Bachkalb
Eine Brunnenstatue in Aachen erinnert heute wieder an die Sage von dem Bahkauv
Ursprünglicher Bahkauv-Brunnen, 1904 nach einem Entwurf von Karl Kraus errichtet, im II. Weltkrieg eingeschmolzen

Bahkauv (aus Bachkalb, auch Badekalb) ist eine Sagengestalt aus der Stadt Aachen. Es soll einem großen Kalb mit scharfen Zähnen und schuppigem Fell ähneln.

Es soll nachts betrunkene Männer erschrecken und sie auffordern, es auf ihren Schultern zu tragen, sodass die Männer es schwer haben, heimzugehen. Flehten oder beteten die betrunkenen Männer, so wurde das Gewicht des Bahkauvs schwerer. Fluchten oder schimpften sie, dann wurde die Last leichter.

Frauen und Kinder belästigt das Bahkauv aber nie. Ihm zu Ehren errichteten die Aachener eine Brunnenanlage am Büchel (auch Kolbert genannt), wo es der Sage nach gewohnt haben soll. Diese wurde im Krieg zerstört, doch gibt es seit 1967 dort eine moderne Brunnenanlage von Kurt-Wolf von Borries, welche das Bahkauv zeigt. Das Wasser kommt allerdings nicht aus dem Maul, sondern aus Düsen im Schwanz des Tieres.

Einer angeblich aus dem 17. Jahrhundert stammenden Sage zu Folge soll das Bachkalb irgendwann einmal als ein Straßenräuber in Verkleidung enttarnt worden sein. Als das Untier einmal versehentlich einen kräftigen Schmied anfiel, schleuderte dieser es zu Boden und verprügelte es, bis aus dem Kostüm ein vor Schmerzen jammernder Torwächter kroch, der seine berufliche Stellung dazu genutzt hatte, in der Nacht unerkannt und ohne Verdacht zu erregen betrunkene Passanten auszurauben. Angeblich ist dieses Ereignis in den Stadtchroniken vermerkt, doch findet sich die Stelle nirgends. Die Geschichte vom Bachkalb ist hier mit einer im Rheinland weit verbreiteten Wandersage verschmolzen, nach welcher ein beherzter Bauer oder Schmied das aufhockende Ungeheuer (etwa den Hackestüpp in Düren-Merzenich) als einen gewöhnlichen Straßenräuber enttarnt.

Angeblich soll Pippin der Jüngere, der Vater von Karl dem Großen, gegen das Bahkauv gekämpft haben. Diese Behauptung findet sich seit dem 19. Jahrhundert mit schöner Regelmäßigkeit in den Aachener Sagensammlungen und scheint eine Erfindung von lokalpatriotischen Heimatdichtern aus Aachen zu sein, die angesichts der vielen spukenden Kälber in den verschiedenen Teilen des Rheinlandes und Siegerlandes darum bemüht waren, dieses Untier speziell für ihre Stadt in Beschlag zu nehmen und der Sage eine unzulässige historische Tiefe zu verleihen.

Mythengeschichtlich ist das Bachkalb eine interessante Figur, denn im Rheinland gibt es zahlreiche Sagen über dämonische Wesen, die in der Nacht an einem Bach hocken, einsamen oder betrunkenen Wanderern auflauern und ihnen auf den Rücken springen. In der Gegend um Aachen und Düren sind dies vornehmlich zwei Unholde - einmal der Werwolf, der hier Stüpp heißt, und eben das Kalb. Hinter diesem Spukwesen, das übrigens kein Gespenst ist, sondern ein sehr körperhafter Unhold, verbirgt sich vermutlich ein Wiedergänger, d. h. ein Verstorbener, der aus dem Jenseits bzw. aus dem Grab zurückkehrt, um die Lebenden zu plagen. Insgesamt gehören der Bachstüpp und das Bachkalb (im Grenzgebiet zu den Niederlanden auch "Grachtkalb" genannt), zur Klasse der unter dem Namen Aufhocker bekannten Spuk- und Plagewesen. Warum eine Transformation des untoten Wanderleichnams in ein Tier stattgefunden hat, ist eine von der Sagenforschung noch ungelöste Frage.

Siehe auch

Literatur

  • Peter Kremer, Wo das Grauen lauert. Blutsauger und kopflose Reiter, Werwölfe und Wiedergänger an Inde, Erft und Rur. Düren: PeKaDe-Verlag 2003 (kommentierte Sagensammlung aus dem westlichen Rheinland). ISBN 3-929928-01-9

Weblinks

50.7757777777786.08596944444457Koordinaten: 50° 46′ 33″ N, 6° 5′ 9″ O


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Bahkauv — Eine Brunnenstatue in Aachen erinnert heute wieder an die Sage von dem Bahkauv …   Deutsch Wikipedia

  • Stüpp — ist im westlichen Rheinland die Bezeichnung für einen Werwolf. Offenbar ist diese regionale Variante des europaweit bekannten Gestaltwandlers die einzige mit einem eigenen Namen. Der Stüpp ist in zahlreichen Volksüberlieferungen im Gebiet… …   Deutsch Wikipedia

  • Aachen — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Aachener Thermalquellen — Übersichtskarte der Aachener und Burtscheider Thermalquellen sowie der Stationen der Thermalwasserroute. Die über 30 Aachener Thermalquellen zählen zu den ergiebigsten Thermalquellen Deutschlands; sie treten in zwei Quellzügen im Aachener… …   Deutsch Wikipedia

  • Ahha — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Aix-la-Chapelle — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Aquisgranum — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Bad Aachen — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Fabeltiere — Generell kann man menschliche, tierische und Mensch Tier Mischwesen unterscheiden. Inhaltsverzeichnis 1 Tiergestalt und Mischwesen 1.1 Mediterraner Raum und Orient 1.2 Deutschland Österreich 1.3 Europa 1.4 Osteuropa …   Deutsch Wikipedia

  • Juffer — Eine Juffer – ripuarisch „Jufe“ oder „Jofe“ (Plural „Jufere“, Koseform „Jüfesche“ oder „Jööfche“) – bezeichnet im Rheinland, speziell entlang der Rur zwischen Heimbach (Eifel) und dem Jülicher Land sowie an der Inde im Gebiet um Eschweiler… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”