Baden Baden (Schiff)
Buckau

Anfang der 1920er Jahre ließ Anton Flettner den Dreimastschoner Buckau auf der Germaniawerft Kiel zu seinem Rotorschiff mit „Walzensegeln“ umbauen. Jede der beiden Walzen hatte 2,8 m Durchmesser, eine Höhe von 18,3 m über Deck und wurde durch einen 10 PS starken Elektromotor angetrieben [1]. Der Strom wurde über einen 45-PS-Dieselmotor generiert.[2]

Optimale Antriebsverhältnisse lagen vor, wenn die Umfangsgeschwindigkeit der Walzen etwa der 3,5-fachen Windgeschwindigkeit entsprach und der Wind seitlich einfiel. Achterlicher Wind ist für ein Rotorschiff ungeeignet, da die Kraftrichtung der Walzensegel 90° zur Windrichtung wirkt [1].

Das Schiff erhielt seinen Namen nach dem Magdeburger Stadtteil Buckau. Es wurde später in Baden-Baden umbenannt, nach Amerika verbracht und erregte bei der Ankunft in New York am 9. Mai 1926 großes Aufsehen. 1931 wurde es in der Karibik von einem Sturm zerstört. Die Flettner-Rotoren waren zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits entfernt worden.[3]

Das Experiment war technisch gesehen erfolgreich, war aber als Hauptantrieb besonders für größere Schiffe nicht geeignet [1]. Besonders interessant ist an dieser Antriebsart gegenüber Segeln, dass die auftretenden Kräfte bereits bei 12 m/s Windgeschwindigkeit ein Maximum erreichen, darüber nur noch von der Drehgeschwindigkeit der Zylinder abhängen.[4]

Inhaltsverzeichnis

Technische Daten

Die MS Buckau bei einer Probefahrt in der Ostsee 1. November 1924. Quelle: Bundesarchiv
  • Stapellauf: 4. September 1920
  • Fertigstellung: 1920 als Schoner / Oktober 1924 als Rotorschiff [5]
  • Größe:
    • 496 BRT[6]
    • 455 BRT als Segler [7]
  • Tragfähigkeit: 625 t
  • Länge / Breite / Tiefgang: 54 m / 9 m / 3,8 m
  • Antrieb:
    • Segler: 883 m² Segelfläche und Diesel-Hilfsmotor
    • Rotorschiff: Dieselmotor mit 220 PS und zwei Flettner-Rotoren mit je 11 kW, Stromversorgung durch 45-PS-Dieselmotor; die Windangriffsfläche der beiden Türme (projizierte „Segel“fläche) betrug 88 m².
  • Geschwindigkeit: 7-11 kn
  • Besatzung: 10 Mann
  • Schwesterschiffe (allerdings Dreimast-Toppsegelschoner ohne Rotorantrieb): Gaarden, Datteln, Annen

Einzelnachweise

  1. a b c Der neuzeitliche Maschinenbau, Band 2, S. 676f
  2. Daten lt. N.A.C.A. Technical Note No 228, 1925 und Marchaj. Die Angaben über die Drehzahl schwanken von 120 Umdrehungen pro Minute (N.A.C.A.) über 150 (Time Magazine 1925) bis 700 (Lit. Marchaj, 1979, dt. 1982, S. 194).
  3. www.tecsoc.org
  4. Marchaj S. 195f. Für den Transport von Gütern, die keine hohe Frachtrate verlangen, postuliert Marchaj durch die stetige Verteuerung fossiler Brennstoffe zukünftige wirtschaftliche Rentabilität des Antriebssystems.
  5. Laut Bericht des Time Magazine vom 2. März 1925 (s. Weblinks) lief das Schiff nach erfolgreicher, teilweise unter Schwerwetterbedingungen und Gegenwind in sechs Tagen absolvierter Jungfernfahrt von Danzig über Kiel und den Nord-Ostsee-Kanal in Leith ein. Der Artikel merkt an, dass Frachtdampfer die Strecke üblicherweise in 2/3 der Zeit bewältigen, doch sei die Leistung „derjenigen eines Frachtseglers mindestens ebenbürtig, wenn nicht überlegen“. Lit.: Marchaj gibt (wohl unter Berücksichtigung erfolgreicher Praxistests) für die Fertigstellung „1925-26“ an.
  6. Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (Literatur, Webseiten oder Einzelnachweisen) versehen. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst gelöscht. Hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Bitte entferne erst danach diese Warnmarkierung. Quellenangaben zu technischen Daten wurden so gut wie nicht gemacht.
  7. Nennenswert ist jedoch, dass die Stabilität des Umbaus deutlich verbessert war, da das 35 Tonnen wiegende Rigg durchdie die beiden Türme ersetzt wurde, die samt Unterbau nur rund vier Tonnen wogen. (Quelle: Lit.: Marchaj, S. 194)

Siehe auch

Literatur

  • Emo Descovich: Flettners Ruder, Segel und Rotor: Ein volkstümlicher Erklärungsversuch. Wien: Österreichischer Bundesverlag für Unterricht, Wissenschaft und Kunst, 1925.
  • Josef Esser: Das Flettner-Schiff. Essen: G. D. Baedeker, 1925.
  • Anton Flettner: Mein Weg zum Rotor, Leipzig: Köhler & Amelang, 1926.
  • Kurt Graffstädt: Die Flettner-Rotoren in allgemein-verständlicher Form Strelitz in M.: Polytechnische Verlagsgesellschaft M. Hittenkofer, 1925.
  • Das Flettner-Schiff. In: Marine-Rundschau. Zeitschrift für Seewesen (1924), S. 361-371. Bonn: Mönch, 1924. ISSN 0025-3294
  • Otto Mielke: Meeres-Wanderer: Rotor-Motorschiffe "Buckau" und "Barbara"; Hapag-Schnelldampfer "Vaterland" (= SOS, Schicksale deutscher Schiffe, Nr. 91) Rastatt: Pabel, 1979.
  • Otto Mielke: Bewundert, gepriesen und vergessen: Rotor-Motorschiffe "BUCKAU" und "BARBARA" (= SOS - Schicksale deutscher Schiffe Nr. 77) München: Moewig, 1955.
  • Marchaj, Czeslaw A.: Aerodynamik und Hydrodynamik des Segelns; Klasing, Bielefeld 1982. ISBN 3768803902
  • Curt Hanfland: Der Neuzeitliche Maschinenbau; Verlag der Literaturwerke „Minerva“, Leipzig 1928.

Web-Links


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