Bahnhof Neu-Isenburg
Neu-Isenburg
Hauptgebäude
Bahnhofsdaten
Kategorie Nahverkehrssystemhalt
Art Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise

3

Abkürzung

FNIS/FNISA

Architektonische Daten
Stadt Neu-Isenburg
Bundesland Hessen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 3′ 10″ N, 8° 39′ 57″ O50.0527777777788.66583333333337Koordinaten: 50° 3′ 10″ N, 8° 39′ 57″ O
Eisenbahnstrecken
Liste der Bahnhöfe in Hessen bzw. Liste der SPNV-Stationen in Hessen

Der Bahnhof Neu-Isenburg ist ein Bahnhof in Hessen. Er wurde am 1. November 1852 in Betrieb genommen und wird heute von der S-Bahn Rhein-Main und Regionalzügen der Deutschen Bahn AG bedient. Seit dem 29. Mai 1961 besitzt er als einziger hessischer Bahnhof ein Verladeterminal für Autoreisezüge (AZ). Des Weiteren verfügt er über zwei Bushaltestellen, einen Taxistand und einen Park+Ride-Parkplatz.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Der Bahnhof befindet sich am westlichen Rand von Neu-Isenburg am Ende der Bahnhofstraße − circa zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Er liegt an der Bahnstrecke 3601 (Main-Neckar-Bahn), die den Hauptbahnhof Heidelberg mit dem Hauptbahnhof Frankfurt (Main) verbindet.

Geschichte

Bahnhof Isenburg um 1900

Entstehung

Als die Main-Neckar-Bahn am 1. August 1846 in Betrieb ging, gab es den Halt Neu-Isenburg noch nicht. Um von der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Eisenbahn zu profitieren, reichten Neu-Isenburger Bürger (unter anderem der Gastwirt Friedrich Engel und der ortsansässige Schneider Wittich) mehrfach Eingaben beim Großherzoglich-Hessischen Ministerium der Finanzen in Darmstadt, das zu dieser Zeit für das Verkehrswesen zuständig war, ein. Diese Eingaben wurden zunächst abgelehnt. Erst Anfang des Jahres 1852 wurde dem Begehren stattgegeben und am 1. November 1852 der Bahnhof Isenburg eröffnet. Anfänglich nutzten nur Wenige die neue Bahnstation. In einer Statistik von 1852/1853 wurde vermerkt, dass „107 Gulden und 15 Kreuzer für den Transport von Personen, Tieren und Gepäck vereinnahmt“ worden waren.

Zunächst bestand der Bahnhof nur aus einem Bahnwärterhäuschen, das im Zuge der Verlegung des zweiten Gleises im Herbst 1861 durch ein Bahnhofsgebäude ersetzt wurde. Ein Jahr später wurde der Bahnhof mit einem Telegraphen ausgestattet.

Erweiterung

Ende 1873 wurden zwei Rangiergleise und ein Anschlussgleis zur im gleichen Jahr erbauten Ziegelei der Philipp Holzmann & Cie. KG in Betrieb genommen, was der Stadt wirtschaftlichen Aufschwung bescherte. Alle dazu erforderlichen Weichen mussten zunächst vor Ort von Hand bedient werden. Erst 1876 wurde ein erstes Stellwerk gebaut, von dem aus die Weichen per Drahtverbindungen gestellt werden konnten. 1893 wurde das Signalstellwerk durch das „Zentralweichen- und Signalstellwerk auf einem Stellwerkturm“[1] mit der Bezeichnung Isb ersetzt.

Im Jahr 1894 erhielt der Bahnhof seine erste elektrische Beleuchtung. 1900 wurde der Betrieb des nördlichen Rangiergleises aufgrund der in der Zwischenzeit entstandenen Güterbahnhöfe auf der Strecke bis Darmstadt wieder eingestellt. Die Beförderungsleistung des Bahnhofs war bis dahin bereits auf 100.000 Personen und 45.000 Tonnen Fracht pro Jahr angewachsen.

Abzweig zum Güterbahnhof
Güterbahnhof Neu-Isenburg

1904 wurde ein zweites Stellwerk mit der Bezeichnung If in Betrieb genommen.

Stichstrecke nach Isenburg-Stadt

Um die Bahnstrecke näher an das Stadtzentrum von Neu-Isenburg zu bringen, wurde am 20. März 1902 eine insgesamt circa 2,2 km lange Stichstrecke zum südlichen Stadtgebiet in Betrieb genommen. Die Strecke verlief eingleisig und spaltete sich am Güterbahnhof in eine Gleisharfe mit sechs Gleisen auf. Das südlichste dieser Gleise verfügte über zwei manuell betriebene Drehscheiben, über die die am Bahnhof gelegene Industrie an die Strecke angeschlossen war. Auf dieser Stichbahn wurden ausschließlich Güter befördert, da Neu-Isenburg durch die Frankfurter Waldbahn bereits über einen ortsnahen Anschluss für den Personenverkehr nach Frankfurt verfügte. Ende des Jahres 2006 wurde diese – nie elektrifizierte – Stichstrecke stillgelegt und die Gleise in der Folgezeit zum Teil entfernt.

Zwischenkriegszeit

Im Zuge der Ruhrgebietsbesetzung durch französische Truppen 1923 wurde der Bahnhof Neu-Isenburg requiriert und durfte von Deutschen nicht mehr betreten werden. Da viele Isenburger auf den Bahnanschluss angewiesen waren, wurde auf der nur circa vierhundert Meter vom Bahnhof entfernten, nicht-besetzten Gemarkung der Stadt Frankfurt von ortsansässigen Eisenbahnern ein Notbahnhof eingerichtet. Er bestand lediglich aus einer Holzhütte zum Verkauf von Fahrkarten und einem Bohlenübergang, der ein halbwegs sicheres Aus- und Einsteigen gewährleistete. Das Provisorium endete erst mit dem Abzug der französischen Truppen im September 1924.

Während des Zweiten Weltkrieges war die Stadt Neu-Isenburg und ihr Bahnhof wiederholt schweren Luftangriffen ausgesetzt, bei denen – im Gegensatz zu anderen Bahnhöfen im Umkreis – das Empfangsgebäude unversehrt blieb und nur Teile der Gleisanlagen beschädigt, aber nach Kriegsende zügig repariert wurden.

Deutsche Bundesbahn

Anfang der 1960er-Jahre entschloss sich die Deutsche Bundesbahn, das Rhein-Main-Gebiet an das internationale Autoreisezugnetz anzuschließen. Dafür wählte sie den Bahnhof Neu-Isenburg. Am 29. Mai 1961 hielt hier der erste Autoreisezug. Der Bahnhof wurde dadurch international bekannt. 1968 erhielt die Autoverladeanlage ein zweites Gleis.

Am 14. April 1969 wurden die Stellwerke Isb und If in einem neuen Stellwerk If zusammengefasst, das auch die Aufgaben der Stellwerke Bf und Bn in Dreieich-Buchschlag übernahm. Es handelt sich um ein elektrisches Stellwerk vom Typ Sp Dr S 60 (Spurplan-Drucktasten Siemens 1960). Die Anlage ist bis heute in Betrieb.

1983 wurde im Bahnhof Neu-Isenburg der Rangierbetrieb eingestellt. Seit 1997 dient der Bahnhof als Haltepunkt für den S-Bahnverkehr.

Unfälle

  • 1882: Durch die Laterne eines vorbeilaufenden Arbeiters entzündete sich Etherdunst, der aus einem abgestellten, mit Ether gefüllten Wagen ausströmte. Der Wagen und ein in der Nähe stehender, mit Baumwolle beladener Wagen, wurden zerstört.
  • 1892 entgleisten zwei Güterwagen und zerrissen sämtliche Telegraphenleitungen, die Frankfurt und Darmstadt miteinander verbanden.
  • 1945 verließ der diensthabende Fahrdienstleiter in den letzten Kriegstagen in Erwartung eines Fliegerangriffs das Stellwerk, um in den Luftschutzkeller zu gehen. Vorher gab er das Einfahrtssignal für einen Zug aus Frankfurt auf Gleis 3 frei, ohne daran zu denken, dass dieses Gleis noch durch einen Personenzug belegt war. Der Zusammenprall der Züge forderte fast vierzig Tote.
  • Im Oktober 1958 erfasste ein Eilzug zwei PKW, die auf dem damals noch bestehenden Bahnübergang standen.
  • 1979 entgleiste aus ungeklärter Ursache ein Personenzug. Es gab keine Verletzten, allerdings entstand ein Sachschaden von 150.000 DM.
  • Am 25. März 2008 fuhren Autotransportwagen beim Zusammenkoppeln zu schnell auf die wartenden Personenwagen auf. Vierzehn Menschen wurden verletzt.[2]

Nutzung

S-Bahnsteig mit den Gleisen 2 und 3

Bahnverkehr

Der Bahnhof wird von der S-Bahn Rhein-Main und von der DB Regio bedient.

Die S-Bahnen S3 und S4 bedienen den Bahnhof werktags im Halbstundentakt, wodurch sich durch die Überlagerung ein Fünfzehnminutentakt ergibt. Sonntags verkehren beide Linien im Stundentakt, woraus sich in der Überlagerung eine Halbstundentaktung ergibt. Die Regionalbahn der Linie 61 (Dreieichbahn) verkehrt von Montag bis Freitag dreimal am Morgen von Dieburg nach Frankfurt und dreimal am Nachmittag von Frankfurt nach Dieburg in einem Abstand von circa einer Stunde.[3]

Linien
Frankfurt (Main) Louisa S-Bahn S3, S4
S-Bahn Rhein-Main
Dreieich-Buchschlag
Frankfurt (Main) Hauptbahnhof Regional 61
DB Regio
Dreieich-Buchschlag
Verladerampe mit Wagen

Autoreisezug

Der Bahnhof verfügt über eine Verladerampe für Autoreisezüge der DB AutoZug. Während der Sommersaison werden am Autoreisezug-Terminal circa 10.000 Fahrzeuge verladen. Über eine asphaltierte Rampe werden die Fahrzeuge von den Passagieren selbst auf die zweistöckigen Autotransportwagen gefahren. Die Fahrer können dann über spezielle, am Gleis aufgestellte Plattformen die Waggons verlassen. In den ersten 25 Jahren des Autoreisezug-Terminals in Neu-Isenburg wurden so über 200.000 Fahrzeuge abgefertigt. Nach Ankunft des Zuges werden die beladenen Waggons an den Zug angehängt und die Passagiere können in die Schlaf- und Liegewagen einsteigen. Züge verkehren von Neu-Isenburg nach Narbonne in Frankreich, Alessandria und Verona in Italien sowie Villach in Österreich. Für die Wartezeiten steht den Reisenden ein verglaster Wartesaal an der Südseite des Bahnhofsgebäudes zur Verfügung.

Bushaltestelle, Ostseite
Bushaltestelle Westseite und Park+Ride Parkplatz

Busverkehr

Es existieren zwei Bushaltestellen, die von Verkehrsunternehmen im Rhein-Main-Verkehrsverbund bedient werden. Die Bushaltestelle Bahnhof Westseite verbindet den Bahnhof Neu-Isenburg mit dem Terminal 1 des Flughafens und dem Bahnhof Obertshausen (Linie 651), Rödermark-Urberach (Linie OF-95).

Von der Bushaltestelle Bahnhof Ostseite verkehren Busse nach Darmstadt-Arheilgen (Linie 662) und Mörfelden über Langen (Linie 663).

Die Linie OF-51 verkehrt je nach Uhrzeit zur Ostseite (dann als Endhaltestelle) oder über die Westseite zum Terminal 2 oder zur CargoCity Süd und in der Gegenrichtung nach Gravenbruch.

Individualverkehr

An der Ostseite des Bahnhofs befindet sich ein Taxi-Stand und an der Westseite wurde ein Park+Ride-Parkplatz angelegt.

Außerdem befinden sich im Bahnhofsgebäude ein Restaurant, ein Kiosk sowie das Reisezentrum mit Fahrkartenverkauf für den Autoreisezugverkehr.

Regionaltangente West

Verlauf des Abzweigs in Neu-Isenburg

Die Regionaltangente West ist eine geplante Regionalstadtbahn-Linie im Schnellbahnnetz des Rhein-Main-Gebietes. Sie soll die Städte des Hochtaunuskreises und des Main-Taunus-Kreises mit dem Flughafen Frankfurt und Neu-Isenburg verbinden.

Die Planungen sehen vor, dass der Bahnhof Neu-Isenburg sowie zwei weitere – noch zu bauende – Haltepunkte (Gewerbegebiet West und Isenburg-Zentrum) auf Neu-Isenburger Stadtgebiet angeschlossen werden. Hierzu soll der bereits bestehende und vorläufig stillgelegte Abzweig nach Neu-Isenburg wieder aktiviert werden. Außerdem soll neben der aus Norden kommenden Ausfädelung aus der Main-Neckar-Bahn eine aus Süden kommende Ausfädelung gebaut werden.[4] Von der Main-Neckar-Bahn abzweigend soll die Trasse eingleisig ins Stadtzentrum von Neu-Isenburg bis zum ehemaligen Güterbahnhof Neu-Isenburg führen, so dass kein zweigleisiger Ausbau der Trasse vorgenommen werden muss. Am Ende der Strecke soll der Haltepunkt Isenburg-Zentrum mit einer zweigleisigen Wendeanlage entstehen.[4] Um wie geplant entweder eine S-Bahn oder eine Zweisystemstadtbahn nach Karlsruher Modell auf der bestehenden Strecke verkehren zu lassen, muss die Strecke elektrifiziert werden.

Topologischer Gleisplan

Gleisplan des Bahnhofs


Gleisfeld

Die Main-Neckar-Bahn verläuft zwischen Frankfurt-Louisa und Dreieich-Buchschlag viergleisig. Vor dem Bahnhof Neu-Isenburg wird ein Gleis ausgefädelt, das im Bahnhof zum Gleis 1 wird. Hinter dem Bahnhof Neu-Isenburg werden die östlichen vier Gleise (auf dem Gleisbild unten), wieder in die Hauptstrecke eingefädelt.

Die westlichen beiden Gleise (auf dem Gleisbild oben) sind die Bahnhofsgleise 3 und 2. Sie dienen dem S-Bahnverkehr. Die nächsten beiden Gleise gehören zur Strecke 3688, dienen dem Fern- und Güterverkehr und verlaufen ohne Bahnsteigkante durch den Bahnhof. Zur Strecke 3688 zählt das Bahnhofsgleis 1. Hier verkehrt die Regionalbahn zwischen Dieburg und Frankfurt. Östlich des Gleises 1 liegen die Gleise des Autoreisezug-Terminals (FNISA) an deren Ende sich die Rampe befindet, über die Kraftfahrzeuge auf die Autotransportwagen verladen werden.

Literatur

  • Mathias Tank: Bahnhof Neu-Isenburg – Eine Bahnstation macht Karriere. ztv-Verlag, 1984, ISBN 3-923597-11-8
  • Gerhard H. Gräber, Claudia Lack, Reinhard Zimmermann: Zeitsprünge Neu-Isenburg. Sutton Verlag, 2005, ISBN 3-89702-798-4
  • Heidi Fogel: Neu-Isenburg auf dem Weg vom Dorf zur Stadt an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Magistrat der Stadt Neu-Isenburg, 1994

Einzelnachweise

  1. Mathias Tank, Bahnhof Neu-Isenburg – Eine Bahnstation macht Karriere, S. 79
  2. Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 25.03.2008
  3. Fahrplan der Deutschen Bahn
  4. a b Regionaler Flächennutzungsplan des Planungsverbandes Ballungsraum Frankfurt / Rhein-Main 2007

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