Bad Breisig
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bad Breisig
Bad Breisig
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bad Breisig hervorgehoben
50.5091666666677.296388888888970
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Ahrweiler
Verbandsgemeinde: Bad Breisig
Höhe: 70 m ü. NN
Fläche: 19,94 km²
Einwohner:

8.842 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 443 Einwohner je km²
Postleitzahl: 53498
Vorwahlen: 02633
02642 (Gewerbegebiet Goldene Meile)
Kfz-Kennzeichen: AW
Gemeindeschlüssel: 07 1 31 006
Stadtgliederung: 3 Stadtteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Bachstraße 11
53498 Bad Breisig
Webpräsenz: www.bad-breisig.de
Stadtbürgermeister: Bernd Weidenbach (CDU)
Lage der Stadt Bad Breisig im Landkreis Ahrweiler
Remagen Grafschaft (Rheinland) Bad Neuenahr-Ahrweiler Sinzig Bad Breisig Brohl-Lützing Gönnersdorf bei Bad Breisig Waldorf (Rheinland-Pfalz) Burgbrohl Wassenach Glees Niederzissen Wehr (Eifel) Galenberg Oberzissen Brenk Königsfeld (Eifel) Schalkenbach Dedenbach Niederdürenbach Oberdürenbach Weibern (Eifel) Kempenich Hohenleimbach Spessart (Brohltal) Heckenbach Kesseling Kalenborn (bei Altenahr) Berg (bei Ahrweiler) Kirchsahr Lind (bei Altenahr) Rech Dernau Mayschoß Altenahr Ahrbrück Hönningen Kaltenborn Adenau Herschbroich Meuspath Leimbach (bei Adenau) Dümpelfeld Nürburg (Gemeinde) Müllenbach (bei Adenau) Quiddelbach Hümmel Ohlenhard Wershofen Aremberg Wiesemscheid Kottenborn Wimbach Honerath Bauler (Landkreis Ahrweiler) Senscheid Pomster Dankerath Trierscheid Barweiler Reifferscheid Sierscheid Harscheid (bei Adenau) Dorsel Hoffeld (Eifel) Wirft Rodder Müsch Eichenbach Antweiler Fuchshofen Winnerath Insul Schuld (Ahr) Nordrhein-Westfalen Landkreis Neuwied Landkreis Vulkaneifel Landkreis Mayen-KoblenzKarte
Über dieses Bild
Die spätromanische St. Viktor Pfarrkirche in Oberbreisig
Blick auf Bad Breisig

Bad Breisig ist eine Kurstadt im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. Sie ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde, der die Stadt auch angehört.

Die Stadt gliedert sich in die Stadtteile Oberbreisig, Niederbreisig und Rheineck und ist gemäß Landesplanung ein Grundzentrum.

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage

Die Stadt liegt linksrheinisch am nördlichen Mittelrhein.

Geschichte

Bad Breisig liegt nördlich der Mündung des Vinxtbaches, dem Grenzbach zwischen den beiden römischen Provinzen Nieder- und Obergermanien, in den Rhein. Frühe Besiedlungsspuren stammen aus der späten Altsteinzeit wie Ausgrabungen des Forschungsbereichs Altsteinzeit des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (Mainz) zeigten. [2][3][4] Der Name „Breisig“ (lat. Brisiacum) ist keltischen Ursprungs. Reiche Funde aus zwei Gräberfeldern weisen auf die Bedeutung des Siedlungsplatzes Oberbreisig zur Zeit der Landnahme der Franken hin.[5]

Am 4. Juni 898 wird das Ländchen Breisig erstmals in einer angeblichen Schenkungsurkunde König Zwentibolds, König von Lotharingien, an das Reichsstift Essen unter der Äbtissin Wicburg erwähnt. In dieser Urkunde wurde Breisig „Brismike“ genannt. Gesichert ist, dass das „Breisiger Ländchen“ dem Stift zur Zeit der Äbtissin Mathilde (971-1011) geschenkt wurde.[6][7] Das „Ländchen“, zu dem die Orte Niederbreisig, Oberbreisig, Gönnersdorf, Niederlützingen, Oberlützingen, Brohl und ein Teil von Rheineck gehörten, war territorial selbstständig, doch der Herzog von Jülich übte seit dem Spätmittelalter die Vogtrechte aus.

Unter der Fürstäbtissin Berta von Arnsberg (1241–1292) wurde der Ort gegen 1280 mit Graben und Ringmauer befestigt. Das erste Breisiger Siegel ist für 1356 bekundet.[8] 1374 erhielt Breisig von Kaiser Karl IV. Marktrechte. Die Pfarrkirche war zu dieser Zeit die Kirche St. Viktor in Oberbreisig.

Im Herbst 1568 wird Breisig in die Kriegswirren des Unabhängigkeitskrieges der Niederlande gegen die spanische Fremdherrschaft hineingezogen. Breisig diente als Rückzugsort für die Truppen des Prinzen von Oranien.[9]

Das Breisiger Ländchen verblieb bei Essen und Jülich bis zum Einmarsch der französischen Revolutionstruppen 1794. Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde es preußisch.

In Niederbreisig lebte von 1925 bis zu seiner Verhaftung 1939 infolge einer Denunziation der katholische Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Karl Schapper (1879–1941).[10]

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen die heute zu Bad Breisig gehörenden Ortschaften zum damals neu gebildeten Land Rheinland-Pfalz.

Am 5. Mai 1958 erhielt Niederbreisig den Titel „Bad“, die Kuranlagen gehen jedoch bereits auf die Erbohrung der warmen Quellen 1914 zurück. Bad Breisig wurde am 7. Juni 1969 aus den bis dahin selbständigen Gemeinden Bad Niederbreisig (3718 Einwohner), Oberbreisig (1616) und Rheineck (251) neu gebildet. Am 2. Mai 1970 erhielt Bad Breisig die Stadtrechte.[11]

1971 war der Bau eines Kernkraftwerks mit 1300 MW geplant. 1980 wurden die Planungen eingestellt und stattdessen das Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich errichtet.

Die Stadt lebt vom Kurbetrieb und Tourismus. Sie profitiert von ihrer Lage am Rhein und ihrer geografischen Nähe zu Koblenz und Bonn sowie Köln; insoweit ist sie auch beliebtes Tagesausflugsziel. Der traditionelle Kurbetrieb befindet sich in Umgestaltung zu einem zeitgenössischen Ansprüchen entsprechenden Erholungszentrum mit Wellness-, Fitness- und Sportangeboten.

Statistik zur Einwohnerentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl, bezogen auf das heutige Stadtgebiet; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[12]

  • 1815 – 1.341
  • 1835 – 1.891
  • 1871 – 1.953
  • 1905 – 2.244
  • 1939 – 2.735
  • 1950 – 3.546
  • 1961 – 4.396
  • 1970 – 5.383
  • 1987 – 6.908
  • 2005 – 9.010

Datenquelle: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Stadtrat

Der Stadtrat in Bad Breisig besteht aus 24 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 in einer Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzenden.

Sitzverteilung im gewählten Stadtrat:[13]

  SPD CDU FDP FWG Gesamt
2009 6 12 2 4 24 Sitze
2004 8 11 2 3 24 Sitze

Sehenswürdigkeiten

Die Pfarrkirche St. Viktor im Ortsteil Oberbreisig wurde 1041 erstmals urkundlich erwähnt. Sie ist die Mutterkirche des „Breisiger Ländchens“. Die heutige spätromanische Kirche entstand zwischen 1220 und 1240. Fresken aus dem 14./15. Jahrhundert sind erhalten, die Ausstattung ist im Übrigen barock.[14]

Die barocke Kirche St. Marien (1717-1725) ist ein einschiffiger Hallenbau in gotisierenden Formen mit quadratischem Turm und Haube.

Im klassizistischen Rathaus (1873/1874), das seit 1988 als solches nicht mehr genutzt wird, ist ein Puppenmuseum mit über 400 Exponaten (größtenteils 1860 bis 1920) eingerichtet.

Die evangelische Pfarrkirche stammt von 1901.

Bad Breisig verfügt über eine Vielzahl denkmalgeschützter Gebäude vom 17. Jahrhundert bis zur Gründerzeit. Das historisch bedeutsamste ist der Templer-Hof; der bestehende Bau, in dem ein Restaurant eingerichtet ist, stammt von 1657, ein Vorläufer wurde jedoch bereits 1215 urkundlich erwähnt.

Siehe im Übrigen hierzu: Liste der Kulturdenkmäler in Bad Breisig

Kurbad und Kuranlagen

Kurhaus Bad Breisig

Die Erbohrung der ersten 34°C warmen Thermalquelle (stündlich 70.000 l Schüttung) gelang im April 1914 nach zweijährigen Versuchen Peter Lang und seinem Sponsor Baron Maximilian von Geyr zu Schweppenburg (nach ihm Geyrquelle genannt). Mit dem Wasser einer zweiten, 1927 erbohrten Quelle (Marienquelle) mit einer Schüttung von 200.000 l stündlich wurde in Rheinnähe 1928 das erste Thermalschwimmbad errichtet und das Kurhaus in den Räumlichkeiten der Villa Oehme, einem ehemaligen Erholungsheim der Breisiger Freimaurer und späteren Residenz eines dänischen Generalkonsuls, eröffnet.

Der Kurpark weist heute noch den historischen Baumbestand der einstigen Villa auf. Die ältesten Exemplare sind bezeichnet und erklärt. Das Kurhaus wurde 1975 umgebaut und erweitert.

Der Kurbetrieb hatte sich 1936 unter dem lokalen Unternehmer Johann Martin Schuh mit der Errichtung des "Heilbäderhauses Geyrsprudel" anstelle des ursprünglichen kleinen Fachwerk-Badehauses aus der Weimarer Republik erweitert. Sein Sohn Willy errichtete 1961 ein neues Thermalbad, nachdem die Marienquelle im Zweiten Weltkrieg durch Erderschütterungen zugeschüttet worden und das alte Bad nicht mehr nutzbar war (dieses ist heute nicht mehr vorhanden). Das neue Bad von 1961 wurde im Dezember 1991 zu den "Römer-Thermen", einem Wellness-Bad mit Saunalandschaft, umgebaut, 2009 erneut modernisiert und mit römischem Ambiente versehen.

Kurhaus und Kurhotel waren 2005 insolvent und mussten geschlossen werden. Im Januar 2011 wurde das historische Kurhaus abgerissen, nachdem die Stadt seine Sanierung als unrentabel verworfen hat. Der Erweiterungsbau von 1975 wurde verkauft und soll einer neuen Nutzung (Eigentumswohnungen, Café und Sitz der Touristeninformation) zugeführt werden.

Verkehr

Volksfeste

Die folgenden Feste finden alljährlich in Bad Breisig statt:

  • Karnevalsumzug (Karnevalsgesellschaft von 1892)
  • Frühlingsmarkt (vor Ostern): Marktstände, Präsentation von Unternehmen, Musik- und Tanzveranstaltungen
  • Brunnenfest (von Christi Himmelfahrt bis zum darauffolgenden Sonntag): Verkaufsoffener Sonntag, Antiquitätenmarkt, Livemusik, Krönung der Brunnenkönigin
  • Kulinarische Woche (2. Julihälfte, seit 1974): Spezielle Angebote der Restaurants mit Spezialitäten aus verschiedenen Ländern und Veranstaltungen im Kurpark
  • Zwiebelsmarkt "Zwibbelsmaat" (um den 14. September, Fest der Kreuzerhöhung): Wallfahrt zur Kreuzreliquie, verkaufsoffener Sonntag, Trödelmarkt und Markt für Lebensmittel und Blumenzwiebeln, Kleidung und Haushaltsgegenstände, Volksfest mit Fahrgeschäften in mittelalterlicher Tradition der freien Marktrechte der Stadt
  • Weihnachtsmarkt am zweiten Adventswochenende (lokale Werbeträger)

Söhne und Töchter der Stadt

Personen, die mit Bad Breisig in Verbundenheit stehen

Literatur

  • Leo Stausberg: Ländchen Breisig und Fürstentum Essen. Heimatgeschichtliche Studie. Amtsverwaltung Bad Niederbreisig (Hrsg.) 1963.
  • 25 Jahre Verkehrs- und Verschönerungsverein Oberbreisig 1958 e. V. Bad Breisig, Bad Breisig 1983.
  • Heino Möhring: Bad Breisig in alten Ansichten. Europäische Bibliothek, Zalbomme/Niederlande 1986, ISBN 9028833897
  • Heino Möhring: Sagen und Geschichten rund um die Burg Rheineck. In: Heimatjahrbuch des Kreises Ahrweiler| 1992, Bad Neuenahr-Ahrweiler 1991

Weblinks

 Commons: Bad Breisig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerung der Gemeinden am 31. Dezember 2010 (PDF; 727 KB) (Hilfe dazu)
  2. G. Waldmann, O. Jöris, M. Baales: ’’Nach der Flut. Ein spätallerødzeitlicher Rückenspitzen-Fundplatz bei Bad Breisig.’’ In: ’’Archäologisches Korrespondenzblatt’’ 31, 2001, S. 173-184.
  3. M. Baales, O. Jöris: ’’Zwischen Nord und Süd. Ein spätallerødzeitlicher Rückenspitzen-Fundplatz bei Bad Breisig, Kr. Ahrweiler (Mittelrhein, Rheinland-Pfalz).’’ In: ’’Die Kunde’’ N.F. 52, 2001, S. 275-292.
  4. S. B. Grimm: ’’Ein spätallerødzeitlicher Fundplatz bei Bad Breisig, Kreis Ahrweiler.’’ In: ’’Berichte zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel’’ 9, 2004, S. 11-32.
  5. Carl Bertram Hommen: Verlorene Zeugen mittelrheinischer Geschichte, in Heimatjahrbuch 1993 Kreis Ahrweiler; Online
  6. Carl Bertram Hommen: Es war nicht König Zwentibold im Jahre 898 ... Das Breisiger Ländchen kam erst unter der Äbtissin Mathilde von Schwaben (971–1011) an das Stift Essen, in: Heimatjahrbuch 1982 Kreis Ahrweiler, S. 104 Online
  7. Philipp de Lorenzi: Beiträge zur Geschichte sämtlicher Pfarreien der Diöcese Trier, Bischöfliches General-Vikariat, 1887, S. 393 Online
  8. Carl Bertram Hommen: Ältestes Breisiger Siegel von 1356, in: Heimatjahrbuch 1991 Kreis Ahrweiler, S. 83 Online
  9. Das Buch Weinsberg, hg. J. J. Hässlin, Bachem Verlag, Köln 5. Aufl. 1997, S. 361
  10. Frank Gausmann: Das Vorbild eines echten Widerständlers im Dritten Reich in: Heimatjahrbuch 1986 Kreis Ahrweiler, S. 186 Online
  11. Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Seiten 169 und 203 (PDF)
  12. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz - Bevölkerungsentwicklung Bad Breisig
  13. Kommunalwahl Rheinland-Pfalz 2009, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  14. Carl Bertram Hommen: Sankt Viktor auf dem Berge - Sankt Marien am Strom. Zur Kirchenhistorie des »Breisiger Ländchens«, in: HJbKAhrweiler 1985, S. 51 Online

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