[6]

Auch die Deutung der Taufe als Sakrament, ein ebenfalls von Augustinus geprägter Ausdruck,[7] führte dazu, dass sich das Verständnis der Taufe vom bewussten Eintritt unter die Herrschaft Christi zu einem Heilswerk (opus operandum) wandelte, das vollzogen werden musste, um Anteil an der göttlichen Sphäre zu erlangen.

Ostkirche

In den nichtlateinischen Ostkirchen wurde Augustinus Erbsündenlehre zwar nicht wahrgenommen, jedoch schon früh die Taufe wie die übrigen Sakramente als „Heiliges Geheimnis“ angesehen, das niemandem vorenthalten werden darf.[8] So lehrte der Kirchenvater Hieronymus um 350 ganz selbstverständlich die Kindertaufe als die bessere Variante.[9] Allerdings sind Cyprian und Hieronymus zwar voraugustinische, aber doch westliche Kirchenväter, die daher den Ostkirchen zwar noch näher stehen als spätere westliche Theologen, aber dennoch nicht unbedingt repräsentativ für diese sind.

Der östliche Kirchenvater Gregor von Nyssa argumentierte wenig später in seiner Schrift Über den frühen Tod von Säuglingen[10], dass Gott nicht so ungerecht sei, dass er ein Neugeborenes, das noch keine Gelegenheit zum Sündigen hatte, einem langjährigen Sünder gleichstellen würde. Der Gedanke, dass ein älteres Kind ungetauft stürbe, kam ihm gar nicht, so selbstverständlich war die Kindertaufe bereits. Entsprechend diesem Glauben, dass ein ungetauft gestorbener Säugling keineswegs der Verdammnis ausgeliefert ist, wird in den Ostkirchen meist etwas später getauft als in der römisch-katholischen Kirche; üblich ist die Taufe am vierzigsten Lebenstag. Das vollständige Untertauchen des Täuflings ist hier immer beibehalten worden.

Weitere theologische Argumente

Neben der Erbsündenlehre diente die typologische Deutung der Beschneidung auf die Taufe zur theologischen Begründung der Kindertaufe. Da Jesus wie jeder jüdische Junge am achten Lebenstag durch die Beschneidung in den Alten Bund eintrat, so sollen die Christen ihre Kinder auch als Säuglinge mit der Taufe in den Neuen Bund eintreten lassen.

Staatsreligion

Dass die Kindertaufe zunehmend die Regel wurde, hatte einen weiteren Grund in der im 4. Jahrhundert erfolgten öffentlichen Anerkennung der christlichen Religion im Römischen Reich. Am 30. April 311 erließ Kaiser Galerius sein Toleranzedikt, und im Frühjahr 313 Kaiser Konstantin die Mailänder Konvention, in der auch dem Christentum die Religionsausübung unbeschränkt gestattet wurde. Der Entwicklung von einer jüdischen Sekte hin zu einer Volksreligion – wie sie das Judentum auch schon gewesen war – war damit für das römische Reich eingeleitet. Durch das Dreikaiseredikt im Jahr 380 und durch das Verbot heidnischer Kulte im Jahr 391 wurde schließlich die christliche Kirche römische Staatsreligion. Eine Zwangszugehörigkeit der Bürger zur christlichen Religion gab es allerdings nicht.

Die Taufe Erwachsener ist zu keiner Zeit der Kirchengeschichte außer Gebrauch gekommen. Die traditionellen Taufordnungen der Kirchen katholischen Typs sind auf sie hin ausgerichtet und berücksichtigen die Taufe von Kleinkindern eher nebenbei, z. B., dass sie noch nicht laufen und sprechen können, daher ein Erwachsener sie tragen und an ihrer Stelle sprechen muss. Eine das Kindsein des Täuflings voll berücksichtigende Taufordnung liegt erst seit der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanum vor.

Kontroverse um die Kindertaufe in der Reformationszeit

In der Reformationszeit wurde die Praxis der Kindertaufe weitgehend und selbstverständlich fortgesetzt. Doch erstmals seit der Antike wurde die Berechtigung der Kindertaufe auch in Frage gestellt, nun mit neuer Argumentation. Es waren vor allem die Täufer, die sie radikal ablehnten. Im ersten Artikel des von Michael Sattler zusammengestellten Schleitheimer Bekenntnis heißt es:

Die Taufe soll allen denen gegeben werden, die über die Buße und Änderung des Lebens belehrt worden sind und wahrhaftig glauben, dass ihre Sünden durch Christus hinweg genommen sind, und allen denen, die wandeln wollen in der Auferstehung Jesu Christi und mit ihm in den Tod begraben sein wollen, auf daß sie mit ihm auferstehen mögen, und allen denen, die es in solcher Meinung von uns begehren und von sich selbst aus fordern. Damit wird jede Kindertaufe ausgeschlossen, des Papstes höchster und erster Greuel. Dafür habt Ihr Beweise und Zeugnisse in der Schrift und Beispiele bei den Aposteln (Matth. 28,19; Mark. 16,16; Apg. 2,38; 8,36f.; 16,31.33; 19,4f.). Dabei wollen wir einfältig, aber doch fest und mit Gewissheit bleiben.

Zwingli hielt die Taufe wie auch die das andere Sakrament, das Abendmahl, nur für ein äußeres Symbol, das selber nichts bewirke. Mit ihm beginnt die Deutung der Taufe, die im reformierten Zweig (Schweiz, Holland) der evangelischen Bewegung zu einem stärkeren Auseinandertreten von Geist (wirkt das Heil) und Ritus (bezeichnet das Heil) führt. Er stand anfänglich der Gläubigentaufe positiv gegenüber. In seiner Auseinandersetzung mit der Täuferbewegung trat er aber schon bald vehement für die Kindertaufe ein. Dabei spielte auch eine Rolle, dass die Täuferbewegung aus seiner Sicht die öffentliche Ordnung gefährdete. In der reformierten Theologie wird die Kindertaufe nach Ulrich Zwingli als Bundeszeichen des neuen Bundes betrachtet – analog zur Beschneidung, dem Symbol des Alten Bundes. Da die Beschneidung auch an männlichen Kindern bis zum 8. Tag bis heute im Judentum vollzogen wird, habe die Taufe religionsunmündiger Kinder ebenfalls ihre Berechtigung (Vgl. Kol 2,11-12 EU zum Parallelismus zwischen Beschneidung und Taufe). Auch gehe dieser Bundesschluss und die göttliche Erwählung, die im Sakrament der Taufe sichtbar wird, immer dem Glauben voraus.

Martin Luther betonte: Jeder ist unwürdig, die Taufe zu empfangen. Er berief sich auf die Gnade Gottes, die ohne Verdienst erlangt wird und leitete daraus auch die Taufe eines unmündigen Kindes ab. So schrieb Luther im Großen Katechismus:

„Darnach sagen wir weiter, dass uns nicht die größte Macht daran liegt, ob, der da getauft wird, glaube oder nicht glaube; denn darum wird die Taufe nicht unrecht, sondern an Gottes Wort und Gebot liegt es alles. … das ist, wenn das Wort bei dem Wasser ist, so ist die Taufe recht, ob schon der Glaube nicht dazu kommt; denn mein Glaube macht nicht die Taufe, sondern empfängt die Taufe.“

Gegen die taufgesinnte Bewegung schreibt er:

„Sie aber, die Schwärmergeister, sind so verblendet, dass sie Gottes Wort und Gebot nicht sehen und die Taufe und Obrigkeit nicht weiter ansehen denn als Wasser im Bach und Töpfen oder als einen andern Menschen, und weil sie keinen Glauben noch Gehorsam sehen, soll es an sich selbst auch nichts gelten. Da ist ein heimlicher, aufrührerischer Teufel, der gern die Krone von der Obrigkeit reißen wollte dass man sie darnach mit Füßen trete, dazu alle Gottes Werke und Ordnungen uns verkehren und zunichte machen. Darum müssen wir wacker und getröstet sein und uns von dem Worte nicht lassen weisen noch wenden, dass wir die Taufe nicht lassen ein bloß lediges Zeichen sein, wie die Schwärmer träumen.[11]

„Und ich wollt hoch und teuer drum wetten, dass der Teufel durch die Rottengeister und Wiedertäufer eben das im Sinn hat und nur darum die Kindertaufe aufheben und nur die Alten und Großen taufen will. Denn seine [des Teufels] Gedanken sind gewiß die: wenn ich die Kindertaufe weg habe, so will ich mit den Alten schon so weit kommen, dass sie die Taufe verziehen und aufschieben, bis sie ausgebubet haben, oder bis aufs letzte Stündlein, außerdem will ich sie schon fein von der Predigt abhalten, dass sie mir weder von Christus noch von der Taufe etwas lernen und halten …[12]

Johannes Calvin befürwortete von Anfang an die Beibehaltung der Kindertaufe. Seine Theologie der Kindertaufe wird später so zusammengefasst:

Soll man auch die jungen Kinder taufen?

Ja; denn weil sie, ebenso wie die Alten, in den Bund Gottes und in seine Gemeinde gehören (1.Mose 17,7) und ihnen in dem Blut Christi die Erlösung von den Sünden (Mt 19,14) und der Heilige Geist, der den Glauben wirkt, nicht weniger als den Alten zugesagt wird (Lk 1,14.15; Ps 22,11; Jes 44,1-3; 46,3.4; Apg 2,39), so sollen sie auch durch die Taufe als das Bundeszeichen der christlichen Kirche eingeleibt und von den Kindern der Ungläubigen unterschieden werden (Apg 10,47), wie es im Alten Testament durch die Beschneidung geschehen ist (1.Mose 17,14), an deren Stelle im Neuen Testament die Taufe eingesetzt wurde (Kol 2,11-13).

Heidelberger Katechismus 74

Schließlich werden in der von Melanchthon verfassten Confessio Augustana, dem Glaubensbekenntnis der Lutherischen Kirche, die so genannten Wiedertäufer mit ihrer Ablehnung der Kindertaufe fünfmal verdammt (CA, Artikel 5, 9, 12, 16 und 17).

Johannes Bugenhagen betonte in seinen Kirchenordnungen die Notwendigkeit der Kindertaufe, damit niemand, auch die Kinder nicht, aus der christlichen Gemeinschaft ausgeschlossen sei. Damit die Kinder aber lernten, bei Christus zu bleiben, legte er großen Wert auf christliche Erziehung. Zu diesem Zweck wurden Schulen gegründet.

Gegenwart

Evangelisch

In der Gegenwart ist die volkskirchliche Praxis der Kindertaufe vor allem innerhalb der protestantischen Kirchen neu diskutiert worden. Ausgangspunkt dieser Diskussion war die 1967 erschienene Schrift des reformierten Theologen Karl Barth „Die Taufe als Begründung des christlichen Lebens“. Barth unterscheidet in dieser Schrift zwischen „Wassertaufe“ und „Taufe durch den Heiligen Geist. Die Wassertaufe sei Menschenwerk, die Taufe mit dem Heiligen Geist sei Gottes Werk. Beides müsse deutlich voneinander unterschieden werden. Während sich in der „Geistestaufe“ Gott dem Menschen zuwende, wende sich in der Wassertaufe der Mensch Gott zu. Aus diesem Grund plädierte Barth für die Erwachsenentaufe als die menschliche „Antwort des Glaubens“.

Dagegen vertrat der lutherische Neutestamentler Joachim Jeremias die Ansicht, dass die Kinder- und Säuglingstaufe schon früh in der Alten Kirche praktiziert wurde. Er begründete das mit dem kollektiven Denken der Antike und des Judentums zur Zeit Jesu, also dem Denken im Sozialverband (Oikos = "Haus", Familie, Polis = Gemeinwesen) im Gegensatz zum neuzeitlichen Individualismus, sowie mit der jüdischen Proselytentaufe, die auch schon an Kindern vollzogen wurde. Nach Jeremias ist es für einen antiken Menschen schlechterdings nicht vorstellbar, Kindern die Taufe vorzuenthalten, die zu seinem Haus gehören (siehe Haustaufen im Neuen Testament).

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat zu Pfingsten 2008 eine „Orientierungshilfe zu Verständnis und Praxis der Taufe in der evangelischen Kirche“ herausgegeben, die den aktuellen Stand der Diskussion innerhalb der EKD darstellt. Dort heißt es zur Kindertaufe: „Verstehen wir den Glauben ausschließlich als subjektiven Glauben, als eine persönliche Entscheidung für Gott und als einen bewussten Akt des Vertrauens auf Gott, so muss die Kindertaufe in der Tat problematisch werden. Verstehen wir dagegen wie die allermeisten biblischen Texte Glauben vorrangig als Geschenk und als ein Kraftfeld, in dem wir leben, so können Säuglinge und kleine Kinder guten Gewissens getauft werden. Da Glauben aber immer beides ist – sowohl Gabe als auch persönliche Aneignung … –, praktizieren die allermeisten christlichen Kirchen sowohl die Säuglings- als auch die Mündigentaufe und treten so einem einseitigen Verständnis von Glauben entgegen. Im Gespräch mit baptistischen Mitchristen sollte dafür geworben werden, dass vor dem Hintergrund des gesamtbiblischen Zeugnisses über den christlichen Glauben die Gültigkeit einer Säuglingstaufe mindestens respektiert wird, wie umgekehrt die evangelischen Kirchen so neu auf Chancen und Möglichkeiten der Erwachsenentaufe aufmerksam werden können.“[13] „Theologisch muss festgehalten werden, dass die Taufe nicht geeignet ist, Ausdruck einer aktiven Antwort des Glaubenden zu sein; sie setzt nicht die Mündigkeit und den Glauben voraus, sondern ruft ihn hervor. Die Taufe von Säuglingen ist von daher eine Anerkennung der Voraussetzungslosigkeit des Handelns Gottes.“[14]

Katholisch

Für die römisch-katholische Kirche setzt jede Taufe den christlichen Glauben voraus. Kleine Kinder (vor dem Einschulungsalter) werden im „Glauben der Kirche“ getauft, wenn ihre Erziehung im christlichen Glauben als gewährleistet anzunehmen ist. Eine Frage nach dem Glauben dieser Kinder erfolgt im heutigen Taufgottesdienst daher nicht. Vielmehr werden Mutter und/oder Vater nach ihrem, d. h. der Erwachsenen, persönlichen Glauben befragt und der Glaube der Kirche bekannt. Kinder im Schulalter, Heranwachsende und Erwachsene können die Taufe nur dann empfangen, wenn sie vor dieser ihren persönlichen Glauben öffentlich bekannt haben.[15]

Kindertaufe und Namensgebung

Die Frage des Pfarrers nach dem Namen der Täuflings bei der oft nur wenige Tage nach der Geburt vollzogenen Säuglingstaufe[16] hat zu einem verbreiteten Missverständnis geführt, was die Beziehung von Taufe und Namensgebung angeht. Dieses Missverständnis drückt sich unter anderem in folgenden Wörtern aus: Schiffstaufe und sich umtaufen lassen (sinnbildlich für: einen Namenswechsel vornehmen). Die Säuglingstaufe hat diesem Missverständnis Vorschub geleistet, da sie an Neugeborenen vollzogen wird und somit Namensgebung und Taufe in einem engen zeitlichen Rahmen zusammen bringt. Die neutestamentliche Taufe hat ursprünglich mit einer Namensgebung des Täuflings nichts zu tun. Täuflinge wurden und werden auf den Namen des dreieinigen Gottes beziehungsweise auf den Namen Jesus getauft, nicht auf ihren eigenen. Deutlich wird das in der katholischen Liturgie, wo die Eltern zu Anfang der Feier heute gefragt werden: „Welchen Namen haben Sie Ihrem Kind gegeben?“ Es besitzt also bereits seinen persönlichen Namen, noch bevor es „im Namen“ der Dreifaltigkeit getauft wird.

In der frühen Kirche (nicht allerdings zur Zeit des Neuen Testaments) und im Rahmen der Mission war es hin und wieder üblich, dass auch mündig Getaufte ihren alten heidnischen Namen ablegten und sich einen neuen – meist biblischen – Namen zulegten. Dieser Usus spiegelt noch in der Sitte, anlässlich der Firmung einen zusätzlichen Firmnamen anzunehmen.

Aberglaube im Zusammenhang mit der Kindertaufe

Aus der großen Angst heraus, das Neugeborene könne vor der Taufe sterben und so nicht in den Himmel, sondern nur in den Limbus infantium gelangen, begannen sich ab dem Mittelalter allerlei Bräuche um die Taufe zu scharen. So durfte das ungetaufte Kind nicht das Haus verlassen, und man vermied, seinen Namen auszusprechen. Man glaubte auch, dass die Eigenschaften oder das Verhalten der Paten und der Mutter am Tauftag Auswirkungen auf das spätere Leben des Kindes habe [17] oder deutete das Verhalten des Kindes als Vorzeichen.

Literatur

  • Kurt Aland
    • Die Säuglingstaufe im Neuen Testament und in der Alten Kirche. Eine Antwort an Joachim Jeremias. (1961)
    • Taufe und Kindertaufe. 40 Sätze zur Aussage des Neuen Testaments und dem historischen Befund, zur modernen Debatte darüber und den Folgerungen daraus für die kirchliche Praxis – zugleich eine Auseinandersetzung mit Karl Barths Lehre von der Taufe (1971)
  • Carl Heinz Ratschow, Die eine christliche Taufe, Gütersloh: Mohn (²1979)
  • Karl Barth: Die Taufe als Begründung des christlichen Lebens (1967)
  • Markus Barth: Die Taufe – ein Sakrament? (Zollikon-Zürich 1951)
  • George Beasley-Murray:
    • Die christliche Taufe, in: Reihe Kirchengeschichtliche Monographien (KGM) (Wuppertal 1998) ISBN 978-3-417-29431-6
    • Gesichtspunkte zum Taufgespräch heute (Kassel 1965)
  • Dietrich Bonhoeffer: Die Taufe. In: ders.: Nachfolge. Gesammelte Werke (Hg von Martin Kuske und Ilse Tödt), Gütersloh: Christian Kaiser Verlag, 2. Aufl. 1994, Band IV, S. 219ff
  • Joachim Jeremias
    • Mc 10, 13–16 parr. und die Übung der Kindertaufe in der Urkirche, ZNW 40 (1941), S. 243–245
    • Hat die älteste Kirche die Kindertaufe geübt? Göttingen 1938
    • Hat die Urkirche die Kindertaufe geübt? Göttingen 1949, 49 S.
    • Proselytentaufe und Neues Testament, Theologische Zeitschrift Basel 5 (1949), S. 418–428. (Vgl. auch seinen anderen frühen Aufsatz „Der Ursprung der Johannestaufe“)
    • Die Kindertaufe in den ersten vier Jahrhunderten. Göttingen 1958, 127 S.
    • Nochmals: Die Anfänge der Kindertaufe. Eine Replik auf Kurt Alands Schrift: ‚Die Säuglingstaufe im NT und in der Alten Kirche’, München 1962, 72 S.
  • Walter Kasper (Hg.) Christsein ohne Entscheidung oder soll die Kirche Kinder taufen? Mainz 1970
  • Wolfram Kerner: Gläubigentaufe und Säuglingstaufe (Diss. Heidelberg, Norderstedt 2004)
  • G. Koch: Kindertaufe: Lexikon der katholischen Dogmatik, Freiburg 1991 S. 305f.
  • Evangelische Kirche im Rheinland: Kindertaufe – Pflicht oder Verpflichtung? (Düsseldorf 1968)
  • Wayne A. Meeks: Urchristentum und Stadtkultur. Die soziale Welt der paulinischen Gemeinden München: Kaiser (1993)
  • Karl Ferdinand Müller / Walter Blankenburg (Herausgeber): LEITURGIA. Handbuch des evangelischen Gottesdienstes. 5. Band: Der Taufgottesdienst (Kassel 1970)
  • Friedrich Sondheimer: Die wahre Taufe. Ein Bekenntnis zur Taufe der Gläubigen (Kassel o. J.)
  • Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (Herausgeber): Die Taufe. Eine Orientierungshilfe zu Verständnis und Praxis der Taufe in der evangelischen Kirche (Gütersloh 2008)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Evangelische Kirche im Rheinland: Kindertaufe – Pflicht oder Verpflichtung? S. 19
  2. Tertullian: De baptismo 18
  3. Cyprian: Brief 641f
  4. Augustinus: De peccatorum meritis ac remissione et de baptismo parvulorum
  5. Der noch heute kirchenrechtlich geltende Beschluss der Synode von Karthago
  6. Katholische Erklärung des Limbus infantium
  7. Augustinus: Tractatus in Iohannis Euangelium 80,3
  8. Vgl. Cyprian: Wieviel weniger darf man dann ein Kind zurückweisen, das neugeboren ist und noch keine Sünde begangen hat, sondern nur mit der ersten Geburt der Wirkung des alten Todes ausgesetzt ist, da er wie Adam im Fleische geboren ist! So kann es zur Vergebung der Sünden schon deshalb leichter gelangen, weil ihm keine eigenen, sondern nur fremde Sünden zu vergeben sind. Cyprian: ep. 64
  9. Hieronymus: Dialogi contra Pelagianos libri III 18
  10. http://www.ccel.org/ccel/schaff/npnf205.ix.iii.html
  11. Luther: Großer Katechismus Der vierte Teil, Von der Taufe
  12. Weimarer Gesamtausgabe der Werke Luthers 30/II, S. 596
  13. Die Taufe. Eine Orientierungshilfe zu Verständnis und Praxis der Taufe in der evangelischen Kirche, 2008, Seite 38
  14. Die Taufe. Eine Orientierungshilfe zu Verständnis und Praxis der Taufe in der evangelischen Kirche, 2008, Seite 43
  15. Die Feier der Kindertaufe. Pastorale Einführung. Hrsg. vom Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz. 2., verbesserte Auflage, Bonn 2008.
  16. Z.B. „Wie soll es hinführo, zur beständigen Erinnerung an seine Taufe, genannt werden?“ in: Schleswig-Holsteinisch Kirchen-Agende. Einrichtung der öffentlichen Gottesverehrung. Formulare für die öffentlichen Religionshandlungen. Sonntags- und Festtagsperikopen. Auf allerhöchsten Königlichen Befehl … verfasst von Dr. Jacob Georg Christian Adler 1797 S. 150
  17. Taufe und Magie In der Novelle Die schwarze Spinne von Jeremias Gotthelf, deren Rahmenhandlung eine Kindstaufe ist, werden etliche solcher Bräuche erwähnt.

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