Bahnhof Aachen Templerbend
Bahnhof Aachen West
Bahnsteig des Bahnhofs Aachen West
Bahnhofsdaten
Kategorie Nahverkehrssystemhalt, Nahverkehrsknoten
Art Inselbahnhof
Bahnsteiggleise

2

Abkürzung

KAW

Webadresse www.bahnhof.de
Architektonische Daten
Stadt Aachen
Bundesland Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 46′ 48″ N, 6° 4′ 16″ O50.786.07111111111117Koordinaten: 50° 46′ 48″ N, 6° 4′ 16″ O
Eisenbahnstrecken
Liste der Bahnhöfe in Nordrhein-Westfalen

Der Bahnhof Aachen West ist ein Personen- und Güterbahnhof in der Stadt Aachen in Nordrhein-Westfalen. Er ist ein Durchgangsbahnhof, gehört der Bahnhofskategorie 4 an und besitzt einen Mittelbahnsteig mit zwei Bahnsteiggleisen. Im Bahnhof Aachen West zweigt die nur durch Güterverkehr befahrene so genannte Montzenroute von der Bahnstrecke Aachen–Mönchengladbach ab.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Auf dem Gelände zwischen Templergraben und Turmstraße, das heute für Parkplätze, Institutsgebäude und das Audimax der RWTH Aachen genutzt wird, befand sich früher der Bahnhof Aachen Templerbend. Dieser wurde 1858 als Ersatz für ein bis dahin an gleicher Stelle bestehendes Provisorium errichtet und diente als Grenzbahnhof zwischen Deutschland und den Niederlanden. Er war als Inselbahnhof angelegt und wurde ursprünglich sowohl von der Aachen-Düsseldorf-Ruhrorter Eisenbahn-Gesellschaft als auch von der Aachen-Maastrichter Eisenbahn-Gesellschaft genutzt. Auf der östlich gelegenen Innenstadtseite fuhren Züge von und nach Mönchengladbach, auf der stadtauswärts gelegenen westlichen Seite ausschließlich Züge in die Niederlande über die Millionenlinie. Ein Zaun trennte die Zollgleise von den übrigen Gleisen. Erst im Jahr 1872 wurde die spätere Montzenroute nach Belgien, die damals noch über Plombières durch das Göhltal und an Montzen vorbei nach Welkenraedt führte, ebenfalls an den Bahnhof Templerbend angebunden. Das Gebäude des Bahnhofs Templerbend hatte mit seinen zwei Türmen und Zinnen Merkmale einer Burganlage.[1]

Skulptur vor dem Bahnhof, im Hintergrund das ehemalige Empfangsgebäude

Da die RWTH Aachen Anfang des 20. Jahrhunderts expandierte und den vom Bahnhof Templerbend eingenommenen Platz beanspruchte, wurde in direkter Nachbarschaft der neue Bahnhof Aachen West gebaut. Die Verlegung des Bahnhofs machte außerdem auch eine Verlegung der Strecke nach Mönchengladbach zwischen Aachen Templerbend und Richterich erforderlich. Früher verlief diese vom Bahnhof Templerbend am Lousberg entlang parallel zur Roermonder Straße. Der alte Verlauf ist heute noch größtenteils auf Luftbildern erkennbar.

Der Güterbahnhof Aachen West wurde am 1. Oktober 1910 zusammen mit der neuen Trasse eröffnet, der Personenbahnhof am 30. Oktober 1910, einen Tag nach der Schließung des Bahnhofs Templerbend und der Stilllegung der alten Trasse. 1911 wurde der Bahnhof Templerbend schließlich gesprengt.[1]

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Empfangsgebäude von 1910 zerstört, nach dem Krieg wurde es durch einen schlichten Neubau ersetzt.

Abgestellte Elektrolokomotiven im Bahnhof, rechts das Fahrdienstleiterstellwerk Awf

Betriebsanlagen

Das Empfangsgebäude am Republikplatz wird bereits seit Jahren nicht mehr als solches genutzt, der Zugang zum Bahnsteig erfolgt über eine Treppe unterhalb einer Brücke. Im ehemaligen Empfangsgebäude befindet sich derzeit eine Diskothek. Das Fahrdienstleiterstellwerk Awf (Relaisstellwerk vom Typ Sp Dr S60) ist wegen des auch nachts stattfindenden Güterverkehrs von und nach Belgien durchgehend besetzt. Außer dem Stellwerk Awf ist im Bahnhof noch das mechanische Wärterstellwerk R2 zu bestimmten Zeiten besetzt, die ebenfalls mechanischen Stellwerke R1 und R3 sind außer Betrieb.

Auf 250.000 m² – etwa 40 % der derzeitigen Fläche des Bahnhofs – soll ab 2009 der Campus Westbahnhof der RWTH Aachen entstehen. Dessen Fertigstellung ist für das Jahr 2015 geplant. Die Deutsche Bahn verkaufte dafür die Fläche an den Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW. Ein Teil der Bahnhofsanlagen muss zur Erhaltung seiner Funktionalität daher neu gebaut werden, auch wenn der Großteil der Fläche nicht mehr genutzt wird.[2]

Güterverkehr

Belgische Diesellokomotiven der Reihe 55 im Bahnhof

Aachen West war der wichtigste Aachener Güterbahnhof. Als Stückgutbahnhof wurde er ca. 1989 geschlossen. Seine Funktion als Rangierbahnhof hat er jedoch verloren, weshalb ein Teil der Gleisanlagen bereits brachliegt. Er wird für den Güterverkehr jedoch wegen der abzweigenden Montzenroute noch als Grenzbahnhof nach Belgien benutzt. Da die Montzenroute bis Ende 2008 nicht elektrifiziert war, mussten im Bahnhof häufig die Elektrolokomotiven durch Dieselloks ersetzt werden, was selbst bei Zügen aus bzw. in Richtung Mönchengladbach, die den Bahnhof ohne Fahrtrichtungswechsel durchfahren könnten, zu zahlreichen Rangierbewegungen führt. Hierbei kamen neben den Baureihen 225 und 241.8 der Deutschen Bahn vor allem Loks der NMBS/SNCB-Reihe 55 zum Einsatz. Nach Abschluss der Elektrifizierung der Montzenroute finden nur noch wenige dieselgetriebene Fahrten auf der Strecke statt. Die genannten Diesellokomotiven wurden durch Elektroloks der NMBS/SNCB-Reihe 28 ersetzt.

Personenverkehr

Im Personenverkehr hat der Bahnhof insbesondere durch die nahegelegene RWTH Aachen große Bedeutung. In fußläufiger Entfernung befinden sich das Hauptgebäude, das Audimax, das Kármán-Auditorium, zahlreiche Institute, Studentenwohnheime und das Studentenwerk Aachen. Außerdem bestehen direkte Busverbindungen zu weiteren Studentenwohnheimen und zum Universitätsklinikum Aachen.

Der Bahnhof wird im Personenverkehr von den folgenden Linien angefahren:

Linie Linienbezeichung Linienverlauf
RE 4 Wupper-Express Aachen Hbf – Mönchengladbach Hbf – Neuss Hbf – Düsseldorf Hbf – Wuppertal Hbf – Hagen Hbf – Dortmund Hbf
RB 20 euregiobahn Heerlen (NL) / Alsdorf-Annapark – Herzogenrath – Aachen Hbf – Stolberg (Rheinl) Hbf – Stolberg-Altstadt / Eschweiler-Weisweiler
RB 33 Rhein-Niers-Bahn Aachen Hbf – Mönchengladbach Hbf – Krefeld Hbf – Duisburg Hbf

Einzelnachweise

  1. a b Schienenwege aus dem Kessel. In: Eisenbahn Geschichte Nr. 28, Juni/Juli 2008
  2. Start für Aachener Hochschulcampus: Einer der größten in Europa, Artikel der Aachener Zeitung vom 19. Januar 2009

Weblinks


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