Bagad
Great Highland Bagpipe mit Ayrshire-Tartan

Great Highland Bagpipes oder seltener als Singularform Great Highland Bagpipe, kurz auch GHB, Highland Pipes oder nur Pipes, gäl. piob mhor = große Pfeife, frz. cornemuse écossaise, breton. binioù braz, dt. Große Hochlandsackpfeife (als Bezeichnung unüblich) ist die Bezeichnung für die laute schottische Sackpfeife. Wegen ihrer enormen Lautstärke wird die Great Highland Bagpipe vornehmlich im Freien gespielt. Der Spieler wird als „Piper“ bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Aufbau

Die Great Highland Pipe besteht aus einem Windsack oder kurz Sack (bag), der über ein Anblasrohr (blow pipe), in welchem sich ein Rückschlagventil (traditionell aus Leder, heute meist Kunststoffkonstruktionen) befindet, mit Luft befüllt werden kann. In den Sack sind drei Bordunpfeifen (drones) und eine Spielpfeife (chanter) sowie das Anblasrohr eingebunden.

Traditionell bestehen alle Holzteile des Instruments aus Grenadill (engl. blackwood). In der heutigen Zeit werden auch Spielpfeifen aus hochwertigen Spezialkunststoffen angeboten, die weitgehend witterungsunempfindlich sind. Die verschiedenen Verzierungsteile sind traditionell aus Elfenbein (engl. real ivory) vom Walross oder seltener vom Elefant gefertigt. In der heutigen Zeit wird aus Tierschutzaspekten meist ein synthetischer Elfenbeinersatz (engl. imitation ivory, art ivory) verwendet. Bei höherwertigen Instrumenten sind einzelne Verzierungsteile auch aus Metall (Nickel, Silber, Silber vergoldet) gefertigt, die hochglanzpoliert oder mit Gravuren versehen sind.

Der Sack ist traditionell aus Leder gefertigt und muss innen regelmäßig mit einem Dichtmittel (engl. Seasoning) behandelt werden, um luftdicht zu bleiben und trotzdem die beim Spielen anfallende Feuchtigkeit über die Oberfläche verdunsten zu können. Mittlerweile gibt es Kunststoffsäcke aus Gore-Tex. Der Kunststoffsack benötigt kein Dichtmittel, sollte aber trotzdem aus hygienischen Gründen regelmäßig gereinigt werden. Über den Sack wird üblicherweise ein Stoffüberzug (engl. cover) gezogen, der entweder in einem bestimmten Tartan gestaltet ist oder schlicht einfarbig gehalten ist.

Die Spielpfeife ist mit einem Doppelrohrblatt ausgestattet. Das Doppelrohrblatt wird üblicherweise aus dem Schilfrohr Arundo Donax hergestellt, Kunststoffrohrblätter konnten sich hier bisher nicht durchsetzen. Die Bordunpfeifen sind mit Einfachrohrblättern ausgestattet. Traditionell verwendet man für die Einfachrohrblätter ebenfalls Arundo Donax, bei dem eine Zunge eingeschnitten wird (engl. cane reed). Diese Bauart ist sehr feuchtigkeitsempfindlich, daher werden heute oft Kunststoffkonstruktionen eingesetzt. Die Spielpfeife hat eine konische Bohrung mit starker linearer Steigung, woraus ein sehr lauter Klang mit vollem harmonischem Obertonspektrum resultiert. Die Bordunpfeifen sind zylindrisch gebohrt und grundtönig intoniert.

Stimmung und Tonumfang

Die Great Highland Bagpipe ist ein transponierendes Instrument; sie wird grundsätzlich in „A“ und traditionell ohne Vorzeichen notiert (A-mixolydisch hat korrekt notiert zwei Kreuze als Vorzeichen) unabhängig davon, wie sie tatsächlich klingt. Der Grundton A der Great Highland Bagpipe liegt sehr nahe bei einem B (engl. B flat) und hat je nach Hersteller und Spieler eine Frequenz zwischen 469 und 482 Hz. Der Grundton ist nicht genormt. Es gibt aber auch vereinzelt Instrumente, die auf den Grundton A = Kammerton = 440 Hz gestimmt sind.

Der Tonumfang der Spielpfeife beträgt eine große None und reicht von g1 (low G) bis a2 (high A). Auf der Spielpfeife der Great Highland Bagpipe werden traditionell nur neun Töne gespielt, die bezogen auf den Grundton A eine mixolydische Skala ergeben. Die Intervalle zwischen den Tönen der Spielpfeife entsprechen nicht den Intervallen der gleichstufigen Stimmung, sondern bilden eine eigene Skala. Ein Zusammenspielen mit anderen Instrumenten ist daher nur begrenzt möglich. Modernere Stücke allerdings setzen auch (in sehr beschränktem Ausmaß) andere Töne, hier „Halbtöne“ genannt, ein. Diese werden dadurch erreicht, dass die Grifflöcher nur halb von den entsprechenden Fingern geschlossen werden. Halbtöne können daher nur im Übergang zu einem höheren Ton gespielt werden. Es ist aber auch möglich, Spielpfeifen so einzurichten, dass die Halbtöne mittels Gabelgriffen gespielt werden können, was z. B. für die Wiedergabe traditioneller bretonischer Musik zur Anwendung kommt. Stücke mit Halbtönen werden zwar auch grundsätzlich in „A“notiert, jedoch meist musikalisch korrekt mit zwei Kreuzen als Vorzeichen, um die Halbtöne durch zusätzliche Kreuze oder Auflösungszeichen ebenfalls korrekt notieren zu können. Für die Töne auf der Spielpfeife existieren traditionelle Bezeichnungen, die mittlerweile auch für die Halbtöne (kursiv in der Tabelle) eingeführt wurden.

Bezeichnung notierter Ton
low G g1
low A a1
B flat b1
B h1
C natural c2
C c#2
D d2
D sharp d#2
E e2
F natural f2
F f#2
high G g2
high G sharp g#2
high A a2

Zwei der drei Bordune (tenor drones) sind eine Oktave unterhalb des Spielpfeifengrundtons gestimmt, also auf a0. Der dritte Bordun (bass drone) ist noch einmal eine Oktave tiefer auf den Ton A gestimmt, also zwei Oktaven unterhalb des Spielpfeifengrundtons.

Musik

Skye Boat Song.ogg
Eine Bearbeitung des Skye Boat Song für Bagpipes, gespielt von der Clan Stewart Pipe Band

Die traditionelle schottische Literatur für die Great Highland Bagpipe beinhaltet fast nur Stücke, die ohne die oben erwähnten Halbtöne auskommen. Daher stehen die Stücke in A-mixolydisch (Bordune auf dem Grundton) oder D-hypoionisch bzw. D-Dur (Bordune auf der Quinte zum Grundton). Um ohne den Gebrauch der Halbtöne in äolisch bzw. (reinem) moll spielen zu können, gibt es einige wenige Stücke, die in H-äolisch stehen. Die Bordune stehen dabei auf der kleinen Septime zum Grundton, was klanglich etwas gewöhnungsbdürftig ist. Bei nicht traditionell schottischer Literatur kommen auch die Halbtöne, insbesondere das C natural und das F natural zum Einsatz, womit sich auf dem Grundton A (Bordune auf dem Grundton) auch Stücke im dorischen und äolischen Modus und auf dem Grundton D (Bordune auf der Quinte zum Grundton) Stücke im hypodorischen und hypoäolischen Modus erschließen.

Solovortrag

Das solistische Spiel auf der Great Highland Bagpipe ist häufig anzutreffen, da nur beim Solovortrag bestimmte instrumentenspezifische Spieltechniken wie z. B. die „grace notes“, sehr kurze Töne zwischen den eigentlichen Tönen der Melodie, voll zur Geltung kommen. Neben der Literatur, die auch zu mehreren gespielt wird, existiert Literatur speziell für den Solovortrag wie z. B. das Piobaireachd. Der Solovortrag erlaubt darüber hinaus in besonderem Maße den Gebrauch der Halbtöne, da hier keine Intonationsprobleme mit anderen Great Highland Pipes auftreten können.

Pipes & Drums

Pipes & Drums ist die Bezeichnung für schottische Blasorchester, die nur mit Great Highland Bagpipes und Schlagwerk (Bass Drum, mehrere Tenor Drums, mehrere Snare Drums) besetzt sind. Pipes & Drums ist das schottische Gegenstück zu den europäischen und amerikanischen Blasorchestern (Marching Bands). Die Formationen gehören oft dem Militär an oder stehen zumindest in militärischer Tradition. Die Halbtöne werden in diesen Formationen so gut wie gar nicht verwendet, da bei diesen Tönen im chorischen Spiel Intonationsprobleme zwischen den einzelnen Instrumenten nicht ausgeschlossen werden können.

Bagad

Bagad ist die bretonische Variante von Pipes & Drums. Zu den Great Highland Bagpipes (Binioù braz) kommen noch die Rohrblattinstrumente Bombarde (mehrfach besetzt), Bombarde tenor (einfach besetzt oder mit wenigen Instrumenten vertreten) und Binioù kozh (meist nur einfach besetzt) hinzu. Die Spielpfeifen der verwendeten Great Highland Bagpipes sind so eingerichtet, dass auch die Halbtöne gespielt werden können. Das Schlagwerk (Batterie) entspricht dem bei Pipes & Drums. Anders als bei Pipes & Drums werden bei einzelnen Stücken auch weitere Instrumente wie Flöten, Saxophone, andere Sackpfeifen (z.B. Cornemuse du centre), Akkordeon und zusätzliche Schlaginstrumente, aber auch „moderne“ Instrumente wie E-Gitarre, E-Bass und Synthesizer eingesetzt.

Übungsinstrumente

Erlernt wird das Spiel auf der Great Highland Bagpipe häufig zunächst nicht auf dem eigentlichen Instrument, sondern auf einem einfachen mundgeblasenen Doppelrohrblattinstrument mit Windkapsel, dem Practice Chanter. Die Lautstärke ist moderat und für kleine Räume geeignet. Hochwertige Practice Chanter sind aus Grenadill gefertigt und haben die gleichen Grifflochabstände wie die Spielpfeifen der Great Highland Bagpipe und andeutungsweise, also für die Finger fühlbar, vergleichbar große Grifflöcher. Auf diesem Instrument wird die Griffweise der Great Highland Pipe erlernt. Der Practice Chanter begleitet auch erfahrene Piper lebenslang, z. B. zum Erlernen neuer Stücke, für Fingerübungen oder für das gemeinsame Üben in der Gruppe.

Der „Practice Goose“ ist ein Practice Chanter, der in einen mit einem Anblasrohr ausgestatteten Windsack eingebunden ist. Dieses Übungsinstrument wird seltener verwendet, vermittelt aber anders als der Practice Chanter eher das Gefühl, eine Sackpfeife zu spielen.

In jüngerer Zeit werden alternativ zum Practice Chanter auch modifizierte „Scottish Smallpipes“ als Übungsinstrumente angeboten. Diese leise klingenden und daher wohnungstauglichen Sackpfeifen sind mundgeblasen und die Spielpfeifen dieser Instrumente werden wie die Spielpfeife der Great Highland Bagpipe gegriffen, wobei wie bei der Great Highland Bagpipe (ohne den Gebrauch von Halbtönen) eine mixolydische Skala hervor gebracht wird.

Lautstärke

Pipes & Drums erreichen eine durchschnittliche Lautstärke von 122 dB. Die EU erwägt deshalb für professionelle Musiker die Einführung der Pflicht, Gehörschutz zu tragen [1].

Literatur

  • Reinhold Ege: MacEges Handbuch für den schottischen Dudelsack. Die handwerkliche Seite der Great Highland bagpipe. 2., überarb. Aufl. Verlag der Spielleute, Reichelsheim 2002, ISBN 978-3-927240-68-1 (Handbuch für den praktischen Umgang mit diesem Instrument).
  • Reinhold Ege: MacEges Lehrbuch für den schottischen Dudelsack. 2., korrigierte Aufl. Verlag der Spielleute, Brensbach 1993, ISBN 3-927240-08-7.

Einzelnachweise

  1. www.tagesschau.de (22. April 2008)

Weblinks


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