Backe-Plan

Der Hungerplan (auch Backe-Plan) ist die Bezeichnung einiger Historiker für die Planung von Teilen der politischen und militärischen Führung des NS-Regimes, nach dem Überfall auf die Sowjetunion mehrere Millionen von Einwohnern in den besetzten sowjetischen Gebieten durch Maßnahmen verhungern zu lassen, um Überschusse an Lebensmitteln für die deutschen Besatzungstruppen und für das von Deutschland besetzte Europa zu schaffen. Hauptvertreter der These, dass diese Planung als offizielle Politik des Regimes galt und nach dem Überfall konsequent durchgeführt wurde, ist Christian Gerlach. Unter Fachhistorikern ist jedoch umstritten, ob die politische und militärische Führung insgesamt vor hatte, Millionen von Menschen durch den Hungertod zu beseitigen, und ob oder inwieweit diese Strategie in der Tat umgesetzt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Der Hungerplan

Den Ersten Weltkrieg hatte Deutschland unter anderem wegen des Mangels an Rohstoffen und Nahrungsmitteln verloren. Im Zweiten Weltkrieg stand man vor einer ähnlichen Situation. Trotz der aufwendigen Erzeugungsschlachten der deutschen Landwirtschaft genügte die Agrarproduktion des Reiches nicht zur Selbstversorgung. Am 14. Februar 1940 erklärte der Staatssekretär im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Herbert Backe, im Generalrat des Vierjahresplans, es drohe der „Zusammenbruch der Ernährungswirtschaft im Laufe des zweiten Kriegsjahres, wie im Jahre 1918“.[1] Backe war der Meinung, dass das deutsche Ernährungsproblem mit dem bevorstehenden Angriff auf die Sowjetunion gelöst werden konnte. Da aber Berechnungen der Landwirtschaftsführung zeigten, dass größere Überschüsse in der Sowjetunion nicht vorhanden waren, wurde eine Strategie für die sowjetische Bevölkerung entworfen, um ein Höchstmaß an Nahrungsmitteln aus dem Land zu pressen und gleichzeitig die nationalsozialistische Vernichtungspolitik im Osten voran zu treiben. Nach Gerlachs These war die nationalsozialistische Wirtschaftsführung im Osten ein Instrument der Massenvernichtung von Zivilisten.

Als Beweise für die Existenz einer solchen Strategie gibt es eine Reihe von Dokumenten, die aus den Planungsstäben der Staats- und Parteiinstanzen stammen, und Reden auf Ministerebene. Der wichtigste Beweis für einen Hungerplan ist das Protokoll der so genannten „Besprechung der Staatssekretäre“. Es handelt sich bei diesem Dokument, das die Absicht mehrerer hohen Beamten und führenden Wehrmachtsoffizieren wiedergibt, um einen Zettel, der im Rahmen eines Treffens dieser Männer entstand:

„1.) Der Krieg ist nur weiter zu führen, wenn die gesamte Wehrmacht im 3. Kriegsjahr aus Rußland ernährt wird.

2.) Hierbei werden zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird.“[2]

Wie Gerlach in seinem 1999 zur deutschen Besatzungspolitik in Weißrussland erschienenen Buch darauf hingewiesen hat, ist dieses Dokument „in seiner ganzen Tragweite für die folgende Besatzungspolitik in der Sowjetunion […] kaum erkannt worden“.[3] Neulich wurde der Hintergrund der Besprechung von dem britischen Historiker Alex J. Kay näher untersucht und in den Kontext der wirtschaftlichen Planung für die deutsche Besatzungspolitik eingeordnet.[4] Trotzdem ist keine Teilnehmerliste aufgefunden worden.

Die „Wirtschaftspolitischen Richtlinien für Wirtschaftsorganisation Ost, Gruppe Landwirtschaft“ vom 23. Mai 1941 bilden die schriftliche Fassung der Schlussfolgerungen, zu den drei Wochen vorher bei der Staatssekretärsbesprechung gekommen wurde. In diesen Richtlinien heißt es:

„Damit ist das wesentliche des Problems gekennzeichnet. Die Überschüsse Rußlands an Getreide werden entscheidend nicht durch die Höhe der Ernte, sondern durch die Höhe des Selbstverbrauchs bestimmt. […] Diese Tatsache ist der Schlüsselpunkt, auf dem unsere Maßnahmen und unsere Wirtschaftspolitik aufzubauen haben. Denn: […] Da Deutschland bzw. Europa unter allen Umständen Überschüsse braucht, muß also der Konsum entsprechend herabgedrückt werden. […] Dieses Herabdrücken des Konsums ist im Gegensatz zu den bisherigen besetzten Gebieten auch durchführbar deshalb, weil das Hauptüberschußgebiet von dem Hauptzuschußgebiet räumlich scharf getrennt ist. […] Die Überschußgebiete liegen im Schwarzerdgebiet (also im Süden, Südosten) und im Kaukasus. Die Zuschußgebiete liegen im Wesentlichen in der Waldzone des Nordens (Podsolböden). […] Die Bevölkerung dieser Gebiete, insbesondere die Bevölkerung der Städte, wird größter Hungersnot entgegensehen müssen. […] Viele 10 Millionen von Menschen werden in diesem Gebiet überflüssig und werden sterben oder nach Sibirien auswandern müssen.“[5]

Die Ukraine und der Kaukasus bildeten also die Hauptüberschussgebiete; Nord- und Zentralrussland bildeten die Hauptzuschussgebiete. Am 20. Juni 1941, einem Tag vor dem Überfall auf die Sowjetunion, erklärte der designierte Reichsminister für die besetzten Ostgebiete, Reichsleiter Alfred Rosenberg, in einer Rede:

„Die deutsche Volksernährung steht in diesen Jahren zweifellos an der Spitze der deutschen Forderungen im Osten, und hier werden die Südgebiete und Nordkaukasien einen Ausgleich für die deutsche Volksernährung zu schaffen haben. Wir sehen durchaus nicht die Verpflichtung ein, aus diesen Überschussgebieten das russische Volk mit zu ernähren. Wir wissen, dass das eine harte Notwendigkeit ist, die außerhalb jeden Gefühls steht. Zweifellos wird eine sehr umfangreiche Evakuierung notwendig sein und dem Russentum werden sicher sehr schwere Jahre bevorstehen.“[6]

Die Pläne fanden Eingang in die „Richtlinien für die Führung der Wirtschaft in den neubesetzten Ostgebieten“, die so genannte Grüne Mappe, die am 16. Juni 1941 − unmittelbar vor dem Überfall - als offizielles Handbuch für die Wirtschaftsverwaltung in der besetzten Sowjetunion vom Reichsmarschall Hermann Göring herausgegeben wurde. Die erste Auflage der Grünen Mappe betrug 1000 Ausfertigungen, die zweite einen Monat später sogar 2000 Ausfertigungen. In Hinblick auf die Größe der Verteilerliste war die Ausdrucksweise, die in der Grünen Mappe verwendet wurde, notgedrungen vorsichtiger als bei den Wirtschaftspolitischen Richtlinien. Trotzdem stimmt der Inhalt der beiden Dokumente mit einander überein.[7]

Als Beauftragter für den Vierjahresplan war Göring für die wirtschaftliche Ausbeutung der besetzten sowjetischen Gebiete zuständig. In einer Unterhaltung mit dem italienischen Außenminister Graf Galeazzo Ciano im November 1941 sagte er:

„In diesem Jahr werden in Russland zwischen 20 und 30 Millionen Menschen verhungern. Und vielleicht ist das gut so, denn gewisse Völker müssen dezimiert werden.“[8]

Es gibt in der Tat mehrere Indizien dafür, dass die Zahl der Menschen, die durch den Hungerplan umzubringen waren, 30 Millionen betrug.[9] Wie aus den Wirtschaftspolitischen Richtlinien hervorgeht, hat das Vorgehen „die Billigung der höchsten Stellen“, also Hitler, Göring und Reichsführer SS und Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums Heinrich Himmler, erfahren.[10]

Es steht fest, dass durch die wirtschaftliche Ausbeutung der sowjetischen Gebiete Millionen Menschen die Nahrungsmittelgrundlage entzogen wurde und dementsprechend sehr viele Zivilisten verhungerten. Da die Zahl der Deutschland zur Verfügung stehenden Truppen begrenzt war und es im Osten gegen deutsche Erwartungen keinen schnellen Sieg gab und die militärische Lage für Deutschland dadurch immer ungünstiger wurde, stellte es sich bald nach dem Überfall heraus, dass es nicht möglich sein würde, ganze Gebiete abzuriegeln und Millionen von Menschen auf diese Weise dem Hungertod preiszugeben. Der Hungerplan wäre deshalb in der Praxis nicht so durchzuführen gewesen, wie er konzipiert worden war.[11]

Nach einer Berechnung des Historikers Götz Aly raubte Deutschland in der Sowjetunion (einschließlich dem was die Wehrmacht verbrauchte) von 1941-1943 4.372.339 Tonnen Getreide, 495.643 Tonnen Fleisch, 723.450 Tonnen Speiseöle und Fette und 1.895.775 Tonnen Kartoffeln. Umgerechnet nach Nährwert waren das 106.268.262 Getreideeinheiten. Da ein Mensch zum Überleben 2,5 Getreideeinheiten pro Jahr braucht wurde also rein rechnerisch 21,2 Millionen Menschen die Ernährungsgrundlage entzogen.

Nach neuesten Angaben starben im Zweiten Weltkrieg 17 Millionen sowjetische Zivilisten, davon sind nach Gerlachs These schätzungsweise 7 Millionen durch den deutschen Hungerplan ums Leben gekommen.

Die Bezeichnung des Hungerplans in der sonstigen Literatur

Schon seit Mitte der achtziger Jahre ist bei dem Militärhistoriker Rolf-Dieter Müller von einer „Hungerstrategie“ die Rede:

„Die Agrarexperten fanden einen Ausweg einmal mit Hilfe der geographischen Gegebenheiten, zum anderen in der Entwicklung einer radikalen Hungerstrategie.“[12]

Andere Bezeichnungen hat Müller auch gelegentlich verwendet:

„Dass mit der Hungerpolitik gegenüber der sowjetischen Zivilbevölkerung und den Kriegsgefangenen eine konkrete Vernichtungsabsicht verbunden gewesen ist, lässt sich zumindest für die politische Führungsspitze des Dritten Reiches eindeutig feststellen.“ [13]

In ihrem gemeinsamen Buch Vordenker der Vernichtung, das im Jahre 1991 erschienen ist, ist bei Götz Aly und Susanne Heim, wie bei Gerlach, auch von einem „Plan“ die Rede.[14] In einem neueren Buch spricht Aly allerdings von der „Hungerpolitik“.[15] Diesen Begriff wird auch von Alex J. Kay verwendet.

Kritik an den Thesen Gerlachs

Die Hungerplan-These ist umstritten und wird daher in der Fachliteratur über den Krieg in der Sowjetunion normalerweise nicht behandelt. Die meisten Historiker gehen nicht davon aus, dass es sich dabei um einen Beitrag zur nationalsozialistischen Vernichtungspolitik in Form eines gezielten Mordes an der unerwünschten slawischen Bevölkerung handelte. Stattdessen habe man die Bedürfnisse der deutschen Kriegswirtschaft in den Vordergrund gestellt und Verluste der russischen Bevölkerung dabei in Kauf genommen:„Über den voraussehbaren Hungertod von vielen Millionen Sowjetbürgern machte man sich weder im OKW noch in der Landwirtschaftsführung größere Gedanken.“[16]

Wichtig ist auch, dass es nie zu einer Anklage im Laufe der Nürnberger Prozesse kam. Hermann Göring, dem Verantwortlichen für die wirtschaftlichen Pläne in den besetzten sowjetischen Gebieten, wurde das Protokoll von der Anklage vorgehalten. Er qualifizierte es als „Unsinn aus Referentenbesprechungen“ ab, worin ihm das Gericht offenbar folgte, denn Göring wurde nicht wegen einer geplanten Ermordung der russischen Zivilbevölkerung verurteilt, sondern wegen einer geplanten „Ausplünderung“ Russlands (Vgl. IMT, Bd. I, S. 317). Allerdings wurde Göring auch nicht wegen der Luftbombardierung von Rotterdam, London, Belgrad usw. verurteilt, obwohl er sie befohlen hatte.

Zwischen Januar 1940 und dem Angriff 1941 waren insgesamt 1.5 Millionen Tonnen Getreide aus der UdSSR an das Deutsche Reich geliefert worden (ca. 1 Mio. t. / Jahr). In einem weiteren Abkommen hatte sich die UdSSR bereits dazu verpflichtet diese Lieferung auf 2 Millionen Tonnen jährlich zu steigern.[17] Zwischen dem Angriff auf die UdSSR im Sommer 1941 und dem Ende des Jahres 1943 wurden aus den besetzten Ostgebieten 6.32 Millionen Tonnen Getreide an das Deutsche Reich und die Wehrmacht geliefert. Danach wurden weitere Lieferungen wegen der immer stärkeren Partisanentätigkeit praktisch unmöglich.[18] Das macht im Schnitt etwa 2.5 Millionen Tonnen geliefertes Getreide pro Jahr und es war damit pro Jahr nur 20% mehr als die sowjetischen Lieferungen nach Deutschland vor dem Krieg betragen sollten (Die Exportrate der UdSSR in der Vorkriegszeit betrug zeitweise bis zu 5.2 Millionen Tonnen.[19])

Die sowjetische Gesamtproduktion lag nach damaligen Veröffentlichungen bei mindestens 90 Millionen Tonnen (Im Jahr 1931 waren es 97.8 Millionen Tonnen, 1937 sogar 120.3 Millionen Tonnen.[20] Angesichts dieser Zahlen konnte die deutsche Führung davon ausgehen, dass der russische Staat neben den exportierten Mengen jährlich weitere 3.5 bis 5.3 Millionen Tonnen beiseite legen konnte. Insgesamt wären nach diesen Zahlen, die den Planungen in Berlin zugrunde lagen maximal bis zu 9.3 Millionen Tonnen Getreide aus der sowjetischen Produktion für Deutschland abzuzweigen gewesen, ohne dass der russischen Verbraucher weniger hätte erhalten müssen. „Der Reichsnährstand“, so zitiert Christian Gerlach selbst, „schätzt den Zuschussbedarf Deutschlands und der von Deutschland beherrschten Gebiete auf 5 Mill. t.“[21] In den „Richtlinien für die Führung der Wirtschaft in den neubesetzten Ostgebieten“ (auch Grüne Mappe genannt) wurden dann etwa 4.5 Millionen Tonnen Getreide als Ziel genannt, also etwa so viel, wie die UdSSR in Friedenszeiten maximal exportiert hatte(NGB Dok. NG-1409]. Als die Zahl von 4.5 Millionen Tonnen in die Grüne Mappe geschrieben wurde, braucht das deshalb kein Einverständnis zu einem Massensterben durch Hunger gewesen zu sein. Man hätte damit nur eine erreichbare Zielmenge festgelegt, die von den wahrscheinlich bald eroberten Gebieten aller Voraussicht nach geliefert werden konnte.

Die Begründung eines Hungerplans ruht hauptsächlich auf zwei Dokumenten: Dem Protokoll einer Staatssekretärssitzung vom 2. Mai 1941 und einem sehr langen Auszug aus den „wirtschaftspolitischen Richtlinien der Gruppe Landwirtschaft“ vom 23. Mai 1941. Die Autoren beider Texte sind allerdings unbekannt. Sie sind „nicht identisch“ mit den „Richtlinien für die Führung der Wirtschaft in den neubesetzten Ostgebieten“ vom Juni 1941, der sogenannten „Grünen Mappe“. Gerlach schreibt dies nur in einer Fußnote.[22] Es handelt sich bei den Zitaten nicht um die Planungen der Wehrmachtführung, wenngleich diese mit dem Chef des Wehrwirtschafts- und Rüstungsamtes General Georg Thomas involviert war, sondern um die Ausführungen namentlich nicht genannter Autoren.

Der wichtigste Beweis für einen Hungerplan ist das Protokoll der sogenannten „Sitzung der Staatssekretäre“. Es handelt sich bei diesem Dokument, das die Absicht der deutschen Führung wiedergeben soll, um eine Aktennotiz, der im Rahmen eines Treffens nicht genannter „Staatssekretäre“ entstanden ist. Der Hintergrund des Dokumentes ist weiterhin diskussionsbedürftig.

Zuletzt hat der Historiker Klaus Jochen Arnold die Hungerplan-These untersucht und die Meinung geäußert, dass von einer gezielten Massenvernichtung durch wirtschaftliche Ausbeutung, also einem Hungerplan, nicht die Rede sein kann.[23] Allerdings wurde auch sein Buch von mehreren Historikern heftig kritisiert. Armin Nolzen, zum Beispiel, hat folgendes geschrieben: „Irritierend ist darüber hinaus das außergewöhnlich große Verständnis, das der Autor der Wehrmacht entgegenbringt. Ein solches Ausmaß der Einfühlung in die Täter lässt den Rezensenten fassungslos zurück.“[24].

Obwohl Kay die Ansichten Gerlachs bezüglich der Zustimmung innerhalb der NS- und Militärführung und der hohen Bedeutung des Vorgehens für die deutsche Politik in der Sowjetunion durchaus teilt, schreibt er, dass die Planung zu wenig durchdacht war, um als „Plan“ bezeichnet werden zu können. Kay erkennt ein Hungerkonzept mit Grob-, aber unzureichender Detailplanung. Es gab unter den Wirtschaftsplanern keine klare Vorstellung, genau wo und vor allem wie diese Strategie der Abriegelung zu implementieren war.[25]

Anders als Gerlach und Kay halten Christopher R. Browning und Jürgen Matthäus den Hinweis in den Wirtschaftspolitischen Richtlinien vom 23. Mai 1941 auf „die Billigung der höchsten Stellen“ für zu vage. Sie sind der Meinung, dass Gerlach die Bedeutung der Vorangriffswirtschaftsplanung für die Behandlung der sowjetischen Bevölkerung nach dem Überfall übertreibt.[26]

Johannes Hürter kommt schließlich zum Ergebnis, man müsse von einem „Hungerkalkül“ sprechen, denn der Hunger sei – mit Ausnahme Leningrads – nichts als Waffe oder Mittel zum Ziel der Ausnutzung des besetzten Landes eingesetzt, worden, sondern zur Besserstellung der Heimat und eigenen Truppe. Gewiss würde die Folgen dieser „planlose Inkaufnahme des Hungers“ die verbrecherischen Konsequenzen dieser Politik, in der sich militärstrategisches und wirtschaftliches Kalkül mit der nationalsozialistischen Rassen- und Lebensraumideologie verband, nicht relativiert.[27]

Anmerkungen

  1. Rolf-Dieter Müller: „Von der Wirtschaftsallianz zum kolonialen Ausbeutungskrieg“, in: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 4, Stuttgart 1983, herausgegeben vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt, S. 146.
  2. Der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof, Nürnberg, 14 November 1945 – 1 Oktober 1946 (im Folgenden: IMG), Bd. 31, Nürnberg 1948, S. 84, Dok. 2718-PS, „Aktennotiz über Ergebnis der heutigen Besprechung mit den Staatssekretären über Barbarossa“, 2. Mai 1941.
  3. Christian Gerlach: Kalkulierte Morde. Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspoltik in Weißrußland 1941 bis 1944, Hamburg 1999, S. 46.
  4. Alex J. Kay: „Germany’s Staatssekretäre, Mass Starvation and the Meeting of 2 May 1941“, in: Journal of Contemporary History, 41/4 (Oktober 2006), S. 685-700. Dieser Aufsatz wurde mit dem George L. Mosse Preis 2006 ausgezeichnet.
  5. IMG, Bd. 36, Nürnberg 1949, S. 135-157, Dok. 126-EC, „Wirtschaftspolitische Richtlinien für Wirtschaftsorganisation Ost, Gruppe Landwirtschaft“, 23. Mai 1941, hier S. 138, 141 und 145.
  6. IMG, Bd. 26, Nürnberg 1947, S. 610-627, Dok. 1058-PS, „Rede des Reichsleiters A. Rosenberg vor den engsten Beteiligten am Ostproblem am 20. Juni 1941“, hier S. 622.
  7. „Richtlinien für die Führung der Wirtschaft in den neubesetzten Ostgebieten (Grüne Mappe)“, Teil I: Aufgaben und Organisation der Wirtschaft.
  8. Czesław Madajczyk: Die Okkupationspolitik Nazideutschlands in Polen 1939-1945, Berlin 1987, S. 92.
  9. Vgl. Alex J. Kay: Exploitation, Resettlement, Mass Murder. Political and Economic Planning for German Occupation Policy in the Soviet Union, 1940-1941, New York/Oxford 2006 (Studies on War and Genocide 10), S. 162-163.
  10. IMG, Bd. 36, S. 140.
  11. Vgl. Kay: „Germany’s Staatssekretäre“, S. 699-700.
  12. Müller: Von der Wirtschaftsallianz zum kolonialen Ausbeutungskrieg, S. 148.
  13. Rolf-Dieter Müller: ‚Das „Unternehmen Barbarossa“ als wirtschaftlicher Raubkrieg’, in: Gerd R. Ueberschär und Wolfram Wette (Hrsg.): „Unternehmen Barbarossa“: Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion 1941. Berichte, Analysen, Dokumente, Paderborn 1984, S. 186.
  14. Götz Aly und Susanne Heim: Vordenker der Vernichtung. Auschwitz und die deutschen Pläne für eine neue europäische Ordnung, Hamburg 1991, S. 366-376.
  15. Götz Aly: Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, Frankfurt am Main 2005, S. 195-206.
  16. Rolf-Dieter Müller: Von der Wirtschaftsallianz zum kolonialen Ausbeutungskrieg, S. 149
  17. Vgl. Gerlach: Kalkulierte Morde, S. 62
  18. Helmut Krausnick: Die Truppe des Weltanschauungskrieges, München 1980, S. 389
  19. Alan Bullock: Hitler und Stalin. Parallele Leben, Berlin 1997, S. 369
  20. Hermann Remmele: Die Sowjetunion, Hamburg/Berlin 1932, S. 74
  21. Gerlach: Kalkulierte Morde, S. 67
  22. Gerlach: Morde, S.48
  23. Klaus Jochen Arnold: Die Wehrmacht und die Besatzungspolitik in den besetzten Gebieten der Sowjetunion. Kriegführung und Radikalisierung im „Unternehmen Barbarossa“, Berlin 2004 (Zeitgeschichtliche Forschungen 23); vgl. dazu auch http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2005-1-191.
  24. Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 55 (2005), Heft 7, S. 668.
  25. Kay: Exploitation, Resettlement, Mass Murder, S. 206-207; Alex J. Kay: '„Viele zehn Millionen Menschen werden überflüssig“. Gab es im Russlandfeldzug eine logistische Katastrophe oder Massenverhungern als Staatspolitik? Eine Antwort auf Stefan Scheil', in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Juni 2007, Nr. 134, S. N 3.
  26. Christopher R. Browning: The Origins of the Final Solution. The Evolution of Nazi Jewish Policy 1939-1942, mit einem Beitrag von Jürgen Matthäus, Jerusalem 2004, S. 487.
  27. Hürter, Heerführer, S.491.


Literatur

  • Götz Aly, Susanne Heim: Vordenker der Vernichtung. Auschwitz und die deutschen Pläne für eine neue europäische Ordnung. Hoffmann und Campe, Hamburg 1990, ISBN 3-455-08366-8.
  • Christian Gerlach: Kalkulierte Morde. Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspoltik in Weißrußland 1941 bis 1944. Hamburger Ed., Hamburg 2000, ISBN 3-930908-63-8.
  • Alex J. Kay: Exploitation, Resettlement, Mass Murder. Political and Economic Planning for German Occupation Policy in the Soviet Union, 1940-1941. (Studies on War and Genocide 10) Berghahn Books, New York, Oxford 2006, ISBN 1845451864.
  • Rolf-Dieter Müller: Von der Wirtschaftsallianz zum kolonialen Ausbeutungskrieg. In: Horst Boog u.a.: Der Angriff auf die Sowjetunion. (Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 4, herausgegeben vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt) Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1983, ISBN 3-421-06098-3
  • Tooze, J. Adam & Badal, Yvonne (Übers.): Ökonomie der Zerstörung. Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus passim. Dt. Siedler, München 2007 ISBN 3886808572. Neuaufl. Bundeszentrale für politische Bildung BpB (Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung Bd. 663) ISBN 978-3893318223. Neuaufl. Pantheon, München 2008 ISBN 3570550567.
  • Hürter, Johannes: Hitlers Heerführer: Die deutschen Oberbefehlshaber im Krieg gegen die Sowjetunion 1941/42. (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, hrsg. v. Institut für Zeitgeschichte, Bd. 66) R.Oldenburg Verlag, München 2006, ISBN 3-486-57982-7.

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