Bach-Renaissance

Der Ausdruck Bach-Renaissance bezeichnet die Entdeckung der Bedeutung Johann Sebastian Bachs als musikepochales Phänomen im 19. Jahrhundert. In dieser Renaissance wurzelt die Anerkennung des musikalischen Werkes, seine Erforschung, Pflege und Praxis bis zum heutigen Tag.

Nach dem Tod Johann Sebastian Bachs wurden dessen Werke immer weniger zur Aufführung gebracht. Sie wurden für Publikum und Musiker gleichermaßen als schwierig empfunden und verschwanden immer mehr aus dem öffentlichen musikalischen Gedächtnis. Während der Wiener Klassik machte Gottfried van Swieten, ein Mäzen Mozarts, diesen mit einigen Manuskripten Bachs bekannt, und auch Haydn und Beethoven waren Teile von J. S. Bachs Schaffen zumindest noch vertraut.

Es ist in besonderem Maße das Verdienst der Sing-Akademie zu Berlin im 19. Jahrhundert, besonders durch das Wirken ihres zweiten Direktors, Carl Friedrich Zelter, den eine langjährige und innige Freundschaft zu Johann Wolfgang von Goethe verband, Bach dem allgemeinen Vergessen entrissen zu haben.

In der Pflege des musikalischen Werks Johann Sebastian Bachs und darin, die geistliche Musik einem bürgerlichen Publikum außerhalb der Kirche zugänglich gemacht zu haben, die ernste Musik gepflegt und somit einen Übergang von der höfischen Musikkultur zur bürgerlichen Musikpflege ermöglicht zu haben, bestand die große musikgeschichtliche Bedeutung der Chorvereinigung.

Bereits nach deren Entstehung 1791 wurden durch ihren Gründer Carl Friedrich Christian Fasch kleinere Werke Bachs seit 1794 einstudiert und später auch zur Aufführung gebracht. Als sein Amtsnachfolger vertiefte sich Zelter in Bachs Werk, so dass auch sein Schüler Felix Mendelssohn Bartholdy darauf aufmerksam wurde.

In der Sing-Akademie fand am 11. März 1829 jene legendäre Wiederaufführung der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach unter dem 20-jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy statt, die Bach wieder in das Bewusstsein der Öffentlichkeit brachte und eine Bach-Renaissance breitesten Maßstabs einleitete.

Unter dem dritten Direktor Carl Friedrich Rungenhagen wurden erstmalig nach Bachs Tod am 21. Februar 1833 auch noch die Johannespassion, am 20. Februar 1834 (1. Teil) sowie am 12. Februar 1835 (2. Teil) die Messe in h-Moll wieder aufgeführt, unter Rungenhagens Nachfolger Eduard Grell am 17. Dezember 1857 das Weihnachts-Oratorium.


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