Bahnhof Bad Kleinen
Bad Kleinen
Bad Kleinen Bahnhof 2009-01-02 011.jpg
Daten
Kategorie 3
Betriebsart Kreuzungsbahnhof
Bauform Inselbahnhof
Bahnsteiggleise 5
Abkürzung WK
Eröffnung 1848
Lage
Ort Bad Kleinen
Land Mecklenburg-Vorpommern
Staat Deutschland
Koordinaten 53° 46′ 0″ N, 11° 28′ 0″ O53.76666666666711.466666666667Koordinaten: 53° 46′ 0″ N, 11° 28′ 0″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Mecklenburg-Vorpommern

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Der Bahnhof Bad Kleinen in der gleichnamigen Gemeinde ist eine der ältesten und wichtigsten Bahnstationen in Mecklenburg-Vorpommern. Er dient vor allem dem Umsteigeverkehr von und nach Wismar, Grevesmühlen/Lübeck, Schwerin sowie Bützow/Güstrow/Rostock.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Ort Kleinen (der Zusatz „Bad“ wurde 1915 verliehen) bekam 1848 mit der Verlängerung der ein Jahr vorher eröffneten Bahnstrecke Hagenow Land–Schwerin nach Wismar seinen Bahnhof. Bei der Planung der anschließenden Strecke nach Rostock entschied man sich dafür, die Strecke nicht auf dem direkten Weg von Schwerin zu führen, was eine Querung des Schweriner Sees erfordert hätte. So wurde Kleinen nach Hagenow Land zum zweiten Eisenbahnknoten Mecklenburgs. 1870 kam eine Strecke aus Lübeck über Grevesmühlen hinzu.

Um 1920 wurde der Bahnhof umgebaut. Vorher lagen zu beiden Seiten des zwischen den Gleisen liegenden Empfangsgebäudes Hausbahnsteige, die übrigen Bahnsteige waren durch Überschreiten der Gleise zu erreichen. Danach wurden die Gleise direkt an das Gebäude gelegt. Die Bahnsteige am Haus entfielen beim Umbau, dafür entstanden Inselbahnsteige, die durch einen Tunnel zu erreichen waren.[1]

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts war die Ost-West-Relation Hamburg–Lübeck–Bad Kleinen–Bützow und weiter nach Stettin beziehungsweise zu den Fähren in Warnemünde und Saßnitz die wichtigste Verbindung über den Bahnhof. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der deutschen Teilung wurde stattdessen der Bahnhof vor allem für den Personen- und Güterverkehr aus dem Süden der DDR über Magdeburg–Wittenberge nach Rostock und Wismar wichtig.

Am 3. April 1975 ging das 300. Gleisbildstellwerk der DDR im Bahnhof in Betrieb. Es ersetzte mehrere mechanische Stellwerke. 1985 wurden der Bahnhof und die Strecken nach Bützow–Rostock, Wismar und Schwerin–Magdeburg elektrifiziert. Am 12. April 1986 feierte man dort im Rahmen des Zentralen FDJ-Jugendobjektes „Streckenelektrifizierung“ den 1000. seit 1981 elektrifizierten Kilometer Bahnstrecke in der DDR. Die Gedenktafel dazu fiel den Veränderungen Anfang der Neunziger Jahre zum Opfer. Die Elektrifizierung aus dem Magdeburger Raum bis nach Wismar diente vorrangig dem Kaliexport via Seehafen Wismar.

Überregional bekannt wurde der Bahnhof 1993, als die Polizei versuchte, die RAF-Mitglieder Birgit Hogefeld und Wolfgang Grams festzunehmen. Dabei wurden Grams und der GSG-9-Beamte Michael Newrzella bei einem Schusswechsel auf einem der Bahnsteige tödlich getroffen (siehe auch: GSG-9-Einsatz in Bad Kleinen).

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2008 entfiel der Halt in Bad Kleinen bei fast allen InterCity-Zügen. Bis dahin war Bad Kleinen Zeit seines Bestehens Haltebahnhof der meisten Fernverkehrszüge gewesen.

Anlagen

Bahnhof Bad Kleinen, Bahnsteig 3/4. (Sommer 2008)

Der Bahnhof ist ein Inselbahnhof. Das Empfangsgebäude liegt zwischen den Inselbahnsteigen 1/2 (vor allem dem Verkehr in Richtung Wismar und Rostock dienend) und 3/4. Der Bahnsteig 5 ist über Gleis 4 zu erreichen. Diese Gleise dienen vor allem dem Verkehr in Richtung Schwerin und Lübeck.

Der Bahnhof liegt in Hanglage zwischen dem Dorf und dem Schweriner See. Dadurch ergab sich eine bauliche Besonderheit: bis Mitte der 1980er Jahre verlief der Zugang zum Bahnhof über einen Steg vom Vorplatz über die Gleise in den auf gleichem Höhenniveau liegenden ersten Stock des Empfangsgebäudes und über eine Treppe im Gebäudeinneren ins Erdgeschoss.

Am Empfangsgebäude gibt es keine Bahnsteige; alle Bahnsteige sind nur durch einen Bahnsteigtunnel zu erreichen. Mit den Elektrifizierungsarbeiten wurde der Steg abgerissen und der Tunnel in Richtung Westen verlängert, von wo eine Treppe zum Bahnhofsvorplatz gebaut wurde. Einige Stufen im Tunnel lassen die Grenze zwischen dem älteren und dem neueren Teil erkennen. Einen direkten Ausgang zum Schweriner See gibt es nicht. Dazu dient der westlich des Bahnhofs gelegene Eiertunnel.

Fahrkartenschalter und Gastronomie im Bahnhofsgebäude wurden in den 1990er Jahren geschlossen; es dient nur noch betrieblichen Zwecken.

Empfangsgebäude und die meisten baulichen Anlagen im Bahnhof stammen noch aus dem 19. Jahrhundert. Hierzu zählt auch ein 1880 erbautes Gebäude, das einen Wasserturm und einen Lokschuppen enthält. Die Bahnsteige sind im äußeren Zustand seit dem Umbau 1920 praktisch unverändert.

Am 21. März 2011 beginnen umfangreiche Sanierungsarbeiten am Bahnhof. Die Fertigstellung ist für 2015 geplant. Dabei werden neben den Bahnsteigen auch die Gleis- und Signalanlagen erneuert. Nach Abschluss der Arbeiten soll der Bahnhof mit 100 km/h durchfahrbar sein.[2]

Personenverkehr

Nahverkehr

Der Bahnhof wird im Nahverkehr von folgenden Zügen bedient:

Linie Strecke Taktfrequenz
RE 1 Rostock - Bützow - Blankenberg - Bad Kleinen - Schwerin - Hagenow Land - Hamburg Zweistundentakt
mit einzelnen zusätzlichen Zügen zwischen Rostock und Schwerin
RE 4 Ludwigsfelde - Berlin - Nauen - Wittenberge - Ludwigslust - Schwerin - Bad Kleinen - Wismar Stundentakt zwischen Ludwigslust und Wismar, Zweistundentakt Richtung Wittenberge
RE 6 Lübeck - Bad Kleinen - Blankenberg - Bützow - Pasewalk - Szczecin Stundentakt zwischen Lübeck und Bad Kleinen,
Zweistundentakt zwischen Bad Kleinen und Bützow

Alle zwei Stunden gibt es einen Taktknoten, bei dem die RE Wismar–Berlin, Rostock–Hamburg und Bad Kleinen–Lübeck und ihre jeweiligen Gegenzüge sich im Bahnhof treffen und Anschlüsse in alle Richtungen hergestellt werden.

Fernverkehr

Der Bahnhof wird von einem Intercity-Zug frühmorgens aus Rostock in Richtung Hamburg und im Sommer von einem Intercity-Zug-Paar der Relation Warnemünde – Rostock – Magdeburg – Leipzig – Dresden im Fernverkehr bedient.

Weblinks

 Commons: Bahnhof Bad Kleinen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Manfred Berger, Historische Bahnhofsbauten, Bd.1, Sachsen, Preußen, Mecklenburg und Thüringen, Transpress-Verlag (1980), S. 214
  2. Ostsee-Zeitung: Strecke Grevesmühlen-Bad Kleinen-Schwerin wird vier Wochen gesperrt, 10. März 2011, online

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