Backhausen
Backhausen interior textiles GmbH
Logo von Joh. Backhausen & Söhne
Unternehmensform GmbH
Gründung 1849
Unternehmenssitz Wien
Unternehmensleitung

Ing. Reinhard Backhausen

Branche Innenaustatter
Produkte

Möbelstoffe, Teppiche, Tisch- und Bettdecken

Website

www.Backhausen.com

Joh. Backhausen & Söhne ist ein traditionsreiches Wiener Unternehmen, das Heimtextilien, Möbel- und Vorhangstoffe sowie Teppiche produziert und liefert. Die Adresse ist Schwarzenbergstraße 10 im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1810–1914

Werbung von Joh. Backhausen & Söhne (1904)

Der Webergeselle Franz Backhausen stammte aus der Gegend um Köln und ließ sich 1810 in Wien nieder. Er legte die Meisterprüfung ab und etablierte sich als bürgerlicher Halbseiden- und Modenwarenfabrikant an der Adresse Stumpergasse 212 im 6. Bezirk. 1849 gründeten seine beiden Söhne Carl und Johann das Unternehmen „Carl Backhausen & Co.“ mit Sitz in der Schmalzhofgasse in Gumpendorf, die Produktionsstätte befand sich in der Kaiserstraße. Erzeugt wurden qualitativ hochwertige Modestoffe, mit denen die Gebrüder Backhausen 1851 auf der Londoner Weltausstellung eine Goldmedaille erhielten.

Carl Backhausen schied 1853 aus dem Unternehmen aus, sein Bruder Johann übernahm die Führung. Das Unternehmen nannte sich nun „Johann Backhausen, k.k. ausschliesslich privilegierte Mode- und Chenillewarenfabrik“. Die Produktion verlagerte sich von Modestoffen auf Möbel- und Vorhangstoffe, Damaste, Brokate und Teppiche aus Seide und Wolle. Die Manufaktur befand sich im Waldviertel, eine weitere befand sich in Chotěboř.

Der Einzelhandel zog 1864 in den Heinrichhof gegenüber dem im Bau befindlichen Hof-Operntheater ein. 1868 wurden die Söhne Carl und Jean Teilhaber und das Unternehmen wurde in „Johann Backhausen & Söhne“ umbenannt. 1870 wurde eine neue Manufaktur in Hoheneich im Waldviertel erbaut. Da die Kaiser-Franz-Josephs-Bahn in der Nähe verlegt wurde, konnte Backhausen durch diese neue Transportstrecke zwischen Wien und Prag seine Waren leichter transportieren.

Backhausen lieferte Stoffe für die Innenausstattung mehrerer Wiener Repräsentativgebäude, darunter an das Hof-Operntheater (1869), das Reichsratsgebäude (1883), das Wiener Rathaus (1888) und das Hofburgtheater. Aufgrund des geschäftlichen Erfolgs und der engen Geschäftsbeziehung zum Kaiserhaus wurde Johann Backhausen 1888 zum k.u.k. Hoflieferanten ernannt.

Wiener Werkstätte

Entwurf Spiel der Wellen von Koloman Moser für Backhausen (1899)
Entwurf für einen Teppich von Koloman Moser (1902)

Der Name Backhausen steht in engem Bezug zur Wiener Werkstätte bzw. der Wiener Jugendstilkunst. Ab 1903 begann das Unternehmen eine Zusammenarbeit mit Künstlern, die sich bis in die 1930er Jahre erstreckte. Backhausen setzte Entwürfe von Jugendstilkünstlern in gewerbliche Erzeugnisse um und wurde Gründungsmitglied sowie Hauptlieferant der Wiener Werkstätte. Das Unternehmen produzierte Möbel- und Vorhangsstoffe, Druckstoffe, handgeknüpfte und gewebte Teppiche nach Originalentwürfen von Künstlern wie Max Benirschke, Leopold Forstner, Josef Frank, Josef Hoffmann, Koloman Moser, Joseph Maria Olbrich, Dagobert Peche, Otto Prutscher, Alfred Roller, Otto Wagner, Eduard Josef Wimmer-Wisgrill sowie vieler andere Künstler und Architekten. Backhausen stattete 1901 die Villa Moser auf der Hohen Warte, 1904/05 das Sanatorium Purkersdorf, 1913–1915 die Villa Skywa-Primavesi in Wien und 1905–1911 das Palais Stoclet in Brüssel aus.

Das Unternehmen sammelte im Lauf der Zeit über 3.500 Originalentwürfe von über 300 Künstlern seiner Zeit. Dieses weltweit einzigartige Archiv besteht heute noch und ist öffentlich zugänglich. In ihrem Verkaufslokal in der Schwarzenbergstraße 10 in unmittelbarer Nähe zum Schwarzenbergplatz hat das Unternehmen für diesen Zweck ein kleines „Wiener Werkstätte Textilmuseum“ eingerichtet.

1914–2000

Während des Ersten Weltkrieges produzierte Backhausen für die k.u.k. Armee Stoffe für Uniformen, Verdunkelungen, Zeltplanen, Brotbeutel, Fallschirme und Fahnen. Der Zusammenbruch der Monarchie und deren Wirtschaftsraumes brachte für das Unternehmen geringere Auswirkungen wie später der Anschluss und der Zweite Weltkrieg. Backhausen musste seine Produktion 1943 schließen, da das Unternehmen nicht als kriegswichtig eingestuft wurde und somit nicht mehr ausreichend Rohmaterial für die Produktion beziehen konnte. 1945 wurden der Heinrichhof und das Werk in Hoheneich schwer beschädigt bzw. geplündert.

Backhausen zog 1950 um und bezog ein neues Geschäft an der Kärntner Straße 33, wo das Unternehmen die nächsten 53 Jahre seinen Sitz haben sollte. Im Souterrain dieser Adresse hatte sich zuvor das „Cabaret Fledermaus“ befunden, das von Josef Hoffmann entworfen und von Backhausen eingerichtet, im Zweiten Weltkrieg jedoch zerstört wurde. Das Unternehmen erhielt Aufträge beim Wiederaufbau unter anderem von der Wiener Staatsoper. 1948 war Backhausen zusammen mit den Architekten und Künstlern Josef Hoffmann, Oswald Haerdtl, Franz Hagenauer, Carl Auböck und Stefan Rath von der Firma Lobmeyr Mitbegründer der Österreichischen Werkstätten.

1970 erhielt Backhausen die „Staatliche Auszeichnung“. Ab dieser Zeit begann das Unternehmen auch wieder Stoffe nach den Originalentwürfen der Wiener Werkstätte zu produzieren. Der Exportmarkt gewann an Bedeutung, Absatzziele waren vor allem die BRD, die USA, Japan, Länder im Nahen Osten sowie die Sowjetunion. 1987 und erneut 1997 erhielt das Unternehmen den Auftrag, die Suntory Hall in Tokio komplett auszustatten. Ebenfalls von Backhausen ausgestattet wurde das königliche Schloss Amalienborg in Kopenhagen. Das Unternehmen beteiligte sich auch regelmäßig an Messen im In- und Ausland und erhielt Preise und Ehrungen.

1994 war Backhausen, zusammen mit der Porzellanmanufaktur Augarten und Lobmeyr, eines der Gründungsmitglieder von „Wien-Products“, eine Organisation unter der Patronage der Wiener Wirtschaftskammer für traditionelle österreichische Hersteller. Mehrmals im Jahr finden gemeinsame Veranstaltungen statt, bei denen die Hersteller ihre Produkte präsentieren.

Gegenwart

2003 zog Backhausen wieder an die Schwarzenbergstraße 10 um.

2005 nahm das Unternehmen an der Expo 2005 in Aichi und auch an der „Tokyo-Designer-Week“ teil. In diesem Jahr begann auch der Produkteexport nach Dubai, Abu Dhabi sowie nach China.

Stoffe von Backhausen sind heute weltweit in Repräsentationsbauten, etwa Hotels, Schlössern, Cafés, Theater- und Konzerthäusern, Schiffen und sogar in der Wiener U-Bahn zu finden. Das Unternehmen exportiert in 40 Länder und wird heute in der sechsten und siebten Generation der Familie geführt.

Geschäftsführer seit 1997 ist Ing. Reinhard Backhausen (*10. Oktober 1960 in Wien). Reinhard Backhausen studierte Weberei und Spinnerei am Kolleg für Textiltechnik mit Diplomabschluss. Er erwarb sich ab 1984 Auslandserfahrung in München bei der Familie Böhmler und in Paris bei der Familie Bouchara. 1996 beteiligte er sich an der Organisation und Veranstaltung der Ausstellung „Kunde: Kaiser / Die k.u.k. Hoflieferanten im Wandel der Zeit“ im Schloss Schönbrunn, 1997 gründete er die „K.u.K. Hoflieferanten GmbH“ und ist auch deren Geschäftsführer.

Design

Neben dem klassischen Sortiment produziert Backhausen Produkte in unterschiedlichem Design, darunter Jugendstil, Art Deco, Bauhaus, Landhausstil oder Uni. Die Tradition der Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Künstlern wird weiter fortgesetzt, etwa mit der Einbindung von Künstlern wie Hans Hollein, Eva Riedl, Peter Kogler, Gilbert Bretterbauer, Gerwald Rockenschau, Ursi Fürtler, Petra Bacher, Hermann Nitsch, Heimo Zobernig, usw.[1]

Produktion

Die Fabrik der Fa. Backhausen befindet sich nach wie vor (seit 1870) in Hoheneich. Neben den alten Fabriksgebäuden stehen neue Hallen mit modernen, computergesteuerten Webmaschinen, die eine effiziente Umstellzeit auf unterschiedliche Erfordernisse ermöglichen. Backhausen verfügt über eine moderne CAD-Anlage für Jacquardgewebe. Zum Teil arbeiten Mitarbeiter bereits in der vierten Generation dort.

Einzelnachweise

  1. Preise für Backhausen. Fachgruppe der Textilindustrie NÖ, Woche 36/2007. Abgerufen am 29. März 2009. (Deutsch)

Literatur

  • Reinhard Engel, Marta S. Halpert: Luxus aus Wien II. Czernin Verlag, Wien 2002, ISBN 3-7076-0142-0.
  • Ingrid Haslinger: Kunde – Kaiser. Die Geschichte der ehemaligen k. u. k. Hoflieferanten. Schroll, Wien 1996, ISBN 978-3-85202-129-4.
  • Wagner: Werk – Museum Postsparkasse: Kunstkatalog Abstraktes Textildesign in Wien 1899-1912. Beispiele aus dem Archiv der Fa. Johann Backhausen & Söhne mit den besten Entwürfen von Otto Wagner, Koloman Moser, Josef Hoffmann, Fritz Dietl u.a.
  • Wagner: Werk – Museum Postsparkasse: Kunstkatalog Flächen. Kunst. 100 Jahre Textildesign Backhausen. 150 Jahre Stoffdesign der Fa. Johann Backhausen & Söhne vom Historismus bis zur Gegenwart.
  • Amina Beganovic: Ein bisschen Luxus, bitte. Der Standard, 15. September 2008.: „Firmenchef Reinhard Backhausen ist ein großer Befürworter der Messe: „Es ist hoch an der Zeit gewesen, so eine Luxus-Messe ins Leben zu rufen. Wien ist das ideale Ambiente dafür. Und weltweite Top-Marken reißen sich mittlerweile um die Messe.““. Abgerufen am 29. März 2009. (Deutsch, Auch heuer findet die Messe "Luxury, please" in der Wiener Hofburg statt – ein Sammelbecken für all jene, die Luxus und Prunk lieben, selbst wenn sie ihn sich nicht immer leisten können.)

Weblinks

48.20209722222216.3737638888897Koordinaten: 48° 12′ 8″ N, 16° 22′ 26″ O


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