Bahadur Shah Zafar II.
Gemälde um 1854
Dieses Foto zeigt Bahadur Shah II. im Alter von 82 Jahren kurz vor seiner Verurteilung in Delhi 1858. Es ist möglicherweise die einzige Fotografie, die je von einem Mogulkaiser gemacht wurde

Abu Zafar Sirajuddin Muhammad Bahadur Shah Zafar, auch Bahadur Shah Zafar II. (* 24. Oktober 1775 in Delhi; † 7. November 1862 in Rangun) war letzter, nur noch nominell regierender Großmogul, kurzfristig Kaiser von Indien. Bahadur Shah II. gilt auch als ein berühmter Dichter in der Sprache Urdu.

Inhaltsverzeichnis

Rolle Zafars als Großmogul

Bahadur Shahwar war der Sohn von Akbar Shah II. und seiner Frau Lalbai. Nach dem Tod seines Vaters am 28. September 1838 wurde er Großmogul.

Das Mogulreich, dem einst ein Konglomerat aus Reichsprovinzen, untergeordneten Fürstenstaaten und halbautonomen Städten und Dörfern zugeordnet war, hatte seinen beherrschenden Einfluss auf den indischen Subkontinent bereits im 18. Jahrhundert verloren. Nach wie vor galt jedoch der im Roten Fort in Delhi residierende Großmogul sowohl der indischen Bevölkerung als auch den indischen Provinzen und Staaten als nomineller Souverän. Dementsprechend hatte die Britische Ostindien-Kompanie sich noch zu Beginn des 19. Jahrhundert auf offiziellen Papieren und Münzen als Vasall des Großmoguls bezeichnet und dem in Delhi ansässigen Vertreter der Kompanie die strikte Anweisung gegeben, den Mogul mit dem Respekt zu begegnen, der dem obersten Herrscher von Hindustan zustand[1]. Bereits ab den 1830er Jahren begann sich die britische Politik jedoch in diesem Punkt zu ändern. Bis 1857 demonstrierten eine Reihe von Maßnahmen und Ereignissen dem Großmogul und seinem Hofstaat, welche Bedeutungslosigkeit ihnen die Briten mittlerweile beimaßen. So überreichte die Britische Ostindien-Kompanie ab 1832 das zeremonielle Geschenk (als „nazr“ bezeichnet) nicht mehr, das die Verpflichtungen der Kompanie gegenüber dem Großmogul öffentlich unterstrichen hätte. Hochrangige Vertreter der Kompanie verzichteten auf den Antrittsbesuch beim Großmogul, wenn sie in Delhi weilten.

Auf den Rupien, die die Britische Ostindien-Kompanie herausgab, wurde der Name des Großmoguls entfernt und ab 1850 war es allen britischen Untertanen untersagt, Titel und Ehrungen seitens des Großmoguls anzunehmen[2]. Der Einflussbereich von Bahadur Shah Zafar II., dem letzten der Großmogule, beschränkte sich auf seinen Palast, das Rote Fort. Kein indischer Adeliger durfte ihn hier ohne die Erlaubnis von Thomas Metcalfe, dem ranghöchsten Vertreter der Kompanie vor Ort aufsuchen[3]. Metcalfe versuchte auch die Thronfolge zu beeinflussen. Üblich war es, dass der Großmogul unter seinen Söhnen denjenigen bestimmte, der aus seiner Sicht der am meisten geeignete Nachfolger war. Metcalfe versuchte zunächst die Primogenitur durchzusetzen und verweigerte jegliche Anerkennung dem Sohn, den Bahadur Shah Zafar erwählt hatte. Kurz vor Ausbruch des Aufstands von 1857 verfolgte Metcalfe jedoch zunehmend die Politik, mit dem Tod von Bahadur Shah Zafar die Herrschaftslinie erlöschen zu lassen. Diese Politik hatte zur Folge, dass eine Reihe der Würdenträger am Hof des Großmoguls bereit war, die Aufständischen zu unterstützen.

Rolle im Indischen Aufstand von 1857

Bahadur Shah Zafar II. war nominell der Anführer des antibritischen Aufstands von 1857. Die Unterstützung der Aufständischen wurde außerdem nicht von allen Angehörigen des Hofes des Großmoguls geteilt. Die britische Seite wurde unter anderem von Zafars Lieblingsfrau Zinat Mahal unterstützt, die damit auch die Hoffnung verbunden haben mag, dass die Briten die Thronfolge ihres Sohnes Jawan Bakht sichern würde. Jawan Bakht übernahm im Gegensatz zu seinem älteren Halbbruder Mirza Mughal während des Aufstands niemals eine aktive Rolle [4].

Im Zuge des Aufstandes wurde Bahadur Shah II. kurzfristig zum Kaiser von Indien proklamiert. Nach der Niederschlagung des Aufstands wurde die Britische Ostindien-Kompanie 1858 aufgelöst und Britisch-Indien zu einer formellen Kronkolonie. Bahadur Shah II. wurde im März desselben Jahres im Alter von 82 Jahren abgesetzt und nach Rangun im britisch besetzten Teil Birmas verbannt, wo er 1862 starb.

Einzelnachweise

  1. Dalrymple, S. 38f
  2. Dalrymple, S. 39
  3. Dalrymple, S. 37
  4. Dalrymple, S. 221f

Literatur

  • Beisinger, Ursula, Die Ursprünge des Aufstandes von 1857 in Oudh, Frankfurt am Main, Univ., Diss., 1959
  • Hibbert, Christopher, The great mutiny : India 1857, London [u.a.] : Penguin Books, 1988
  • Roy, Tapti, The politics of a popular uprising : Bundelkhand in 1857, Delhi [u.a.] : Oxford Univ. Press, 1994
  • Saul David, The Indian Mutiny : 1857, Penguin Books, 2003
  • Sen, Surendra Nath, Eighteen fifty-seven (With a foreword by Maulana Abul Kalam Azad), Delhi : Min. of Information & Broadcasting, 1957
  • Taylor, P. J. O., What really happened during the mutiny : a day-by-day account of the major events of 1857 - 1859 in India, New Delhi [u.a] : Oxford Univ. Press, 1999
  • Frederick Sleigh Roberts: Einundvierzig Jahre in Indien - Berlin 1904

Weblinks


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