Sowjetkommunismus
Hammer und Sichel, meistverwendete Symbolik für Kommunismus

Kommunismus (vom lateinischen communis = „gemeinsam“) bezeichnet das politische Ziel einer klassenlosen Gesellschaft, in der das Privateigentum an Produktionsmitteln aufgehoben ist und das erwirtschaftete Sozialprodukt gesellschaftlich angeeignet wird, das heißt, allen Menschen gleichermaßen zugänglich ist.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Der Begriff Kommunismus für eine dauerhaft sozial gerechte und freie Zukunftsgesellschaft wurde im 19. Jahrhundert geprägt. Er erhielt in den Konflikten antikapitalistischer Richtungen von Beginn an verschiedene Bedeutungen. Daher bezeichnet er heute mehrere Gesellschaftsentwürfe und deren Umsetzungsversuche.

  • Urkommunismus: eine vermutete, in manchen Überlieferungen belegte Gütergemeinschaft früher Gesellschaften. Sie wurde im Judentum Bestandteil der Heilserwartung und dort wie später auch im Urchristentum als „Liebeskommunismus“ ansatzweise praktiziert.
  • Frühsozialismus oder Frühkommunismus: Anläufe zur sozialen, nicht nur politisch-rechtlichen Gleichstellung aller Menschen in Bezug auf den Besitz (Gemeineigentum, Kollektiv). Diese begrenzten Versuche und Utopien wurden seit der Französischen Revolution von 1789 zum allgemeinpolitischen Ziel, abgeleitet aus der Gleichheitsidee.
  • Marxismus: die weltweite Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln und dessen Überführung in Gemeinbesitz (Vergesellschaftung) durch die politische Herrschaft der Arbeiterklasse (Diktatur des Proletariats) als notwendige Bedingung für die klassenlose Gesellschaft. Diese revolutionäre Veränderung wird als vorhersehbares Ergebnis der sich zuspitzenden Klassengegensätze im Kapitalismus aufgefasst und vom „frühen“ oder „utopischen“ Sozialismus und Kommunismus abgegrenzt.
  • Rätekommunismus: durch Selbstorganisation der Arbeiter in rätedemokratischen Organisationen angestrebte Umwälzung der kapitalistischen Gesellschaft. Rätekommunisten lehnten einen Führungs- und Avantgardeanspruch kommunistischer Parteien ab.
  • Leninismus: die Durchsetzung einer erst sozialistischen, dann kommunistischen Produktionsweise über die „Diktatur des Proletariats“, verstanden als Alleinherrschaft einer revolutionären Kaderpartei, die die Staatsmacht erobert. Sie soll dann die klassenlose Gesellschaftsordnung schrittweise administrativ durchsetzen und die Rückkehr neuer kapitalistischer Klassenherrschaft („Konterrevolution“) verhindern.
  • Stalinismus: die Verstetigung der zentralistischen Einparteiendiktatur und staatliche Zwangsindustrialisierung nach innen, internationaler Führungsanspruch der sowjetischen KPdSU nach außen, abgeleitet vom Marxismus-Leninismus als staatlicher Herrschaftsideologie.
  • Trotzkismus: die Theorie der permanenten Revolution, nach der der Kommunismus im Gegensatz zu dem im Stalinismus propagierten Aufbau des Sozialismus in einem Land nur weltweit, also durch eine Weltrevolution durchgesetzt werden könne.
  • Maoismus: der den Marxismus-Leninismus mit der traditionellen chinesischen Philosophie des Konfuzianismus verbindet.
  • Titoismus: der den Kommunismus in Jugoslawien mit der Arbeiterselbstverwaltung und dem Nationalitätenausgleich, sowie der Blockfreiheit realisieren wollte.
  • Realsozialismus: das Selbstverständnis von Staaten unter Führung einer Kommunistischen Partei, die sich im Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus sehen: so die frühere Sowjetunion, Volksrepublik China, Nordkorea, Kuba sowie die früheren Ostblockstaaten.
  • Eurokommunismus und Reformkommunismus: die Programmatik europäischer Parteien und Gruppen, die sich von sowjetischer Führung absetzten, einen eigenständigen Kommunismus auf parlamentarischem Weg und Mischformen zwischen Privat- und Staatseigentum an Produktionsmitteln anstreben.
  • Kritische Theorie der Frankfurter Schule: die Herausbildung eines neuen revolutionären Subjekts aus der „formierten Gesellschaft“ des Spätkapitalismus, die den „autoritären Charakter“ (Erich Fromm) und „eindimensionalen Menschen“ (Herbert Marcuse) sowohl des Faschismus wie auch des orthodoxen Staatskommunismus überwindet. In ihrem Gefolge steht die Wertkritik von Autoren wie Michael Heinrich, Robert Kurz und Moishe Postone.

Ur- und Frühkommunismus

Die Vorstellung des Gemeineigentums, das das Privateigentum ablösen soll, setzt die prinzipielle Gleichstellung aller Menschen in Bezug auf den Erwerb ihrer Lebensmittel voraus. Diese Idee ist uralt und wird in manchen Naturreligionen und monotheistischen Religionen vertreten.

Friedrich Engels nahm in seiner marxistischen Epochengliederung der Menschheitsgeschichte an, dass ein Urkommunismus die generelle Lebensform protofamiliärer Stammesgemeinschaften gewesen sei, bevor mit der Gattenfamilie das eigene Haus und Territorium in Abgrenzung von anderen üblich geworden sei (Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats, 1884, MEW, Bd. 21). Damit postulierte er den Kommunismus als Erneuerung des „Urzustands“ auf höherer Ebene, die erst von der hochindustrialisierten, arbeitsteiligen kapitalistischen Produktionsweise ermöglicht werde und die einen uralten Menschheitstraum realisiere.

Die beherrschende Produktionsweise der europäisch-vorderasiatischen Antike war die Sklavenhaltergesellschaft, die meist religiös begründet wurde. Ausnahme war im Vorderen Orient nur das frühe, als lose Amphiktyonie organisierte Israel. Dessen Tora verlangt die regelmäßige Umverteilung des Bodenbesitzes zugunsten der Besitzlosen als Konsequenz des Glaubens an JHWH, den Sklavenbefreier (Lev 25). An dieses Recht erinnerten sozialkritische Propheten Israels bis hin zu Jesus von Nazaret (Lk 4,16 ff.), so dass die Jerusalemer Urgemeinde in Anknüpfung an jüdische Armenfürsorge eine Urchristliche Gütergemeinschaft für ihre Mitglieder praktizierte.

Diese Lebensweise wurde bereits in der zweiten Christengeneration, der durch die Mission auch sozial besser gestellte Bevölkerungsschichten angehörten, zu einem vergangenen Ideal stilisiert und seit der Konstantinischen Wende von den Großkirchen verdrängt. Während sich deren Vertreter eng an politische Herrschaftssysteme anlehnten und durch Amtsprivilegien mit diesen verflochten waren, knüpften verschiedene Minderheiten im Lauf der Christentumsgeschichte Europas an biblische Traditionen an, die soziale Gerechtigkeit fordern. Reformanläufe von Kirche und Gesellschaft scheiterten jedoch regelmäßig an den Machtverhältnissen. Gesellschaftsveränderung zugunsten unterprivilegierter Schichten war im von der römisch-katholischen Kirche dominierten Mittelalter nur möglich, wenn ökonomische und politische Bedingungen jene, die sich gegen die Kirche auf die Bibel beriefen, schützen konnten.

Dieses war frühestens seit der Reformation der Fall. Luthers Haltung zu den Bauernaufständen ermutigte jedoch die Fürsten aller Konfessionen, diese blutig niederzuschlagen. Damit waren Feudalismus und Monarchie die nächsten 300 Jahre lang gesichert.

(ausführlich siehe Religiöser Sozialismus)

Konsumtions-Kommunismus

Der von Marx geprägte (in der Sache aber abgelehnte) Begriff des Kommunismus der Konsumtion bezeichnet eine Gesellschaftsordnung oder Wirtschaftsweise, in der alle Beteiligten den gleichen Anteil an den erzeugten Gütern bekommen. Dabei geht es nicht darum, wer die Waren produziert hat oder wem die Produktionsmittel gehören, sondern nur um ihre gerechte Verteilung. Ein Beispiel dafür war die Verteilungspraxis der Beute im Heer des römischen Sklavenführers Spartacus.

Utopischer Sozialismus

Hauptartikel: Frühsozialismus

Der Humanismus des 16. Jahrhunderts hatte – parallel zu den durch wirtschaftliches Elend hervorgerufenen Bauernaufständen – Ideen einer gerechten, von allen Bürgern gleichermaßen getragenen Gesellschaftsordnung entwickelt, die ihrerseits auf die antike Polis und ihre Demokratie- Vorstellungen zurückgriffen. Folgenreich war besonders der lateinische Bildungsroman „Utopia“ des englischen Staatsrechtlers Thomas Morus von 1516. Ohne den Begriff zu kennen, stellte Morus hier eine Art Kommunismus als Gegenbild zur europäischen Feudalherrschaft dar: Alle arbeiten und besitzen alles gemeinsam, auch und gerade Grund und Boden (die damaligen Produktionsmittel); zugleich darf jeder dem Glauben anhängen, der ihm gemäß ist.

Im 17. und 18. Jahrhundert machten Naturwissenschaften und Fertigungstechniken rasante Fortschritte. Sie erlaubten im Manufaktur- und Verlagswesen bereits eine Massenherstellung von Produkten, noch ohne maschinelle Produktionsmittel. Dies veränderte die Lebensbedingungen und Interessenlagen für große Bevölkerungsteile enorm.

Im Zuge der Aufklärung entstanden mit der Idee der Menschenrechte Vorstellungen eines gleichberechtigten und herrschaftsfreien Zusammenlebens. In zahlreichen – stets von der Obrigkeit bedrohten – Geheimbünden und Vereinen suchten mittellose Handwerker, Bauern und Intellektuelle ein Forum und Anhänger für ihre Ideen. Sie waren kaum an der wissenschaftlichen Erhebung empirischer Daten interessiert, entwickelten ihre Vorstellungen aber aus der widersprüchlichen Erfahrung enttäuschter Demokratiehoffnungen und relativer Rechtsfortschritte. Doch erst mit der Emanzipation des Bürgertums bekamen diese Ideen eine politische Stoßkraft.

Seit Karl Marx werden diese frühsozialistischen Gleichheits- und Demokratisierungsbestrebungen, die sich auch auf die Ökonomie erstreckten, als Utopischer Sozialismus zusammengefasst. In ihrer Zielvorstellung sind sie mit dem Kommunismus weitgehend einig, auch wenn der Klassenantagonismus und die Frage nach den Bedingungen einer erfolgreichen Revolution noch keine Rolle spielt.

Bürgerliche Revolutionen

Durch die Aufklärung, die bürgerliche Französische Revolution zum Ende des 18. Jahrhunderts und schließlich die zuerst in England beginnende Industrialisierung Zentraleuropas (vgl. Industrielle Revolution), wurde das 19. Jahrhundert zu einem Jahrhundert bedeutender ökonomischer und sozialer Umwälzungen. Nach Überwindung des Ancien Régime, das heißt der absolutistischen Adelsherrschaft in Frankreich entwickelte auch das aufgeklärte Bürgertum in den benachbarten Staaten revolutionäre Ambitionen – vor allem in den deutschen und den italienischen Fürstentümern. Einige ihrer Ziele waren die Befreiung von Ausbeutung, Unterdrückung, Leibeigenschaft. Für das vormalig politisch eher einflusslose Bürgertum selbst, den damaligen dritten Stand der Gesellschaft nach Aristokratie und Klerus, war dies verbunden mit der Forderung nach wirtschaftlicher und politischer Emanzipation gegenüber den herrschenden Fürstenhäusern.

Der Aufstieg Napoléon Bonapartes und dessen Eroberungsfeldzüge verbreiteten beispielsweise durch sein Gesetzeswerk, den Code Civil mit neuen bürgerlichen Rechten, europaweit auch Ideen der französischen Revolution. Von vielen Intellektuellen wurden Napoléons Reformen zunächst begrüßt, allerdings trug er auch dazu bei, die Idee des (unabhängigen) Nationalstaats zu verbreiten, und schaffte so bei breiten bürgerlichen Schichten in den eroberten Gebieten auch eine Grundlage für die Opposition gegen sich und seine Herrschaft, die in den Befreiungskriegen letztlich zu seiner Niederlage und seinem Sturz führten. Nach dem Wiener Kongress begann ab 1815 mit der Phase der wesentlich vom österreichischen Staatskanzler Fürst von Metternich geprägten Restauration der Versuch der europäischen Fürsten, die Machtverhältnisse wieder herzustellen, wie sie vor der französischen Revolution geherrscht hatten. Aber die Ideen und Ideale von bürgerlichen Freiheiten und nationaler Einheit hatten sich im Bürgertum festgesetzt. Über Jahrzehnte hinweg kam es in fast ganz Europa immer wieder zu nationalen und bürgerlich-liberalen Aufständen und Revolutionen, die sich gegen die Politik der Restauration wandten (Julirevolution 1830 in Frankreich, verschiedene polnische Unabhängigkeitserhebungen, Risorgimento in Italien, Februarrevolution 1848 in Frankreich, Märzrevolution von 1848/49 in den Staaten des Deutschen Bundes und den außerhalb des Bundes gelegenen österreichischen und preußischen Provinzen).

Ein Teil des Bürgertums hatte Anfang des 19. Jahrhunderts – während einer Zeit, in der jede freiheitliche liberale Äußerung vom herrschenden Adel verfolgt und Zeitungen zensiert und verboten wurden – erkannt, dass mit dem Entstehen von bürgerlichem Handel und Gewerbe bereits eine neue soziale Sprengkraft entstand. Im Zuge der Industrialisierung entwickelten sich auch neue gesellschaftliche Gruppen, die in der entstehenden Wissenschaft als „Klassen“ bezeichnet wurden. Mit Kapitalisten- und Arbeiterklasse traten soziale Akteure in die Weltgeschichte ein, die – einander bedingend – um die Macht zu kämpfen begannen. Die Arbeit Friedrich Engels’, „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“, wies auf die Verelendung großer Teile des Volkes hin, die nun nicht mehr durch eine herrschende Schicht des Adels, sondern durch die liberale bürgerliche Gesellschaft verursacht würde. Andere gesellschaftliche Klassen würden aus dem Fokus der Veränderung zurückgedrängt.

Marxismus

Hauptartikel: Kommunismus (Marxismus)

Karl Marx, ein bedeutender Theoretiker des Kommunismus

Das Manifest der Kommunistischen Partei

Hauptartikel: Manifest der Kommunistischen Partei

Das Manifest der Kommunistischen Partei, auch Das Kommunistische Manifest genannt, von 1848 ist eine Art Gründungsurkunde des modernen Kommunismus, der sich als Gegensatz und Überwindung des Kapitalismus versteht. Es wurde von Karl Marx und Friedrich Engels in London als Programm für den Bund der Kommunisten verfasst.

Dieser ging aus dem frühkommunistischen Bund der Gerechten hervor, den der christliche Schneider Wilhelm Weitling gegründet und bis zu seiner Ablösung durch Marx 1847 geführt hatte. Er bestand aus einer Gruppe nach Frankreich emigrierter deutscher Gesellen, Handwerker und linksliberaler Bürger. Weitling grenzte sich bereits seinerseits von den Frühsozialisten (u.a. Pierre-Joseph Proudhon, Henri de Saint-Simon, Charles Fourier) ab und propagierte eine nicht nur politische, sondern auch soziale Revolution des Proletariats gegenüber dem Bürgertum. Er strebte die Aufhebung des Geldes als Tauschmittel und den direkten, planvoll und gemeinschaftlich verwalteten, Warentausch an.

Mit dem Manifest vollzogen Marx und Engels die ideologische Abgrenzung vom utopischen Sozialismus Weitlings und seiner Vorläufer sowie von anderen Frühsozialisten, an denen sie scharfe, teilweise polemische Kritik übten. Sie propagierten den internationalen Klassenkampf der lohnabhängigen Arbeiterklasse gegen die Bourgeoisie und beschrieben auch die Stellung und Aufgabe der Kommunisten als entschiedene Elite innerhalb der Arbeiterparteien, die dem Proletariat die Einsicht in die historischen Bedingungen seiner Bewegung voraus habe. Eine gesonderte Partei sollten die Kommunisten jedoch ausdrücklich nicht bilden. Als Aufgabe der Arbeiterparteien definierte das Manifest: „Bildung des Proletariats zur Klasse, Sturz der Bourgeoisherrschaft, Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat“. Es weist ihnen damit einerseits eine politische Führungsrolle, andererseits die Unterordnung unter das proletarische Gesamtinteresse zu: nämlich eine Gesellschaftsform zu finden, in der „jeder nach seinen Fähigkeiten“ tätig sein und „jedem nach seinen Bedürfnissen“ der produzierte Reichtum offen stehen solle (Marx: „Kritik des Gothaer Programms“).

Als Grundlage der Revolution und der von Marx selbst so genannten globalen Theorie galt der Klassenkampf, der als unvermeidbarer Ausdruck der strukturellen Gewalt der sozialen Verhältnisse gesehen wird. Im letzten Abschnitt des Manifests heißt es:

„Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, daß ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnungen. Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen. Proletarier aller Länder – vereinigt euch!“

Von England aus wurde diese Schrift in ganz Europa und darüber hinaus verbreitet. Sie hatte jedoch noch keinen nennenswerten Einfluss auf den Verlauf der bürgerlichen Märzrevolution in Deutschland. Erst nach deren gewaltsamer Niederschlagung begannen die Arbeiter, sich nach und nach in eigenen Vereinen, den Vorläufern der Gewerkschaften, zu organisieren.

Das „Kapital“

Mit seinem Hauptwerk „Das Kapital“ formulierte Marx eine umfassende „Kritik der politischen Ökonomie“ (Untertitel). Er analysierte hier die Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus, die auf der grundlegenden Spaltung der Gesellschaft in Kapitaleigner und Lohnarbeiter beruhen.

Kapital entstehe, wenn die Zirkulation von Ware, die gegen Geld mit anderer Ware getauscht wird, sich verselbstständigt zu einem Einsatz von Geld zur Warenproduktion, um mit deren Verkauf wiederum mehr Geld (Mehrwert) zu erzielen. Lebendige Arbeit, die eigentlich menschliche Selbstverwirklichung sein und gesellschaftlich nützliche Produkte herstellen sollte, werde dann zur Ware, die es möglichst billig einzukaufen und auszubeuten gilt. Die Arbeiter erhalten also immer weniger Lohn, als der Kapitalist (im Durchschnitt) durch den Verkauf der Ware gewinnen könne (Profit). Dieses „Wertgesetz“ ist der Kern des Klassengegensatzes von Kapital, das die Bourgeoisie einsetzt, und Arbeit, die das Proletariat leistet.

Klassenherrschaft ist demnach für Marx keine zufällige, sondern eine gesetzmäßige Folge von Ausbeutung. Diese sei aber kein böser Wille der Kapitalisten, sondern ein Zwang: Um auf dem vom Kapital beherrschten Markt konkurrieren zu können, müssen sie lebendige Arbeit, die den Mehrwert produziert, ausbeuten. Die Konkurrenz führe zu immer größerer Kapitalkonzentration (Monopol- und Kartellbildung) und damit zwangsläufig zu Absatzkrisen und Kriegen. Sie zwinge die Kapitaleigner dazu, die Arbeitskosten so gering wie möglich zu halten und den größtmöglichen Profit anzustreben, um diesen in technologische Neuerungen investieren zu können. Dies wiederum führe zu einer immer stärkeren Bewusstwerdung der Notwendigkeit eines Umsturzes. Die sozialistische Revolution ist also nach Marx in den kapitalistischen Strukturen selbst angelegt. Damit erscheint die bürgerliche Gesellschaftsform nicht als moralisch zu verurteilende, sondern als nüchtern zu durchschauende Klassenherrschaftsform. Deren Analyse will die realen Ansatzpunkte zur Umwälzung der Macht- und Besitzverhältnisse erkennbar machen.

Friedrich Engels

Das Kapital besteht aus drei Bänden. 1867 erschien der erste Band: Der Produktionsprozeß des Kapitals von Karl Marx. Friedrich Engels stellte nach Marx´ Tod 1883 aus dessen Manuskripten zwei weitere Bände zusammen und veröffentlichte diese als Band II: Der Zirkulationsprozeß des Kapitals 1885, und Band III: Der Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion 1895. Dieses Werk bildet das Herzstück der Gesellschaftstheorie, die Marx Wissenschaftlicher Sozialismus nannte und heute als „Marxismus“ bezeichnet wird. Sie beansprucht im Gegensatz zu allen idealistischen und utopischen Vorstellungen streng empirisch vorzugehen, also durch reale Entwicklungen falsifizierbar und korrigierbar zu sein. Wie andere damalige Wissenschaften – z. B. Charles Darwins Evolutionstheorie – stellt sie ein materialistisches Weltbild gegen jeden religiösen Irrationalismus.

Für Marx und Engels war die klassenlose Gesellschaft des Kommunismus also das Endergebnis der revolutionären Arbeiterbewegung als kämpferische Überwindung des Kapitalismus über die Vorstufe des Sozialismus (Diktatur des Proletariats). Zum Kommunismus äußerten sie sich jedoch bewusst zurückhaltend und knapp.

Kommunismus in der Soziologie

In der frühen Soziologie bezeichnete Ferdinand Tönnies in „Gemeinschaft und Gesellschaft“ (1887) im Untertitel den Kommunismus als „empirische Kulturform“. Dieser ist nach seiner Theorie aber nur in überschaubaren Gemeinschaften möglich; hingegen geht es in größeren gesellschaftlichen Zusammenhängen immer nur um den „Socialismus“. Da bei ihm zwar eine Gesellschaft aus Gemeinschaften hervorgehen kann, er den umgekehrten Prozess aber für unmöglich hält, kann bei ihm aus Sozialismus auch nie Kommunismus werden. Auch Max Weber sieht Kommunismus als Vergemeinschaftung, wenn er zum Beispiel auf den Familienkommunismus und den Mönchskommunismus hinweist.

Gleichberechtigung der Frauen

Keine der frühkommunistischen und sozialistischen Vorstellungen ging von der Gleichheit der Geschlechter aus. Von Robert Owen bis zu den deutschen Räterepubliken 1918 setzten sie die Familie als gemeinschaftliche Basis voraus. Betriebe und Militäreinheiten sollten ihre Vertreter in höhere Gremien entsenden: Diese bestanden fast nur aus Männern. Erst später wurde auch die Familie an sich kritisiert.

Die besondere Unterdrückung der Frau war anknüpfend an Charles Fouriers Satz Der Stand der Frau kennzeichnet den Stand der Gesellschaft auch ein Thema von Marx und Engels gewesen. Sie glaubten, mit Abschaffung des Kapitalismus und dem Ende der Klassengesellschaft würde auch die Unterdrückung der Frau enden, so wie die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen überhaupt. Bereits im Kommunistischen Manifest bekannten sie sich zur Aufhebung der Familie durch freies Lieben, Aufhebung der „Stellung der Weiber als bloße Produktionsinstrumente“ sowie der „Ausbeutung der Kinder durch ihre Eltern“ und zur gesellschaftlichen Erziehung der Kinder.

Dieses lösten die entstehenden realsozialistischen Staaten nicht ein. Dort waren die Geschlechter zwar formal meist gleichgestellt, indem Frauen in der Produktion gleiche Rechte, Löhne und Aufstiegschancen erhielten. Im Alltag und in den Privathaushalten waren sie jedoch weiterhin patriarchalen Strukturen unterworfen.

Marxismus versus Anarchismus

Peter Kropotkin

Aus den Ideen der Aufklärung und verschiedenen frühsozialistischen Ansätzen heraus entwickelten sich die Vorstellungen des modernen Anarchismus etwa zeitgleich mit den kommunistischen Ideen von Weitling und Marx und in gegenseitiger Abgrenzung zu diesen. Die politischen Gegensätze zwischen Marxisten und Anarchisten führten zu historisch konfliktträchtigen Auseinandersetzungen.

Pierre-Joseph Proudhon war ein früher Vordenker des Syndikalismus und gilt als Begründer der anarchistischen Richtungen Föderalismus und Mutualismus. Er kam 1840 in seiner Schrift Qu´est-ce que la propriété ? („Was ist das Eigentum?“) zu dem Schluss: „Eigentum ist Diebstahl!“ Damit stellte er das Privateigentum ins Zentrum seiner Kritik an den herrschenden, politischen und sozialen Verhältnissen im Kapitalismus. Dieses sei ebenso wie der bürgerliche Staat, der es schützen soll, direkt und unmittelbar zu bekämpfen und durch selbstorganisierte Formen des Gemeineigentums zu ersetzen.

In einem Briefwechsel setzte sich Proudhon mit Marx auseinander. Dabei stellte sich heraus, dass beide die Fragen der Macht, der Freiheit des Individuums, der Rolle des Kollektivs als revolutionärem Subjekt sehr verschieden bewerteten. Proudhon argumentierte stärker mit philosophisch- ethischen Prinzipien, während Marx diese als bloß moralische Ideale kritisierte und eine wissenschaftliche Analyse der Widersprüche zwischen Kapital und Arbeit vermisste. Für ihn war nicht jedes Privateigentum an sich, sondern der Privatbesitz an den Produktionsmitteln das Grundübel.

Proudhons Anhänger Michail Bakunin (kollektivistischer Anarchismus) und später Pjotr Alexejewitsch Kropotkin (kommunistischer Anarchismus) verbanden seine Theorien mit der Agitation für eine soziale Revolution, die zur radikalen Umwälzung der Besitzverhältnisse notwendig sei. In diesem Punkt stimmten sie mit Marx und Engels überein. Bakunin lehnte die führende Rolle einer revolutionären Kaderpartei jedoch ebenso ab wie staatliche Hierarchien und verwarf damit Marx´ Forderung nach der Gründung kommunistischer Parteien als revolutionärer Elite in den einzelnen Staaten ebenso wie die These von der „Diktatur des Proletariats“, die zur klassenlosen Gesellschaft führen solle. Er glaubte nicht daran, dass die Arbeiter zuerst die politische Staatsmacht erringen müssten, damit der Sozialismus aufgebaut und der Staat absterben könne, sondern wollte diesen direkt abschaffen. Diese Konzeption nannte er antiautoritärer Sozialismus.

Von 1864 bis 1872 bildeten Anarchisten und Marxisten die Internationale Arbeiterassoziation (IAA). Nachdem der ideologische Konflikt zwischen Bakunins und Marxens Anhängern eskalierte, wurde Bakunin 1872 aus der IAA ausgeschlossen. Daran zerbrach diese Erste Internationale. 1876 wurde sie offiziell aufgelöst. Damit war die internationale Arbeiterbewegung erstmals gespalten. Seitdem grenzen sich – Rudolf Rocker zufolge – Anarchisten in folgenden Punkten grundsätzlich vom Marxismus ab:

  • Ablehnung der von Hegel geprägten marxistischen „Schicksalstheorien“. In der Geschichte gebe es überhaupt keine Zwangsläufigkeiten (‘historischen Notwendigkeiten’, ‘Zwangsläufigkeit des historischen Geschehens’), „sondern nur Zustände, die man duldet und die in Nichts versinken, sobald die Menschen ihre Ursachen durchschauen und sich dagegen auflehnen“ (Rocker).
  • Ablehnung des „Historischen Materialismus“. Aus den wirtschaftlichen Verhältnissen könnten nicht alles „politische und soziale Geschehen“ erklärt werden.
  • Der Anarchismus begreift die Menschen als handelnde Individuen, lehnt die Betrachtung von Menschen als Masse ab.
  • Grundsätzliche Ablehnung eines Staates. Die Produktionsmittel von der Privatwirtschaft einem Staates zu übergeben, „führt lediglich zu einer Diktatur durch den Staat“ (Rocker).
  • Ablehnung von Gesetzen und Gesetzgebern. Entscheidungen werden dezentral, kollektiv und im Konsens entschieden. „Nur das freie Übereinkommen, ‚könnte‘ das einzige moralische Band aller gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen untereinander sein.“ (Rocker)
  • Ablehnung einer Übergangsphase vom Kapitalismus zum Sozialismus. Der „Wille zur Macht“ müsse in einer freien Gesellschaft grundsätzlich bekämpft werden.
  • radikale Ablehnung aller kapitalistisch geprägten Begriffe:

„Sämtliche Wertbegriffe, wie wir sie heute kennen, sind samt und sonders kapitalistische Begriffe. Luft, Sonnenlicht, Regen, Erdfeuchtigkeit, Humus, kurz, viele der wichtigsten Produktionsfaktoren sind, weil sie nicht monopolisiert werden konnten, heute kapitalistisch wertlos. […] Mit dem Aufhören des Eigentumsbegriffes an Produktionsmitteln hört auch jeder Wertbegriff für den einzelnen auf.“

Pierre Ramus, Franz Barwich

Der kommunistische Anarchismus geht auf die Theorien des russischen Anarchisten Pjotr Alexejewitsch Kropotkin zurück. Er vertrat die Theorie, dass sich Kommunismus und Anarchismus nicht, wie von Marx und Lenin postuliert, widersprechen, sondern nur gemeinsam funktionieren würden. Zentrale Forderung ist der vollständige Bruch mit dem Kapitalismus und die sofortige Abschaffung des Staates als soziale Institution, dieser wird dann durch kollektivistische Netzwerke, in der Form von Arbeiterräten und gemeinschaftlichen Kommunen, ersetzt. Die Entlohnung der Werktätigen erfolgt nicht mit Geld, sondern über gemeinsame Ressourcen, da das Geld selbst als Zahlungsmittel verschwinden soll. Eine Führung der Arbeiterklasse durch sozialistisch-kommunistische Parteien wird ebenso abgelehnt, wie das marxistische Konzept der Diktatur des Proletariats.
Zu unterscheiden ist der kommunistische Anarchismus von Michail Bakunins „Kollektivistischem Anarchismus“.

Kommunistische Anarchisten und Anarchosyndikalisten nennen das Konzept einer Arbeiterselbstverwaltung ohne Führung einer Partei „Kommunismus“. Bekannter Vertreter neben Kropotkin ist Gustav Landauer.

Kommunismus versus Reformismus

Eduard Bernstein

Um die Jahrhundertwende bezog sich die europäische Sozialdemokratie theoretisch meist auf Marx und das Kommunistische Manifest. Sozialistische Parteien teilten trotz vorhandener interner Konflikte das Ziel einer kommunistischen Gesellschaftsordnung, die sie begrifflich allenfalls graduell vom Sozialismus unterschieden. Ende der 1890er-Jahre verloren die Begriffe jedoch ihre Eindeutigkeit, da sich nun ein Gegensatz zwischen den eher gewerkschaftlich orientierten „Reformisten“ und der revolutionären Marxisten entwickelte. Sowohl 1899 in der deutschen wie 1903 in der russischen Arbeiterbewegung gab es einen Machtkampf beider Richtungen.

In der SPD löste der Mitautor des Erfurter Programms von 1890, Eduard Bernstein, die Revisionismusdebatte aus. Er forderte Verzicht auf das Ziel der proletarischen Revolution, da der Kapitalismus sich flexibel zu modernisieren und der Arbeiterschaft auch auf parlamentarischem Weg Teilhabe am gesellschaftlichen Wohlstand zu erlauben schien. Obwohl die Parteimehrheit dies ablehnte, setzte sich der Reformismus bis zum Ersten Weltkrieg in der SPD durch.

Der Hauptgrund war die materielle und rechtliche Besserstellung der Arbeiter und die Verwischung der Klassengrenzen durch Bildung und die steigende Bedeutung der geistigen Arbeit. Im Zuge des erfolgreichen Kampfes um bessere Lebensbedingungen geriet das Ziel der Umwälzung der Produktionsverhältnisse aus dem Blick. Die politische Machteroberung schien vielen auf dem legalem Wege ebenfalls erreichbar. Das Heraufziehen des Ersten Weltkriegs verstärkte auch bei anderen sozialistischen Parteien nationalstaatliche Prioritäten und untergrub den proletarischen Internationalismus, den Marx postuliert hatte. Dies war eine wesentliche Voraussetzung für die Zustimmung der SPD-Reichstagsfraktion zu den Kriegskrediten.

Daran zerbrach die Zweite Internationale. Darauf spalteten sich revolutionäre Gruppen von den meisten sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien ab und gründeten neue, nun ausdrücklich kommunistische Parteien.

Leninismus

Hauptartikel: Leninismus

Wladimir Iljitsch Lenin

Lenin unterschied anknüpfend an Marx zwischen einer niederen und höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft, wobei die erste als Sozialismus (Diktatur des Proletariats), die zweite als Kommunismus (klassenlose Gesellschaft) bezeichnet wurde. Der sozialistischen Phase wird die Vergesellschaftung der Produktionsmittel und Entlohnung nach Leistung zugeordnet, der kommunistischen das Bedürfnisprinzip.

Nach der erfolgreichen Oktoberrevolution von 1917 setzten die Bolschewiki die Maßstäbe für die folgende Entwicklung in Russland und etablierten mit der Kommunistische Partei Russlands (später KPdSU) eine neue Staats- und Gesellschaftsführung. Erstmals gab es nun ein Regime, das den Kommunismus aufbauen und realisieren wollte. An der Spitze dieses sogenannten Arbeiter-und-Bauern-Staats stand Lenin als unumstrittene Führungsautorität. Im folgenden Bürgerkrieg mussten sich die Bolschewiki teilweise auch gegen einstige Verbündete behaupten. Sie dehnten ihre Herrschaft dabei auch auf benachbarte Länder aus. 1922 gründete sich daraus die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR, kurz: Sowjetunion (SU).

Das sozialistische Rätesystem war die soziale Basis für den Aufstieg der Bolschewiki und ihren Revolutionserfolg 1917 gewesen. Doch im Verlauf des Bürgerkriegs kam es zu Hungersnöten und Aufständen. Nach dem Kronstädter Matrosenaufstand 1921 entmachteten die Bolschewiki die Sowjets, um die Herrschaft ihrer Partei zu stabilisieren. Darin sahen marxistische Gesellschaftsanalytiker wie Karl August Wittfogel, Rudolf Bahro und Rudi Dutschke später eine Hauptursache für das Scheitern der SU.

1922 leitete Lenin die Neue Ökonomische Politik ein, um unter staatlicher Aufsicht Eigeninitiative und Gewinnstreben der Bauern anzuregen und so ihre Erträge zu steigern. Damit wollte er für eine Übergangszeit Selbstversorgung und Entfaltung von Marktstrukturen zulassen, um die Landwirtschaft später erneut zu verstaatlichen. Die Bolschewiki hatten die „Diktatur des Proletariats“ in einem Land errichtet, das keine entwickelte kapitalistische Industrie und nur 10 Prozent Industriearbeiter hatte, im Vertrauen auf den künftigen Sieg der deutschen Revolutionäre. Noch bis 1923 setzten sie auf eine schnelle Fortsetzung der Novemberrevolution als Anstoß zur Weltrevolution. (Siehe dazu auch Deutscher Oktober.) Doch mit dem Scheitern des Ruhraufstands und des Hamburger Aufstands zerbrachen die letzten Anläufe in Deutschland zu einer sozialistischen Gesellschaftsordnung, so dass die SU isoliert blieb. Kurz vor seinem Tod 1924 warnte Lenin testamentarisch vor Stalins Despotie.

Bereits seit der Gründung der Dritten Internationale 1919 war die Spaltung zwischen deutschen Sozialdemokraten und Kommunisten unüberwindbar. Seitdem wurde Kommunismus im Westen allgemein fast immer mit Diktatur, Demokratie vor allem mit Kapitalismus gleichgesetzt, obwohl auch Kommunisten und Sozialisten die Verwirklichung von Demokratie und die Versöhnung individueller Freiheit mit sozialer Gerechtigkeit beanspruchen.

Marxismus-Leninismus und Stalinismus

Josef Stalin

Hauptartikel: Stalinismus, Marxismus-Leninismus, Neostalinismus

Josef Stalin baute die Alleinherrschaft der Partei ab 1924 zur unumschränkten Macht ohne gesellschaftliches Korrektiv aus. Er entmachtete im internen Machtkampf in der KPdSU bis 1927 die „Linke Opposition“ um Leo Trotzki und Lew Borissowitsch Kamenew und erreichte damit die Alleinherrschaft. Dazu bediente er sich wie Lenin im Bürgerkrieg des Terrors der Tscheka, wie ihn schon der zaristische Geheimdienst Ochrana geübt hatte. Mit Zwangsumsiedlungen, Zwangsarbeitslagern (Gulags), Stalinsche Säuberungen und der Errichtung eines Personenkults festigte er dann seine Diktatur. Die zwangsweise Kollektivierung der Landwirtschaft diente einem doppelten Zweck. Einerseits gelangte der Staat durch die Kollektivierung in den Besitz der Ernteerträge des Landes, die unter Inkaufnahme schrecklicher Hungersnöte zu einem guten Teil in den Export flossen und damit der Finanzierung der Industrialisierung diente. Diese Industrialisierung war vorrangig auf die Produktion von Rüstungsgütern ausgelegt. Anderseits bot die Zwangskollektivierung die Möglichkeit, die Opfer der Kollektivierung als billige Zwangsarbeiter beim Aufbau der Industrie einzusetzen. 1928 wurde die Zentralverwaltungswirtschaft flächendeckend eingeführt.

Ebenso wie in der SU etablierte Stalin in der 3. Internationale den Marxismus-Leninismus als neue Herrschaftdoktrin und sorgte für die scharfe Abgrenzung gegen alle Kräfte, die die Führungsrolle der Sowjetunion und den „Sozialismus in einem Land“ ablehnten: vor allem den „Trotzkisten“ auf der einen, den „Sozialfaschisten“ (Sozialdemokraten) auf der anderen Seite.

Die Auseinandersetzungen zwischen reformistischen Sozialdemokraten und stalinistischen Kommunisten in der Weimarer Republik begünstigten Aufstieg und Machtübernahme der Nationalsozialisten. Damit wurde auch der Begriff des Sozialismus, der im 19. Jahrhundert weithin mit Demokratie gleichgesetzt wurde, ein weiteres Mal von totalitärer Herrschaft (diesmal vom Faschismus) übernommen, missbraucht und nachhaltig korrumpiert. Das verhinderte in Europa wie auch in China wirksame Allianzen von Sozialreformern und Kommunisten. Im Spanischen Bürgerkrieg kämpften Anarchisten, Demokraten und Kommunisten von 1936 bis 1939 letztmals gemeinsam, aber erfolglos gegen Francisco Franco.

Von 1936 bis 1938 erreichte Stalins „Säuberungspolitik“ ihren grausamen Höhepunkt: Er ließ nun auch die Generation der Oktoberrevolutionäre als seine möglichen innenpolitischen Gegner verbannen und ermorden, darunter die Führungsspitze der Roten Armee. Dies war mit ein Grund für den Hitler-Stalin-Pakt von 1939, der ihm Zeitgewinn zur militärischen Reorganisation verschaffen sollte.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gelang es der Sowjetunion, in den Staaten Osteuropas stalinistische Regime zu etablieren. Der in der Ära des Kalten Krieges so genannte „Ostblock“ wurde als territorialer Gegner bzw. potenzieller Feind zum „kapitalistischen“ Westen postuliert. Nach dem Tode Stalins 1953 leitete der neue Staats- und Parteichef Nikita Chruschtschow die Entstalinisierung ein und definierte damit den Marxismus-Leninismus, nun unabhängig vom Stalinismus, neu. Dieser „neue“ Marxismus-Leninismus bestimmte dann weitgehend die Politik der Sowjetunion und der Ostblock-Staaten bis zur Wende 1989/90. Gegenwärtig berufen sich insbesondere Kuba, Vietnam und Laos auf den Marxismus-Leninismus als offizielle Staatsdoktrin. Auch in einigen Kommunistischen Parteien wie beispielsweise in Deutschland der eher marginalisierten MLPD spielt der Marxismus-Leninismus bzw. Stalinismus noch eine Rolle, während andere meist reformkommunistische Parteien sich entweder am Marxismus und/oder Leninismus orientieren.

Trotzkismus

Leo Trotzki

Hauptartikel: Trotzkismus
Im Gegensatz zu der von Stalin vertretenen These vom möglichen „Sozialismus in einem Land“ stand Leo Trotzki für einen konsequenten Internationalismus. Nach seiner Theorie der permanenten Revolution kann der Sozialismus als Übergangsgesellschaft zum Kommunismus nur auf internationaler Ebene funktionieren, weswegen die ganze Welt durch eine Revolution vom Kapitalismus befreit werden muss, bleibt die sozialistische Weltrevolution aus, so fällt die Sowjetunion zwangsläufig wieder zum Kapitalismus zurück. Ausgangspunkt für den Trotzkismus ist aber vor allem auch die von Trotzki 1936 verfasste Studie: Verratene Revolution. Was ist die Sowjetunion und wohin treibt sie? Darin arbeitete er eine Analyse der Bürokratisierung der häufig als degenerierte Arbeiterstaaten bezeichneten Länder aus, in denen eine proletarische Revolution stattgefunden hatte. Trotzkisten verstehen sich, wie viele andere marxistische Strömungen auch, als Vertreter des Leninismus bzw. als dessen Weiterentwicklung.

Maoismus

Hauptartikel: Maoismus

Mao Zedong

Die Volksrepublik China sah sich nach der Revolution 1949 unter Führung Maos als besonderer Teil des „Weltkommunismus“ und pflegte die „Bruderfreundschaft“ mit der SU unter Stalin. Nach dessen Tod 1953 leitete sein Nachfolger Nikita Sergejewitsch Chruschtschow 1956 eine Entstalinisierung ein. Dann trennten sich die Wege: Mao kündigte der SU die Gefolgschaft. Seitdem war das „kommunistische Lager“ in zwei verfeindete Großstaaten mit ähnlicher Staatsideologie, aber konkurrierenden Führungsansprüchen gespalten. Die SU vertrat nun die Linie einer Friedlichen Koexistenz mit dem kapitalistischen Westen, während China auf die sozialistische Weltrevolution bestand. Zu seinem Einflussbereich gehörten vor allem Nordkorea und Nordvietnam, zeitweise auch Kambodscha und Laos, während Indien und die Kaukasusregion sich eher an die Sowjetunion anlehnten. Das von Mao verfolgte Programm des Großen Sprung nach vorn, mit welchem China in wenigen Jahren zu einer industriellen Großmacht werden sollte, scheiterte und führte zu einer der größten Hungersnöte der Geschichte der Menschheit (20 bis 40 Millionen Tote).

In vielen Staaten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas führten die „Blockmächte“ USA, SU und China Stellvertreterkriege miteinander. Der Koreakrieg (1950–1953) z. B. war eigentlich ein chinesisch-amerikanischer Konflikt, in dem die USA erstmals nach 1945 wieder den Einsatz von Atomwaffen erwogen. In der Mongolei wiederum stritten die SU und China mit Drohgebärden und militärischen Scharmützeln um Grenzverläufe. Sie unterstützten auch in der „Dritten Welt“ verschiedene revolutionäre Gruppen und Ziele. Die Roten Khmer in Kambodscha etwa beriefen sich zeitweise auf den „Maoismus“. Ihrer kurzen Herrschaft (1975–1979) fielen bis zu zwei Millionen Menschen zum Opfer. Auch in Europa fand der Maoismus Beachtung, so orientierte sich Albanien unter Enver Hoxha zwischen 1968 und 1978 an dessen Politik (siehe weiter unten). Unter der Kommunistischen Partei Chinas kam es in den 1980er-Jahren zu einer demokratischen Protestbewegung, die jedoch blutig niedergeschlagen wurde. Danach wurde in einigen Provinzen und Städten die kapitalistische Produktionsweise zugelassen, um die Produktivität zu steigern. Dies wirkte sich einerseits erheblich auf die Prosperität des Landes und die Konsumgüterproduktion aus. Anderseits verschärfte diese Maßnahme die Klassengegensätze zwischen einem neureichen Bürgertum privater Unternehmer und Staatsfunktionäre und einer rechtlosen proletarischen Wanderarbeiterschaft. Auch die Masse der rechtlosen Kleinbauern verarmt zunehmend und wird von der Wirtschaftsentwicklung weitgehend abgekoppelt.

Am 14. März 2004 wurde die Abschaffung des Privateigentums auch offiziell zurückgenommen und der Schutz des Privateigentums in der Verfassung verankert.

Der Maoismus spielte auch in der Hochphase der Studentenbewegung der 1960er-Jahre eine bedeutende Rolle; Mao wurde neben Che Guevara und Ho Chi Minh zu einem revolutionären Leitbild eines Teils dieser Bewegung.

Titoismus

Hauptartikel: Titoismus

Josip Broz Tito

Kommunismus als staatliche und weltpolitische Zustandsbeschreibung differenzierte sich im Verlauf des Kalten Krieges weiter: Mit Jugoslawien unter Josip Broz Tito kam eine Sonderform der Unabhängigkeit vom sowjetischen Führungsanspruch hinzu, die ihrerseits zwar eine autoritäre Ein-Parteien-Regierung war, jedoch deutlich liberalere Züge als die Ostblock-Staaten und China aufwies. Wichtig im Kommunismus titoistischer Prägung war auch die so genannte Blockfreiheit, so gründete Tito gemeinsam mit dem ägyptischen Staatschef Nasser, dem indischen Premier Nehru und dem indonesischen Präsidenten Sukarno 1961 in Belgrad die Bewegung der blockfreien Staaten, die sich im Ost-West-Konflikt neutral verhielten. In der Innenpolitik verfolgte der Titoismus ein umfassendes föderatives Konzept, so war Jugoslawien in sechs Teilrepubliken (Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Montenegro und Mazedonien) gegliedert, die über weit reichende Selbstbestimmungsrechte verfügten, den beiden Provinzen Kosovo und Vojvodina wurde eine weitgehende Autonomie zugestanden. Ebenfalls eine wichtige Säule des Titoismus war die so genannte Arbeiterselbstverwaltung, die es jeden Mitarbeiter eines Betriebes gestattete Einfluss auf die Unternehmensführung zu nehmen.

Zwischen 1944 und 1948 spielte der Titoismus unter der Führung von Koçi Xoxe auch im benachtbarten Albanien eine Rolle, sogar ein Beitritt zur jugoslawische Bundesrepublik wurde erwogen.
Der Titoismus beeinflusste auch maßgeblich Alexander Dubček, so führte dieser 1968 im so genannten Prager Frühling ebenfalls die Arbeiterselbstverwaltung ein, die allerdings nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes wieder abgeschafft wurde.

Chuch'e-Ideologie

Eine weiter Spielart des Marxismus-Leninismus ist die von Kim Il-sung entwickelte und seit 1977 in Nordkorea praktizierte, so genannte Chuch'e-Ideologie, bei der nicht mehr eine klassenlose Gesellschaft, sondern nur mehr eine Art „Freundschaft der Klassen“ das Ziel des Kommunismus sein soll.

Realsozialismus

Mitte der 1930er-Jahre verkündete die KPdSU den endgültigen Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion. Seitdem entstand die kritische Bezeichnung „Realsozialismus“, die besonders für die Sowjetunion, ihr System und ihre Ideologie benutzt wird, später aber auch auf andere Staaten mit einem Ein-Parteien-System und marxistisch-leninistischer Staatsideologie ausgedehnt wurde.

Um die von Marx geforderte Herrschaft des Proletariats zu verwirklichen, schuf Lenin in theoretischer und praktischer Auseinandersetzung mit den Bedingungen zur Machterringung und anschließender Bewahrung des Sozialismus eine „Partei neuen Typs“ (Was tun?, 1902, und Ein Schritt vorwärts – zwei Schritte zurück, 1904), die dafür nach seinem Prinzip des Demokratischen Zentralismus von „oben nach unten“ organisiert war. Er unterschied die Diktatur des Proletariats als Weg und die klassenlose Gesellschaft als Ziel dieses Weges. Er bezeichnete die Phase nach der Machtergreifung und anschließende Machtverteidigung des Proletariats als Sozialismus, betrachtete diesen – inklusive der notwendigen Diktatur – also als Vorstufe zum vollendeten eigentlichen Kommunismus, in dem der Staat mit der Gesellschaft identisch und daher nicht mehr als Zwang empfunden werde.

Diese Einteilung drückt der Begriff „real existierender Sozialismus“ aus, der das Selbstverständnis jener Staaten bezeichnete, die sich in einer sozialistischen Übergangsphase zum Kommunismus befindlich sahen. Da sie viele Theoreme und praktische Vorschläge von Marx mit ihrer Staatsideologie zu realisieren behaupteten, werden ihre Systeme oft als folgerichtiges Ergebnis seiner ursprünglichen Ideen betrachtet. Gemeinsame Merkmale der sich so nennenden „Volksdemokratien“ oder „Volksrepubliken“ wie die Alleinherrschaft einer Kommunistischen Partei werden von Befürwortern wie Gegnern oft mit der von Marx intendierten „Diktatur“ identifiziert.

Infolge seiner Machtausdehnung durch den und nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 – besonders seit der erfolgreichen Revolution Mao Zedongs in der Republik China – gewann der sogenannte Realsozialismus ein weltpolitisches Gegengewicht zu den marktwirtschaftlich ausgerichteten Ländern unter Führung der USA. Die von der Sowjetunion nach 1945 installierten und dominierten Systeme wurden im Westen als „Ostblock“ bezeichnet, weil sie keine reale Autonomie besaßen, sondern faktisch Satellitenstaaten der vom Politbüro gelenkten KPdSU waren.

Dieser Gegensatz bestimmte den Kalten Krieg und das im Westen herrschende Verständnis von „Kommunismus“. Es setzte oft auch sozialistische und sozialdemokratische Parteien unter Druck, die sich gegen Diffamierungen wehren mussten, etwa die „fünfte Kolonne Moskaus“ zu sein (Wahlkampfparole Konrad Adenauers) oder die „Verteidigung der Freiheit“ im Rahmen des westlichen Militärbündnisses (NATO) zu vernachlässigen.

Kommunistische Befreiungsbewegungen

Fidel Castro, Führender Theoretiker des marxistischen Antiimperialismus

Gegenüber dem europäischen Imperialismus und Kolonialismus hatten die Ideen von Marx schon seit 1900 auch in vielen nichtindustrialisierten, vom Weltmarkt und westlicher Hegemonie beherrschten Ländern, Anhänger gefunden. Die Entwicklung in der Sowjetunion stieß zwar viele Sozialisten und Kommunisten weltweit ab, die aber angesichts des aufstrebenden Faschismus dennoch nicht ihre grundsätzliche Solidarität zur SU aufgaben. Mit dem opferreichen Sieg der SU über Hitlerdeutschland und dem folgenden Kalten Krieg gewann die Vorstellung des Antagonismus zweier Lager auch unter ihnen neue Plausibilität. Besonders nach der erfolgreichen Revolution Fidel Castros in Kuba 1958 griffen viele Befreiungsbewegungen in der sogenannten Dritten Welt den Marxismus-Leninismus auf und entwickelten ihn als Antiimperialismus für ihre eigenen Situationen weiter.

Rumänien

Nicolae Ceauşescu

Hauptartikel: Geschichte Rumäniens, Neostalinismus in Rumänien

Auch Rumänien gelang es unter Nicolae Ceauşescu eine relative Unabhängigkeit zur Sowjetunion zu erreichen, so wurde der sowjetische Einmarsch in die Tschechoslowakei 1968 ebenso verurteilt wie die Boykottierung der Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles, bei denen Rumänien als einziger Ostblock-Staat teilnahm. Kehrseite des Unabhängigkeitskurses war jedoch ein grotesker Personenkult um Ceauşescu, die allgegenwärtige Geheimpolizei Securitate und eine dramatische Verelendung der Bevölkerung. Diese Diktatur wurde 1989 in einem blutigen Umsturz entmachtet.

Albanien

Hauptartikel: Geschichte Albaniens

Enver Hoxha

Nach dem Zweiten Weltkrieg lehnte sich Albanien zunächst eng an Titos Jugoslawien an, brach allerdings bereits 1948 mit Tito und wurde ein enger Verbündeter der Sowjetunion. 1949 trat das Land dem COMECON bei und war eines der Gründungsmitglieder des Warschauer Paktes. Durch die Entstalinisierung und die damit verbundene Tauwetterperiode brach Enver Hoxha nun auch mit der Sowjetunion, 1968 erfolgte der Austritt aus dem COMECON und dem Warschauer Pakt. Albanien lehnte sich fortan an das maoistische China an, der Maoismus wurde nun zur neuen Staatsdoktrin erhoben. Der Tod Maos 1976 und den darauf folgenden Reformen Deng Xiaopings löste einen erneuten Politikwechsel aus, Albanien sagte sich nun offiziell auch vom Maoismus los und verfolgte einen neuen albanischen Weg zum Sozialismus, der sich durch eine besonders isolationistische, autarke Politik auszeichnete.

Reformkommunismus Ost

In den Ostblockstaaten mit einer älteren demokratischen Tradition gab es seit 1953 Anläufe zu Eigenständigkeit und Emanzipation vom „großen Bruder“ in Moskau. Diese Bemühungen um Reformen auf weiterhin staatssozialistischer Grundlage werden als Reformkommunismus eingeordnet. Sie begannen mit dem eher anti- als reformkommunistischen Volksaufstand des 17. Juni 1953 in der DDR, der zuerst Arbeitszeit- und Lohnreformen forderte, dann das Machtmonopol der SED in Frage stellte und auch schon die Deutsche Wiedervereinigung anvisierte. Sie führten 1956 in Ungarn und 1968 in der Tschechoslowakei (damals ČSSR) zu einer Wiederbelebung der Räte und der Genossenschaften in Verbindung mit einer vorsichtigen Liberalisierung der Wirtschaft und Zulassung von Privatunternehmen. Diese Versuche waren stets von breiten Bevölkerungsschichten getragen und wurden immer dann gewaltsam von der Roten Armee niedergeschlagen, wenn die Loslösung vom Warschauer Pakt und damit von der SU in Reichweite kam.

Auch in der staatsunabhängigen Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc in Polen gab es anfangs prominente Vertreter mit reformkommunistischen Ansätzen, die z. B. die Kontrolle über die Lebensmittelverteilung in Polen forderten. Hier wurde der Einmarsch sowjetischer Truppen 1980 nur knapp vermieden, indem General Wojciech Jaruzelski zuvor das Kriegsrecht verhängte.

Eurokommunismus West

In Westeuropa waren kommunistische Bewegungen bis 1939 in vielen Staaten verbreitet. In Italien entstand nach Vorarbeiten von Antonio Gramsci nach 1945 der so genannte „Eurokommunismus“, der sich vom Stalinismus abgrenzte und durch parlamentarische Mehrheiten ökonomische und soziale Reformen erreichen wollte. In Frankreich vertrat bzw. vertritt die von relativ starken Gewerkschaften getragene KPF in den 70er Jahren und seit dem Zusammenbruch des Ostblocks eurokommunistische Standpunkte.

Neomarxismus

Hauptartikel: Neomarxismus und Frankfurter Schule

Kommunistische Splitterparteien

Hauptartikel: K-Gruppen

In Westdeutschland, wo die Kommunistische Partei 1956 verboten wurde, entstanden in der politischen Spannungslage nach der Studentenbewegung zahlreiche sogenannte K-Gruppen, die oft stark gegeneinander konkurrierten und sich je nach Vorbild an einen oder mehrere „real existierende“ kommunistische Staaten anlehnten.

Kritik des Realsozialismus

Innermarxistische, sozialistische und liberale Kritikansätze

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Die Kritik an den real existierenden Systemen mit kommunistischem Anspruch setzt an mehreren Aspekten an:

  • fehlende Basisdemokratie: Das von Lenin verhängte Partei- und Fraktionsverbot lähme die notwendige gesellschaftliche Partizipation und Eigeninitiative der Arbeiter und gefährde so den Aufbau des Sozialismus (Rosa Luxemburg).
  • Bürokratie: Durch die Isolierung Sowjetrusslands konnte eine neue Bürokratenschicht die „Macht an sich reißen“, was zu einer „Entartung“ des Arbeiterstaates führte (Leo Trotzki).
  • Zentralismus: Die von oben nach unten aufgebaute sowjetische Kaderpartei sei strukturell unfähig, die Wirtschaftsprobleme des Landes zu lösen (Wolfgang Leonhard).
  • Ideologische Manipulation: Stalins und Maos „Marxismus-Leninismus“ sei ein Bruch mit den ursprünglichen Ideen von Marx, Engels und Lenin und pervertiere sie (George Orwell, Oskar Negt, Iring Fetscher).
  • Totalitarismus: Die Staatsform der Sowjetunion lasse strukturell keine Demokratisierung zu und schalte die freie Entfaltung der Menschen ähnlich total aus wie der Faschismus (Hannah Arendt).
  • die Gesellschaftsformation der Sowjetunion und Chinas sei kein Sozialismus/Kommunismus, sondern eine bürokratisch erstarrte Form des Asiatischen Despotismus (August Wittvogel, Rudolf Bahro, Rudi Dutschke),
  • Imperialismus: Die innerstaatliche Diktatur und ökonomische Schwäche der Sowjetunion führe zu äußerem Expansionsdrang und Hegemonialansprüchen, die den Weltfrieden gefährden (Konsens von Reformkommunisten, Antikommunisten und manchen Befreiungsbewegungen der Dritten Welt)

Im Zentrum vieler Kritikansätze steht die Einparteienherrschaft, die das gemeinsame Kennzeichen der „Volksdemokratien“ war und ist. Formell konnten z. B. im Blockparteiensystem der DDR weitere kleine Parteien existieren, die aber gleichgeschaltet mit der SED waren und deren Mehrheit nie gefährden durften.

Totalitarismus

Die Totalitarismus-Theorie vergleicht seit ihrem Aufkommen in den 1920er-Jahren die politischen Systeme des Faschismus mit dem des Marxismus-Leninismus beziehungsweise Stalinismus. Ihre Vertreter gehen von formalen und inhaltlichen Ähnlichkeiten der Systeme und Parteikonzepte aus. Kritiker, insbesondere in Deutschland, werfen ihnen vor, damit die Einmaligkeit des Nationalsozialismus zu leugnen und seine Verbrechen zu verharmlosen. Allgemein muss differenziert werden zwischen historisch tatsächlich existent gewesenen Ausprägungen und dem theoretischen Gebilde des Kommunismus, die nicht bereits deckungsgleich seien.

Postkommunismus der Gegenwart

Neue Strömungen

Neben den weiterhin bestehenden traditionalistischen Parteien und trotzkistischen Parteien existieren heutzutage folgende Strömungen:

Linkskommunismus

Bereits in den 1920ern kristallisierte sich innerhalb der kommunistischen Bewegung der Linkskommunismus als neue Strömung heraus. Bekanntester Vertreter war Amadeo Bordiga. Er kritisierte sowohl die Stalinisierung innerhalb der kommunistischen Parteien als auch den Trotzkismus. Während die meisten kommunistischen Organisationen nach 1945 den real existierenden Sozialismus verteidigten, haben Bordiga und die Internationale Kommunistische Partei in mehreren Schriften dargelegt, warum die Sowjetunion und die anderen „realsozialistischen“ Staaten für sie nicht sozialistisch seien, sondern eine besondere Form der kapitalistischen Entwicklung darstellen würden. Andere linkskommunistische Theoretiker, die in den 1920er-Jahren in Abgrenzung von Lenin eine Räteherrschaft des Proletariats anstrebten (Rätekommunismus), waren Anton Pannekoek, Karl Korsch und Otto Rühle. Ihre Rezeption beeinflusste die deutsche Studentenbewegung.

Linkskommunistische Positionen im weiteren Sinn werden seit dem Zusammenbruch des Realsozialismus wieder häufiger vertreten.

Postkommunistische Parteien

Nach dem Ende des realexistierenden Sozialismus reformierten sich viele der zuvor staatstragenden kommunistischen Parteien, gaben sich neue Programme und Namen. Während einige unter diesen äußeren Veränderungen traditionelle ideologische Konzepte fortsetzen, setzen andere heute auf Konzepte wie die Basisdemokratie und den Demokratischen Sozialismus anstelle einer Diktatur des Proletariats und dem Führungsanspruch einer einzigen Partei.

Postmarxistische Ansätze

In der so genannten Neuen oder Alternativen Linken bildeten sich, aufbauend auf der kritischen Theorie, andere kritische Auseinandersetzungen mit der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaftsordnung heraus. Als ihr Ausdruck kritisiert werden bestimmte Ideologien und Tendenzen wie Arbeitsfetisch, Personalisierung abstrakter Verhältnisse, Antisemitismus und Antiamerikanismus. Dabei beziehen sich die Kritiker nicht nur auf Karl Marx, sondern vor allem auch auf die Vertreter der „Kritischen Theorie“ (Adorno, Horkheimer) und den Wertkritiker Moishe Postone.

Verschiedene Gruppen des linksalternativen Spektrums vertreten heute neue gesellschaftskritische Ansätze, aus denen sich besonders nach dem 11. September 2001 zwei postmarxistische Strömungen herausbildeten:

  • die „Wertkritiker“: Exit und Krisis;
  • die „Antideutschen“: z. B. die Zeitschrift Bahamas, Theorie.Organisation.Praxis Berlin oder die Leipziger Gruppe in Gründung (GiG).

Beide Strömungen wollen prozessual die bürgerlich-kapitalistischen Verhältnisse aufheben und in eine „befreite“ Gesellschaft transformieren. Ihr Ziel dabei ist, eine zwanglose und gemeinschaftliche Gesellschaft, in der der Mensch und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt stehen. Diese zukünftige Gesellschaft sei vor allem negativ gegen das definiert, was überwunden werden soll. Sie lasse sich nicht auf dem Reißbrett und aus den heutigen Verhältnissen heraus konzipieren, sondern könne nur aus der Kritik am Bestehenden heraus im gemeinsamen und bewussten Diskussions- und Transformationsprozess entstehen. Besonders die Antideutschen beharren auf dem von Adorno (Negative Dialektik, Minima Moralia) proklamierten Bilderverbot, also dem bewussten Verzicht auf das Ausmalen der befreiten Zukunft.

Im Vordergrund dieser negativen und gesellschaftskritischen Bestimmung steht die Analyse des Kapitalismus. Dieser wird aus der als dominant verstandenen „Wert-Logik“ heraus erklärt, deren wesentlicher Ausdruck der „Selbst-Verwertungs-Prozess“ des Kapitals sei: In einem beständigen Prozess muss der Kapitalist aus Geld mehr Geld „machen“, indem er menschliche Arbeitskraft, Maschinen und Rohstoffe ankauft, damit Waren produziert, diese verkauft und die erzielten Gewinne (Profit, Mehrwert) zum großen Teil wieder in den Produktionsprozess reinvestiert. Das „Kapital“ wird damit zum „automatischen Subjekt“, über dessen abstrakten Selbstzweck die menschlichen Beziehungen vermittelt seien. Kapitalisten (Ankäufer der Ware Arbeitskraft) und Arbeiter (Verkäufer der Ware Arbeitskraft) werden als zwei notwendige und konkurrierende Funktionsträger/Akteure innerhalb dieses Verhältnisses betrachtet. Menschliche Tätigkeit als „Arbeit“ wird dabei zu einer entsinnlichten und aus dem Lebensumfeld der Menschen herausgerissenen Form menschlicher Tätigkeit, die nur noch dem Zweck der Kapitalvermehrung unterworfen ist. Der Begriff des „Werts“ ist in dieser Kritik zentral, da er in Form von „gesellschaftlich notwendiger Arbeitszeit“ das so genannte abstrakte „gemeinsame Dritte“ darstellt, auf dem Warenproduktion und -tausch beruhen (vgl. dazu Karl Marx: Das Kapital. Band I).

Diese Gesellschaftlichkeit werde im Kapitalismus zwar von den Menschen hervorgebracht, verselbständige sich allerdings fetischhaft und vollziehe sich als grundlegende Struktur hinter deren Rücken. Sie sei als Ganzes nur schwer fassbar und trete ihnen „verschleiert“ gegenüber, weil der eigentliche Zweck des Warentauschs, die Kapitalvermehrung, durch die scheinbare Angleichung von Gebrauchs- und Tauschwert einer Ware auf dem freien Markt verdeckt werde.

Nach Roswitha Scholz (Exit) und anderen besteht das zugrundeliegende Strukturverhältnis im Kapitalismus nicht allein auf dem Wertprinzip, sondern auf einem in sich gebrochenen Verhältnis von Wert (das „Männliche“, Rationale, Gesellschaftliche, Subjekthafte) und Abgespaltenem (das „Weibliche“, Emotionale, Natürliche, Objekthafte). Dies wird als Wert-Abspaltungansatz bezeichnet.

Beide Strömungen grenzen sich scharf vom traditionellen Marxismus ab, da dieser das Proletariat als so genanntes „revolutionäres Subjekt“ und Tätigkeitsform „Arbeit“ positiv besetzt. Dagegen wird hier Arbeit streng als spezifisch kapitalistische und aus dem Lebensalltag der Menschen herausgerissene menschliche Tätigkeit kritisiert. Auch die marxistische Klassenkampfrhetorik wird als Personalisierung abgelehnt.

Den „real existierenden Sozialismus“ analysieren Wertkritiker als eine spezifische Form von Entwicklungsdiktaturen, die unter der Vorgabe (und im Glauben), eine sozialistische Gesellschaft zu errichten, nur eine nachholende Industrialisierung auf dem Boden der warenproduzierenden Vergesellschaftung durchsetzten.

Kritisiert wird auch das bürgerliche Subjekt als zugerichtete und unfreie Form des menschlichen Individuums. Damit zusammenhängend, werden Begriffe wie „Gerechtigkeit“, „Menschenrechte“, „Aufklärung“, die Ideale „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ und „Demokratie“ als Ausdruck der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, deren Maßstäben gemäß, aufgefasst. Sie seien in dieser Form nicht in eine kommunistische Gesellschaft hinüberzuretten.

Literatur

Allgemeine Geschichte

  • Adamczak, Bini: Kommunismus. Kleine Geschichte, wie endlich alles anders wird. Unrast: Münster 2004, ISBN 3-89771-430-2
  • Adamczak, Bini: GESTERN MORGEN. Über die Einsamkeit kommunistischer Gespenster und die Rekonstruktion der Zukunft. Unrast, Münster 2007. ISBN 978-3-89771-465-6
  • Isaac Deutscher: Die unvollendete Revolution, Frankfurt 1973
  • Max Beer: Allgemeine Geschichte des Sozialismus und der sozialen Kämpfe. Mit Ergänzungen von Hermann Duncker, 2. Auflage, Nachdruck der 7. Auflage von 1931, Erlangen 1973, ISBN 3-920531-17-5 (Online-Reprint mit Links zu den einzelnen Kapiteln)
  • Günter Bartsch, Kommunismus, Sozialismus, Anarchismus, Wurzeln, Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Herder-Verlag, Freiburg/Br., Basel, Wien 1976. ISBN 3-451-07592-X

Marxismus

  • Korsch, Karl: Karl Marx. Herausgegeben von Götz Langkau. Frankfurt 1967, ISBN 3-434-45043-2
  • Luxemburg, Rosa: Politische Schriften Bd. I-III. Herausgegeben von Ossip K. Flechtheim. Frankfurt 1975, ISBN 3-434-45048-3
  • Kurz, Robert: Marx lesen. Die wichtigsten Texte von Karl Marx für das 21. Jahrhundert. Eichborn: Frankfurt 2000, ISBN 3821816449

Rätekommunismus

  • Bock, Hans Manfred: Syndikalismus und Linkskommunismus von 1918–1923. Zur Geschichte und Soziologie der Freien Arbeiter-Union Deutschlands (Syndikalisten), der Allgemeinen Arbeiter-Union Deutschlands und der Kommunistischen Arbeiter-Partei Deutschlands. Marburger Abhandlungen zur Politischen Wissenschaft, Bd. 13, Meisenheim/Glan 1969

Maoismus

  • Edgar Snow: Roter Stern über China, Frankfurt 1970

Kritik und Gegenkritik

  • Courtois, Werth, Panné, Paczkowski, Bartosek, Margolin: Das Schwarzbuch des Kommunismus, Unterdrückung, Verbrechen und Terror. Piper, München 1998, ISBN 3492040535
  • Mecklenburg, Jens: 'Roter Holocaust'? Kritik des Schwarzbuchs des Kommunismus. Konkret: Hamburg 1998, ISBN 3894581697

Weblinks

Textsammlungen
Zeitschriften

marxistisch


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