Sommerhimmel

Sommerhimmel
Sommerlicher Sternhimmel für Deutschland: Ende Juni 23h MESZ, bzw. Ende Juli 21h MESZ

Als Sommerhimmel wird jener Teil des Sternhimmels bezeichnet, der an klaren Sommer-Abenden zu sehen ist. Der sichtbare Ausschnitt des Himmels hängt ab

  1. von der geografischen Breite des Standorts,
  2. ferner vom Datum
  3. und von der Ortszeit.

Der 2. und 3. Einfluss wirken gegeneinander, das heißt einen Monat später sieht man denselben Himmelsausschnitt um 2 Stunden früher, oder jeden Tag um knapp 4 Minuten früher. Denn die Erde rotiert in 23h 56m (Sterntag), während sich unser 24-Stunden-Tag auf die Stellung zur Sonne bezieht.

Für Deutschland wird meist eine mittlere Breite von 50° angenommen und eine geografische Länge von 10° (östlich von Frankfurt). Für Österreich wäre im Mittel 47,5° / 14° anzusetzen, für die Schweiz 47° / 8°.

Das Bild zeigt den Sternhimmel, wie er Mitte Juli um 21 Uhr MEZ (22h Sommerzeit) zu sehen ist. Er überschneidet sich mit dem Winterhimmel nur im Umkreis des Himmelspols („zirkumpolare Sternbilder“), unterscheidet sich aber völlig in den Himmelsrichtungen Osten, Süden und Westen.

Inhaltsverzeichnis

Konstellationen und Sternbilder

Die auffälligste Konstellation ist das im Osten emporsteigende große Sommerdreieck, das aus 3 Sternen 1.Größe besteht und rings um das Sternbild des Schwan (nördliches Kreuz) verläuft. Seine Eckpunkte sind Wega in der Leier (hellster Stern des Nordhimmels), Deneb im Schwan und Altair im Adler.

Tief im Süden und Südosten stehen Schütze und Skorpion, wo in über 25.000 Lichtjahren Entfernung das Zentrum unserer Milchstraße liegt. Diese zieht sich als zart leuchtendes Band mit vielen Sternhaufen und Nebeln über Leier und Schwan nach Norden zur Kassiopeia. In Skorpion und Schütze steht die Sonne zu Winterbeginn, sodass diese Sternbilder nun im Sommer einige Stunden lang am Himmel der 1.Nachthälfte zu sehen sind. Die Scheren des Skorpions laufen im roten Stern Antares (griech. „Gegenmars“) zusammen - ein Roter Riese mit 700-fachem Sonnenradius, der allerdings wegen seiner Entfernung von 520 Lichtjahren erst an 18.Stelle der hellen Sterne steht. Im Sommer 2007 bildete er mit dem goldgelben „Königsstern“ Jupiter ein auffälliges Sternpaar. Antares steht nur 4° südlich der Ekliptik und wird daher mehrmals im Jahrzehnt vom Mond bedeckt.

Rechts davon die Waage, durch die der Jupiter im Jahr 2006 zog. 2008 steht er bereits im Schützen, am 9.Juli genau gegenüber der Sonne und geht auf, wenn sie untergeht. Weiter im Westen sind noch die Jungfrau und der Löwe zu sehen, die in den vergangenen Monaten den Frühlingshimmel geprägt haben. Das helle Sternbild Löwe wird heuer noch durch den roten Planeten Mars und den Ringplaneten Saturn bereichert. Steil darüber der Große Wagen - doch anders als im Winter nun mit der Deichsel nach oben. Im Westen ist das Sternbild Krebs bereits untergegangen, doch bei flachem Horizont kann man tief im NNW noch die Capella (Fuhrmann) funkeln sehen.

Als Gegenstück zum Großen Wagen (Großer Bär) fällt rechts vom Polarstern (etwas tiefer) das helle W der Cassiopeia auf, und ein Teil der Fünfsternreihe mit dem Pegasus-Herbstviereck hebt sich bereits über den Nordost-Horizont. Hoch über unseren Köpfen steht der lang geschweifte Himmelsdrache und gegenüber Herkules, der in der griechischen Mythologie sein Bezwinger ist.

Wer mit einem guten Feldstecher auf „Nebel-Jagd“ gehen will, dem empfehlen sich die Sternbilder Schlangenträger und Schütze. Wo sich die Schlange vor ihrem „Träger“ (dem mythischen Arzt Asklepios) windet, finden sich einige helle Kugelsternhaufen. Der Schütze steht zwar noch niedrig, bietet aber (rechts oben) eine reiche Palette an Nebeln: Kugel- und Offene Sternhaufen, dunkle sowie strahlende Gasnebel. Im Herkules (rechte Quadratseite) erkennt man unschwer den sehr hellen Kugelhaufen M13, und oberhalb der Andromeda den gleichnamigen Spiralnebel M31. In einigen Wochen wird er schon hoch genug stehen, um ihn freiäugig als kleines Wölkchen sehen zu können.

Planeten am Sommerhimmel 2009

Von den 5 hellen Planeten war der hellgelbe Jupiter fast die ganze Nacht zwischen Südost und Südwest zu sehen. Seine Opposition zur Sonne war am 14.August 2009; Saturn verschwand um diese Zeit in den Abendstrahlen der Sonne. Venus strahlte bis Jahresende als Morgenstern (Aufgänge ca. 3 bis 4h MESZ), Merkur aber nur für kurze Zeit Ende September bis Mitte Oktober.
Der "rote Planet" Mars ging im Juli 2009 um 1h auf, im September schon um 23h. Die nur im Fernrohr sichtbaren Planeten Uranus und Neptun standen etwas östlich Jupiters bzw. in dessen unmittelbarer Nähe.

Der Meteorschwauer der Perseiden war diesmal bei seinem Maximum (um den 12.August) stark von Mondlicht gestört. Statt der oft kolportierten 60-100 Sternschnuppen pro Stunde konnten daher nur etwa 15-20 gesichtet werden, 1 Woche vor/nach dem Maximum rund halb so viele.

Planeten am Sommerhimmel 2010

Den Abendhimmel dominiert die strahlend helle Venus, die bis Anfang Oktober zwischen Südwest und West als Abendstern steht. Merkur ist diesen Sommer freiäugig unsichtbar, im Fernrohr aber für Tagbeobachtungen ein interessantes Ziel, wenn man wegen seiner Sonnennähe Vorsicht walten lässt.

Die längste Sichtbarkeit der 5 hellen Planeten hat Jupiter. Im Juni steht er noch am Morgenhimmel, geht aber Mitte August schon um 20h MEZ auf. Am 20. September hat er seine Opposition zur Sonne und ist dann die ganze Nacht als hellgelber Stern zwischen Südost und Südwest zu sehen.

Saturn steht abends tief im Westen und verschwindet Mitte August im Dämmerungshimmel, ähnlich wie der "rote Planet" Mars, der ihm am 1.August nahe begegnet. Mars geht Mitte Juli um 22h unter, Anfang September schon um 20h MEZ. Die nur im Fernrohr sichtbaren Planeten Uranus und Neptun stehen etwas östlich Jupiters bzw. in dessen unmittelbarer Nähe.

Ab Mitte Juli kündigt sich in den Morgenstunden der Meteorschwarm der Perseiden an und erreicht am 11./12. August sein Maximum. Die oft kolportierten 60-100 Sternschnuppen pro Stunde gelten aber nur für ideale Bedingungen in den Tropen; bei uns sind es in der 2.Nachthälfte etwa 15-30 pro Stunde, 1 Woche vor/nach dem Maximum etwa halb so viele. Im Gegensatz zum Vorjahr stört der Mond diesmal nicht: die schmale Mondsichel wird erst am 16.August zum Halbmond.

Planeten am Sommerhimmel 2011

  • Merkur ist freiäugig nur vom 18. August bis zum 8. September 2011 am Morgenhimmel sichtbar
  • Venus ist (jenseits der Sonne) unsichtbar, nur mit Feldstecher ab Septemberabenden zu finden
  • Mars in der zweiten Nachthälfte
  • Jupiter (strahlend gelb) geht am 1. Juli um 1:30 MESZ in Ostnordost auf, am 1.September schon um 21:40 Uhr
  • Saturn geht bald nach der Sonne unter: Mitte Juli genau im Westen gegen 23:50 MESZ, Mitte September um 20:10 Uhr.
  • Uranus im Fernrohr in 2. Nachthälfte sichtbar, Neptun die ganze Nacht.

Jahreszeiten

Frühlingshimmel, Sommerhimmel, Herbsthimmel, Winterhimmel

Literatur

  • Das Himmelsjahr (Kosmos-Verlag) 2008 und 2009
  • Rudolf Brandt et al., Himmelsbeobachtungen mit dem Fernglas - eine Einführung für Sternfreunde. Verlag Deutsch, 2006

Weblinks


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