Bad Salzig
Bad Salzig
Stadt Boppard
Wappen der ehemaligen Gemeinde Bad Salzig
Koordinaten: 50° 12′ N, 7° 38′ O50.2050597.63310580Koordinaten: 50° 12′ 18″ N, 7° 37′ 59″ O
Höhe: 80 m ü. NN
Fläche: 4,2 km²
Einwohner: 2.589 (31. Dez. 2010)
Eingemeindung: 31. Dez. 1975
Postleitzahl: 56154
Vorwahl: 06742
Bad Salzig (Rheinland-Pfalz)
Bad Salzig

Lage von Bad Salzig in Rheinland-Pfalz

Bad Salzig ist einer von zehn Ortsbezirken der linksrheinischen Stadt Boppard mit zirka 2600 Einwohnern. Auf der rechten Rheinseite gegenüber ragen die Feindlichen Brüder Burg Liebenstein und Burg Sterrenberg hoch über den Rhein. Bis zum 31. Dezember 1975 war Bad Salzig eine eigenständige Gemeinde.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Klima

Der Jahresniederschlag beträgt 667 mm. Die Niederschläge liegen im mittleren Drittel der in Deutschland erfassten Werte. An 33 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monate ist der Februar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen 1,7 mal mehr Niederschläge als im Februar. Die Niederschläge variieren nur minimal und sind extrem gleichmäßig übers Jahr verteilt. An nur 1 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Geschichte

Hauptmann Theodor Hoffmann, Entdecker der Quellen (Büste am Eingang zum Kurpark)

Bad Salzig liegt an der historischen Römerstraße, die entlang des Rheins von Mainz über Koblenz nach Köln verlief. Auf einem römischen Stationsverzeichnis von 215 taucht ein Ort Salissone auf, doch ist unklar, ob es sich dabei wirklich um das heutige Bad Salzig handelt. 1859 wurden zwei Meilensteine aus römischer Kaiserzeit (3. Jahrhundert) aus dem Rhein gezogen, die sich heute im Rheinischen Landesmuseum in Bonn befinden.

Ein Ort namens Salzachu, genannt in einer Schenkungsurkunde von König Konrad I. an das Stift St. Ursula (bestätigt von Hermann I., Erzbischof von Köln, 922) wird allgemein als erste urkundliche Erwähnung anerkannt.

In den nächsten Jahrhunderten blieben die Orte um Boppard frei, ehe sie durch König Heinrich VII. eingezogen wurden, der sie seinem Bruder, dem Erzbischof Balduin von Trier, 1327 übergab. Ende des 15. Jahrhunderts kam es zu erfolglosen Auflehnungen Salzigs gegen die Herrschaft des Kurfürstentums Trier.

Schaden durch Fremdherrschaft erlitt Salzig während des 30-jährigen Krieges (1618–1648), beim Einfall der Truppen Ludwigs XIV. in das Rheinland (1688/89) sowie in napoleonischer Zeit (1794–1814).

Nach dem Wiener Kongress 1815 fällt die Geschichte von Salzig im Allgemeinen mit derjenigen der preußischen Rheinprovinz (1822) zusammen. Im Besonderen ist als Markstein für die Entwicklung des Ortes die Eröffnung des Kurbetriebes 1907 von Bedeutung. Die salzig-schwefelhaltigen Quellen waren zwar schon seit dem 18. Jahrhundert bekannt, doch erst Hauptmann Theodor Hoffmann, der das Gelände 1899 erworben hatte, gelang es, sie aufzubohren. In 449 m Tiefe konnte nach mehreren Versuchen 28°C warmes Thermalwasser gewonnen werden. Den Zusatz „Bad“ trägt Salzig aber erst seit 1925. Seit 2003 ist dem Initiator des Bades am Eingang zum Kurpark ein Denkmal gesetzt.

Am 31. Dezember 1975 wurde Bad Salzig in die neue Gemeinde Boppard eingegliedert.[1]

Verkehr

Straßenverkehr

Zwischen dem Ortsbezirk Bad Salzig und dem Rhein verläuft die B 9. Diese 1968 gebaute Umgehungsstraße verbesserte die touristische Qualität des Ortskerns durch Entlastung vom Durchgangsverkehr.

Schienenverkehr

Bad Salzig hat den Schienenhaltepunkt Boppard-Bad Salzig an der linken Rheinstrecke. Dieser Haltepunkt wird im Stundentakt von der Nahverkehrslinie MRB 32 Mainz–Koblenz bedient und verbindet somit auch Bad Salzig mit der Kernstadt Boppard. Der Haltepunkt hat zwei Bahnsteiggleise mit 295m Länge und einer Bahnsteighöhe von 34 cm. Da die Bahnsteighöhe an allen Haltepunkten und Bahnhöfen der linken Rheinstrecke auf 76 cm vereinheitlicht werden soll, hat der Bopparder Stadtrat im Jahr 2011 beschlossen den Haltepunkt in Bad Salzig in den Folgejahren zu modernisieren und insbesondere die Bahnsteigkante zu erhöhen[2].

Der Haltepunkt war früher mal ein Bahnhof, eröffnet wurde dieser 1859 mit der Fertigstellung des Streckenabschnitts BingerbrückKoblenz. Das Bahnhofsgebäude existiert heute noch und wird als Kultur- und Vereinszentrums verwendet. Im Dachgeschoss des alten Bahnhofs wurde ein Heimatmuseum eingerichtet.[3]

Schiffsverkehr

Seit dem 19. Jahrhundert wurde die Reede des Ortes genutzt, an der später bis 1980 die Zollleichterstelle Bad Salzig eingerichtet wurde. 1968 wurde Bad Salzig in die Rheinschifffahrt Köln-Düsseldorfer eingebunden.

Sehenswürdigkeiten

Pietà in St. Ägidius
  • Die neogotische Pfarrkirche St. Ägidius, erbaut 1901 unter Verwendung älterer Bausubstanz, geht auf Vorläuferbauten zurück, die bis ins 10. Jahrhundert zurück datiert werden können. Der Schutzpatron, Ägidius von St. Gilles ist als Holzskulptur aus dem 14. Jahrhundert auf dem Hochaltar mit seinem charakteristischen Attribut, der Hirschkuh, vertreten. Das rechte der drei spätgotischen Glasfenster im Chor stellt ebenfalls den Nothelfer mit dem Tier dar. Auch die beiden anderen Chorfenster (links: Taufe Christi im Jordan, Mitte: Christus zwischen zwei Engeln) stammen aus der gleichen Zeit. Im linken Seitenschiff befindet sich eine Pietà aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts.
  • 2008 wurde im Kultur- und Vereinszentrums "Alter Bahnhof" ein Heimatmuseum eröffnet. Es dokumentiert die Geschichte Bad Salzigs als Wein- und Obstort sowie als Kurbad anhand von Fotos, Schriftstücken und Arbeitsgeräten.

Wein- und Obstbau

Weinbau an diesem Abschnitt des Mittelrheins ist seit dem Mittelalter bekannt. Während die bekannten Steillagen des Bopparder Hamms (80 % Riesling) Weine erstklassiger Qualität hervorbringen, die regelmäßig prämiert werden, hat sich der Weinbau rund um Salzig nach den Zerstörungen, die die Einschleppung der Reblaus im 19. Jahrhundert mit sich brachte, nicht mehr erholt. Ende des 18. Jahrhunderts hatte ein Inventar des Kurfürstentums Trier über 400.000 Rebstöcke ausgezählt. Ein Koblenzer Weinhandelshaus hatte sowohl Weiß- als auch Rotwein aus Salzig im Angebot. Die Rebsorten sind nicht mehr nachvollziehbar.

Umgestiegen wurde auf Obstanbau, insbesondere Kirschen. In den Jahren von 1948 bis 1960 fand einmal jährlich ein traditionelles Blütenfest mit Blütenkönigin und Umzügen statt. Auch heute noch ist die Kirschblüte im Frühjahr rund um den Ort eine touristische Attraktion. Auf den vom Kurbezirk ausgehenden Wanderwegen durch die Kirschplantagen sind die verwitterten Begrenzungsmauern der einstigen Rebhänge noch erkennbar.

Kurbad

Aus 446 m Tiefe sprudelte seit 1907 viele Jahre das Heilwasser der kohlensäurehaltigen, alkalisch-muratischen Leonorenquelle (Glaubersalzquelle), das als „Natrium-Chlorid-Hydrogencarbonat-Sulfat-Säuerling“ qualifiziert war und zu Trinkkuren genutzt wurde. Der Heilquellenschutz ist indes 2004 abgelaufen und wurde von der öffentlichen Hand nicht erneuert. Die Quelle hat in 217 m Tiefe einen Verschluss und droht ohne Sanierung in Zukunft gänzlich auszufallen.

Die Mittelrhein-Klinik (178 Betten), heute eine Rehaklinik der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz für Gastroenterologische, Onkologische und Psychosomatische Krankheiten, verordnet mit dem Wasser, das kein Säuerling mehr ist, keine Trinkkuren mehr. Jedoch gibt es in der Klinik ein zeitweise auch für Besucher zugängliches Bewegungsbad mit Sauna, in dem das auf 30°C erwärmte Wasser verwendet wird.

Der weitläufige Kurpark mit historischem Baumbestand, Teich und Promenadenwegen gehört zur Mittelrhein-Klinik mit Freizeit- und Veranstaltungsangebot für die Patienten, ist aber auch öffentlich zugänglich. Zum Kurbereich gehört auch das historische Bäderhaus mit der ehemaligen Trinkhalle, die von der Künstlerin Ursula Bertram neu gestaltet wurde. Das Quellwasser der Leonorenquelle, das nicht mehr zu therapeutischen Zwecken verwendet wird, kann hier nichtsdestotrotz noch probiert werden.

Am Kurpark steht ferner das Park-Hotel, das 1908 von Fräulein Emma Trost für die Kurgäste errichtet wurde. Nach wechselvoller Geschichte ist es heute eine zeitgenössischen Ansprüchen angepasste Stätte für Tagungen und Wellness-Arrangements.

Literatur

  • Die Kur-Tour. Wanderungen und Kuren in 22 rheinland-pfälzischen Kurorten, beschrieben und fotografiert von Josef Dörr, Koblenz 1983 (S. 20-30)
  • Bad Salzig - Eine Ortschronik - von Heinrich Stein, Rektor i.R, Hrsg. Gemeinde Bad Salzig 1969

Dokumente

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz, Seite 172 (PDF)
  2. Mittelrhein-Kurier: Stellungnahme zum Haushaltsplan 2011 der Stadt Boppard; abgerufen am 30. Januar 2011
  3. Bad Salzig am Rhein: Heimatmuseum; abgerufen am 30. Januar 2011

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