Bahnhof Berlin Nordkreuz
Bahnhof Berlin Gesundbrunnen
S-Bahnsteig Gesundbrunnen 2005
S-Bahnsteig Gesundbrunnen 2005
Bahnhofsdaten
Kategorie Regionalknoten, Fernverkehrshalt
Art Kreuzungsbahnhof
Bahnsteiggleise

4 S-Bahngleise
6 Fernbahngleise

Abkürzung

BGB (S-Bahn)
BGS (Fernbahn)

Architektonische Daten
Eröffnung

1. Januar 1872
1. Mai 1984

Stilllegung 9. Januar 1984
Stadt Berlin
Bundesland Berlin
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 32′ 55″ N, 13° 23′ 22″ O52.54861111111113.3894444444447Koordinaten: 52° 32′ 55″ N, 13° 23′ 22″ O
Eisenbahnstrecken
Liste der Bahnhöfe im Raum Berlin
Lage des Bahnhofes Gesundbrunnen im Berliner ÖPNV-Netz
Der Bahnhof Gesundbrunnen im Pilzkonzept
Ringbahnhof Gesundbrunnen um 1880
Colonie Louisenbad, später Gesundbrunnen um 1863 nach James Hobrecht. Im Kreis der spätere Ringbahnhof Gesundbrunnen
Bahnhof Gesundbrunnen 1898 nach der Verlegung der Stettiner Bahn
Gleisplan der Bahnanlagen am Gesundbrunnen von 1902
Umsteigebahnhof zwischen U-Bahn, S-Bahn und Fernbahn 1985
Gebäude der Ringbahn Eingang Brunnenstraße
Empfangsgebäude Gesundbrunnen mit Treppenanlage im Zustand von 1992
Bahngelände des Bauvorhabens Nordkreuz (Blickrichtung: von Osten)
Links die Gleise der S-Bahn, rechts die der Fernbahn (Blickrichtung: von Westen)

Der Bahnhof Berlin Gesundbrunnen liegt im gleichnamigen Berliner Ortsteil Gesundbrunnen an der Badstraße, der Schnittstelle der Ringbahn und den Nord-Süd-Bahntrassen. Im Berliner Verkehrsnetz ist er ein stark frequentierter Umsteigebahnhof zwischen öffentlichem Personennah- (U-Bahn, S-Bahn, RB, RE) und Fernverkehr (IC und ICE). Eine Besonderheit für einen Bahnhof seiner Größe ist das Fehlen eines Empfangsgebäudes.

Inhaltsverzeichnis

Lage und Erschließung

Topografisch liegt der Bahnhof Gesundbrunnen am Südhang des Panketals auf der Hochfläche der Humboldthöhe. Verkehrstechnisch liegt er am nördlichen Rand des Berliner S-Bahn-Ringes. Er besitzt Zugänge sowohl von der Bad-/Brunnenstraße, als auch von der Swinemünder Straße. Die Bahnanlagen wurden im Geländeeinschnitt unterhalb der gemauerten Badstraßenbrücke errichtet. An dieser Stelle knickt die Badstraße in die Brunnenstraße ab.

Am Bahnhof Gesundbrunnen beginnen die drei nördlichen Streckenäste der Berliner S-Bahn nach Hennigsdorf (Kremmener Bahn), Oranienburg (Nordbahn) und Bernau (Stettiner Bahn). In Richtung Süden verkehren die Züge über die Berliner Innenstadt (Bahnhof Friedrichstraße), nach Teltow (Stadt), Blankenfelde und Wannsee/Potsdam. Über Gesundbrunnen verkehren auch die S-Bahn-Züge der Berliner Ringbahn, sowie Züge der Fernbahn.

Linie Linienverlauf
WannseeFrohnauOranienburg
Blankenfelde (Kr. Teltow-Fläming)LichtenradeBuchBernau
Teltow StadtLichterfelde SüdPotsdamer PlatzHennigsdorf
GesundbrunnenOstkreuzSüdkreuzWestkreuz – Gesundbrunnen (im Uhrzeigersinn)
GesundbrunnenWestkreuzSüdkreuzOstkreuz – Gesundbrunnen (gegen den Uhrzeigersinn)

Der Fern- und Regionalbahnhof übernimmt eine Schlüsselposition für die Zugverbindungen nach Norden. Von hieraus gelangt man mit InterCity- und Regional-Express-Zügen sowohl nach Neustrelitz, Rostock und Stralsund, sowie Angermünde, Schwedt und Greifswald, als auch nach Elsterwerda über Wünsdorf-Waldstadt, sowie nach Lutherstadt Wittenberg und Falkenberg/Elster über Jüterbog.

Linie Linienverlauf
RE 3 Schwedt / StralsundBernauBerlin HbfZossenElsterwerda
RE 5 Stralsund / RostockOranienburgBerlin Hbf – Ludwigsfelde – Lutherstadt Wittenberg / Falkenberg (Elster)
Linie Linienverlauf Takt
IC/EC 27 BudapestBukarestWien SüdbahnhofPragDresdenBerlin SüdkreuzBerlin Hauptbahnhof (–Berlin-Gesundbrunnen – Stralsund – Ostseebad Binz) Einzelne Züge
ICE 28 (Garmisch-Partenkirchen/Innsbruck) – MünchenIngolstadt/AugsburgNürnbergLeipzig – Berlin Südkreuz – Berlin Hauptbahnhof – Berlin Gesundbrunnen – (RostockWarnemünde) 2-Stunden-Takt (München – Berlin-Gesundbrunnen)

Einzelne Züge (Berlin-Gesundbrunnen – Warnemünde)

IC 51 (Köln) – DüsseldorfDuisburg – EssenDortmundHammPaderbornKassel-Wilhelmshöhe - Erfurt - Halle – Berlin Südkreuz – Berlin Hauptbahnhof – Berlin GesundbrunnenStralsund – (Ostseebad Binz) 2-Stunden Takt
IC/EC 77 Flughafen AmsterdamOsnabrückHannoverWolfsburgBerlin-Spandau – Berlin Hauptbahnhof – (Berlin-GesundbrunnenStettin) Einzelne Züge

Auf dem U-Bahnhof Gesundbrunnen halten die Züge der U-Bahn-Linie U8 (WittenauHermannstraße).

Auf dem Vorplatz der Badstraßenbrücke hält eine Buslinie der BVG.

Geschichte des S-, Regional- und Fernbahnhofs

Seit dem 28. Mai 2006 gilt der Bahnhof Gesundbrunnen als wichtiger Bestandteil des Pilzkonzeptes der Deutschen Bahn für den Fern- und Regionalverkehr nach Norden. Bei konsequenter Umsetzung des neuen Streckenkonzeptes wird der ehemalige Ost-Berliner Endbahnhof Lichtenberg weiter an Bedeutung verlieren.

Erste Bahnlinie am Gesundbrunnen

Am 1. August 1842 wurde der erste Teil der Bahnstrecke Berlin ↔ Stettin eröffnet, die am Stettiner Bahnhof in Berlin beginnend durch den Ortsteil Gesundbrunnen nach Nord-Osten führte. Die Trasse kreuzte die Badstraße zwischen Grüntaler und Stettiner Straße niveaugleich mit einer Bahnschranke. Nach dem Umbau der Bahnanlagen am Gesundbrunnen konnte der unfallträchtige Bahnübergang entfernt werden.

Eröffnung der Ringbahn

Nachdem der Plan, eine Ringbahn um Berlin herum zu bauen, vom preußischen König Wilhelm I. beschlossen wurde, ging diese bis 1872 in Betrieb. So fuhren seit dem 17. Juli 1871 Güterzüge auf der Berliner Ringbahn, Personenzüge seit dem 1. Januar 1872. Mit diesem Eröffnungsdatum nahm auch der Bahnhof Gesundbrunnen den Betrieb auf.

Eröffnung der Nordbahn

Als am 10. Juli 1877 die sogenannte „Nordbahn“ von Berlin nach Neubrandenburg eröffnet wurde, begannen und endeten deren Personenzüge am Bahnhof Gesundbrunnen, der dadurch zu einem Verkehrsknotenpunkt wurde. Der Nordbahnhof als Endpunkt an der Eberswalder Straße konnte erst am 1. Oktober 1877 fertig gestellt werden. Die Personenzüge der Nordbahn konnten jedoch ab dem 1. Dezember 1877 gegen eine Jahresgebühr von 50.000 Goldmark den Stettiner Bahnhof mitbenutzen. Damit wurde der Stettiner Bahnhof für die Nordstrecken zum Endbahnhof (aus Stralsund, Neubrandenburg, Fürstenberg und Oranienburg), während der Bahnhof Gesundbrunnen dem Umsteigeverkehr zur Ringbahn diente.

Am 1. Oktober 1891 wurde zwischen Berlin und Oranienburg ein spezieller Vorortverkehr (als Vorläufer der S-Bahn) mit ermäßigtem Tarif eingerichtet. Seither fuhren die Fernzüge zwischen Gesundbrunnen und Oranienburg ohne Zwischenhalt durch. Wegen Überlastung des Stettiner Bahnhofs wurde 1892 ein Teil der Vorortzüge provisorisch in den Nordbahnhof umgeleitet, der bis dahin nur für den Güterverkehr genutzt worden war. Diese Zersplitterung des Vorortverkehrs war für die Reisenden sehr unübersichtlich und auf Dauer unhaltbar, sodass im Staatshaushalt 1895 insgesamt 8.850.000 Mark für den Umbau der Gleisanlagen am Gesundbrunnen bereitgestellt wurden, um den Fern- und Vorortverkehr am Bahnhof Gesundbrunnen kreuzungsfrei mit der Ringbahn zu verbinden.

Erster großer Umbau der Bahnanlagen und des Bahnhofs

1895 begann der Umbau der Gleisanlagen der Stettiner Bahn im Norden Berlins. Da auch den Fahrgästen der Stettiner Bahn das Umsteigen am Ring- und Vorortbahnhof Gesundbrunnen ermöglicht werden sollte, verschwenkte man die Trasse der Stettiner Bahn zwischen den heutigen Bahnhöfen Humboldthain und Bornholmer Straße in die der Nordbahn. Am Bahnhof Gesundbrunnen wurden drei neue Bahnsteige für die Ring-, Vorort- und Fernbahn sowie ein Empfangsgebäude im neogotischen Stil nach Entwürfen von Armin Wegner errichtet.

Am 1. Mai 1897 wurden die ersten beiden Gleise der neuen Strecke (die späteren Vorortgleise) in Betrieb genommen und gleichzeitig die alte (parallel zur Grüntaler Straße verlaufende) Strecke der Stettiner Bahn stillgelegt. Am 1. Dezember 1897 konnte auch der neue Fernbahnsteig in Betrieb genommen werden.

Ab 1903 durfte der Fernbahnsteig im Bahnhof Gesundbrunnen nur noch von denjenigen Fernreisenden benutzt werden, die mindestens bis Bernau, Oranienburg oder darüber hinaus fahren wollten. Die Benutzung der Fernzüge zwischen dem Bahnhof Gesundbrunnen und dem Stettiner Bahnhof war somit untersagt.

Elektrifizierung der S-Bahn

Die Strecke vom Stettiner Bahnhof nach Bernau war in den 1920er-Jahren die erste Strecke im Berliner Nahverkehrsnetz, die für den Vorortverkehr elektrifiziert wurde. Dies geschah mittels Stromschiene mit 800 V Gleichstrom. Dazu wurde unterhalb des Humboldthains im Bereich der Gleisgabelung zwischen Stettiner- und Ringbahn ein Gleichrichterwerk für die Bahnstromversorgung nach Plänen des Reichsbahn-Architekten Richard Brademann errichtet. Am 8. August 1924 fuhren erstmals elektrische Züge von Bernau über Gesundbrunnen zum Stettiner Bahnhof. Diese Züge hielten am Bahnsteig A, dem Vorortbahnsteig. Bereits fünf Jahre später, am 1. Februar 1929, hielten auch am Bahnsteig B, dem Ringbahnsteig, elektrische S-Bahn-Züge.

Es war zuvor ein großes Elektrifizierungsprogramm von der Reichsbahn für die Berliner Stadt-, Ring und Vorortbahnen beschlossen worden. Im Dezember 1930 wurde von der Reichsbahn für die elektrischen Vorortzüge der Name S-Bahn eingeführt. Zur Namensentstehung gibt es verschiedene Varianten. Eine dieser Anekdoten besagt, ein Charlottenburger hätte das grüne „S“ entwickelt und als Werbung seines Fahrkartenschalters für die Stadtbahnzüge an seinem Verkaufsstand angebracht.

Nach der Fertigstellung des Nord-Süd-S-Bahn-Tunnels durch die Berliner Innenstadt 1939 zwischen Stettiner Bahnhof und Anhalter Bahnhof konnten die S-Bahn-Linien der Nordstrecken endlich mit denen der Südstrecken verknüpft werden und verkehrten durchgehend zwischen Oranienburg und Wannsee/Potsdam. An der Hochstraße wurde bereits 1936 der neue Haltepunkt Humboldthain und an der Bösebrücke der Bahnhof Bornholmer Straße nach Plänen des Architekten Richard Brademann errichtet.

1930 war bereits unter den Anlagen der Reichsbahn der Untergrundbahnhof Gesundbrunnen für die GN-Bahn in Betrieb genommen worden.

Zweiter Weltkrieg und Wiederaufbau

Während des Zweiten Weltkriegs nahm der Verkehr auf den öffentlichen Schienenverkehrsmitteln rapide zu, weil Autos und Busse für militärische Zwecke beschlagnahmt wurden. Doch im April 1945 musste der Verkehr eingestellt werden. Erst nach und nach fuhren die ersten Züge wieder, vorerst mit Dampf und stets überfüllt. In mehreren Etappen fuhren auch wieder S-Bahn-Züge auf der Ringbahn:

  • 11. Juli 1945 zwischen Ostkreuz und Gesundbrunnen,
  • 01. Oktober 1945 zwischen Gesundbrunnen und Wedding,
  • 19. Dezember 1945 zwischen Wedding und Putlitzstraße.

Ab dem 13. August 1945 verkehrten auch S-Bahn-Züge wieder von der Kremmener, Stettiner und Nordbahn über den Bahnhof Gesundbrunnen – jedoch nur bis zum Stettiner Fernbahnhof, da der Nord-Süd-Tunnel unter Wasser stand. Züge nach Potsdam, Teltow und Rangsdorf konnten erst ab 1947 wieder durch den Tunnel fahren.

1949 gab es aber den ersten Konflikt um den Bahnhof Gesundbrunnen. Die Eisenbahner streikten und die DDR-Transportpolizei, die Hoheitsrechte auch in West-Berlin auf dem Reichsbahngelände, also auch der S-Bahn, für sich reklamierte, versuchte, den Streik zu verhindern. Am Bahnhof Gesundbrunnen kam es sogar zum Schusswaffeneinsatz der „Trapo“ gegen die Streikenden. Die französische Militärverwaltung setzte dem ein Ende und schützte die Streikenden, die allerdings damit auch nicht mehr ohne Gefahr für die eigene Freiheit nach Ost-Berlin zurückkehren konnten und damit letztlich ihren Job verloren.[1]

Mauerbau und Stilllegung

Durch die sich abzeichnende Spaltung Berlins verloren auch die Fernbahnsteige am Bahnhof Gesundbrunnen zunehmend ihre Bedeutung, sodass der Fernverkehr vom Stettiner Bahnhof über Gesundbrunnen am 18. Mai 1952 eingestellt wurde.

Am 13. August 1961, dem Tag der Abriegelung von West-Berlin, wurde der S-Bahn-Ring in zwei Halbringe zerschnitten, sodass die Züge im Westteil nur noch zwischen Sonnenallee/Köllnische Heide und Gesundbrunnen verkehren konnten. Die Züge aus Lichterfelde Süd (vorher Teltow) endeten ebenso am Bahnhof Gesundbrunnen, da sie nicht mehr nach Bernau verkehren konnten.

Durch den von West-Berliner Gewerkschaften initiierten S-Bahn-Boykott in Folge des Mauerbaus verlor die unter Regie der ostdeutschen Reichsbahn verkehrende S-Bahn im Westteil Berlins zunehmend an Bedeutung und die Fahrgastzahlen sanken rapide. Die Reichsbahn versuchte, durch die Teilmodernisierung einiger Bahnhöfe die Attraktivität der S-Bahn wieder zu erhöhen. Wie an den Stationen Halensee, Beusselstraße, Hermannstraße und Schönhauser Allee wurde in den Jahren 1964/1965 auch am Gesundbrunnen auf den Grundmauern des alten Empfangsgebäudes eine moderne Bahnhofshalle errichtet. Doch auch diese Maßnahmen brachten der S-Bahn keinen Zuwachs der Fahrgastzahlen. Im Übrigen gab es damals auch keinen Verkehrsverbund mit den anderen Verkehrsmitteln (der BVG), was beim Umsteigen zwischen den Verkehrsmitteln regelmäßig den Kauf eines zweiten Fahrscheins zur Folge hatte.

Nach dem Mauerbau kam es auf dem Gelände des Betriebswerks Gesundbrunnen an der Behmstraßenbrücke zu einer Ost-West-Konfrontation. Das Ost-Berliner Regime hatte an einem Wasserturm neben dem Gelände des Trainingsplatzes des Berliner Fußballvereins Hertha BSC, die drei großen Buchstaben „DDR“ anbringen lassen. Da das Bahngelände zum West-Berliner Bezirk Wedding gehörte, lag es im französischen Sektor. Der französische Stadtkommandant sah die Anbringung Ost-Berliner Hoheitszeichen in seinem Sektor als Provokation an und forderte die sofortige Entfernung der drei Buchstaben, andernfalls drohte er mit der sofortigen Sprengung des Wasserturms. Er ließ Schützenpanzer auf der Swinemünder Brücke in Stellung gehen und einen Maschinengewehrstand auf dem nahen Hertha-Sportplatz errichten. Nachdem die Ost-Berliner Behörden zunächst nur ein „D“ übertünchen ließen, brachen sie nach erneuter Protestnote der Franzosen den Wasserturm aus „technischen Gründen“ ab, um das Gesicht zu wahren.

Trotz der im Viermächteabkommen festgeschriebenen Betriebspflicht der Reichsbahn für die S-Bahn stellte diese den S-Bahn-Verkehr in West-Berlin im September 1980 nach einem Eisenbahnerstreik der West-Berliner Beschäftigten weitgehend ein. Nur auf wenigen Strecken wurde der Verkehr aufrecht erhalten. Dazu gehörten unter anderem auch die Nord-Süd-Strecken LichtenradeFrohnau und Lichterfelde SüdHeiligensee über Bahnhof Gesundbrunnen.

Am 9. Januar 1984 übernahmen dann die West-Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) nach einer Vereinbarung zwischen Reichsbahn und West-Berliner Senat den S-Bahn-Betrieb in West-Berlin. Die BVG stellte den Verkehr von Anhalter Bahnhof in Richtung Norden aus technischen Gründen sofort ein und schloss die Station Gesundbrunnen und alle Streckenbahnhöfe. Nach heftigen Bürgerprotesten war die BVG gezwungen, den S-Bahn-Verkehr durch den Nord-Süd-Tunnel ab dem 1. Mai 1984 wieder bis Gesundbrunnen durchzuführen und nahm ab Oktober gleichen Jahres den Verkehr nach Frohnau wieder auf.

Nach 1989/1990

Unmittelbar nach der Wende begann die Diskussion über die zukünftige Anbindung der ehemaligen Bahnstadt Berlin an das europäische Schienenverkehrsnetz. Ein Schwerpunkt dieser Diskussion lag dabei auf der Frage, wie die Nord-Süd-Trassen an die Stadt heran und durch sie hindurch geführt werden sollen.

In den 1990er-Jahren wurde der Bahnhof Gesundbrunnen infolge des von der Deutschen Bahn, dem Senat von Berlin und der Bundesrepublik Deutschland beschlossenen Pilzkonzepts nach Plänen des Berliner Architekturbüros Ingrid Hentschel und Axel Oesterreich umgestaltet und zum Fernbahnhof ausgebaut.

Als Voraussetzung für die dringend notwendige Sanierung mussten die gesamten Bahnanlagen konzeptionell umgeplant werden. Mit den Arbeiten wurde an den maroden S-Bahn-Anlagen auf der Nordseite des Bahnhofs begonnen. Die alten Betriebsanlagen wurden in mehreren Bauabschnitten nach und nach abgebrochen und durch neue Anlagen ersetzt. Sowohl die Gleistrassen als auch Bahnsteige und Zugänge wurden umgelegt bzw. neu errichtet. Eine wesentliche Verbesserung der Umsteigesituation zwischen Ringbahn und Nord-Süd-Bahn stellte dabei die Zusammenlegung der Trassen und der Bau von Richtungsbahnsteigen dar. Die S-Bahnsteige erhielten direkte U-Bahn-Zugänge. Zwischen allen Bahnsteigen wurde ein breiter unterirdischer Durchgang geschaffen. Auf der Ostseite wurde ein neuer Ausgang von allen Bahnsteigen zur Swinemünder Brücke errichtet. Die Westseite zur Badstraßenbrücke hin wurde nach dem Kasseler Vorbild gedeckelt, um das ursprünglich geplante Empfangsgebäude, Bushaltestellen, einen Taxistand, PKW- und Fahrradstellplätze, sowie Marktstände aufnehmen zu können. Die mit gelbem Backstein als Segmentbögen errichtete Badstraßenbrücke verschwand unter der Betonplatte. Die südlich anschließende Brunnenstraßenbrücke musste in einem aufwendigen Grundbauverfahren nach Süden durch einen Neubau ergänzt werden, um dem Gleisfächer für die drei Fernbahnsteige Platz zu geben.

Die von Axel Oesterreich geplanten Turmbauten und das Empfangsgebäude an der Badstraße wurden von der Bahn während des Umbaus aus Kostengründen erst auf zwei Stockwerke reduziert und kurz vor Fertigstellung der Bahnanlagen gänzlich gestrichen. Zu den Bahnsteigen wurden mehrere Aufzüge, Fahrtreppen und Leitsysteme eingerichtet. Auch hier nahm die Bahn aus Kostengründen starke Vereinfachungen der vom Architekten geplanten Zugangsbauten vor und musste die Treppenabgänge aufgrund des fehlenden Empfangsgebäudes mit Hilfsdächern versehen.

Die Deutsche Bahn sucht zur Errichtung eines Empfangsgebäudes einen Investor. Aufgrund des benachbarten Einkaufszentrums Gesundbrunnen-Center gilt die Entwicklung eines wirtschaftlich tragfähigen Konzeptes als schwierig. Deshalb wurde zunächst nur ein kioskartiger DB Servicestore errichtet, an dem Reisebedarf und Fahrkarten verkauft werden.

Die Zulaufstrecken der drei Hauptäste aus Norden wurden von der Bahn bisher nicht zeitgleich saniert bzw. aktiviert. Das Nadelöhr der teilweise eingleisigen Streckenführung zieht erhebliche Einschränkung im Betriebsablauf nach sich. Nach der ersten Sanierungsphase der Nordstrecke verkehren hier seit Juni 2007 wieder ICE-Züge nach Rostock.

Chronologie der Wiederinbetriebnahme am Bahnhof Gesundbrunnen

Blick auf den neuen Fern- und Regionalbahnsteig C
  • Am 17. September 2001 konnte die Verbindung zwischen Gesundbrunnen und dem ehemals Ost-Berliner Bahnhof Schönhauser Allee wiedereröffnet werden.
  • Der Ringbahnabschnitt zwischen Gesundbrunnen und Wedding wurde als letzter Streckenabschnitt am 15. Juni 2002 wieder in Betrieb genommen.
  • Am 13. Juni 2005 sagte der Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn zur Nachricht der Umbenennung des Bahnhofs Papestraße in Bahnhof Berlin Südkreuz noch: „Eine Umbenennung des Bahnhofs Gesundbrunnen, in «Nordkreuz» wird nicht erwogen“.
  • Am 13. Oktober 2005 ließ die Deutsche Bahn durch die Presse mitteilen, der Bahnhof Gesundbrunnen würde in Nordkreuz umbenannt, da dies die Verständlichkeit für fremde Fahrgäste wesentlich erhöhen würde.
  • In einem Brief vom 22. Dezember 2005 an das Berliner Abgeordnetenhaus verkündete Mehdorn, von der geplanten Namensänderung Abstand zu nehmen.
  • Seit dem 28. Mai 2006 halten am Bahnhof Gesundbrunnen wieder Regional- und Fernbahnzüge der Deutschen Bahn und seit Dezember 2007 auch der von Veolia betriebene Interconnex (Leipzig–Berlin–Rostock).
  • Im August 2006 wurde der Vorplatz des Bahnhofes nach Hanne Sobek – einem berühmten Spieler des Fußballvereins Hertha BSC – benannt.

Zwar gilt die milliardenteure Umbaumaßnahme mit kreuzungsfreien Übergängen als Bauprojekt „Nordkreuz“, aber die Kreuzungen finden nicht am Bahnhof Gesundbrunnen, sondern zwischen den Bahnhöfen Bornholmer Straße, Gesundbrunnen und Schönhauser Allee statt. Die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer hatte Hartmut Mehdorn vorgeschlagen, den Begriff „Nordkreuz“ nur als Untertitel für den Bahnhof zu verwenden. Rund 150.000 bis 200.000 Umsteigebeziehungen erwartet die Bahn in naher Zukunft am Bahnhof Gesundbrunnen.

Durch die Entscheidung der DB AG hat einer der größten Umsteigebahnhöfe Berlins kein Empfangsgebäude erhalten, sondern nur einen Pavillon für den Fahrtkartenverkauf. Hintergrund ist, dass die DB AG sich von Anfang an als Ziel gesetzt hatte, dass der Gesellschafter ECE des benachbarten Gesundbrunnen-Centers den Bahnhofsbau übernehmen würde, zumal die DB AG und die ECE ein gemeinsames Unternehmen besitzen, die zum Beispiel den Bahnhof in Leipzig mit seinem großen Einkaufszentrum betreibt. Wegen zahlreicher Ungeschicklichkeiten der DB AG gegenüber der ECE und auch der Zeitverzögerungen beim Bahnhofsbau, der keine hohe Priorität für die Bahn hatte, ist aber die ECE – eine Tochter des Otto-Konzerns − nicht bereit, für den Bau aufzukommen.

Geschichte des U-Bahnhofs

Planung, Bau und Eröffnung

Die „Tunneleule“ von 1924 für die Nord-Süd-Bahn AG
Der Bahnsteig des U-Bahnhofes Gesundbrunnen; im Hintergrund ein Zugang zur S-Bahn
Stationsschild
Der Berliner Zugtyp BII während einer Sonderfahrt am Bahnhof Gesundbrunnen

Die Planungen für eine neue Nord-Süd-U-Bahnlinie, die heutige U8, legte die AEG dem Berliner Magistrat bereits 1907 vor. Die Verhandlungen über die Trassenführung gestalteten sich schwierig. 1912 einigte man sich darauf, die neue Linie teilweise als Hochbahn zu errichten. Nach Protesten verständigten sich Stadt und AEG auf eine unterirdische Streckenführung im Südabschnitt zum Hermannplatz. Durch den Ersten Weltkrieg und die darauffolgende Inflation musste die AEG die 1912 begonnen Arbeiten einstellen. Nach einer Klage Berlins wurde die für den Bau und Betrieb gegründete Tochterfirma der AEG liquidiert und alle Anlagen fielen der Stadt Berlin zu. Daraufhin änderte Berlin teilweise die Streckenführung und entschied sich, auch den Nordast nach Gesundbrunnen unterirdisch auszuführen. Die Stadt baute die neue Strecke ab 1926 nun in Eigenregie.

Nachdem bereits 1927 der Betrieb auf der südlichen Strecke aufgenommen wurde, konnte der U-Bahnhof Gesundbrunnen am 18. April 1930 eröffnet werden. Der Bahnhof wurde von Alfred Grenander gestaltet und wie schon der Bahnhof Alexanderplatz mit türkisfarbenen, rechteckigen Kacheln gefliest. Der U-Bahnhof Gesundbrunnen liegt in spitzem Winkel unter den Bahnsteigen der Fern-, Ring- und Vorortbahn. Der 15 Meter breite Mittelbahnsteig hat Zugänge an beiden Enden und Übergänge zu S- und Fernbahnsteigen.

Aufgrund der Tieflage des U-Bahnhofs unter der Ringbahn − er liegt 14,75 m unterhalb der Straßenoberfläche − wurden die Zugänge zusätzlich zu den Treppen von Anfang an mit je zwei Fahrtreppen je Abgang ausgestattet, damals die längsten Fahrtreppen Deutschlands. Heute sind es die längsten Fahrtreppen bei der Berliner U-Bahn. Zwischen U-Bahn-Tunnel und Straße wurden Betriebsräume eingerichtet.

Der U-Bahnhof Gesundbrunnen erhielt an der Brunnen- Ecke Behmstraße ein freistehendes Empfangsgebäude auf quadratischem Grundriss in den Formen der Neuen Sachlichkeit nach einem Entwurf des schwedischen Architekten Alfred Grenander.

Zweiter Weltkrieg und seine Folgen

Nachdem am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg begonnen hatte, wurden 1940 auf Anordnung der Reichsregierung zahlreiche Zivil-Luftschutzbunker in Berlin eingerichtet. Man richtete in den Untergeschossen des Bahnhofs zwei unabhängige Bunker ein. Die Räume zwischen U-Bahn-Tunnel und Straße wurden zu Luftschutzräumen mit Gasschleusen ausgebaut. Ein weiterer Bunker wurde am Südende des U-Bahnhofs, ein dritter am Nordende über der Abstellanlage der U-Bahn eingerichtet. Bei Luftangriffen drängten sich die vielen Bewohner der Mietskasernenviertel rund um den Gesundbrunnen in den engen Bunkerräumen. Die beiden Bunkeranlagen werden heute vom Verein Berliner Unterwelten bewirtschaftet und können von Interessierten besichtigt werden.

Am 3. Februar 1940 traf eine Fliegerbombe den Bahnhof Gesundbrunnen. An diesem Tag hatte es mit die schwersten Treffer für die Berliner U-Bahn gegeben. Unter anderem wurden auch die Stationen Kaiserhof, heute Mohrenstraße, Hallesches Tor, Spittelmarkt und Stadtmitte schwer getroffen. Dennoch konnte die U-Bahn-Linie D, als eine der letzten, noch bis zum 23. April 1945 ihren Betrieb aufrechterhalten.

Nach dem Krieg

Kurz nach Kriegsende wurde bereits am 22. Mai 1945 wieder der Betrieb mit einem Pendelverkehr zwischen Gesundbrunnen und U-Bahnhof Rosenthaler Platz aufgenommen. Ab Juni war die Linie D (heute U8) wieder in ganzer Länge befahrbar.

Nach Einstellung des Fernverkehrs am 18. Mai 1952 schloss die BVG den unterirdischen Bahnsteigzugang zu den Fernbahnsteigen des Bahnhofs Gesundbrunnen. Durch den Mauerbau war der nördliche Teil der Linie D vom Netz abgeschnitten worden. Die Züge fuhren zwischen Voltastraße und Moritzplatz ohne Halt durch und hielten nicht mehr auf den dazwischenliegenden sogenannten „Geisterbahnhöfen“.

Am 1. März 1966 fand die Umbezeichnung der West-Berliner U-Bahn-Linien von Buchstaben auf Zahlen statt. Aus der Linie D wurde die U8. Um den Nordteil der U8 aufzuwerten, wurde die U8 von Gesundbrunnen über die Pankstraße zum Endbahnhof Osloer Straße verlängert. Dort konnte man nach deren Fertigstellung am 7. Oktober 1977 in die Linie U9 umsteigen.

Nach der Wiedervereinigung

Der Verbindungsgang zur Fernbahn wurde am 25. Mai 1991 wiedereröffnet – allerdings nur für kurze Zeit: Da der Tunnel fehlerhaft saniert wurde und eine Entwässerung nicht gebaut wurde, musste er nach dem ersten größeren Regenfall wieder geschlossen werden. Der Gang wurde erst im Zuge der Umbauarbeiten des S-Bahnhofes endgültig wiederhergestellt.

Der nördliche Ausgang sollte in das Einkaufszentrum Gesundbrunnen-Center integriert werden. Dazu hätte das Zugangsbauwerk abgerissen werden müssen, das unter Denkmalschutz steht. Durch eine Zusammenarbeit des Investors mit der beteiligten Senatsverwaltung konnte eine Lösung gefunden werden, die den Erhalt des Gebäudes ermöglichte. Lediglich der direkte Ausgang zur Behmstraße ist vermauert. An dieser Stelle befindet sich heute ein Blumengeschäft.

Im Umfeld

Auf der Fläche über dem Bahnhof befindet sich der Hanne-Sobek-Platz. Entstanden ist dieser nach dem Umbau des U- und S-Bahnhofs in einen Fernbahnhof. Mit Eröffnung des Bahnhofes erhielt der Platz im Mai 2006 seinen Namen. Ursprünglich hatte die Deutsche Bahn ein Empfangsgebäude am Platz geplant, das aber aus finanziellen Gründen verworfen wurde. Dadurch ist der Bahnhof derzeit der einzige ICE-Bahnhof im gesamten DB-Netz, der kein Empfangsgebäude hat. Benannt ist dieser Platz nach dem ehemaligen Fußballspieler von Hertha BSC, Hanne Sobek, der 1930 und 1931 mit Hertha Deutscher Fußballmeister wurde. Das damalige Stadion von Hertha BSC lag direkt hinter dem heutigen Bahnhof Gesundbrunnen. Heute stehen dort Wohnhäuser. In unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Gesundbrunnen, in der Bellermannstraße in der Gartenstadt Atlantic wohnte damals Hanne Sobek.

Neben dem Bahnhof Gesundbrunnen wurde mit dem Gesundbrunnen-Center 1997 ein großes Einkaufszentrum eröffnet. Im Jahre 2008 eröffnete auf der südlichen Seite des Hanne-Sobek-Platzes ein weiteres Einkaufszentrum: das Fachmarktzentrum Brunnenstraße.

Siehe auch

Literatur

  • Peter Bley: Berliner Nordbahn: 125 Jahre Eisenbahn Berlin-Neustrelitz-Stralsund. Verlag Bernd Neddermeyer, Berlin 2002, ISBN 3-933254-33-7
  • Peter Bley: Berliner S-Bahn. alba Verlag, Düsseldorf September 2003, ISBN 3870943637
  • Ulrich Lemke und Uwe Poppel: Berliner U-Bahn. alba Verlag, Düsseldorf 1992, ISBN 3-87094-346-7
  • Ausstellungskatalog: Weddinger Heimatverein, Ausstellungskatalog Hertha BSC, Berlin 1997 – Neuauflage erscheint 2006)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Schimmler: Der Wedding, Ein Bezirk zwischen Tradition und Fortschritt, Berlin 1985)


Vorherige Station U-Bahn Berlin Nächste Station
Pankstraße
← Wittenau
  U8   Voltastraße
Hermannstraße →

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