Badener Kultur

Die Badener Kultur war eine archäologische Kultur der Kupfersteinzeit im östlichen Mitteleuropa, die nach Funden aus Baden bei Wien benannt ist. Ihr Kerngebiet lag in Ostösterreich und Ungarn, es gibt jedoch auch Fundplätze in Polen, Serbien, der Slowakei, Tschechien der Schweiz und Deutschland. Insbesondere die Boleráz-Stufe der frühen Badener Kultur hat im Bereich anderer Kulturen Spuren hinterlassen.

Ältere Namen waren Kultur mit kannelierter Keramik, Bandhenkelkultur, Ossarner Kultur,[1] in Ungarn Péceler Kultur oder Baden-Pécel. In Polen wird sie auch als Promienista-Kultur bezeichnet. Radiokohlenstoffdaten dieser Kultur liegen im Zeitraum zwischen etwa 3500 und 2800 v. Chr..

Inhaltsverzeichnis

Forschungsgeschichte

Die Anfänge der Badener Kultur gründen auf dem archäologischen Fundplatz der Königshöhle nahe der Burgruine Rauheneck bei Baden. Oswald Menghin und Josef Bayer betitelten in den 1920er Jahren das untersuchte Fundmaterial.[1] Eine erste geschlossene Abhandlung zur Badener Kultur erfolgte jedoch erst im Jahre 1956 durch János Banner. In folgender Zeit erschienen vorrangig auf die einzelnen Länder bezogene Publikationen. So nahm sich der Historiker und Archäologe Richard Pittioni den österreichischen Funden an. Im Zuge seiner Untersuchungen lieferte er einen ersten Vorschlag zu einer Periodisierung. Den neueren Fundstellen Österreichs widmete sich einige Zeit später die Archäologin Elisabeth Ruttkay. Im damaligen Jugoslawien verdankt die Forschung den Archäologen Nikola Tasić und Stojan Dimitrijević erste Erkenntnisse zur Badener Kultur. Sie betrieben in den Jahren 1959 bis 1983 Untersuchungen archäologisch relevanter Fundstellen und brachten in dieser Zeit eine Übersicht zum aktuellen Forschungsstand, als auch einen Gliederungsvorschlag für das jugoslawische Gebiet. Ungarn wurde hier u. a. durch den provinzialrömischen Archäologen Sándor Soproni vertreten. Er legte innerhalb von neun Jahren (1951-1962) einen der wohl bekanntesten Fundplätze der Badener Kultur im Gebiet der Budakalász-Luppa csárda frei. In Böhmen publizierte 1973 Emilie Pleslová- Štiková seine Ergebnisse. Dem folgte noch im selben Jahr die Ergänzung des mährischen Verbreitungsgebietes durch Jiri Pavelćik. Nur kurze Zeit später (1978) flossen dann letztendlich, mit den Publikationen der Archäologen Petre I. Roman und Ioan Németi, auch die rumänischen Erkenntnisse in Forschung der Badener Kultur mit ein. Wichtig an dieser Stelle zu nennen sind die, für die innere Gliederung relevanten Arbeiten Evžen Neustupny´s von 1959 und 1973. Die neuere Literatur befasst sich weitestgehend mit einzelnen kleineren Regionen und Fundplätzen. Im Verlauf dieser z. T. gesplitteten Untersuchungen entwickelten sich unterschiedliche Bezeichnungen. So liegt dem deutschsprachigem Raum, Jugoslawien und Rumänien der Name der Badener Kultur zugrunde, in Ungarn jedoch bezeichnet man sie als Péceler Kultur. In Tschechien und der Slowakei trägt sie den Namen der Kultur mit kannelierter Keramik, in Polen hingegen Kultur mit radialverzierter Keramik.

Verbreitung

Die Gebiete der Badener Kultur erstrecken sich über weite Teile Europas. Die Kernregion liegt im ungarischen Karpatenbecken und dem Osten Österreichs, mit Ausläufern bis Westböhmen und Teilen Bayerns. Östlich schließt sich die Lažňany-Hunyadihalom-Kultur bis Westrumänien an, nördlich in Mähren und Schlesien sind Epi-Lengyel-Gruppen ansässig. Importe der Badener Kultur gibt es in der nordischen Trichterbecherkultur. Man nimmt an, dass beide Kulturen in einer späteren Phase miteinander verschmolzen sind.

Die Südgrenze ist nicht klar zu fassen. Neben dem Unterlauf der Donau häufen sich Funde in Mittelserbien und westwärts der Save. Man nimmt heute eine Verbreitung bis Bulgarien und Nordgriechenland an.

Fundplätze der Badener Kultur:

Keramik

Die Badener Kultur lässt sich anhand keramischer Untersuchungen in vier Phasen unterteilen, welche ebenfalls innerhalb der jeweiligen Stufen unterschiedliche Ausprägungen aufweisen. Dabei verlaufen nicht selten zwei Phasen nebeneinander. Wie auch in anderen Kulturgruppen, übernehmen viele der Stufen zudem Elemente der Vorangehenden.

Stufe I. (Boleráz-Gruppe)

In der Stufe Ia bestehen sowohl dickwandige, als auch dünnwandige Keramiktypen. Letztere weisen zudem eine besonders qualitätsvolle, graubraune bis dunkelgraue Oberfläche auf, die in der Regel poliert und geglättet ist. Wir finden unverzierte Tassen. Dünne Bandhenkel stehen den relativ großen Ausmaßen gegenüber. In dieser Größenform sind die späteren Tassen nicht mehr anzutreffen. Ebenfalls mit Bandhenkeln waren die Krüge der Stufe Ia versehen. Neben diesen traten subkutane Henkel und eine flache Kannelur zutage, welche sich in die Unverziertheit der Krüge integrierten. Charakteristisch sind zudem Schüsseln mit einer trichterartigen Mündung. Seltener hingegen eingezogene und nach außen verstärkte Ränder. In den Fundkomplexen fanden sich auch amphorenförmige Gefäße. Auffälligstes Merkmal sind hier die dekorativen plastischen Tupfleisten. Das, für die Boleráz-Gruppe typische, geritzte Tannenzweigornament tritt erstmals unter den schwach profilierten topf- und beutelförmigen keramischen Gefäßen dieses Horizontes auf (wenn auch nur selten).

Die Artefakte wurden zumeist in einem großen Verband geborgen. Die Funde der Stufe Ia stammen anfangs vorrangig aus dem westlichen Karpatenbecken. Später entdeckte man zugehörige Keramik auch in den Gebieten nördlich und südlich der Theiß.

In der darauf folgenden Phase Ib werden die Siedlungsfunde zahlreicher. Dementsprechend auch die keramischen. Auffällig sind die verkleinerten Tassen, Ihr Hals ist niedriger und nun zylindrisch einschwingend. Neu ist die größtenteils senkrechte Kannelierung des unteren Teils. In ihren Ausmaßen schrumpfen auch die Krüge. Der Hals verjüngt sich zu einem Rand, an welchen nun neben dem Bandhenkel drei subkutane Henkel treten. Vereinzelt findet man auch schlaufenartige und ausgekehlte Henkel vor. Die Krüge sind meist unverziert oder weisen eine senkrechte Kannelierung bzw. das, der Badener Kultur typische Wolfszahnmuster auf. Die sich fortsetzenden Trichterrandschüsseln, werden erstmals auf ihrer Innenseite verziert. Die übrigen Schüsseln besitzen mittlerweile einen verstärkt eingezogenen Rand. Auf den amphoren- und topffartigen Keramiken befinden sich nun immer häufiger eine oder mehrere plastische Tupfleisten, während auf der Oberfläche zunehmend die typischen Tannenzweigritzungen mit flachen Warzenbuckeln angebracht sind.

Die Fundkomplexe der Stufe Ib verteilen sich im ganzen Verbreitungsgebiet der Badener Kultur.

Die erste Stufe endet mit der Phase Ic. Gleichzeitig läuft sie noch eine zeit lang mit der Stufe IIa parallel, bis sie schließlich in ihr aufgeht. Allgemein ist eine Zunahme geritzter und plastischer Dekorationselemente auf der dickwandigen Keramik zu verzeichnen. An Krügen und Tassen treten nun unverzierte, quergerillte, zudem auch gezackte Schlaufenhenkel auf, welche leicht überständig positioniert sind. Bei den Krügen finden wir neben verschiedenen Kannelierungen, auch plastische Verzierungen. Diese äußern sich in senkrecht angeordneten Rippen. Vereinzelt ist dies auch auf amphorenartigen Gefäßen im Bereich ihrer Bauchung zu beobachten. Die, für die Phase IIa typischen waagerecht angebrachten Tannenzweigmotive auf der Außenseite von Trichterrand- und anderen Schüsseln, ist erstmals in der Phase Ic festzustellen.

Stufe II.

Die zweite Phase der Badener Kultur schließt an die vorangehende an. Zum Teil findet hier eine Fortführung der Elemente der Boleráz-Gruppe statt. Diese wird zum Beispiel an den Innenverzierungen der Trichterrandschüsseln, aber auch an dem typischen geritzten Tannenzweigmotiv deutlich. Letzteres verwendet man bis in die Stufe III der Badener Kultur.

Dickwandig setzt sich die Keramik in Phase IIa fort. Auf den Krügen herrscht nun eine veränderte Profilierung vor. Sie sind an sich mit einem höheren und zylindrisch einschwingenderem Hals gearbeitet. Ihre Schultern treten stärker hervor. Erstmalig Kennzeichnende quer oder schräg gestellte Rillen (u. a. auch gezackt) zieren die Schlaufenhenkel. Hier findet sich eine Eigenheit, welche auch auf einigen Tassen auffällt. Häufig sind diese nämlich mit einem Buckel unterhalb des Mündungsrandes versehen. Kleinere, halbkugelförmige Schüsseln stellen sich in die Nachfolge der Boleráz-Gruppe. Auch sie weisen eine Innenverzierung auf. Die Trichterrandschüsseln der Stufe IIa hingegen stellen sich in größeren Ausmaßen dar. Die typischen Tannenzweigritzungen zieren ihre Außenseite. Im Innern finden sich etwaige Kannelierungen an den Rändern und Wänden sowie konzentrische Kreise bzw. dicht eingerollte Spiralen auf dem Boden. Neben mehreren plastischen Leisten unterhalb des Randes, trifft man auch hier auf das geritzte Tannenzweigmotiv. Die verbleibenden gestreckten, amphorenförmigen Gefäße wurden häufig mit Dreiergruppen aus senkrechten plastischen Rippen auf den Schulterzonen gearbeitet. In den Zwischenräumen entdeckt man verzierte und unverzierte Flächenritzungen.

Obwohl sich die Anzahl der Siedlungen reduziert, findet sich eine Streuung im gesamten Karpatenbeckengebiet.

Die Phase IIb ist durch eine neue Formen- und Verzierungslehre geprägt. Sie löst sich von den traditionellen Erscheinungen der Boleráz-Gruppe aus der ersten Stufe. Die Krüge sind erstmalig in ihrer Bauchung niedrig und weisen eine gedrückte Gestalt auf. Dies ist ein Trend, der sich in der Baden III noch häufiger finden lässt. Größtenteils unverändert blieben die verzierten und unverzierten Schlaufenhenkel der Tassen und Krüge. Immer noch mit einem Buckel versehen, treten nun aber auch schmale Bandhenkel auf der Oberseite in den Vordergrund. Die Verzierungen auf den Innen- und Außenflächen jedweder Schüsseln werden seltener. Auf topfförmigen Gefäßen werden die plastische Randleisten durch zwei, vereinzelt auch durch mehrere Stichreihen abgelöst und ersetzt. Mit Hilfe rauer und gegenständiger Buckel und Wülste sind diese voneinander abgeteilt. Nach und nach setzen sich Netzmusterritzungen durch, die für diese Phase typisch werden. Neben diesem tauchen erste Hängegefäße mit flachen Standring auf.

Stufe III.

In der dritten Phase der Badener Kultur spaltet sich der gesamtkeramische Charakter auf einzelne Regionen auf. Die transdanubischen und westslowakischen Gebiete werden dabei durch den Nevidzany-Typ vertreten. Weiter finden sich im Theiß-Umland und in der Ostslowakei ein Typ, der sich nach dem Fundplatz Viss auszeichnet. Neben Nordjugoslawien stellen Nordungarn, die Mittelslowakei und Südpolen die letzte Keramikregion dar (Typ Ózd).

Die größeren Krüge des donauländischen Nevidzany-Typs zeichnen sich durch einschwingende Hälse, eine mittlerweile gewölbte Bauchung und durch unterschiedlich hoch positionierte Schultern aus. Die kleineren hingegen führen das Aussehen und die Beschaffenheit der Phase IIb fort. Vorrangig sind sie senkrechte kanneliert. Vereinzelt treten aber auch waagerechte Kannelierungen am Halsbereich auf. In der Stufe III finden sich ausschließlich Bandhenkel. Krüge und Trichterrandtassen zeichneten sich neben diesen mit verschiedenen, schräg schraffierten Dreieckskannelierungen aus. Auf der Halsunterseite von Krügen zeigen die Spitzen nach oben, am Unterteil von Trichterrandschüsseln hingegen in die entgegengesetzte Richtung. Letztere sind weiterhin mit Bändern auf der Innenseite und konzentrischen Kreisen auf dem Boden verziert. Zudem befinden sich erstmalig Tunnel- bzw. breitere Bandhenkel auf dem Umbruch der Schalen. Auf den Rändern sitzt meist ein, oft aber auch eine ganze Gruppe von Buckeln. Die topfartigen Keramiken hatten, wie schon in den früheren Phasen, eine plastische Leiste am Rand zu verzeichnen. Kennzeichnend für die dritte Phase der Badener Kultur wurde nun die Beutelform dieser Gefäße. Ebenfalls mit Tunnelhenkel auf den Schultern produzierte man kleine amphorenartige Gefäße. Daneben aber auch solche ohne bzw. mit zwei massiven Bandhenkeln. Sie befanden sich am Hals und waren häufig verschiedenartig verziert. Der Typ Ózd unterschied sich nicht wesentlich von den donauländischen Gebieten. Er stellte lediglich eine Ergänzung im Bereich der Schüsseln dar. Diese wurden nämlich mit einem höheren runden, oft auch vierkantigem Fuß gearbeitet. (Kleine) Krüge mit breiten Bandhenkeln und senkrechter oder schräger Kannelierung fanden sich dagegen im Theißgebiet und der Ostslowakei. Am Rand waren diese mit drei oder mehreren Spitzbuckeln verziert. Tassen und Schüsseln reihen sich in diese Machart mit ein. Letztere hatten eine eingezogene Mündung. Die Trichterrandschüsseln blieben in ihrer klassischen Form, verzeichneten jetzt aber mehrere Stichreihen in vertikaler oder schräger Schraffur.

In der Stufe III der Badener Kultur gibt es einige Keramiken, die aus dem üblichen Repertoire fallen. Dazu gehören Schöpfkellen mit weitlichtigem hochgezogenen Henkeln. Flache Böden waren kennzeichnend. Zudem treten hier erstmals die sog. Ossarner Tassen mit Griff auf.

Stufe IV.

Leitform der Phase IVa der Badener Kultur sind kleine Krüge. Vorrangig sind diese mit einer Stichreihe unter dem Halsunterteil verziert. Der dazugehörige Bandhenkel stellt sich in verschiedenartig kombinierter Kannelierung dar. Die Trichterrandschüsseln wurden in größeren Ausmaßen gearbeitet. Die in der Phase III noch besonderen Schöpfkellengefäße, entwickelten einen breiteren oder gänzlich schmalen Boden. Neu hinzu kamen spitzbogige Kellen dieser Art.

Die letzte Phase der Badener Kultur, die Stufe IVb, ist in den Fundkontext noch nicht genau einzureihen. In der Forschung diskutiert man einerseits die Koexistenz mit der Kostolac-Gruppe, andererseits die Weiterentwicklung zu dieser. Von den klassischen Kannelierungen hatte man sich gelöst. Anfangs bevorzugte man Stich-, später dann Rillenverzierungen. Typisch und im gesamten Karpatenbecken verbreitet waren zudem die sog. Fischbutten. Dies waren gestreckte, bis fast spitze Keramiken gewesen, die zwei Henkel an den Schulterenden besaßen.

Metall

Kupfer wurde für die Herstellung von Schmuckgegenständen verwendet.

Frühe europäische Wagen

Zu den bedeutenden Funden zählen die ersten Wagenmodelle aus Ton, wie in Grab 177 im ungarischen Budakalász – Luppa csárda (Komitat Pest) gefunden.[2]

Bestattungsritus

Die Bestattungssitten und -gebräuche in der Badener Kultur decken ein vielfältiges Spektrum ab. Ein Problem, das sich hier allerdings ergibt, stellt die geringe Anzanhl an Gräberfeldern dar. Es finden sich stattdessen gehäuft einzelne Bestattungen oder Gräber in kleinen Gruppen. Große Nekropolen sind unzureichend ergraben worden. Zwei bekannte wurden in Ungarn und Mähren freigelegt. Der primäre Bestattungsritus ist die Einäscherung gewesen. In der Stufe Ia herrscht sie in der Boleráz-Gruppe vor. Wichtig zu nennen sind in diesem Zusammenhang das Gräberfeld von Pilismárot-Basahárc (nördliches Ungarn) und ein Hügelgräberfeld des Ohrozimer Typs in Mähren. Die Deponierung der Leichenbrandreste sind in unterschiedlicher Art und Weise niedergelegt worden. Neben der Bestattung in Gefäßen wurden sie z. T. auch neben diesen gelagert. Die Einäscherung hält sich bis zum Ende von IIa. Im Westen des Karpatenbeckens setzt parallel dazu die Körperbestattung ein. Der Fundort Budakalász in Ungarn stellt in diesem Kontext das größte Gräberfeld der Badener Kultur dar. Hier fanden sich 439 Gräber mit Körperbestattungen. Die Skelette lagen in seitlicher Hockerlage. Die Ausrichtung war sehr unregelmäßig. Ebenfalls seit der Stufe II sind Bestattungen und Niederlegungen in Siedlungsgruben üblich. Wurden einige Tote in extremer Hockerlage deponiert und begraben, so scheinen eine Vielzahl der Individuen einfach in die Gruben geworfen zu sein. Man fand sie auf dem Rücken oder Bauch liegend. Vorrangig sind es Einzelbestattungen. In den Abfallgruben entdeckte man eine Häufung von Rinder- und anderen tierischen Knochen. In Svodín (Slowakei) traten diese u. a. zusammen mit Menschenresten auf. Welchen Stellenwert die Tiere bzw. die mit ihnen bestatteten Menschen einnahmen ist ungeklärt. Diesen Befund interpretiert Nevizánsky als Ruhestätten von, in der Gesellschaft bedeutender und angesehener Persönlichkeiten. Die Nekropolen befanden sich sowohl innerhalb, als auch an den Rändern der Siedlungen.

Siedlungscharakteristik

Die Siedlungen der Badener Kultur liegen vorrangig im Tiefland des Karpatenbeckens. So ist es beispielsweise die Boleráz-Gruppe, die hier im Westteil ihren Niederschlag verzeichnet. Besonders in den ersten Entwicklungsstufen ist das gesamte Gebiet des Karpatenbeckens von einer starken Besieldungsdichte geprägt. Obwohl viele der Siedlungen nicht zeitgleich nebeneinander bestanden, fanden sich häufig mehrere dieser innerhalb einer einzigen Gemarkung. Man entdeckte zudem im Norden und Nordosten der Slowakei Höhensiedlungen. Eine einheitliche Charakteristik für den Siedlungstyp in der Badener Kultur konnte nicht nachgewiesen werden. Es finden sich Tieflandsiedlungen auf Terrassen oder an Hängen. Auffällig ist die Lage an Wasserläufen, z. T. auch Dünen. Daneben existierten tellartige Siedlungen, wie Funde aus Südungarn und Jugoslawien belegen. An die Vielfalt der Siedlungstypen schließen sich die Sporn- oder Höhensieldungen an. Die Verwendung von Befestigungsanlagen variiert von Siedlung zu Siedlung. Ebenso unterschiedlich wie die Typen, sind die Ausdehnungen der Fundkomplexe. In Štúrovo (Südslowakei) beispielsweise erstrecken sich singulär stehende Lehmgruben bzw. Siedlungsobjekte auf einer Fläche von einem Hektar Ausmaße. Dem entgegen stehen Siedlungen von mehreren Hektar Größe. Die Ausgrabungen in Svodín (1986 durch Němejcová-Pavuková) förderten solch einen Befund zu Tage. Die Badener Kultur liefert kaum stichhaltige Spuren für Behausungen. Vielmehr scheinen Wirtschaftsobjekte und Lehmgruben im Vordergrund zu stehen. Obwohl die Form des oberirdischen Langhauses die vorherrschende Bauarchitektur des Neolithikums war, entdeckte man in Vučedol apsidenförmige Grundrisse, die Pfostenkonstruktionen aufwiesen. Ähnliches in Sarvaš. Man nimmt an, das diese Form ihren Ursprung in südöstlicher Gegend hat. Daneben treten in Mähren mehrschichtige Siedlungen mit blockbauartigen Hausresten auf. Es konnte die Verwendung von Lehm für die Wände festgestellt werden. In Stránska (Zentralslowakei) sieht man sich einer befestigten Spornsiedlung gegenübergestellt. Kovács und Nevizánsky konnten hier 1986 Wohnhäuser mit Fußbodenteilen und Ofenresten nachweisen. Letztere standen zumeist in der Mitte, der jeweiligen Behausungen. Viele der Siedlungen waren von einer Befestigungsanlage umschlossen bzw. wurden durch diese an ihren Außenseiten geschützt. Heute sind lediglich die eingetieften Reste erhalten. Spitzgräben in verschiedener Breite und in verschiedenen Tiefen bildeten dabei den Kern einer solchen Anlage. Belege hierfür finden sich u. a in Svodín und Stránska in der Slowakei. Neben den Behausungen sind es drei verschiedene Gruppen von Objekte, die sich in den Siedlunsgkomplexen der Badener Kultur fanden. Zum einen gibt es Lehmgruben in jeglicher Variation ihrer Form, Größe und Tiefe. Weiterhin ergrub man kreisförmige zylindrische Objekte. Die dritte Gruppe bilden kreisförmige Objekte, die ein konisches, sich verbreiterndes Unterteil aufweisen. Hierbei handelt es sich wohl um Getreidespeicher. Pfostenlöcher, wie in Svodín, verweisen auf eine mögliche Überdachung dieser. Einen Sonderfall stellen die aus Erde gebrannten Kuppelöfen dar. Sie standen mal tief in die Erde eingegraben, mal flach und direkt unter der Erdoberfläche. Die Frage nach ihrer Funktion muss an dieser Stelle offen bleiben. Bekannt ist lediglich die Ergänzung dieser seltenen Öfen in die Reihe der Hausöfen und Feuerstellen. Beispiele für Objekte dererlei Art finden sich in Nitriansky Hrádok-Zámeček (Westslowakei).

Literatur

  • Chr. Mayer, H. Friesinger (Hrsg.) Die Stellung der Funde vom Grasberg bei Ossarn im Rahmen der Badener Kultur
  • E. M. Wild, P. Stadler, M. Bondár, S. Draxler, H. Friesinger, W. Kutschera, A. Priller, W. Rom, E. Ruttkay, P. Steier: New Chronological Frame for the Young Neolithic Baden Culture (4th millennium BC). In: RADIOCARBON, Vol 43 (2001), Nr2B: 1057-1064.
  • J. Banner: Die Péceler Kultur, Verl. der Ungar. Akad. der Wiss., Budapest, 1956.
  • R. Pittioni: Urgeschichte des österreichischen Raumes, Deuticke, Wien, 1954.
  • E. Ruttkay: Über die Badener Kultur in Niederösterreich und im Burgenland. , In: Baden: Symposium über die Entstehung und Chronologie der Badener Kultur, Verl. der Slowak. Akad. der Wiss., Bratislava, 1973, 441-452.
  • N. Tasić: Badenski i vučedolski kulturni kompleks u jugoslaviji, Beograd, 1967.
  • E. Neustupný: Die Badener Kultur. In: Baden: Symposium über die Entstehung und Chronologie der Badener Kultur, Verl. der Slowak. Akad. der Wiss., Bratislava, 1973, 317-352.
  • Petrasch, J.: Die absolute Datierung der Badener Kultur aus der Sicht des süddeutschen Jungneolithikums. Germania 62, 1984, S. 269-287
  • Z. Sochacki: Kultura ceramiki promienistej w Europie. Warszawa, 1980.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Josef Bayer: Die Ossarner Kultur - eine äneolithische Mischkultur im östlichen Mitteleuropa. In: Eiszeit und Urgeschichte, Bd. 5 (Heft 2), S. 60-92
  2. Sándor Soproni: A budakalászi kocsi. (Der Wagen von Budakalász.) In: Folia archaeologica 6. Budapest 1954. S. 29–36 u. 198–199, Tafel 6–8.

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