Bad Neustadt a.d.Saale
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bad Neustadt a. d. Saale
Bad Neustadt an der Saale
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bad Neustadt a. d. Saale hervorgehoben
50.32194444444410.216111111111242Koordinaten: 50° 19′ N, 10° 13′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Rhön-Grabfeld
Höhe: 242 m ü. NN
Fläche: 36,79 km²
Einwohner: 15.826 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 430 Einwohner je km²
Postleitzahl: 97616
Vorwahl: 09771
Kfz-Kennzeichen: NES
Gemeindeschlüssel: 09 6 73 114
Stadtgliederung: 7 Ortsteile
Adresse der Stadtverwaltung: Rathausgasse 2
97616 Bad Neustadt a. d. Saale
Webpräsenz:
Bürgermeister: Bruno Altrichter (FWG)

Bad Neustadt an der Saale (amtlich: Bad Neustadt a. d. Saale) ist die Kreisstadt des unterfränkischen Landkreises Rhön-Grabfeld, etwa 62 km nordöstlich von Würzburg. Die Kurstadt liegt im Rhönvorland, am Zusammenfluss von Brend und Fränkischer Saale.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geologie

Bad Neustadt liegt in Unterfranken, etwa 30 km nördlich des Mains an der Fränkischen Saale. Der Untergrund der Neustädter Gegend wird von den Gesteinen des Oberen Buntsandsteins und des Unteren und Mittleren Muschelkalks gebildet.

Stadtgliederung

Bad Neustadt (15.757 Einwohner) besteht aus den Stadtteilen

  • Altstadt und Östliche Außenstadt (1.858 Einwohner)
  • Westliche Außenstadt (2.515)
  • Gartenstadt (2.235)

zusammen 6.608 Einwohner. Zwischen 1972 und 1978 wurden folgende Orte weitere Stadtteile eingemeindet:

Raumplanung

Bad Neustadt bildet ein Mittelzentrum innerhalb der Region Main-Rhön, in der Schweinfurt als Oberzentrum ausgewiesen ist.


Geschichte

Bereits 742 wird der mittlerweile eingemeindete Ortsteil Brend (Brendlorenzen) erstmals in einer Urkunde des neu gegründeten Bistums Würzburg erwähnt. Die in Brendlorenzen stehende Martinskirche (später in St. Johannes der Täufer umbenannt) wurde als eine von 25 Eigenkirchen dem Bistum geschenkt.

Ob im 9. Jahrhundert auch an der Stelle der heutigen Altstadt bereits eine Siedlung zu finden war, ist trotz umfangreicher Ausgrabungen noch nicht abschließend geklärt. In der Gegend der Stadt errichtete 790 Karl der Große die Pfalz Salz, deren genaue Lage aber nicht mehr bekannt ist. Im Jahre 878 wurde ein Ort Oberselz erstmals urkundlich genannt. Es wird vermutet, dass sich hinter der Bezeichnung das heutige Bad Neustadt verbirgt.

Die mittelalterliche Stadtmauer ist noch heute rundum erhalten. Auf 1,5 Kilometer Länge umgibt sie in Herzform die Altstadt von Bad Neustadt. Der Ursprung der Herzform wird in einer romantische Sage erklärt, in der Kaiser Karl der Große, als er auf der Anhöhe der Salzburg stand und ins Tal blickte, zu seiner Ehefrau Fastrada gesagt haben soll: „Als Zeichen unserer Liebe will ich dort unten eine Stadt in Herzform errichten.“ Dies ist jedoch so kaum möglich, weil die Herzform als Symbol erst ca. 700 Jahre nach Karl dem Großen gebräuchlich wurde.

Erstmals wurde Neustadt als nova civitas in einer Urkunde des Bischofs von Würzburg aus dem Jahre 1232 genannt. Das Oberamt des Hochstiftes Würzburg wurde 1805 nach der Säkularisation Erzherzog Ferdinand von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg überlassen und fiel mit diesem 1814 endgültig an Bayern.

Den Zusatz Bad bekam Neustadt kurz nach der Machtergreifung Hitlers. Seit 1934, der Eingemeindung von Bad Neuhaus, nennt sich auch die Stadt Neustadt Bad. Neustadt war unter den ersten Städten, die Hitler zur Machtergreifung gratuliert hatten.

Ein weiterer Ort der Geschichte Neustadts ist die Salzburg. Die gewaltige Burg, die auf einer bewaldeten Höhe thront, gehört zu den größten Ganerbenburgen Deutschlands. Zwar wurde sie oft umgebaut (verschiedene Elemente der Romanik, Gotik und Renaissance zeugen davon), jedoch nie zerstört und ist heute noch in ihrer ganzen Gestalt erhalten. Allerdings sind die meisten der Ganerbensitze heute Ruinen.

Kirche Mariä Himmelfahrt

Dort, wo heute die katholische Kirche Mariä Himmelfahrt steht, standen früher verschiedene Kirchen, u. a. eine romanische Kirche mit Chorturm, die etwa um 1050 erbaut wurde. Die 1983/84 freigelegten Fundamentreste der in 1352 erweiterten Kirche im gotischen Stil sind heute an der Nordost-Ecke der Kirche durch entsprechende Bodenbepflasterung nachempfunden und auf einer Infotafel beschrieben. 1793 wurde die Kirche wieder abgerissen, weil es Klagen über bauliche Mängel und räumliche Enge gab. Der Hofkammerrat Alois Geigel erstellte Pläne für den Neubau, die, nach seinem Tod, 1798 der Hofarchitekt Andreas Gärtner als Bauführer umsetzte. Allerdings wollte er, "dass die vielen unnützen Säulen" wenigstens im Chor wegfallen sollten. Das widersprach jedoch dem Willen des verstorbenen Fürstbischofs Franz Ludwig von Erthal, der ausdrücklich verfügt hatte, dass der Plan Geigels in dessen Sinne umgesetzt werde. Mehrmals mussten die Bauarbeiten eingestellt werden, wegen Geldmangels, aber auch wegen der napoleonischen Kriegswirren. Mit Hilfe des Königs Ludwig I. von Bayern konnte der Bau endlich im Jahre 1834 fertiggestellt werden. Der Innenausbau erfolgte in den folgenden beiden Jahren nach den Plänen Mattlehners. Am 10. August 1836 wurde die Kirche unter dem heutigen Namen durch die Bischöfe von Fulda und Würzburg eingeweiht.

Unüblich ist die Ausrichtung der Kirche nach Westen, d. h. der Altarraum ist im Westen der Kirche. Auch ist die Richtung der Kirche gegenüber ihren Vorgängerinnen um etwa 30 Grad versetzt.

Die Maße der Kirche sind:

Breite: außen 21 m, innen 18,40 m, d. h. Mauerdicke 1,30 m
Länge: außen 49,77 m, innen 47,80 m
Säulenhöhe: 11 m, einschl. Sockel und Kapitell
Spiegelgewölbehöhe: 6,80 m vom Säulenkopf
Turmhöhe: 56 m bis zur Kreuzspitze
Ostturm über dem Haupteingang: 8 m Seitenlänge im Quadrat

Vier Glocken bilden das Geläute:

die Friedensglocke von 1648 (Ende des 30-jährigen Kriegs!) mit 2.098 kg Gewicht
die Glocke "St. Oswald und St. Georg" von 1505 mit 1.108 kg Gewicht
die Glocke "Vier Evangelisten" von 1302 mit 630 kg
die Glocke "Zur Ehre Gottes" von 1975 mit 401 kg

Politik

Bürgermeister ist Bruno Altrichter (Freie Wähler Gemeinschaft). Seine Stellvertreterin ist Anne Zeisner (CSU).

Stadtrat

Der bis 2008 gewählte Bad Neustädter Stadtrat besteht aus dem

  • Bürgermeister Bruno Altrichter (Freie Wähler) und
  • zwölf Stadträten der CSU,
  • sieben Stadträten der Freie-Wähler-Gemeinschaft,
  • vier Stadträten der SPD,
  • einem Stadtrat der Grünen.
  • Dazu kommt jeweils ein Ortssprecher für die Stadtteile Dürrnhof, Lebenhan und Mühlbach.

Jugendrat

Es gibt auch ein Jugendparlament, das aus 14 Vertretern aus allen Schulen in Bad Neustadt besteht. Es formuliert die Wünsche der Bad Neustädter Jugend und stellt die Verbesserungsvorschläge dem Stadtrat in regelmäßigen Sitzungen vor. Vorsitzende:

  • Philipp Härder
  • Alexander Jung

Die Willensbildung findet unter anderem auch über die Homepage des Jugendzentrums statt.

Wappen

Das Wappen mit den steil aufsteigenden Zinnenmauern und den drei Türmen zeigt die mittelalterliche Stadtbefestigung.

Der Bischof mit dem aufrechten Schwert in der Rechten und den Bischofsstab in der Linken stellt den würzburgischen Fürstbischof als Landesherrn dar.

Städtepartnerschaften

Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa

Bad Neustadt ist 1979 Gründer von Ein einzig Neustadt und Mitglied der daraus entstandenen internationalen Städtefreundschaft Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa mit 36 Mitgliedern aus sechs Staaten (Stand: 15. August 2008). Bad Neustadt ist dabei das einzige Neustadt mit dem Zusatz Bad.

Darüber hinaus unterhält Bad Neustadt Städtepartnerschaften mit Falaise in Frankreich, Pershore in England, Oberhof in Thüringen, Oberpullendorf in Österreich und Bílovec (ehemals Wagstadt) in Tschechien.

Mit den Partnerstädten Pershore und Falaise, sowie mit der Rochester Adams High School in Rochester Hills, Michigan finden jährliche Schüleraustausche statt.

Patenschaft

Sport

Der populärste Sport in Bad Neustadt ist der Fußball mit ehemals zwei Vereinen (Sportfreunde und VfL). Am 1. Juli 2008 fusionierten der VfL 1860 Bad Neustadt und die Sportfreunde Bad Neustadt zum VfL 1860 Sportfreunde Bad Neustadt. Darüber hinaus haben auch die meisten der Ortsteile eigene Fußballvereine (TSV Brendlorenzen, SV Herschfeld, DJK Mühlbach, DJK Lebenhan, DJK Löhrieth). Am erfolgreichsten ist Bad Neustadt jedoch im Handball. Der HSC Bad Neustadt spielt seit mehreren Jahren in der Regionalliga . Auch der Radsport hat in Bad Neustadt in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Einen Höhepunkt bildete die Deutschland Tour 2001, bei der eine Etappe nach Bad Neustadt führte. Auch 2006 führte eine Etappe durch Bad Neustadt. Auch die Bayern Rundfahrt macht in Bad Neustadt Halt. Im Jahr 2008 findet das Einzelzeitfahren statt. Ein jährliches Großereignis ist auch der Rhöner Kuppenritt, ein überregional bekanntes Volksradfahren mit verschiedenen Strecken zwischen 30 und 220 Kilometern. Unweit des Stadtgebietes befindet sich in Maria Bildhausen ein Golfplatz.

Bad Neustadt war zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 Gastgeber der Nationalmannschaft aus Anguilla. Die Mannschaft, die sich nicht für die Endrunde qualifiziert hatte, wurde als Zeichen der Gastfreundschaft innerhalb der FIFA-Familie eingeladen, da sie nach der offiziellen FIFA-Weltrangliste zum Zeitpunkt der Weltmeisterschaft die schlechteste Mannschaft war.

Seit Jahrzehnten ist auch der Flugsport in Bad Neustadt vertreten. Auf dem Grasberg bei Mühlbach/Salz ist der Aeroclub Bad Neustadt beheimatet. 1950 wurde der Verein am Fliegerstammtisch gegründet. Der jährliche Höhepunkt ist das Flugplatzfest an Pfingsten, eine Gemeinschaftsveranstaltung mit der Musikkapelle Mühlbach.

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Rhön-Klinikum AG ist durch verschiedene Spezialkliniken bundesweit bekannt. Im frühen 20. Jahrhundert siedelten sich verschiedene Unternehmen an, wobei die Firma Siemens zu den bekanntesten gehört. Bad Neustadt ist Haltebahnhof der Bahnstrecke Erfurt-Mellrichstadt-Schweinfurt. Anschluss an den Fernverkehr hat Bad Neustadt seit Dezember 2005 durch die Bundesautobahn 71, die nach ihrer endgültigen Fertigstellung von Sangerhausen über Erfurt nach Schweinfurt verläuft. Bad Neustadt hatte Ende der 1990er Jahre mit das höchste Einkommensteueraufkommen unter den deutschen Städten.

Industrie

Ansässige Industriefirmen sind

  • Siemens mit nahezu 2000 Mitarbeitern und 76 Auszubildenden und produzieren vorwiegend Elektromotoren.
  • Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH produziert hochwertige Staubsauger.
  • Preh mit etwa 1200 Mitarbeitern und stellen Klimabedienteile und Fahrerassistenzsysteme für die Automobilindustrie her. Weitere Produkte sind Sondermaschinen für die Automobilbranche und Haustechnik sowie hoch belastbare Tastaturen. Es gibt dort auch die Jakob-Preh-Berufsschule.
  • Kunert-Wellpappe produziert Industrieverpackungen für schwere und empfindliche Güter der Chemie-, Automobil-, Maschinen- und Elektroindustrie.
  • Jopp mit knapp 1800 Mitarbeitern als Hersteller von Systemen und Komponenten für die Automobilindustrie und Lebensmitteltechnik.
  • Spedition Geis

Verkehr

Bad Neustadt ist über die Bundesautobahn 71 Erfurt–Schweinfurt (Anschlussstellen Bad Neustadt oder Münnerstadt) zu erreichen.

Ferner führen die Bundesstraße 279 (Fulda–Bad Neustadt–Bad KönigshofenBamberg) und die Staatsstraße 2445 (MeiningenMellrichstadt–Bad Neustadt–Münnerstadt) durch das Stadtgebiet. [ Der Bahnhof Bad Neustadt liegt an der Bahnstrecke Schweinfurt–Meiningen (siehe auch Mainfranken-Thüringen-Express und UnterfrankenShuttle). Bis 1989 existierte außerdem eine Stichstrecke nach Bischofsheim.

Den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bedienen sich im Stadtgebiet die NESSI-Buslinien (NESSI 1-4), außerhalb davon mehrere Buslinien im Auftrag der Verkehrsgemeinschaft Rhön-Grabfeld (VRG) im Omnibusverkehr Franken (OVF).

Flugplatz

Der Flugplatz Bad Neustadt hat eine 600 Meter lange Asphaltpiste, diese dient in erster Linie zum Starten und Landen der Motor- und Segelflugzeuge des ansässigen Vereins Aeroclub Bad Neustadt sowie Freiballons, Flugzeuge bis 2000 kg MPW und Hubschrauber bis 5700 kg MPW.

Medien

Die beiden meistgenutzten ansässigen Medien sind die beiden Tageszeitungen Rhön- und Saalepost sowie die Mainpost. Während die Mainpost allerdings nur einen Lokalteil Bad Neustadt und Umgebung widmet, ist die Rhön- und Saalepost auf die Lokalnachrichten für Bad Neustadt spezialisiert und dementsprechend umfangreicher in der Berichterstattung, besitzt aber keinen eigenen überregionalen Teil.

Der Sender Radio Primaton wird vom Fernmeldeturm der Telekom in der Innenstadt über die UKW-Frequenz 101,5 MHz mit 1 kW abgestrahlt.

Öffentliche Einrichtungen

Sport- und Freizeitbad Triamare, Dreifachturnhalle Bürgermeister-Goebels-Halle, Stadtbücherei, Kulturwerkstatt

Jüdischer Friedhof

Auf dem Jüdischen Friedhof in der südlichen Gartenstadt haben die ortsansässigen jüdischen Familien ihre Verstorbenen begraben bis 1942, als auch die letzten jüdischen Bewohner zur Vernichtung in der Shoa deportiert wurden. Eine Tafel am Eingang erinnert an dieses Geschehen.[1]

Bildung

Bad Neustadt ist Standort für insgesamt sieben verschiedene Schulen:

  • Staatliche Fachoberschule und Berufsoberschule Bad Neustadt
  • Hauptschule Bad Neustadt
  • Werner-von-Siemens-Realschule
  • Rhön-Gymnasium Bad Neustadt
  • Staatliche Wirtschaftsschule Bad Neustadt
  • Volkshochschule
  • Jakob-Preh-Schule (Berufsschule)
  • ESB Gemeinnützige Gesellschaft für berufliche Bildung mbH (Ausbildung von Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten)

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

Galerie

Einzelnachweise

  1. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 117

Weblinks


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