7. Sinfonie (Mahler)

Die 7. Sinfonie von Gustav Mahler ist eine Sinfonie für großes Orchester in fünf Sätzen. Der schon früh verwendete Beiname Lied der Nacht stammt nicht von Mahler.

Inhaltsverzeichnis

Werkbeschreibung

Die Sinfonie enthält folgende Sätze:

  1. Langsam (Adagio) – Allegro risoluto, ma non troppo (e-Moll)
  2. Nachtmusik I. Allegro moderato (c-Moll)
  3. Scherzo. Schattenhaft (d-Moll)
  4. Nachtmusik II. Andante amoroso (F-Dur)
  5. Rondo-Finale. Allegro ordinario (C-Dur)

Eine Aufführung dauert, je nach Interpretation, etwa 80 Minuten.

Der erste Satz ist, ganz den Regeln einer klassischen Sinfonie entsprechend, in Sonatenform gesetzt. Das Hauptthema ist im marschartigen Duktus der vorhergehenden, tragischen 6. Sinfonie gestaltet. Mahler verwendet für die Intonation des Themas ein Tenorhorn. Das zweite Thema, in C-Dur stehend, ist dagegen von lyrisch-weitschweifendem Charakter. In der Mitte der Durchführung kommt die Musik unerwartet nahezu völlig zum Stillstand. Über hohen Tremoli der Violinen ertönt ein Dreitonmotiv in den Trompeten. Es folgt eine choralhafte Akkordfolge in „sehr feierlicher und gehaltener“ Vortragsweise. Ein Harfenglissando eröffnet einen ätherischen, seltsam entrückten H-Dur-Abschnitt. Laut Mahler ein „Ausblick auf eine beßre [sic!] Welt“.[1] Die Vision verklingt mit dem Einsetzen der Reprise und dem somit wiederkehrenden Marschthema. Der Satz endet schließlich in strahlendem E-Dur.

Es folgt die erste der beiden Nachtmusiken, die Mahler in die Sinfonie eingefügt hat. Dieser Titel stammt, anders als der inoffizielle Beiname Lied der Nacht, von Mahler selbst. Die Nachtmusik beginnt mit einem Dialog zwischen erstem und dritten Horn und erinnert hierbei an die Scène aux Champs aus der Symphonie fantastique von Hector Berlioz. Es folgt eine Imitation zahlreicher Vogelrufe, die zu einem immer undurchsichtiger werdenden Zusammenklang verwoben werden. Schließlich entsteht ein Marschlied, welches eigentümlich zwischen Dur und Moll schwankt.[2] Wieder wartet Mahler mit einem militärisch anmutenden Marschthema auf, ein Merkmal Mahler'scher Musik, das auf seine Kindheit in der Garnisonsstadt Iglau (Jihlava) zurückzuführen ist. Das folgende Trio ist im eleganten Duktus Pjotr Tschaikowskis gesetzt, bevor der Dialog der Hörner erneut einsetzt. Hierzu erklingt nun, wie schon in der 6. Sinfonie das Geläut von Herdenglocken „in weiter Entfernung“. Mahler ging es hier nicht primär um die programmatische Darstellung von Kuhherden und ländlicher Idylle, sondern um ein „verhallendes Erdengeräusch im Angesicht der Ewigkeit, als letzten Gruß lebender Wesen.“ Der Klang der Herdenglocken soll einzig und allein „weltferne Einsamkeit“ symbolisieren.[3]

Entstehung

Die beiden Nachtmusiken entstanden im Sommer 1904, noch vor der Fertigstellung des vierten Satzes der 6. Sinfonie. Im Sommer des darauffolgenden Jahres erfolgte die Niederschrift der Sätze 1, 3 und 5 innerhalb von vier Wochen, nachdem Mahler nach einer längeren Phase des Zögerns durch einen Ruderschlag zum langsamen Beginn des ersten Satzes inspiriert wurde. Die endgültige Instrumentation fand anschließend in mehreren Arbeitsschritten statt; die letzten Korrekturen wurden erst wenige Tage vor der Uraufführung vorgenommen, welche am 19. September 1908 in der Prager Konzerthalle unter Leitung des Komponisten stattfand.

Orchesterbesetzung

Piccoloflöte, vier Flöten (davon eine auch 2. Piccolo), drei Oboen, Englischhorn, Es-Klarinette, drei Klarinetten in B und A, Bassklarinette, drei Fagotte, Kontrafagott, vier Hörner, drei Trompeten, drei Posaunen, Tuba, Tenorhorn, Pauken, Schlagzeug, zwei Harfen, Gitarre, Mandoline, Streicher

Anmerkungen

  1. Herta Blaukopf: Gustav Mahler - Briefe. Zsolnay, Wien/Hamburg, 1982, ISBN 3-552-03330-0, S. 200.
  2. Wolfgang Stähr In: Renate Ulm (Hrsg.): Gustav Mahlers Symphonien. Bärenreiter, Kassel u.a. 2010, ISBN 978-3-7618-1820-6, S. 208.
  3. Constantin Floros: Gustav Mahler II, Mahler und die Symphonik des 19. Jahrhunderts in neuer Deutung. Wiesbaden 1977, S. 323.

Literatur

Weblinks


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