Bad Salzschlirf
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bad Salzschlirf
Bad Salzschlirf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bad Salzschlirf hervorgehoben
50.6166666666679.5280
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Kassel
Landkreis: Fulda
Höhe: 280 m ü. NN
Fläche: 13,04 km²
Einwohner:

2.935 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 225 Einwohner je km²
Postleitzahl: 36364
Vorwahl: 06648
Kfz-Kennzeichen: FD
Gemeindeschlüssel: 06 6 31 001
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Fuldaer Straße 2
36364 Bad Salzschlirf
Webpräsenz: www.badsalzschlirf.de
Bürgermeister: Armin Faber (FWL)
Lage der Gemeinde Bad Salzschlirf im Landkreis Fulda
Eiterfeld Burghaun Rasdorf Hünfeld Nüsttal Bad Salzschlirf Großenlüder Fulda Petersberg (Hessen) Hofbieber Tann (Rhön) Hilders Dipperz Künzell Poppenhausen (Wasserkuppe) Ehrenberg (Rhön) Gersfeld (Rhön) Ebersburg Eichenzell Kalbach Flieden Hosenfeld Neuhof (bei Fulda) Main-Kinzig-Kreis Bayern Thüringen Landkreis Hersfeld-Rotenburg VogelsbergkreisKarte
Über dieses Bild

Bad Salzschlirf ist ein Kurort im Landkreis Fulda in Osthessen (Deutschland). Ortstypische Heilmittel sind Mineralbäder, Solebäder, Moorbäder und Moorpackungen. Bis etwa 1985 wurde das Moor aus dem Roten Moor in der Rhön bezogen.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Bad Salzschlirf liegt in 250 bis 495 Meter Höhe am Nordostrand des Vogelsbergs im Tal der Schlitz, die dort durch den Zusammenfluss von Lauter und Altefeld entsteht.

Klima

Aufgrund der Lage des Ortskerns in einem Talkessel ist das Klima verhältnismäßig mild. Aus drei Tälern resultierende Einschnitte in den Talkessel erlauben einen Durchzug der Winde und verhindern Luftstauungen und Schwüle im Sommer [2]. Eine von Egon Ihne für das Jahr 1911 erstellte phänologische Karte zeigt, dass in Bad Salzschlirf und Umgebung die Apfelblüte eher eintritt, als in anderen Orten [3].

Verkehrsanbindung

Bahnhof Bad Salzschlirf, Vogelsbergbahn Gießen - Fulda; ICE-Station Fulda; Autobahn: A5 - Abfahrt Alsfeld-Ost, A7 - Abfahrt Niederaula, Hünfeld/Schlitz oder Fulda-Süd, aus dem Raum Frankfurt kommend: über die A66/B40 – Fulda. Nächster Flughafen: Frankfurt am Main.

Gemeindegliederung

Bad Salzschlirf ist neben Nieste die einzige Gemeinden im Regierungsbezirk Kassel ohne Ortsteile. Sie ist im Rahmen der Gebietsreform in Hessen nicht verändert worden.

Nachbargemeinden

Bad Salzschlirf grenzt im Norden an den Schlitzer Ortsteil Ützhausen (Vogelsbergkreis) und im Osten an die Schlitzer Ortsteile Üllershausen und Hartershausen. Südlich liegt die Gemeinde Großenlüder (Landkreis Fulda) mit dem Ortsteilen Eichenau und Müs, westlich die Gemeinde Wartenberg (Vogelsbergkreis) mit den Ortsteilen Landenhausen und Angersbach.

Geschichte

Der markante Glockenturm der katholischen Pfarrkirche
St. Vitus
ist das Wahrzeichen Bad Salzschlirfs.
Grabstein des Eduard Martiny
Grabstein des Grafen Friedrich Wilhelm v. Schlitz, gen. v. Görtz

Salzschlirf wurde bereits im Jahre 885 erstmals urkundlich erwähnt. Noch vor ein paar Jahren galt das Jahr 812 als Zeitpunkt der ersten historischen Erwähnung des Ortes Bad Salzschlirf als Slirefa. Dann setzte sich aber die Einsicht durch, dass mit dem in einer Urkunde genannten Slirefa nicht Bad Salzschlirf, sondern Altenschlirf – heute ein Stadtteil von Herbstein – gemeint ist. In Urkunden von 885 heißt der erwähnte Ort Ulterior Slifera, da er von Altenschlirf (Vetus Slirepha) aus gesehen weiter unten jenseits des Baches Slirefa liegt. Demnach bekam das heutige Bad Salzschlirf damals seinen Namen nach dem Flüsschen, an dem es liegt.

Schon früh war die Entwicklung des Ortes mit salzhaltigen Quellen verbunden. So gewannen bereits im Mittelalter die Fuldaer Äbte das damals so wichtige Salz in den Salinen von Bad Salzschlirf. Der Bonifaziusbrunnen wurde 1746 erbohrt und verhalf Salzschlirf zu seinem Ruf als Heilbad. Als die Gicht noch weit verbreitet und kaum medikamentös behandelbar war, war er der bekannteste Gichtbrunnen Europas. [4] Gegen Ende des 18. Jahrhunderts ließ der Fuldaer Fürstbischof Heinrich von Bibra die Brunnen tiefer bohren, um den Ertrag der Salzquellen zu steigern. Dies scheiterte, da Grundwasser in die salzhaltigen Quellen trat. 1798 wurden die Salinen geschlossen.

Am 15. Juni 1836 wurde der gesundheitlich angeschlagene Graf Friedrich Wilhelm von Schlitz, genannt von Görtz (1793-1839), von der Oberberg- und Salzwerksdirektion in Kassel mit den Brunnen von Salzschlirf belehnt. [5]. Die Bonifaziusquelle, der obere Salzbrunnen, wurde wieder freigelegt.[6] In einem benachbarten Haus wurde eine Badewanne aufgestellt und diese mit Eimern aus der Quelle befüllt. Ein weiterer Ausbau der Quellen unterblieb vorerst. Doch noch vor seinem Tod hatte der Graf die Lehnsrechte auf seinen Arzt und Freund Eduard Martiny (1808-1876) übertragen.[7] Dieser baute 1837 mit Hilfe der ortsansässigen Bauern den Badebetrieb aus. Als Gegenleistung für die Unterstützung beim Ausbau der Quelle gewährte Martiny den Bad Salzschlirfer Bürgern das Recht, dort kostenlos Wasser zu entnehmen. Dieses Recht gilt heute noch. [8] 1838 wurde Salzschlirf zum staatlich anerkannten Heilbad.

Der Ausbau des Badebetriebs überstieg alsbald die finanziellen Mittel des Arztes. So verkaufte er die Brunnen zunächst an den Staat, erwarb sie jedoch 1873 zurück und gründete die Gewerkschaft Bad Salzschlirf, die fortan das Bad betrieb. Nachdem diese in finanzielle Schwierigkeiten kam, wurde das Bad 1884 an Louis Weber [9], einen rheinische Fabrikanten, verkauft.

Bei einem Großbrand am 9. September 1898 brannte fast das gesamte alte Ortszentrum ab. Nur wenige Gebäude, z.B. das Hotel Deutsches Haus, blieben erhalten. [10]

1900 gründeten Hermann Vollrath und Ludwig Weber [11] die Aktiengesellschaft Bad Salzschlirf (AGBS) mit Jean Berlit als Badedirektor. Es entstand eine Badekultur wie in anderen renommierten Badeorten. 1911 wurde das Prädikat „Bad“ verliehen. Einige Szenen des Films Die Feuerzangenbowle mit Heinz Rühmann wurden 1944 im Kurpark in der Nähe des Hotels Badehof gedreht. 1973 wurde der letzte Brunnen, der Hermann-Vollrath-Brunnen in einer Tiefe von 642m erbohrt [12]. Bis in die 1990er Jahre übernahm die AGBS den gesamten Kurbetrieb. Bedingt durch Misswirtschaft geriet sie in finanzielle Schwierigkeiten und musste im Jahre 2000 Insolvenz anmelden. Der Firmenmantel der AGBS wurde von privaten Investoren aufgekauft und im Jahre 2002 in Arques umbenannt.

Dank verschiedener Investoren und der Gemeinde ist der Fortbestand der wichtigen Kureinrichtungen gewährleistet.

Wirtschaft

Kur- und Fremdenverkehr

Ein wichtiges wirtschaftliches Standbein des Ortes ist der Fremdenverkehr. Ein Großteil der Belegung resultiert aus medizinischen Rehabilitationsmaßnahmen der Sozialleistungsträger, früher als Kur bezeichnet. Einen starken Auftrieb erfuhr die Belegung des Ortes durch das Rentenversicherungs-Neuregelungsgesetz von 1957, mit dem der Grundsatz "Reha vor Rente" eingeführt wurde. Die Zahl der Übernachtungen stieg von 368.804 im Jahr 1960 auf 506.540 im Jahr 1974 [13]. 1967 wurde das zentrale Moorbadehaus in Betrieb genommen. Über fünf Stockwerke verteilt waren 24 Moorbadekabinen mit jeweils drei Ruheräumen, 30 Moorpackungsräume mit je 2 Ruhekabinen und weitere Räume für medizinische Therapiemaßnahmen. Jede Moorbadekabine und jeder Moorpackungsraum wurde von einer zentralen Aufbereitungs- und Förderanlage mit Moor versorgt. Analog erfolgte die Entsorgung des abgebadeten Moors [14]. Aufgrund restriktiverer Genehmigungspraxis der Sozialleistungsträger verringerten sich die Übernachtungszahlen bis zum Jahr 1978 auf 300.281 [15]. Durch die dezentrale Struktur der Leistungserbringer und das damalige Kurmittelmonopol der AGBS konnte eine von den Kostenträgern bevorzugte Klinifizierung der Reha-Maßnahmen nur eingeschränkt umgesetzt werden. Ein weiterer Einbruch erfolgte durch das zum 1. Januar 1997 in Kraft getretene Wachstums- und Beschäftigungsförderungsgesetz (WFG).[16] Allein die von der Deutschen Rentenversicherung erbrachten Leistungen zur medizinischen Rehabilitation brachen im gesamten Deutschland von 960.622 im Jahr 1996 auf 629.752 Leistungen im Jahr 1997 ein [17]. Die gesetzlich vorgegebene Verweildauerverkürzung von 4 auf 3 Wochen je Reha-Maßnahme und die Verlängerung der Anspruchsintervalle von 3 auf 4 Jahre ergaben einen Belegungsausfall von etwa 50%.

Aktuell gibt es in Bad Salzschlirf drei Rehabilitations-Kliniken: Die Reha-Klinik Naturana (136 Betten), das Gesundheits-Resort Dr. Wüsthofen (130 Betten) und die Fachklinik Tomesa (98 Betten). Bad Salzschlirf ist Sitz des Bundesverbandes der Deutschen Standesbeamtinnen und Standesbeamten e. V., der mit seiner Akademie für Personenstandswesen die Aus- und Fortbildung der deutschen Standesbeamten betreibt.

Industrie

Außerhalb des Ortszentrums befindet sich das Hauptwerk der EMOD Motoren GmbH. Ein Zweigwerk befindet sich in Fulda


Politik

Gemeindevertretung

Kommunalwahl 2011
 %
50
40
30
20
10
0
43,3%
41,1%
15,6%
n. k.
Gewinne und Verluste
Im Vergleich zu 2006
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-6,1%
+7,5%
+4,0%
-5,4%
Sitzverteilung bei der Kommunalwahl im März 2011
Parteien und Wählergemeinschaften  %
2011
Sitze
2011
 %
2006
Sitze
2006
FWL Freie Wählerliste 43,3 7 49,4 11
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 41,1 6 33,6 8
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 15,6 2 11,6 3
FDP Freie Demokratische Partei 5,4 1
Gesamt 100 15 100 23
Wahlbeteiligung in % 48,5 49,3

Bei der Bürgermeisterwahl am 9. November 2008 setzte sich Armin Faber (FWL) mit einem Ergebnis von 76,9 % gegen Paul Dimmerling (CDU) mit 23,1 % durch.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

  • Eduard Martiny, (1808-1876), Sanitätsrat, Begründer des Bades
  • Rudolf Müller, (1861-1960), Oberbaurat, Heimatforscher

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

  • Graf Friedrich Wilhelm von Schlitz (1793–1839), Freund Eduard Martinys und Förderer des Bades
  • Louis Weber, Schwiegervater Herrmann Vollraths und Besitzer des Bades in den Jahren 1885-1891
  • Hermann Vollrath (1840–1912), Gründer und stv. Aufsichtsratsvorsitzender der Aktiengesellschaft Bad Salzschlirf
  • Heinrich Retzmann (1872–1959), fand hier seine letzte Ruhestätte, ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender der AGBS
  • Friedrich Kramer (* 1938 in Hindenburg), letzter Aufsichtsratsvorsitzender der AGBS vor deren Umwandlung in Arques

Weblinks

 Commons: Bad Salzschlirf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden am 31. Dezember 2010 (Hilfe dazu)
  2. Franz bei der Wieden Von A - Z durch Bad Salzschlirf. Herausgeber Aktiengesellschaft Bad Salzschlirf,6. Auflage 1974, Seite 28
  3. Rudolf Müller, Hans Rothe, Fritz Severin, Chronik von Bad Salzschlirf. Parceller und Co, Fulda, 1976 Seite 63 f
  4. Franz bei der Wieden Von A - Z durch Bad Salzschlirf. Herausgeber Aktiengesellschaft Bad Salzschlirf,6. Auflage 1974, Seite 8
  5. Franz bei der Wieden Von A - Z durch Bad Salzschlirf. Herausgeber Aktiengesellschaft Bad Salzschlirf,6. Auflage 1974, Seite 56
  6. Eduard Martiny: Der Bonifaciusbrunnen und die Bade-Anstalt zu Salzschlirf im Kreise Fulda. In: Jahrbuch für practische Pharmacie und verwandte Fächer, 1845, Seite 128 (Digitalisat)
  7. Fuldaer Zeitung vom 25. Mai 2010: Erste Quellenkönigin in Bad Salzschlirf
  8. Fuldaer Land: Salzschlirf
  9. Franz bei der Wieden Von A - Z durch Bad Salzschlirf. Herausgeber Aktiengesellschaft Bad Salzschlirf,6. Auflage 1974, Seite 19
  10. Die große Brandkatastrophe von Bad Salzschlirf
  11. Franz bei der Wieden Von A - Z durch Bad Salzschlirf. Hrsg: Aktiengesellschaft Bad Salzschlirf, 6. Auflage 1974, Seite 5
  12. Franz bei der Wieden Von A - Z durch Bad Salzschlirf. Herausgeber Aktiengesellschaft Bad Salzschlirf,6. Auflage 1974, Seite 14
  13. Rudolf Müller, Hans Rothe, Fritz Severin, Chronik von Bad Salzschlirf Parzeller und Co, Fulda 1976, Seite 85 ff
  14. Franz bei der Wieden Von A - Z durch Bad Salzschlirf. Hrsg: Aktiengesellschaft Bad Salzschlirf, 6. Auflage 1974, Seite 44
  15. Geschäftsbericht für das Jahr 1978. Herausgeber Aktiengesellschaft Bad Salzschlirf, Seite 1
  16. Rainer Diehl (6. Juni 1997): Rehabilitation: Neue Rechtsvorschriften. aerzteblatt.de. Abgerufen am 7. August 2011.
  17. Reha-Bericht 2010 Hrsg: Deutsche Rentenversicherung, Seite 23

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