Badische Odenwaldbahn

Odenwaldbahn (zur Unterscheidung von der gleichnamigen hessischen Strecke auch Badische Odenwaldbahn genannt) war die Bezeichnung für eine badische Eisenbahnstrecke. Sie führte von Heidelberg über Neckargemünd und Meckesheim durch den kleinen Odenwald über Waibstadt, sowie Mosbach, Osterburken und Lauda ins bayerische Würzburg.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Entstehung

Die Pläne zum Aufbau eines Eisenbahnnetzes im Großherzogtum Baden Mitte des 19. Jahrhunderts konzentrierten sich zunächst auf den Bau der Badischen Hauptbahn als Nord-Süd-Strecke durch die Oberrheinische Tiefebene von Mannheim nach Basel sowie zum Anschluss der Bodenseegegend um Konstanz. Hingegen blieb der Nordosten Badens unberücksichtigt. Daher wurden ab den 1850er Jahren immer lautere Forderungen erhoben, auch diese ärmlichen Gebiete im südlichen Odenwald, im Bauland und im Taubertal (landläufig auch als Badisch Sibirien verspottet) an das Eisenbahnnetz anzuschließen. Zwar ließ eine Bahnstrecke in diese Gegend, wenn überhaupt, nur eine kleine Rendite erwarten, doch sah man im Eisenbahnbau neben dem verkehrlichen Nutzen auch eine Investition, um diesen strukturschwachen Landstrich zu fördern.

Neben Baden hatte auch das Königreich Bayern ein Interesse am Bau einer Eisenbahn zwischen der Kurpfalz und Unterfranken, da eine solche Eisenbahnstrecke die bayerischen Kernlande unter Umgehung Württembergs mit der damals bayerischen Pfalz verbunden hätte. Allerdings wünschte man sich in Bayern eine Streckenführung entlang des Mains über Wertheim, Miltenberg, Amorbach und Eberbach, während Baden eine südlichere Streckenführung über Mosbach bevorzugte. Nach langwierigen Verhandlungen einigten sich beide Länder 1862 auf eine Streckenführung über Mosbach. Der Vertrag beinhaltete ferner den Bau einer Eisenbahnbrücke über den Rhein bei Mannheim, so dass eine direkte Eisenbahnstrecke von Würzburg in die Pfalz entstand.

Die Eröffnung der Badischen Odenwaldbahn erfolgte in zwei Etappen: von Heidelberg über Neckarelz, Meckesheim und Neckarbischofsheim nach Mosbach am 23. Oktober 1862 sowie von Mosbach nach Würzburg über Osterburken und Lauda am 25. August 1866. Die Fertigstellung der zweiten Teilstrecke hatte sich aufgrund von Gefechten bei Tauberbischofsheim während des Deutschen Krieges verzögert.

Eine Besonderheit der Odenwaldbahn stellte die Trassierung der Strecke zwischen Neckargemünd und Mosbach dar. Anstatt einer Streckenführung im Neckartal über Eberbach hatte man sich zugunsten einer steigungsreicheren und somit betrieblich problematischeren Führung durch das Elsenz- und Schwarzbachtal über Meckesheim, Neckarbischofsheim und Aglasterhausen entschieden. Der Grund für diese Entscheidung liegt in der Tatsache, dass zwischen Neckargemünd und Eberbach das Großherzogtum Hessen bis an den Neckar reichte, so dass eine Eisenbahnstrecke im Neckartal durch hessisches Gebiet hätte führen müssen. Eine Streckenführung über ausländisches Gebiet war jedoch nicht erwünscht.

Kurz nach ihrer Fertigstellung wurde die Odenwaldbahn durch zwei Stränge mit dem württembergischen Eisenbahnnetz verbunden, und zwar von Meckesheim über Sinsheim nach Jagstfeld („westliche Gabelbahn“, 1868/1869 eröffnet) und von Jagstfeld nach Osterburken („östliche Gabelbahn“, 1869 eröffnet). Zur Erschließung des Taubertals entstand im Anschluss an die Odenwaldbahn bereits in den Jahren 1867 bis 1869 die Taubertalbahn nach Wertheim und Bad Mergentheim.

Bahnhof Lauda im Jahr 1871. Hier zweigt die Taubertalbahn von der Odenwaldbahn ab.

Weitere Entwicklung

Wie bereits beim Bau der Strecke erwartet worden war, entwickelte sich der Verkehr auf der Odenwaldbahn nur schwach. Sie konnte die in sie gesetzten Erwartungen sowohl in verkehrlicher als auch in strukturpolitischer Hinsicht nicht erfüllen. Allerdings ergaben sich durch die Kombination der Strecke mit daran anschließenden Bahnlinien neue Verkehrbeziehungen, die im Laufe der Entwicklung die Bedeutung der Verbindung von Kurpfalz und Unterfranken übertrafen. Dadurch entwickelten sich auch die einzelnen Teilstrecken der Odenwaldbahn sehr unterschiedlich:

Heidelberg–Neckargemünd

Hauptartikel: Neckartalbahn

Dieser Abschnitt wird heute der 1879 eröffneten Neckartalbahn Heidelberg–Heilbronn zugeordnet und dient dem Personen- und Güterverkehr zwischen der Kurpfalz und dem Großraum Stuttgart. Die Strecke ist zweigleisig ausgebaut und seit 1972 elektrifiziert. Seit 2003 ist der Abschnitt Teil der S-Bahn RheinNeckar. Mit S-Bahnen der Relationen Homburg − Kaiserslautern − Mosbach (− Osterburken) sowie Zügen der Relationen Heidelberg − Mosbach-Neckarelz − Heilbronn, Heidelberg − Meckesheim − Heilbronn und Heidelberg − Eppingen wird dieser Abschnitt im Nahverkehr sehr stark frequentiert.

Neckargemünd–Meckesheim

Hauptartikel: Elsenztalbahn

Betrieblich bildet dieser Abschnitt eine Einheit mit der westlichen Gabelbahn nach Jagstfeld. Neben der Neckartalbahn ergibt sich dadurch eine zweite Verbindung zwischen Heidelberg und Heilbronn. Darüber hinaus verkehren Züge bis nach Eppingen. Die Strecke ist zweigleisig ausgebaut. Im Zuge der Integration in die S-Bahn RheinNeckar wird die Strecke elektrifiziert. Die Züge sollen abwechselnd nach Aglasterhausen und nach Eppingen verkehren. Am anderen Ende sollen die Züge bis nach Worms durchgebunden werden.

Meckesheim–Neckarelz

Hauptartikel: Bahnstrecke Meckesheim–Neckarelz

Nach der Eröffnung der Neckartalbahn verlor dieser Streckenabschnitt sehr schnell an Bedeutung, da die durchgehenden Züge nun über die betrieblich günstigere Neckartalbahn geführt wurden. Von allen Teilabschnitten, in die die Odenwaldbahn folglich zerschlagen worden war, besaß dieser das geringste verkehrliche Aufkommen und wurde faktisch zur Nebenbahn degradiert.

Mit der Zerstörung der Neckarbrücke bei Obrigheim 1945 wurde der Abschnitt Meckesheim–Obrigheim endgültig zur Stichstrecke; eine Wiedererrichtung der Brücke über den Neckar scheiterte an ihrer geringen verkehrlichen Bedeutung. Da die Nachfrage zwischen Aglasterhausen und Obrigheim sehr gering war und die Unterhaltung der beiden Tunnels auf diesem Abschnitt sehr kostenspielig war, wurde dieser Abschnitt 1971 stillgelegt und in der Folgezeit abgebaut. Da der Streckenabschnitt Meckesheim − Aglasterhausen durchgehend dem Schwarzbach folgt, bürgerte sich im Volksmund immer mehr der Begriff Schwarzbachtalbahn ein.

Jedoch gab die Deutsche Bahn Pläne bekannt, die Strecke komplett einzustellen. Da dies bedeutet hätte, dass die seit 1900 bestehende Krebsbachtalbahn, die in Neckarbischofsheim abzweigt und bis nach Hüffenhardt führt, ohne Anschluss an das übrige Bahnnetz gewesen wäre, beschloss die SWEG, seit 1963 Betreiberin letzterer, auch die Nachbarstrecke zu übernehmen. Seit 1982 wird der verbliebene Streckenabschnitt Meckesheim−Aglasterhausen von der SWEG betrieben, der mit der Krebsbachtalbahn seither betrieblich eine Einheit bildet. In Zukunft ist die Integration in die S-Bahn RheinNeckar - einschließlich Elektrifizierung - vorgesehen. Die Krebsbachtalbahn wird gleichzeitig stillgelegt, da sie laut Aussage der SWEG dann nicht mehr rentabel betrieben werden kann.

Neckarelz–Osterburken

Hauptartikel: Bahnstrecke Neckarelz–Osterburken

Diese Teilstrecke besitzt heute nur noch regionale Bedeutung als Teil der Rhein-Neckar-S-Bahn. Die Strecke ist zweigleisig ausgebaut und seit 1975 elektrifiziert.

Osterburken–Würzburg

Hauptartikel: Frankenbahn

Zusammen mit der Strecke Stuttgart–Heilbronn–Osterburken ergibt sich eine Verkehrsbeziehung von Stuttgart nach Würzburg und damit eine Anbindung der Regionen Stuttgart und Heilbronn an die wichtige Nord-Süd-Verbindung Würzburg–Nordseehäfen. Die Strecke ist zweigleisig ausgebaut und seit 1975 elektrifiziert.

Von allen erwähnten Teilstrecken hatte diese die wichtigste Bedeutung; lange Zeit verkehrten Fernzüge über diesen Abschnitt. Da er jedoch sehr kurvenreich ist und somit keine allzu hohen Geschwindigkeiten erlaubt, verlor er nach den Zweiten Weltkrieg - insbesondere im Zuge des Baus von Schnellbahntrassen - an Bedeutung, sodass 2001 mit dem InterRegio Rennsteig der letzte verbliebene Fernzug eingestellt wurde. Jedoch wird die Strecke Osterburken–Würzburg weiterhin für zahlreiche Güterzüge der Nord-Süd-Relation genutzt. Der Nahverkehr hatte eine eher untergeordnete Bedeutung; so waren nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen Osterburken und Lauda aufgrund der dünnen Besiedlung zeitweise alle Bahnhöfe aufgegeben worden. Ab der Jahrtausendwende wurden einzelne von ihnen reaktiviert.

Literatur

  • Hans-Wolfgang Scharf: Eisenbahnen zwischen Neckar, Tauber und Main, Bd. 1: Historische Entwicklung und Bahnbau. EK-Verlag, Freiburg 2001, ISBN 3-8825-5766-4
  • Hans-Wolfgang Scharf: Eisenbahnen zwischen Neckar, Tauber und Main. Bd. 2: Ausgestaltung, Betrieb und Maschinendienst. EK-Verlag, Freiburg 2001, ISBN 3-8825-5768-0
  • Albert Kuntzemüller: Die Badischen Eisenbahnen. Verlag G. Braun, Karlsruhe 1953

Weblinks


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