Siegfried Leffler

Siegfried Leffler (* 21. November 1900 in Azendorf, heute Ortsteil von Kasendorf; † 10. November 1983 in Hengersberg) war ein protestantischer Theologe und ein Hauptvertreter des radikalen Thüringer Flügels der Deutschen Christen in der Zeit des Nationalsozialismus.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Leffler war als Student Mitglied der Deutschen Gildenschaft. Gemeinsam mit Julius Leutheuser verließ er 1927 die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern und ging nach Thüringen, wo sie sich mehr Aufgeschlossenheit für ihre völkischen Ideen erhofften. Die beiden Freunde heirateten zwei Schwestern und wurden Pfarrer zweier benachbarter Pfarrsprengel im ländlich geprägten Wieratal bei Altenburg, Leffler in Niederwiera, Leutheuser in Flemmingen.

Schon 1928 begründeten sie einen Nationalsozialistischen Pfarrer- und Lehrerkreis. Laienspielkreise, "völkisches Schrifttumstudium", Jugendabende, "deutsche Volksabende" sollten dem Ziel dienen, eine breite völkisch-christliche Bewegung ins Leben zu rufen. Im Februar 1930 gehörten sie zu den Begründern der ersten Ortsgruppe der NSDAP im Wieratal, die am 30. Mai eine Saalschlacht in Langenleuba-Niederhain anzettelte. Bei den Kirchenwahlen im November 1931 benutzten sie erstmals den Namen Deutsche Christen, und im Juli 1932 begann Leffler die Herausgabe der Zeitschrift Briefe an Deutsche Christen sowie eines eigenen Verlagprogramms. Das Programm dieser später als Thüringer Kirchenbewegung Deutsche Christen bekannten Gruppe war die Schaffung einer überkonfessionellen Nationalkirche im Sinne des Nationalsozialismus. 1936 wurde Leffler Reichsleiter dieser Bewegung.

Im selben Jahr ließ er sich aus dem Kirchendienst beurlauben und wurde Oberregierungsrat im thüringischen Volksbildungsministerium in Weimar. Er beantragte jedoch sogleich mit Erfolg, weiterhin Amtshandlungen vornehmen zu dürfen.[1]

Leffler gehörte zu den treibenden Kräften, die hinter der Einrichtung des Instituts zur Erforschung jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben in Eisenach standen, das im Dienst des staatlichen Antisemitismus die „Entjudung“ der Bibel und theologischen Ausbildung betrieb. Bei der Gründung 1939 wurde er dessen Leiter, während Walter Grundmann die „wissenschaftliche Leitung“ übernahm.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Leffler von 1945 bis 1948 im Lager Ludwigsburg interniert.[2] Anschließend kehrte Leffler in den Dienst der bayerischen Ev.Landeskirche zurück und wurde, nachdem er ein Schuldbekenntnis abgelegt hatte, zunächst Vikar in Iggensbach Landkreis Deggendorf.[2] 1949 wurde er der erste Pfarrer der neu gegründeten Friedenskirche in Hengersberg und blieb dies bis zu seiner Pensionierung 1970. Ein Jahr später wurde ihm die Ehrenbürgerwürde des Ortes verliehen.

Werke

  • Nordlandfahrt. Augsburg: Bärenreiter-Verlag, 1925
  • (Mit Albrecht Meyen): Der Gedankenkreis der Deutsch-Akademischen Gildenschaft. Augsburg[-Aumühle]: Bärenreiter-Verlag, 1925
  • Christus im Dritten Reich der Deutschen. Wesen, Weg und Ziel der Kirchenbewegung Deutsche Christen. Weimar: Verlag Deutsche Christen 1935
  • Kirche, Christentum, Bolschewismus. Weimar: Verlag Deutsche Christen 1936
  • Weltkirche oder Nationalkirche? Weimar: Verlag Deutsche Christen, 1937
  • Unser Weg. Weimar: Verlag Deutsche Christen 1938
  • Über Deutschland sollen die Sterne stehen! Weimar: Verlag Deutsche Christen 1939

Literatur

  • Oliver Arnhold, »Entjudung« - Kirche im Abgrund. Bd. I: Die Thüringer Kirchenbewegung Deutsche Christen 1928-1939 (ISBN 978-3-938435-00-7), Bd. II: Das »Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben« 1939-1945 (ISBN 978-3-938435-01-4), Studien zu Kirche und Israel, Band 25/1 und Band 25/2, Institut Kirche und Judentum an der Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin 2010
  • Susanne Böhm: Deutsche Christen in der Thüringer evangelischen Kirche (1927-1945), Leipzig 2008, ISBN 978-3-374-02614-2
  • Ernst Koch: Thüringer Wege im "Dritten Reich", in: Thüringer Gratwanderungen (Herbergen der Christenheit Sonderband 3), Leipzig 1998, S. 80-93
  • Kurt Meier: Kreuz und Hakenkreuz: Die evangelische Kirche im Dritten Reich. DTB, München 1992
  • Carsten Nicolaisen: Leffler, Siegfried, in: RGG, 4. Auflage, Bd. 5, Sp. 175
  • Anja Rinnen: Kirchenmann und Nationalsozialist: Siegfried Lefflers ideelle Verschmelzung von Kirche und Drittem Reich. Weinheim: Dt. Studien-Verlag 1995 (Forum zur Pädagogik und Didaktik der Religion ; Bd. 9), zugl.: Duisburg, Univ., Diss., 1994 (unter dem Titel: "Wir wollten geistliche Offiziere werden ...") ISBN 3-89271-533-5
  • Leonore Siegele-Wenschkewitz (Hrsg.): Christlicher Antijudaismus und Antisemitismus. Theologische und kirchliche Programme Deutscher Christen. Arnoldshainer Texte Band 85, Haag + Herchen Verlag, ISBN 3-86137-187-1
  • Hans-Joachim Sonne: Die politische Theologie der Deutschen Christen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1982 (Göttinger Theologische Arbeiten 21) ISBN 3-525-87372-7

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ernst Koch, Thüringer Wege, S. 81
  2. a b Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 361.

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