Ship Submersible Ballistic Nuclear
Russisches Boot der Delta-IV-Klasse
Amerikanisches SSBN der Ohio-Klasse
Französische Redoutable als Museumsschiff

Als U-Boote mit ballistischen Raketen oder Strategische Unterseeboote werden U-Boote bezeichnet, die ballistische Raketen, speziell die Submarine Launched Ballistic Missiles (SLBM), mitführen und abschießen können. Dafür kamen in der Geschichte fast ausschließlich Atom-U-Boote zum Einsatz, so genannte Ship Submersible Ballistic Nuclear oder kurz SSBN. Konventionell angetriebene Ship Submersible Ballistic (SSB) blieben die Ausnahme. Heute sind alle Raketen-U-Boote nuklear getrieben.

Bereits um 1940 experimentierte Deutschland mit U-Boot-gestützten ballistischen Raketen, die Sowjetunion startete 1955 erstmals eine solche. Um 1960 begann in der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten die Serienfertigung strategischer U-Boote. Bereits kurze Zeit später waren sie ein wichtiger Teil der Logik der nuklearen Abschreckung im Kalten Krieg, da sie bei Erstschlägen der anderen Seite nur schwer zu zerstören sind und daher in der Lage sind, Vergeltungsschläge auszuführen. Außerdem sind sie in der Lage, Raketen dicht an die feindliche Küste heran zu tragen und so die Abwehr- und Reaktionsmöglichkeiten des Angegriffenen zu reduzieren, etwa für einen „Enthauptungsschlag“.

Auch nach dem Ende des Kalten Krieges betreiben alle Nationen mit eigenen Atom-U-Booten weiterhin U-Boote mit ballistischen Raketen. Dies sind neben den Vereinigten Staaten und Russland das Vereinigte Königreich, Frankreich und China. Indien will 2010 sein erstes SSBN in Dienst stellen, China und Russland bauen derzeit weitere SSBN und Großbritannien plant fest den Bau neuer Boote in den 2020er Jahren.

Derzeit stehen weltweit rund 40 dieser Boote in Dienst, während des Kalten Krieges lag diese Zahl zeitweise bei über 130. Jedes dieser U-Boote trägt bis zu 24 ballistische Raketen, von denen jede bis zu zwölf nukleare Sprengköpfe fassen kann. Obgleich Abrüstungsverträge diese Zahl inzwischen beschränken, besitzt jede Rakete weiterhin ein Vielfaches der Sprengkraft der im Zweiten Weltkrieg über Hiroshima abgeworfenen Bombe Little Boy.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Entwicklung

Erste ballistische Raketen baute Deutschland während des Zweiten Weltkriegs mit der A4 (V2). Gegen Ende des Krieges wurde in der Heeresversuchsanstalt Peenemünde eine V2-Version entwickelt, die in einem Startcontainer hinter einem U-Boot geschleppt werden sollte. Jedes U-Boot sollte bis zu drei dieser 36 Meter langen, mit zehn Soldaten bemannten Container durch die Nordsee ziehen. Vor England wäre der Container an die Oberfläche gebracht und die Raketen wären abgefeuert worden. Prototypen wurden bereits an der Ostseeküste getestet, als das Projekt 1945 mit der Evakuierung von Peenemünde aufgegeben wurde. Drei Container waren zu diesem Zeitpunkt bereits im Bau. Der Kommandeur der Heeresversuchsanstalt Walter Dornberger beschrieb das Projekt als „nicht unverheißend“.[1]

Erste Raketen-U-Boote

Frühes sowjetisches Golf-Klasse-Boot

Bereits kurz nach dem Krieg fingen Ost und West an, U-Boote mit ballistischen Raketen auszurüsten. Der Kalte Krieg beschleunigte die Entwicklung. Erste Tests machte die sowjetische Marine. Nach erbeuteten deutschen Unterlagen aus Peenemünde bauten sie fünf U-Boote der Zulu-Klasse zu Raketenträgern um.[2] 1955 feuerte ein U-Boot dieser Klasse erstmals eine ballistische Rakete ab.

Ab 1959 vollendeten dann sowohl die United States Navy als auch die sowjetische Marine die ersten als Raketen-U-Boote geplante Schiffe. Die Vereinigten Staaten stellten Ende 1959 die USS George Washington (SSBN-598) und bis 1961 weitere vier Einheiten der George-Washington-Klasse in Dienst. Die Rümpfe dieser Boote waren für Jagd-U-Boote der Skipjack-Klasse vorgesehen gewesen, durch das Hinzufügen von Startrohren für die Raketen wurden daraus aber die ersten SSBN gefertigt. Die Sowjetunion stellte nur Wochen später das erste Boot ihrer Golf-Klasse in Dienst, die wie die Zulus einen dieselelektrischen Antrieb in einem Raketen-U-Boot implementierte. Diese blieben die einzigen konventionell betriebenen Raketen-U-Boote. 1961 stellte auch die Sowjetunion schließlich ein atomgetriebenes U-Boot mit ballistischen Raketen in Dienst; es gehörte der Hotel-Klasse an.

Die sowjetischen Boote mussten zum Abschießen der Raketen auftauchen und dann an der Oberfläche stabilisiert werden, was insgesamt rund 90 Minuten dauerte. Die US Navy hingegen konnte ihre Raketen von getauchten U-Booten aus starten lassen. Am 20. Juli 1960 schoss die George Washington erstmals getaucht eine ballistische Rakete ab. Im Oktober 1961 feuerte die Sowjetmarine erstmals eine U-Boot-gestützte Raketen mit thermonuklearem Sprengkopf ab, ein halbes Jahr später dann auch die US-Navy. Ab Mitte der 1960er Jahre führte auch die sowjetische Marine Raketen zum Unterwasserstart ein und begann, ihre Flotte auf diese umzurüsten.[3]

Diese ersten Raketen hatten noch sehr begrenzte Reichweiten. Auf amerikanischer Seite kamen die verschiedenen Versionen der UGM-27 Polaris mit Reichweiten zwischen 1000 und 2500 Seemeilen zum Einsatz, die Sowjetunion setzte die R-11 und R-13 ein, die Ziele in Entfernungen bis zu 370 Seemeilen erreichen konnten. Die R-21, ab 1963 eingesetzt, flog 750 Meilen weit.

Massenfertigung

Stapellauf der amerikanischen Theodore Roosevelt

Die Sowjetmarine fertigte in den folgenden Jahren Raketen-U-Boote in großen Stückzahlen. Bis 1964 hatte sie rund 30 Golfs und Hotels in Dienst. Dies gelang, da die konventionell getriebenen Boote der Golf-Klasse viel schneller produziert werden konnten als die größeren, komplexeren Atom-U-Boote. So besaß die US Navy 1964 nur 15 Boote, neben denen der Washington-Klasse auch fünf Boote der Ethan-Allen-Klasse und erste Boote der Lafayette-Klasse. China erwarb die Golf-Pläne und fertigte ein Boot der Klasse.

Bereits um 1960 hatte die Sowjetmarine jedoch die Entwicklung neuer SSBN auf Eis und ihren Fokus auf landgestützte Raketen gelegt, von den Klassen Golf und Hotel wurden nur noch die bereits georderten Einheiten fertiggestellt.[4] Chruschtschow schuf Ende 1959 die Strategischen Raketentruppen als eigenständige Teilstreitkraft und konzentrierte die strategischen Atomraketen innerhalb dieser. Strategische U-Boote wurden von ihm als unnötig angesehen.[5] Bei der US Navy hingegen nahm die Baugeschwindigkeit in den folgenden Jahren mit steigender Erfahrung zu, bis 1967 hatte sie 41 SSBN in Dienst. Diese Flotte wurde, mit Gedanken an die gewollte Funktion der nuklearen Abschreckung, 41 for Freedom, also 41 für die Freiheit, genannt.

Mitte der 1960er Jahre revidierte die Sowjetführung ihre Haltung bezüglich der Raketenboote, 1967 wurde die erste Einheit der Yankee-Klasse in Dienst gestellt, die sich technisch erstmals an westliche Entwürfe annäherte.[6] Zu den frühen Booten kamen in den folgenden Jahren 33 weitere Boote dieser Klasse hinzu. 1971 trat als Resultat der Strategic Arms Limitation Talks eine Begrenzung der SSBN in Kraft. Die Sowjetmarine mit 740 Startrohren auf atomgetriebenen Raketen-U-Booten durfte zwar auf 950 Starter auf 62 Booten aufstocken, aber nur bei gleichzeitiger Außerdienststellung älterer Boote oder landgestützter Interkontinentalraketen. Der US Navy waren, unter gleichen Bedingungen, 44 Boote mit 710 Startrohren erlaubt.[7]

Sowjetisches U-Boot der Typhoon-Klasse

Ab 1972 ergänzte die Sowjetmarine ihre Flotte zusätzlich mit den Booten der Delta-Klasse, die in den Ausbaustufen I, II und III bis 1982 36 Einheiten erhielt. Da sie dafür nur wenige U-Boote der Hotel- und Golf-Klasse und später Yankee-Klasse deaktivierte oder zu Jagd-U-Booten umrüstete, übertraf sie die US Navy, die weiterhin lediglich ihre 41 for Freedom einsetzte, bezüglich der Raketenboote zahlenmäßig recht bald bei Weitem.

Auch in Europa wurde Anfang der 1960er Jahre mit dem Bau von U-Booten mit ballistischen Raketen begonnen. 1967 stellte die Royal Navy ihr erstes SSBN der Resolution-Klasse in Dienst, dem bis 1969 drei folgten. Die französische Marine fertigte mit der Gymnote (S 655) erst ein konventionell getriebenes U-Boot mit vier Raketen, das als Testschiff für die nachfolgende SSBN-Klasse diente, und stellte ab 1971 die atomgetriebene Redoutable-Klasse in Dienst, die bis 1980 fünf Boote erhielt.

Ab Anfang der 1980er Jahre kamen die ersten SSBN zu den Flotten, die auch bis weit in 21. Jahrhundert hinein in Dienst stehen werden. Auf Sowjetseite betrifft dies die sechs Boote der Typhoon-Klasse und die sieben Einheiten der Delta-IV-Klasse. Die US Navy vollendete ab 1981 die 18 SSBN der Ohio-Klasse, die die 41 for Freedom ersetzten. Gleichzeitig ließ auch die Volksrepublik China ihr erstes SSBN der Xia-Klasse vom Stapel.

Die auf diesen Booten eingesetzten Raketen erreichten erstmals interkontinentale Reichweite. Die amerikanische UGM-96 Trident I hatte eine Reichweite von fast 5000 Seemeilen, die verbesserte UGM-133 Trident II ab 1990 dann 7000 Meilen. Diese werden auch von der Royal Navy eingesetzt. Auch die sowjetische R-29 flog in ihren Varianten bis zu 5000 Meilen, die R-39 lag etwas darunter. Frankreich besaß mit der M 4 eine SLBM mit einer Reichweite von 2700 Seemeilen, Chinas erste Rakete, die JL-1, flog gerade 1100 Seemeilen.

Nach dem Kalten Krieg

Britisches SSBN der Vanguard-Klasse

Die Royal Navy stellte Anfang der 1990er Jahre mit der Vanguard-Klasse die erste SSBN-Klasse nach dem Kalten Krieg in Dienst, die jedoch noch während dieser Phase entwickelt wurde. Ähnlich verhielt es sich mit der französischen Triomphant-Klasse, die ab 1997 in Dienst gestellt wurde. Für diese wurde die M 45 mit einer Reichweite von 3300 Meilen entwickelt.

Die junge russische Marine übernahm die SSBN-Flotte der Sowjetunion, 1987 bestehend aus über 60 atomar und 15 konventionell getriebenen Raketen-U-Booten,[8] konnte den Betrieb aber finanziell kaum aufrechterhalten. Die noch aktiven Golf, Yankees sowie Delta I und II wurden bis 1995 außer Dienst gestellt, später dann erste Typhoon sowie Delta III. Auch die US Navy überlegte, vier ihrer Ohios zu deaktivieren, konvertierte sie dann aber zu U-Booten mit Marschflugkörpern.

Russland und China fertigten im 21. Jahrhundert die ersten neuen SSBN. Russland belebte die Borei-Klasse wieder, deren Planung bereits um 1990 begonnen hatte und deren erste Einheiten 2009 und 2011 in Dienst gehen sollen. China baut die Jin-Klasse, der Fortschritt ist unbekannt. Mit der Bulawa (Reichweite bis zu 5500 Meilen) respektive der JL-2 (5000 Meilen) entwickelten beide Nationen auch neue Raketen.

2009 betreibt die US Navy 14 SSBN der Ohio-Klasse, die Royal Navy vier Vanguards und französische Marine drei Boote der Triomphant-Klasse, ein weiteres geht 2010 in Dienst. Unklarer ist die Situation in Russland und China. Russland hat ebenfalls ungefähr 14 Boote. Je sechs davon gehören der Delta-III- und -IV-Klasse an, die III-er dürften aber in den nächsten Jahren deaktiviert werden. Je ein weiteres gehört der Typhoon- und Borei-Klasse an.[9] Wie viele SSBN China betreibt, ist unbekannt. Bis 2010 sollen drei bis vier Jin vom Stapel gelaufen sein.[10]

Zukunft

Zwei chinesische Boote der Jin-Klasse

Russland und China bauen derzeit die Borei- respektive Jin-Klasse, deren Einheiten entsprechend bis Mitte des 21. Jahrhunderts in Dienst bleiben können. Auch Frankreichs SSBN-Flotte ist recht neu, die Indienststellungen fanden zwischen 1997 und 2010 (geplant) statt, so dass keine Planungen für neue Boote bekannt sind.

Die US Navy geht bei ihrer Ohio-Klasse inzwischen von einer Dienstzeit von 42 statt 30 Jahren aus, nachdem festgestellt wurde, dass die Abnutzung der Boote geringer ist als vorher gedacht. Demnach würde um 2026 mit der Deaktivierung begonnen, das letzte Boot würde 2039 außer Dienst gehen. Planungen müssten also um 2010 beginnen, wenn die Ohios ersetzt werden sollen.[11]. Nach dem Schiffbauplan der US Navy von 2003 soll die Beschaffung der als SSBN(X) firmierenden Klasse zwischen Haushaltsjahr 2019 und 2023 beginnen.[12]

Die Royal Navy hingegen hat bereits 2006 bekanntgegeben, dass die Vanguard-Klasse ab circa 2022 ersetzt werden muss, die Lebenszeit wird somit mit 25 Jahren angenommen. Die Planungen für den Ersatz laufen bereits. Für den Bau von vier Booten will das Vereinigte Königreich 15 bis 20 Milliarden britische Pfund auf Geldwertkurs von 2006/2007 ausgeben.[13] Diese werden aber statt 16 wie auf den Vorgängern nur mehr 12 Raketensilos erhalten.[14]

Indien will 2010 ein erstes SSBN in Dienst stellen und es mit eigenen ballistischen Raketen vom Typ Sagarika ausstatten, die jedoch nur eine Reichweite von rund 400 Meilen aufweisen.[15]

Einsatz

Einsatzprofil

Ein U-Tender lädt Raketen in die Silos der USS Francis Scott Key

Hauptziel eines U-Bootes mit ballistischen Raketen ist es, während seiner Patrouille unentdeckt zu bleiben, damit es seine Rolle der nuklearen Abschreckung erfüllen kann. Mit seinen Atomraketen wird es in die Weiten der Ozeane auf Patrouille geschickt. An geheimen Orten zieht das Boote so in Schleichfahrt seine Bahnen und wartet auf den Befehl, seine Atomraketen abzuschießen. Eine Fahrt dauert zwei bis drei Monate, während denen das U-Boot im Normalfall nicht einmal auftaucht.

Die Boote können einerseits für Erstschläge eingesetzt werden, haben aber auch Zweitschlagskapazität. Der größte Vorteil der Boote als Erstschlagswaffe liegt darin, dass sie mobil sind und entsprechend ihre Raketen nah an der Küste des anzugreifenden Landes abfeuern können. Da dadurch die Flugzeit sinkt, wird auch die Zeit des Angegriffenen reduziert, auf den Angriff zu reagieren. Sie können daher in so genannten Enthauptungsschlägen die politische und militärische Führung des Feindes angreifen und so die Kommandokette zu unterbrechen, die einen Gegenschlag anordnen könnte. Gleichzeitig würde auch versucht, die Atomraketen des Feindes zu vernichten. In der umgekehrten Situation ist es aber gerade schwer, die SSBN des Feindes aufzuspüren und zu zerstören, so dass sich diese für solche Gegen- oder Zweitschläge eignen.

Diese Logik stammt aus der Zeit des Kalten Krieges, als das Konzept der Mutual assured destruction beide Seiten von Atomschlägen abgehalten hat. Besonders als die Raketen-U-Boote aufkamen, hatte die US Navy Vorteile gegenüber der Sowjet-Marine. Da die ersten U-Boot-gestützten Raketen nur recht geringe Reichweiten hatten, war eine Patrouille nah vor der jeweils anderen Küste nötig. Um die Anfahrtszeit zu verkürzen, konnte die US Navy ihre SSBN in vorgeschobenen Stützpunkten stationieren. Genutzt wurden Rota in Spanien und Holy Loch in Schottland sowie Pearl Harbor auf Hawaii und Apra Harbor auf Guam. Diese Häfen wurden speziell ausgerüstet, damit dort auch mit Atomwaffen umgegangen werden konnte. Unter anderem wurden dort permanent U-Boot-Tender stationiert. Die Sowjetmarine hingegen musste im Pazifik von ihren Häfen auf Kamtschatka den gesamten Ozean durchlaufen. Noch schlechter war die Situation im Atlantik. Nachdem die Boote ihre Häfen auf Kola verlassen hatten, mussten sie die G-I-UK-Lücke passieren, um den Atlantik zu erreichen. Entsprechend stark hatte die NATO diesen Bereich mit Jagd-U-Booten und Schiffen und Flugzeugen für U-Jagd sowie dem SOSUS-Netzwerk abgesichert. So konnten viele sowjetische SSBN verfolgt werden und hätten gegebenenfalls torpediert werden können, bevor sie ihre Raketen abschießen konnten. So konnte beispielsweise das Jagd-U-Boot USS Batfish (SSN-681) ein Yankee 1978 über 44 Tage und fast 9000 Meilen verfolgen.[16]

Amerikanische Zeichnung einer Delta IV beim Raketenstart in einer Polynja (1985)

Mit der Einführung der Interkontinentalraketen änderte sich dies grundlegend. Theoretisch können die Raketen nun auch von der Kaimauer abgefeuert werden. Besonders die Sowjetunion richtete danach unter dem arktischen Packeis so genannte Bastionen ein, teils durch Jagd-U-Boote und landgestützte Flugzeuge gesicherte Bereiche, in denen die SSBN der Delta- und Typhoon-Klasse patrouillierten. Im Kriegsfall hätten sie eine Lücke in der Eisdecke, eine so genannte Polynja, angesteuert und dort ihre Raketen abgefeuert. Die USA gaben ihre vorgeschobenen Stützpunkte auf, auch um die Kosten für die Sicherung der Atomwaffen dort zu sparen.

Frankreich und Großbritannien schicken ihre Boote aus Île Longue respektive Faslane-on-Clyde zu Patrouillen in den Nordatlantik. Über das Einsatzprofil der chinesischen Marine ist nichts bekannt.[17] Die neuen Boote der Jin-Klasse werden im Marinestützpunkt Sanya auf Hainan stationiert, möglicherweise unterhält die chinesische Marine im Golf von Bohai eine ähnliche Bastion, wie sie die Sowjetmarine eingerichtet hat.[10]

Patrouillenhäufigkeit

Nach dem Ende des Kalten Krieges sank die Zahl an aktiven strategischen U-Booten sowohl in den USA wie auch in Russland. Während die US Navy jedoch ihre Einsatzfrequenz pro Boot aufrecht erhalten konnte, sanken die Verlegungszahlen bei der russischen Marine stark.

Ende der 1960er Jahre führte die US Navy 130 Fahrten jährlich durch, in den folgenden drei Jahrzehnten im Schnitt rund 100. Im 21. Jahrhundert sank die Zahl von circa 60 auf noch 31 im Jahr 2008.[18] Von rund 100 Patrouillen der Sowjetmarine jährlich 1984 sank die Zahl über noch 20 Fahrten 1994 auf keine mehr Anfang des 21. Jahrhunderts. 2008 absolvierten die Boote wieder zehn Patrouillen, womit Russland rechnerisch erstmals seit 1998 wieder kontinuierliche seegestützte Abschreckung auf See erreicht haben könnte. Frankreich und Großbritannien erreichen mit jeweils 6 Patrouillen pro Jahr eine solche permanente Präsenz von Nuklearraketen unter der Wasseroberfläche.[19] Die chinesische Xia wurde nie auf Patrouille geschickt, bis 2009 auch keines der Boote der Jin-Klasse.[20]

Damit führte die US Navy 2008 mehr Einsatzfahrten mit SSBN durch als alle anderen Staaten zusammengenommen.[18] Die insgesamt 59 Raketen-U-Boote die US Navy absolvierten zwischen der ersten Patrouille der George Washington vom 15. November 1960[21] und 2009 aggregiert fast 3900 Patrouillenfahrten, davon 1000 mit Tridents an Bord.[22]

Besatzung

Direkt nach dem Einlaufen bunkert die Besatzung der USS Henry M. Jackson Nahrung

Für die Besatzungen unterscheidet sich der Dienst auf Raketen-U-Booten wesentlich von denen auf anderen Kriegsschiffen. Die westlichen Marinen teilen jedem SSBN zwei komplette Besatzungen zu, die Sowjetunion übernahm dieses Konzept später auch. So kann die Hafenliegezeit bedeutend reduziert werden. Jedes US-Boot geht für 70 bis 90 Tage auf Patrouille, kommt dann in den Hafen und wechselt die Besatzung, die bereits nach kurzer Zeit wieder auf Patrouille gehen kann. Die Ohio-Klasse verbringt so 74 bis 77 Tage auf See, gefolgt von einer 35- bis 38-tägigen Phase zum Bunkern. Damit sind sie rund 70 % der Zeit im Einsatz.[23] Im Gegensatz dazu hielt die Sowjetmarine mit dem Aufkommen der Interkontinentalraketen den Großteil ihrer Raketen-U-Boote mit hohem Bereitschaftsgrad im Hafen und ließ nur einen kleinen Teil patrouillieren. So sparte sie Personalkosten und reduzierte die Abnutzung.[16]

Während des Kalten Krieges konnten zumindest auf amerikanischen Raketen-U-Booten die Atomraketen gestartet werden, ohne dass dies von außen autorisiert hätte werden müssen. Wenn der Funker den Befehl erhalten hatte, die Raketen zu starten, mussten zwei Offiziere dies bestätigen und den übermittelten Code verifizieren. Danach gab der Commanding Officer den Befehl, die Raketen scharfzumachen und konnte sie sodann abfeuern. Frank Barnaby zeichnete 1984 auf dieser Basis ein Szenario, bei dem nur der Funker und der Kapitän eines SSBN sich hätten verschwören müssen, um einen Atomkrieg auszulösen.[24] Erst 1997 wurde mit dem Trident Coded Control Device ein System eingeführt, das den Abschuss fest daran bindet, dass ein Code vorliegt, der von den Joint Chiefs of Staff gesendet wurde. Alle anderen Staaten mit SLBM auf See mit Ausnahme von Großbritannien haben ein ähnliches System implementiert. Auf den Booten der Royal Navy hingegen ist die Besatzung weiterhin in der Lage, Atomraketen aus eigenem Antrieb abzuschießen.[25]

Auch psychologisch ist der Einsatz auf SSBN belastend. So können Seeleute auf diesen Booten davon ausgehen, einen Nuklearkrieg zu überleben, müssen aber Städte und Militäreinrichtungen mit Atomwaffen angreifen. Zudem sind die Heimatstützpunkte, in denen Familie und Freunde leben, Primärziele der Gegenseite.[26]

Anteil an den Raketenstreitkräften

Sowohl die USA als auch Russland und China besitzen neben SLBM auch landgestützte ballistische Interkontinentalraketen (ICBM). Die US Navy unterhält dabei mehr als die Hälfte aller amerikanischen strategischen Sprengköpfe.[22] Im Gegensatz dazu bilden die landgestützten Raketen von Russland, wie auch schon in der Sowjetunion, den größeren Teil der strategischen Abschreckungskräfte.[27] Das Anteil der Sprengköpfe auf SLBM in der Marine der chinesischen Volksbefreiungsarmee ist unbekannt. Die Xia wurden eher als Prototyp denn als Teil der strategischen Abschreckungskräfte gesehen, mit dem Aufkommen der Jin dürfte sich dies aber ändern.[17]

Frankreich baute in den 1970er Jahren 18 Silos für ballistische Mittelstreckenraketen in Alpes-de-Haute-Provence und besaß mobile Kurzstreckenraketen. Beide Typen wurden Mitte der 1990er Jahre jedoch abgerüstet. Großbritannien setzte nie landgestützte ballistische Atomraketen ein. Beide Staaten stützen ihre nukleare Abschreckung stattdessen komplett auf SLBM.[28] [29] [30]

Technik

Rumpf und Antrieb

Unterwasserstart einer Trident

Technisch entsprechen U-Boote mit ballistischen Raketen im Wesentlichen normalen (Atom-)U-Booten. Bedeutendste Änderung ist die zusätzliche Sektion zur Aufnahme der Raketen. So wurde für das erste SSBN der US Navy der Rumpf eines sich im Bau befindlichen Jagd-U-Bootes auseinandergebrannt und durch ein rund 40 Meter langes Bauteil ergänzt.

Auf den ersten sowjetischen Raketen-U-Booten der Hotel- und Golf-Klasse waren drei ballistische Raketen hintereinander im Turm untergebracht. Das U-Boot war bei einer solchen Konfiguration nicht wesentlich größer, lediglich der Turm wurde etwas nach achtern gestreckt.

Raketenschächte der Ohio

Alle nachfolgenden U-Boote sämtlicher Marinen sind jedoch anders gestaltet und tragen wesentlich mehr Raketen, zwischen 12 (Xia-Klasse) und 24 (Ohio-Klasse). Diese können im getauchten Zustand abgefeuert werden. Die ballistischen Raketen sind in einer Sektion untergebracht, die sich mittschiffs, meist hinter dem Turm, befindet. Dies ist sinnvoll, da das U-Boot so bei Raketenstarts recht stabil bleibt. Je nach Durchmesser des Rumpfes und Länge der Raketen ist bei vielen U-Booten ein deutlicher Buckel zu sehen, unter dem sich die Raketen vertikal stehend in jeweils einzelnen Startrohren befinden. Auf Grund dieser zusätzlichen Sektion sind die SSBN allerdings auch wesentlich länger und schwerer als Jagd-U-Boote. Die größten Vertreter der Raketen-U-Boote sind über 170 Meter lang, während Jagd-U-Boote nur um 100 Meter messen. Dadurch verlieren SSBN wesentlich an Wendigkeit und Geschwindigkeit, weshalb sie, wenn sie von Jagd-U-Booten aufgespürt werden, diesen kaum etwas entgegenzusetzen haben.

Auf Grund ihres Einsatzprofils ist für Raketen-U-Boote Geschwindigkeit aber ohnehin kein entscheidendes Kriterium, sie weisen eine wesentlich langsamere Endgeschwindigkeit auf als etwa Jagd-U-Boote. Stattdessen ist es zur Erfüllung ihrer Aufgabe essentiell, dass sie in langsamen und mittleren Geschwindigkeiten möglichst wenig Lärm entwickeln, den der Feind über passives Sonar auffassen und somit das Boot orten könnte. Moderne Reaktoren implementieren daher das Prinzip der natürlichen Konvektion, bei dem während der Schleichfahrt keine Pumpen benötigt werden, um Kühlmittel durch den Reaktor zu pumpen, wodurch eine wesentliche Lärmquelle von Atom-U-Booten ausgeschaltet wird.

Deutlich zu sehender Raketenbuckel der Delta-III-Klasse

Durch die Größe der Boote ist eine optimale Hydrodynamik bedeutend für die Leistung der Boote. So sind alle amerikanischen Boote in einer Tropfenform nach dem Vorbild des Versuchsbootes USS Albacore (AGSS-569) gefertigt, die Raketenbuckel sind weit weniger deutlich sichtbar als bei einzelnen Sowjet-Entwürfen. Dies liegt auch daran, dass die Trident II zwischen einem und eineinhalb Meter kürzer sind als etwa ihre östlichen Pendants R-29 in der Delta-Klasse, die für ihre Raketen eine deutliche Erhöhung des Decksbereichs hinter dem Turm benötigt. Auch auf Grund dieser Struktur und ihres Strömungswiderstandes benötigen alle sowjetischen Boote von der Hotel- bis zur Typhoon-Klasse gleich zwei Reaktoren. Dies bedeutet mehr Reaktorgeräusche, durch die unregelmäßige Rumpfstruktur werden Strömungsgeräusche erzeugt.[31]

Mit der Typhoon-Klasse stieß die Sowjetmarine in neue Dimensionen vor. Sie ist zwar ähnlich lang wie vorherige Entwürfe aller Nationen, aber rund doppelt so breit, die Verdrängung liegt bei dem Doppelten etwa der Delta-IV- oder Ohio-Klasse. Dies wurde erreicht durch zwei separate Druckhüllen, die von dem äußeren Rumpf eingefasst werden. Mittschiffe existiert eine weitere kleine Druckhülle für die Kommandozentrale unter dem Turm. Die R-39-Raketen sind mehr als zweieinhalb Meter länger als die Trident, ihre Startrohre liegen zwischen den Druckhüllen und vor dem Turm. Der Entwurf wurde für den Einsatz unter dem Packeis optimiert.

Bewaffnung

Eine Trident I vom Start bis zum Wiedereintritt der jeweils acht Mehrfach-Sprengköpfe von zwei Raketen

Die U-Boot-gestützten Raketen sind bestimmungsgemäß die Hauptbewaffnung der U-Boote dieses Typs. Zur Selbstverteidigung sind sie allerdings ebenfalls mit Torpedorohren ausgestattet. Da Raketenstarts optisch, akustisch und per Radar leicht zu orten sind, verrät ein U-Boot mit dem Start auch seine Position und ist daher unter Umständen darauf angewiesen, sich verteidigen zu können.

Während die ersten sowjetischen strategischen U-Boote zum Raketenstart noch an die Wasseroberfläche mussten, können modernere Boote aller Staaten die Raketen getaucht in Periskoptiefe von etwa 20 Metern abfeuern. Dafür wenden sie ein Cold Launch genanntes Verfahren an: In einen Freiraum unter der Rakete wird ein Gas gepumpt. Zum Start durchbricht die Rakete eine Schutzkappe und steigt, geschützt vor dem Wasserdruck durch das Gas, an die Wasseroberfläche. Erst dort zündet das Raketentriebwerk. Die ersten SLBM hingegen funktionierten nach dem Prinzip des Hot Launch, bei dem das Boot auftauchen musste, die Rakete etwas aus dem Silo angehoben wurde und dann direkt aus dem Silo heraus ihr Triebwerk startete. Nach dem Abschuss einer Rakete füllt sich das nun leere Rohr mit Wasser, um den Gewichtsverlust auszugleichen und das U-Boot so im Trimm zu halten.

Die heutigen SLBM können jeweils mehrere Gefechtsköpfe beherbergen. Diese einzelnen Sprengköpfe eines so genannten Multiple Independently targetable Reentry Vehicle (MIRV) können auf jeweils eigene Ziele programmiert werden. Nachdem sich die Sprengköpfe aus dem MIRV gelöst haben, steuern sie unterschiedliche, voreingestellte Koordinaten an. Die russische Bulawa setzt als erste SLBM die so genannten Maneuverable Reentry Vehicles ein. Hierbei sind die Waffen auch nach der Abtrennung von der Trägerraketen in der Lage, Lenkmanöver durchzuführen und gehorchen nicht allein der vorhersagbaren Ballistik. Damit sind sie wesentlich schwerer abzufangen.

Die Mehrfachsprengköpfe verleihen jedem SSBN sehr große Sprengkraft. In jede Trident II an Bord der Ohio- und Vanguard-Klasse können zwölf Waffen eingesetzt werden, der erste Strategic Arms Reduction Treaty (START I) erlaubt für die USA acht Gefechtsköpfe, so dass jedes U-Boot bis zu 192 Ziele angreifen kann.[32] Der Strategic Offensive Reductions Treaty verlangt bis 2012 eine weitere Reduzierung der Sprengköpfe[33], weswegen die US Navy sich seit 2005 auf sechs Sprengköpfe pro Rakete beschränkt, weitere Reduzierungen sollen folgen. Selbst mit sechs W88-Sprengköpfen erreicht jede Rakete aber noch eine Sprengkraft von fast 3 Megatonnen TNT-Äquivalent. Damit liegt die Sprengkraft einer so bestückten Raketen beim 200-fachen der über Hiroshima abgeworfenen Bombe Little Boy. Ausgerüstet mit sechs W76 liegt die Sprengkraft bei noch 600 Kilotonnen. Tatsächlich befindet sich eine Mischung beider Typen an Bord jedes US-U-Bootes.[34] Im Kalten Krieg fuhr jedes US-Raketen-U-Boot mit genug Zerstörungskraft, um alle sowjetischen Städte mit mehr als 200.000 Einwohnern zu vernichten.[24]

Frankreich und Russland setzen Sprengköpfe mit ähnlicher Leistung wie der W76 ein, so dass die Zerstörungskraft einer Rakete mit mehreren Sprengköpfen um 500 Kilotonnen TNT-Äquivalent liegt.[27] [29]. Die Royal Navy bestückt jede Trident mit drei Sprengköpfen zu je 100 Kilotonnen.[30] Auf den chinesischen Raketen werden keine MIRV eingesetzt, die Sprengkraft liegt bei 200 bis 300 Kilotonnen pro Rakete.[17]. Die indische Marine will ihre SLBM mit einem Sprengkopf von rund 500 Kilotonnen ausrüsten.[35]

2006 schlug das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten auf Anraten des National Research Councils vor, eine Version der Trident II mit konventionellen Sprengköpfen zu entwickeln und auf den Booten der Ohio-Klasse einzusetzen, um in der veränderten Gefahrenlage nach dem Ende des Kalten Krieges auch mit nicht-nuklearen Langstreckenraketen etwa Terroristen angreifen zu können. Der Kongress verweigerte jedoch die Finanzierung des Projekts, und anderem aus der Sorge, dass Russland und China den Start einer solchen konventionellen Trident für einen Atomschlag halten könnten. Die teilweise Abrüstung nuklearer Sprengköpfe würde so die Gefahr eines Atomkrieges ansteigen lassen.[36]

Kosten

Der Bau eines U-Bootes der Ohio-Klasse kostete 1985, also für die letzten Boote, 1,8 Milliarden US-Dollar[37] Die erste Einheit wurde noch mit 740 Millionen Dollar taxiert, die achte 1980 mit 1,12 Milliarden Dollar.[38]. Für das Trident-II-Programm hat das Congressional Budget Office der US-Regierung inklusive Entwicklung und Bau der Raketen sowie Bau, Betrieb und Unterhaltung der U-Boote, zwischen 1987 und 2030 Kosten von über 100 Milliarden Dollar nach Preisen von 1987 vorgesehen.[39]

Die wesentlich kleinere Trident-Flotte der Royal Navy soll über ihre Lebensdauer rund 15 Milliarden Pfund nach Preisen von 2007 kosten.[40] Der Ersatz für die Vanguard-Klasse könnte über ihre Lebenszeit bis zu 76 Milliarden Pfund verschlingen.[41]

Eine einzelne Atomrakete vom Typ Trident II kostet in der Anschaffung rund 30 Millionen US-Dollar.[42]

Unfälle

Die K-219 treibt nach einer Raketenexplosion im Silo mit deutlich sichtbaren Schäden antriebslos im Atlantik

Die Reaktoren der ersten SSBN der sowjetischen Hotel-Klasse waren im Vergleich zu westlichen Standards nur äußerst unzureichend abgeschirmt und weit fehleranfälliger.[43] Entsprechend gab es von Beginn an Probleme. Die K-19 erlitt bereits 1961, kurz nach ihrer Indienststellung, einen Leck im Kühlwasserkreislauf des Reaktors, als sie bei Grönland fuhr. Eine Kernschmelze konnte nur dadurch verhindert werden konnte, dass acht Seeleute direkt in die verstrahlte Reaktorkammer gingen und ein improvisiertes Notkühlsystem installierten. Sowohl diese acht als auch 13 weitere Seeleute wurden so stark verstrahlt, dass sie an den Folgen der Strahlung starben.[44] 1968 sank mit der K-129 ein dieselelektrisches Raketen-U-Boot der Golf-Klasse aus ungeklärten Gründen im Pazifik. Die sowjetische Marine bemerkte nur die ausbleibenden Funksprüche des Bootes, das Wrack konnte sie aber nicht finden. Die US Navy hingegen hatte über SOSUS eine Explosion detektiert und den Untergangsort lokalisiert. Die CIA ließ daraufhin unter höchster Geheimhaltung die Hughes Glomar Explorer bauen und versuchte 1974 im Jennifer-Projekt, das Wrack aus 5000 Metern Tiefe zu bergen, was teilweise auch gelang.

1985 soll nach Berichten ein chinesisches SSBN der Xia-Klasse gesunken sein, offiziell bestätigt wurde dies jedoch nie.[45] 1986 detonierte auf dem sowjetischen U-Boot K-219 nach einem Seewasserleck in einem Silo eine der ballistischen Raketen. Nachdem in der Folge auch hier Reaktorprobleme auftraten, musste der Matrose Sergei Anatoljewitsch Preminin in die Reaktorkammer, um den Reaktor manuell abzuschalten, um eine Kernschmelze zu verhindern. Dies gelang ihm, aber auch er starb an der Verstrahlung. Nachdem die K-219 drei Tage an der Wasseroberfläche getrieben hatte, sank sie schließlich.

Auf westlicher Seite gab es weit weniger schlimme Unfälle. Die USS George Washington (SSBN-598) rammte am 9. April 1981 bei einer Notauftauchübung im Ostchinesischen Meer den japanischen Frachter Nissho Maru. Das U-Boot tauchte nach der Kollision wieder ab, der Kapitän gab an, das Schiff sei offenbar nicht in Seenot gewesen. Durch das Loch, das das U-Boot in den Rumpf geschlagen hatte, strömte Wasser in den Maschinenraum, das Schiff sank. Zwei Besatzungsmitglieder starben, dreizehn weitere wurden nach 18 Stunden in einem Rettungsboot gerettet. Der Zwischenfall erzürnte die japanische Öffentlichkeit, Präsident Ronald Reagan musste sich offiziell für das Verhalten der US Navy entschuldigen, die USA zahlten später Entschädigungen.[46]

Auf Grund der angewandten Strategie, U-Boote mit ballistischen Raketen wann immer möglich zu verfolgen, waren besonders im Kalten Krieg Kollisionen zwischen Jagd- und Raketen-U-Booten keine Seltenheit. Bekanntgewordene Beispiele sind die Zusammenstöße zwischen der USS Augusta (SSN-710) und der K-279 (Delta-I-Klasse) 1986 oder der USS Grayling (SSN-646) und der K-407 (Delta-IV-Klasse) 1993.[47]

Eine absolute Ausnahme bildet die Kollision zwischen zwei Raketen-U-Booten, da diese selten in Verbänden operieren. Bekannt wurde ein Zusammenstoß zwischen der britischen HMS Vanguard (S28) und der französischen Triomphant (S 616) im Februar 2009 im Atlantik. Nach Darstellung der Royal Navy fuhren beide Boote in Schleichfahrt, die bekanntgewordenen Schäden lassen vermuten, dass die Triomphant die Vanguard mittschiffs gerammt hat. Der Unfall ist ein Beleg dafür, wie leise moderne SSBN geworden sind, da sich beide Boote trotz der unmittelbaren Nähe zueinander offenbar nicht per Sonar orten konnten.[48]

Literatur

  • Norman Friedman: U.S. Submarines since 1945. Naval Institute Press, Annapolis 1994, ISBN 9781557502605 (engl.)
  • David Miller, John Jordan: Moderne Unterseeboote. Stocker Schmid AG, Zürich 1987, 1999 (2. Auflage). ISBN 3-7276-7088-6.
  • Norman Polmar, Jurrien Noot: Submarines of the Russian and Soviet Navies, 1718-1990. Naval Institute Press, Annapolis, 1991. ISBN 0870215701 (engl.)
  • Norman Polmar, K. J. Moore: Cold War Submarines: The Design and Construction of U.S. and Soviet Submarines, 1945–2001. Potomac Books, Dulles, VA 2003. ISBN 978-1-57488-594-1 (engl.)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Polmar 2003, S. 103f
  2. Polmar 1991, S. 153
  3. Polmar 2003, S. 110
  4. Polmar 1991, S. 295f
  5. Polmar 1991, S. 169
  6. Miller, Jordan 1999, S. 20 und Polmar 1991, S. 300
  7. Text von SALT I auf fas.org (engl.)
  8. Miller, Jordan 1999, S. 12.
  9. Strategic fleet auf russianforces.org (engl.)
  10. a b Andrew S. Erickson: China’s Future Nuclear Submarine Force. US Naval Institute Press, Annapolis, MD. 2007. ISBN 978-1-59114-326-0 (engl.). S. 137f
  11. Defense Daily: Navy Needs To Begin R&D For Next SSBN In FY '10 To Keep Pace With Deactivations (engl.)
  12. Norman Polmar: Naval Institute Guide to the Ships and Aircraft of the U.S. Fleet. US Naval Institute Press, Annapolis, 2005, ISBN 978-1591146858. S. 64
  13. The Future of the United Kingdom’s Nuclear Deterrent (engl.)
  14. Jane’s Information Group: UK to reduce missile payload of Successor SSBNs (engl.)
  15. Asia Times: India's nuclear submarine plan surfaces (engl.)
  16. a b Undersea Warfare: Cold War Strategic ASW (engl.)
  17. a b c Bulletin of the Atomic Scientists: Chinese nuclear forces, 2008 (engl.)
  18. a b Blog der Fedaration of American Scientists: U.S. Strategic Submarine Patrols Continue at Near Cold War Tempo (engl.)
  19. Blog der Fedaration of American Scientists: Russian Strategic Submarine Patrols Rebound (engl.)
  20. Blog der Fedaration of American Scientists: Chinese Submarine Patrols Doubled in 2008 (engl.)
  21. Friedman 1994, S. 196
  22. a b DefenseLink: Senior Leaders Salute Milestone Trident Submarine Patrol (engl.)
  23. Undersea Warfare: A New SSBN Operating Cycle for Kings Bay (engl.)
  24. a b Der Spiegel: „Wir haben Abschußbefehl“. 49/1984, S. 134f
  25. BBC: British nukes protected by bicycle lock keys (engl.)
  26. Navy Times: Trident force reaches milestone (engl.)
  27. a b Bulletin of the Atomic Scientists: Russian nuclear forces, 2008 (engl.)
  28. Der Spiegel: Abschied vom Klub. 9/1992, S. 172ff
  29. a b Bulletin of the Atomic Scientists: French nuclear forces, 2008 (engl.)
  30. a b Stockholm International Peace Research Institute: British nuclear forces, 2006 (engl.)
  31. Miller, Jordan 1999, S. 20f
  32. Anhang des START-I-Vertrages (engl.)
  33. nuclearfiles.com: Treaty Between the United States of America andthe Russian Federation on Strategic Offensive Reductions (engl.)
  34. Bulletin of the Atomic Scientists: US nuclear forces, 2008 (engl.)
  35. Bulletin of the Atomic Scientists: Indian nuclear forces, 2008 (engl.)
  36. Washington Post: Non-Nuclear Warhead Urged for Trident Missile (engl.)
  37. Chris & David Miller, Moderne Kriegsschiffe, Verlag Stocker-Schmid, Dietikon-Zürich 1990. S. 135
  38. Stefan Terzibaschitsch, Seemacht USA, Bechtermünz-Verlag, ISBN 3-86047-576-2. S. 486
  39. Congressional Budget Office: Trident II Missiles: Capability, Costs, and Alternatives, S. 18 (engl.)
  40. House of Commons Library: The Future of the British Nuclear Deterrent, S. 16 (engl.)
  41. The Guardian: New Trident system may cost £76bn, figures show (engl.)
  42. BBC: Fact file: Trident missile (engl.)
  43. Tom Clancy: Atom-U-Boot: Reise ins Innere eines nuclear warship. Heyne, München 1997. ISBN 978-3-86047-267-5. S. 72
  44. Peter Huchthausen: K-19. National Geographic, Washington DC 2002; ISBN 3-934385-88-5; Seiten 214ff
  45. Xia-Klasse bei der Foundation of American Scientists (engl.)
  46. Honolulu Star-Bulletin: Sub accident eerily similar to 1981 incident (engl.)
  47. Huchthausen 2002, S. 220ff
  48. Der Spiegel: Nuklearer Albtraum. 9/2009, S. 135
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