71. Infanteriedivision
71. Infanterie-Division

Truppenverbandsabzeichen: Das Kleeblatt
Aktiv 26. August 1939[1]–Mai 1945 bei St. Veith in Kärnten [1]
Land Deutsches Reich
Streitkräfte Wehrmacht
Teilstreitkraft Heer
Truppengattung Infanterie
Typ Infanteriedivision
Grobgliederung Gliederung
Stärke 15.000
Unterstellung 6. Armee
Aufstellungsort Waterloo-Kaserne, Hildesheim
Spitzname Die Glückhafte, Kleeblattdivision
Zweiter Weltkrieg Krieg gegen die Sowjetunion 1941–1945
Schlacht von Stalingrad, Schlacht um Monte Cassino
Kommandeure
Liste der Kommandeure

Die 71. Infanterie-Division, war ein Großverband der deutschen Wehrmacht und wurde am 26. August 1939 als Division 2. Welle durch den Infanterie-Kommandeur 19 in Hildesheim aufgestellt. Sie kämpfte unter anderem in Verdun, Stalingrad und Monte Cassino. Ihr Zeichen war das vierblättrige Kleeblatt und man nannte sie auch „Die Glückhafte“.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1939

Im August 1939 wurde die 71. ID im Wehrkreis XI in Ost- und Südhannover, Braunschweig und Sachsen-Anhalt aufgestellt und rekrutierte sich vornehmlich aus Soldaten aus Niedersachsen: Hannover, Hildesheim, Braunschweig und dem Westharz. Eingezogen wurden die Jahrgänge 1910 bis 1920. Kurz nach Generalmobilmachung wurde die 71. ID in Nachtmärschen nach Pirmasens verlegt, um dort ihren Verfügungsraum für den Westfeldzug in Frankreich zu beziehen.

1940

Nachdem die 71. ID die Maginotlinie in Richtung Südwesten überquerte, wurde sie im Raum Verdun in Kämpfe um Fort Vaux und Fort Douaumont verwickelt, bis sie zur Zitadelle Verdun vorstoßen konnte. Zwischen 1940 und 1940 diente die 71. ID als Lehrdivision auf dem Truppenübungsplatz Königsbrück.

1941–1942

Im Juni 1941 nahm die 71. ID an der Operation Barbarossa teil. Im April 1942 wurde die Division im Eiltransport in den Raum Charkow verlegt, um an den dortigen Kampfhandlungen teilzunehmen. Teile der Division waren im Raum nördlich von Isjum im Einsatz.

Es folgte die Abwehrschlacht um Charkow und das Einnehmen der Abwehrstellung an der Babka. Dann stieß die Division über Nikolajewka in den Oskol-Abschnitt vor. Die Einheit nahm an Verfolgungskämpfe über Belowodsk, Morosowskaja, den Tschir zum Don bei Generalow teil. Westlich Kalatsch entwickelten sich weitere Abwehrkämpfe. Ab August 1942 setzten die Infanteristen der 71. Infanterie-Division über den Don, nahmen Karpowka und Rossoschka bis sie schließlich Stalingrad erreichten.

Die 71. Infanterie-Division war zusammen mit der 295. Infanterie-Division einer der ersten Großverbände, die ihr Ziel an der Wolga erreichten. In der Stadt Stalingrad selbst wurde sie schnell in die schwere Häuserkämpfe in der Stadtmitte verwickelt und musste dort unter Gefechtsbedingungen den Ortskampf erlernen, was zu schweren Verlusten führte.

Am 13. September 1942 stieß die 71. ID in Richtung Hauptbahnhof und am nächsten Tag erreichte sie die Stadtmitte von Stalingrad nördlich der Tsaritzarinne. Bereits am 15. September 1942 entwickelten sich erbitterte Kämpfe um den Hauptbahnhof Stalingrad gegen das 42. Gardeschützen-Regiment der 13. Gardeschützen-Division. Nördlich der Zariza nahm die 71. Infanterie-Division Häuserteile ostwärts der Parteigebäude bis zur Wolga in Besitz. In sehr erbittert geführten Straßen und Häuserkämpfen gewannen die Infanteristen mit Flammenwerfern, Handgranaten und Sprengladungen Schritt für Schritt an Boden und am 26. September 1942 hisste die 71. Infanteriedivision auf dem am Roten Platz gelegenen Parteigebäude die Reichskriegsflagge. Die 71. Infanterie-Division hatte damit als einzige der 6. Armee in der gesamten Divisionsbreite bereits Ende September 1942 die Wolga im Süden von Stalingrad erreicht. Das Infanterie-Regiment 211 war an der rechten Flanke der Division zwischen den Flüssen bzw. Bächen Zariza und Minina eingesetzt. Die Einheiten befanden sich darum eine Zeit lang in gut ausgebauten und sicheren Stellungen und wurden dann erst in den Septemberkämpfen in der Innenstadt schwer dezimiert.

Am 25. Oktober 1942 war die 71. ID erneut in schwere Kämpfe um Stalingrad-Mitte nördlich der Zarizaschlucht verwickelt und befand sich in einer Pattsituation mit der Roten Armee. Im Februar 1943 ging die gesamte Division im Kessel von Stalingrad unter.

1943–1945

Von März bis Juli 1943 wurde die 71. ID in Dänemark aus den Grenadier-Regimentern 883 und 885 sowie Ersatz aus dem Wehrkreis XI komplett neu aufgestellt. Im August 1943 verlegte man die 71. ID nach Kärnten mit dem Auftrag im Raum Treviso - Görz - Triest und Fiume bei der Entwaffnung der italienischen Truppen mitzuwirken. Es folgten Küstenschutz und Partisanenkampf im Raum Monfalone und Fiume. Bedeutsam war auch die Teilnahme in der Schlacht um Monte Cassino im Mai 1944.

Bis zum Kriegsende folgten weitere Kampfeinsätze in Kärnten, Italien und Ungarn. In Norditalien war die 71. ID am Metaurofluss und der Gotenlinie stationiert und musste auch dort schwere Verluste erleiden.

1945 kapitulierte die 71. ID vor der britischen Armee bei Sankt Veit an der Glan.

Augenzeugenbericht

Wir von der »glückhaften Division« - der 71. Infanterie-Division - lagen in Stalingrad. Nicht nur das: Wir wurden als erste in den Skat geworfen, als es hieß, die Stadt zu durchstoßen und bis zum Wolgaufer vorzudringen. Hart nördlich der Zariza, die die Stadt in zwei Teile teilt, gingen wir vor. Ich, der Obergefreite Willi Jettkowski, gehörte zum Infanterie-Regiment 191. Mit uns stürmten die Schwesternregimenter IR 194 und IR 211. Wir hatten Stalingrad geschafft. Aber wir wußten noch nicht, dass der Tag kommen würde, an dem Stalingrad uns Landser schnappen würde. Nicht nur unsere Division oder unser Armeekorps, sondern die ganze 6. Armee.“ (Oberst Johannes Richard Schmidt, Kommandeur des Infanterie-Regiment 191)

Einsätze

  • Westwall (September 1939 bis Mai 1940)
  • Frankreich (Mai 1940 bis Juni 1941)
  • Ostfront (Juni 1941 bis Oktober 1941)
  • Frankreich (Oktober 1941 bis April 1942)
  • Ostfront (April 1942 bis August 1942)
  • Schlacht um Stalingrad (August 1942 bis Januar 1943)
  • Dänemark (März 1943 bis August 1943)
  • Slowenien (August 1943 bis September 1943)
  • Italien (September 1943 bis Dezember 1944)
  • Ungarn und Österreich (Dezember 1944 bis Mai 1945)

Verluste

Nach dem Westfeldzug wurden folgende Verluste bekannt gegeben: 22 Offiziere, 608 Unteroffiziere und 1.847 Mannschaftsdienstgrade.

Aus einer Statistik geht hervor, dass diese Einheit bereits am 19. September 1942 an der Ostfront mit die schwersten Verluste aller in Stalingrad kämpfenden Verbände hatte. Bis zu diesem Tag verlor das 211. Infanterie-Regiment 392, das 191. Infanterie-Regiment 377 und das 194. Infanterie-Regiment 304 Mann. Die größten Verluste erlitten die Kampfkompanien, die im Häuserkampf aufgerieben wurden und nicht mehr ersetzt werden konnten.

Kommandeure

Gliederung

  • Infanterie-Regiment 191 (ab 15. Oktober 1942 umbenannt in Grenadier-Rgmt. 191), Stationierung: Hannover-Bothfeld
  • Infanterie-Regiment 194 (ab 15. Oktober 1942 umbenannt in Grenadier-Rgmt. 194), Stationierung: Halberstadt
  • Infanterie-Regiment 211 (ab 15. Oktober 1942 umbenannt in Grenadier-Rgmt. 211), Stationierung: Burg b. Magdeburg
  • Artillerie-Regiment 171
  • Pionier-Bataillon 171
  • Panzerabwehr-Abteilung 171, Stationierung: Engelbostel b. Hannover
  • Aufklärungs-Abteilung 171
  • Infanterie-Divisions-Nachrichten-Abteilung 171
  • Infanterie-Divisions-Nachschubführer 171

Träger des Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes

  • Generalleutnant Alexander von Hartmann (Divisionskommandeur), 71. Infanterie-Division, Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes am 8. Oktober 1942
  • Oberst Karl Heinrich Hermann Barnbeck (Regimentskommandeur), 71. Infanterie-Division 211. Infanterie-Regiment, Ritterkreuz am 29. Oktober 1942

Weblinks

Quellen

  • Arbeitsgemeinschaft Das Kleeblatt. Die 71. Infanterie-Division 1939-1945: Gefechts- und Erlebnisberichte aus den Kämpfen der "Glückhaften Division", Verlag Dörfler; Auflage: 1 (März 2006) ISBN-10: 3895553638, ISBN-13: 978-3895553639
  • Beevor, Anthony. Stalingrad. New York, Viking Press, 1998
  • Knopp, Guido. Stalingrad das Drama, Bertelsmann, 2002
  • Wendel, Marcus 2004. "71. Infanterie-Division".

Einzelnachweise

  1. a b Lexikon der Wehrmacht „[1]" Abgerufen 20. Oktober 2008

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