Bagauden

Bagauden (Bagaudes; eventuell vom keltischen baga [Kampf] abgeleitet) wurden im 3. Jahrhundert und in der Spätantike bewaffnete Bauern und Hirten in Gallien genannt, die vielleicht gegen die Schollenbindung (die Bindung der Bauern an ein bestimmtes Stück Land) und den steigenden Steuerdruck revoltierten. Vieles an den Bagauden, ihrer Herkunft und ihren Motiven bleibt aber aufgrund der schwierigen Quellenlage unklar. Nach Ansicht mancher Althistoriker handelte es sich bei den Bagauden eher um lokale Milizen, die in Zeiten einer geschwächten Zentralmacht auf eigene Faust die Verteidigung organisierten und sich dann vom Reich lossagten. Möglicherweise verbergen sich hinter der Bezeichnung Bagauden auch ganz verschiedene Gruppen und Phänomene, was die Widersprüchlichkeit der Quellen erklären könnte.

Erstmals werden Bagauden während der so genannten Reichskrise des 3. Jahrhunderts erwähnt; sie wurden zu Beginn der Regierungszeit des römischen Kaisers Diokletian bekämpft; als ihre Anführer nennt Aurelius Victor (Caes. 39,17) zwei Männer namens Aelianus und Amandus. Sie zogen teils bis in den Norden Spaniens (und zu Beginn des 5. Jahrhunderts gar über die Alpen). Während des 4. Jahrhunderts, als das Imperium Romanum wieder stabilisiert worden war, schweigen die Quellen über die Bagauden. Um die Mitte des 5. Jahrhunderts wurden sie dann von regulären weströmischen Truppen und den mit diesen verbündeten Westgoten geschlagen und finden anschließend keine Erwähnung mehr.

Literatur

  • Alexander Demandt: Die Spätantike. Römische Geschichte von Diocletian bis Justinian. 284–565 n. Chr. 2. vollständig bearbeitete und erweiterte Auflage. C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-55993-8, speziell S. 370f. (Handbuch der Altertumswissenschaft. Abt. 3, Teil 6).
  • John F. Drinkwater: The Bacaudae of fifth-century Gaul. In: John F. Drinkwater, Hugh Elton (Hrsg.): Fifth-century Gaul. A crisis of identity? Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1992, ISBN 0-521-41485-7, S. 208–217.

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