Bahnhof Haidhausen
Der Bahnhof von oben (aus Richtung Nordosten gesehen)
Ostbahnhof München (Haupteingang)

Der Bahnhof München Ost (Ostbahnhof) wurde 1871 als Bahnhof Haidhausen an den damals gleichzeitig neu errichteten Bahnstrecken von München nach Mühldorf und Rosenheim nach Plänen Friedrich Bürklein erbaut. Der Bahnhof ist neben dem Hauptbahnhof und München-Pasing der dritte Münchner Fernbahnhof und ein bedeutender Umsteigepunkt zwischen Regionalzügen und S- bzw. U-Bahn. Durch die nahegelegene Ausgehmeile um Kultfabrik und Optimolwerke, die direkt am Ausgang Friedenstraße beginnen, hat der Bahnhof auch für Nachtschwärmer eine große Bedeutung.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Am 1. Mai 1871 erfolgte die Eröffnung der Strecke nach Neuötting über Mühldorf am Inn. Am 15. Oktober 1871 folgte die Strecke nach Rosenheim. Zum 15. Oktober 1876 wurde die Umbenennung in Bahnhof München-Ost vorgenommen. 1880 begann der Bau eines Zentralstellwerkes. 1898 entstand eine Zweigstrecke von München-Ost über München-Giesing nach Deisenhofen, 1909 eine Verbindung nach Ismaning. Letztere wurde 1927 zusammen mit der Verbindung München – Rosenheim als erste den Ostbahnhof berührende Strecke elektrifiziert.

Im April 1944 kam es zur Zerstörung des Bahnhofs durch einen Bombenangriff. 1952 begann die Errichtung einer neuen provisorischen Schalterhalle. Am 22. Juni 1959 war die Eröffnung der Autoreisezug-Verladeanlage.

Im Mai 1972 erfolgte der Beginn des S-Bahn-Verkehrs. 1985 war die Eröffnung des heutigen Empfangsgebäudes. 1999 kam es zu einer Neugestaltung des Reisezentrums.

Im Sommer und Herbst 2008 wurden die Fassaden des Hauptgebäudes sowie des angrenzenden Postgebäudes saniert.

Gleisanlagen

Insgesamt liegen im Personenbahnhof 17 Gleise. Die Gleise 1 bis 5 sind dem S-Bahn-Verkehr vorbehalten, die Gleise 6 bis 8 und 11 bis 14 sind für den Nah- und Fernverkehr. Die Gleise 9, 10 und 15 sind für durchfahrende Züge reserviert und haben keinen Bahnsteig. An den Gleisen 16 und 17 befindet sich die Verladestation zur Autoverladung der Autoreisezüge, die hier auch gereinigt werden, also den ganzen Tag über zwischen Ankunft und Abfahrt im Bahnhof zu sehen sind. Von München Ost aus starten die modernen TALGO-Nachtreisezüge in Richtung Berlin und Hamburg.

Zusätzlich zum Personenbahnhof besteht seit 1921 ein heute teilweise stillgelegter Rangierbahnhof, der nur mehr zum Richtungs- und/oder Lokwechsel der Richtung Österreich/Italien oder Richtung Mühldorf fahrenden Güterzüge benutzt wird. Bis zur Inbetriebnahme des Rangierbahnhofs München Nord 1991 wurde hier und im Rangierbahnhof Laim der Münchner Rangierbetrieb durchgeführt. Große Teile des Geländes liegen heute brach, neben einer seit 2004 bestehenden Neubaustrecke ("Umfahrung Berg am Laim" für Züge aus Richtung Mühldorf/Obb) soll auf dem Gelände das Betriebswerk Steinhausen der Münchner S-Bahn erweitert werden.

Fernverkehr

Es verkehren hauptsächlich EC/IC-Züge aus und in Richtung Salzburg bzw. Innsbruck sowie Italien, in der Regel zur Weiterfahrt über München Hbf nach Frankfurt (Main). Außerdem verkehren einzelne ICE-Züge in Richtung Innsbruck bzw. Wien. Darüber hinaus verkehrt täglich jeweils ein Nachtzug der Bauart Talgo nach Berlin und Hamburg sowie mehrmals in der Woche ein Autozug nach Hamburg.

Nahverkehr

Es verkehren jeweils im Stundentakt Regionalzüge über Rosenheim nach Salzburg sowie nach Mühldorf am Inn. Im Berufsverkehr werden auf den beiden Relationen zusätzliche Züge angeboten, so dass hier teilweise alle 20 Minuten gefahren wird. Zu den Hauptverkehrszeiten bestehen zusätzlich einzelne direkte Verbindungen nach Wasserburg am Inn sowie Kufstein.

S-Bahn

Blick auf die S-Bahnsteige

Der Ostbahnhof (so der Name des S-Bahnhofsteils) wurde im Rahmen des Takt-10-Projektes der S-Bahn München umgestaltet. Als Endpunkt des Stammstreckentunnels verkehren alle S-Bahnlinien mit Ausnahme der Linien S 20, S 27 und der Linie A durch ihn. Die Linien S 2, S 4 und S 8 fahren über Gleis 5 weiter Richtung Osten, S 5 und S 6 machen auf Gleis 4 Kopf und fahren dann oberirdisch Richtung Süden im Linksverkehr nach Giesing und weiter Holzkirchen und eingleisig nach Kreuzstraße. S 1 und S 7 enden auf den Gleisen 4 und 5 am Ostbahnhof. In Richtung Innenstadt (Stammstreckentunnel) verkehren die S-Bahnen über die Gleise 1 bis 3.

U-Bahn, Bus und Tram

Busbahnhof

Im Jahre 1988 wurde der U-Bahnhof Ostbahnhof der aus der Innenstadt nach Neuperlach verlängerten U-Bahn-Linie U5 unter dem Orleansplatz, direkt nördlich an den Ostbahnhof anschließend, eröffnet. Gleichzeitig wurde der gesamte Orleansplatz bzw. Bahnhofsvorplatz umgestaltet, so wurde u.a. ein neuer Busbahnhof errichtet, ein Brunnen installiert und die alte Straßenbahn-Wendeanlage abgebaut. Heute ist der Ostbahnhof Knotenpunkt für die U5, die Trambahnlinie 19, sowie die städtischen Buslinien 54, 55, 100, 145, 152, 155 und 187. Außerdem verkehren vom Busbahnhof die Regionalbuslinien 213 und 9410.

Nach der Einrichtung des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes im Jahre 1972 war der Ostbahnhof Umsteigeknoten zwischen der neu eingerichteten S-Bahn sowie den Straßenbahnlinien 14 (von Osten aus Berg am Laim kommend), 24 (von Südosten aus Neuperlach und Ramersdorf kommend) sowie 21 (ab Ostbahnhof in die Innenstadt einsetzend). Im Jahre 1980 entfiel die Linie 24 nach Eröffnung der U-Bahn-Linie U8 nach Neuperlach, eine direkte Fahrmöglichkeit vom Ostbahnhof nach Neuperlach war nunmehr bis zur Verlängerung der U5 im Jahre 1988 nicht mehr gegeben. 1980 wurde ebenfalls die Straßenbahnlinie 14 anstelle der Linie 21 in die Innenstadt verlängert, so dass nurmehr eine statt bisher drei Straßenbahnlinien den Ostbahnhof bediente. Die Linie 14 wurde 1984 durch die Linie 19 ersetzt, die bis heute unverändert hier verkehrt. Die ab 1980 nicht mehr benötigte, umfangreiche Wendeanlage der Straßenbahn wurde 1988 im Zuge des Platzumbaus für die neue U-Bahn abgebaut.

Einrichtungen

Dienstleistungen

Im ersten Untergeschoss befindet sich das S-Bahn-Kunden-Center Ostbahnhof sowie ein Reisezentrum der Deutschen Bahn.

Rechts neben dem Rischart-Ladengeschäft befindet sich der Aufgang zur Bundespolizeiinspektion im Erdgeschoss (deren Räumlichkeiten befinden sich im Erdgeschoss). Fast die gesamte Gebäudefront, die zum Orleansplatz hin ausgerichtet ist, ist als Arkadengang ausgestaltet. Hier führt auch die einzige (Einbahn-)Straße für den regulären Straßenverkehr hindurch.

Geschäfte

Es gibt etwa 20 kleine Geschäfte im und am Ostbahnhof, wobei sich der Großteil im ersten Untergeschoss (Einkaufspassage) befindet. Des Weiteren befinden sich einige Geschäfte im Erdgeschoss an der Seite zum Orleansplatz und zur Friedenstraße. Die Geschäfte im Bahnhof sind zumeist auch sonn- und feiertags geöffnet. Neben dem Einzelhandel sind vor allem gastronomische Einrichtungen vorhanden. Es gibt daneben zahlreiche Verkaufsautomaten, z.B. für Fahrkarten, Süßigkeiten, Getränke und Passfotos.

Vorplatz

Am Vorplatz befindet sich ca. 20 m links vom Haupteingang eine Postfiliale. Ein großer Teil des Hauptgebäudes wird von der Landeshauptstadt München - Sozialreferat (Sozialbürgerhaus) genutzt - Eingänge im EG und I. UG. Des Weiteren befindet sich rechts vom Haupteingang gesehen eine Außenstelle des Bürgerbüros der Stadtverwaltung (Orleansplatz 13), ehemals "Meldestelle" genannt.

Der Busbahnhof und der Vorplatz (Orleansplatz) galten lange Zeit als Münchens größter Treffpunkt für soziale Randgruppen und Konsumenten illegaler Drogen. Nach heftigen Diskussionen - so stellte sich selbst der lokale Bezirksausschuss gegen die Installierung - wurden im April 2007 am Orleansplatz flächendeckend Überwachungskameras angebracht und zugleich mit einer massiven Präsenz von Polizeistreifen gegen die sich dort aufhaltenden Personen vorgegangen. Nachdem auch der Kontaktladen off aus dem Ostbahnhof verschwunden ist, sind die als solche empfundenen Problemgruppen größtenteils aus dem Straßenbild rund um den Ostbahnhof verschwunden. Unweit von ihm hat die S-Bahn München ihren Hauptsitz, welche im nahe gelegenen Stadtteil Steinhausen auch ihr Betriebswerk unterhält.

Literatur

  • Peter Lisson (Herausgeber): Drehscheibe des Südens. Eisenbahnknoten München. Darmstadt: Hestra-Verlag 1991, ISBN 3-7771-0236-9

Weblinks

48.12694444444411.6047222222227Koordinaten: 48° 7′ 37″ N, 11° 36′ 17″ O


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