Bahnhof Nordstemmen
Nordstemmen
Das Empfangsgebäude Nordstemmen im April 2007
Das Empfangsgebäude Nordstemmen im April 2007
Daten
Kategorie 5
Betriebsart Trennungsbahnhof
Bauform Keilbahnhof
Bahnsteiggleise 3
Abkürzung HNOS
Eröffnung 1853
Architektonische Daten
Baustil Historismus
Baumeister Conrad Wilhelm Hase
Lage
Gemeinde Nordstemmen
Land Niedersachsen
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 10′ 1,7″ N, 9° 47′ 24″ O52.1671388888899.79Koordinaten: 52° 10′ 1,7″ N, 9° 47′ 24″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Niedersachsen

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Der Bahnhof Nordstemmen ist ein Keilbahnhof und liegt in Nordstemmen.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Der Bahnhof liegt an der Bahnstrecke Hannover–Göttingen und an der Bahnstrecke Hildesheim–Löhne, die zwischen Nordstemmen und Elze zusammen mit der Bahnstrecke Hannover–Göttingen verläuft. Seit dem 1. Mai 1853 war die Hannoversche Südbahn von Hannover über Nordstemmen bis Alfeld befahrbar, die Strecke von Nordstemmen nach Hildesheim wurde am 15. September 1853 durch die Hannoversche Staatsbahn eröffnet. Nach der Eröffnung der Weserbahn von Elze bis Löhne durch die Hannover-Altenbekener Eisenbahn (HAE) am 19. Mai 1875 für den Güterverkehr und am 30. Juni 1875 für den Personenverkehr gab es durchgehende Züge Hildesheim–Hameln–Löhne. Dafür hatte die HAE zwischen Elze und Hildesheim ein zweites Gleis verlegt. Diese Strecke ging am 1. Januar 1880 in den Besitz des preußischen Staates über, dem die hannoverschen Staatsbahnstrecken schon seit 1866 gehörten. Vom Bahnhof Nordstemmen führte eine Bahnstrecke an Rössing vorbei und durch den Ort Lauenstadt hindurch zur Calenberger Mühle bei Schulenburg. Auch die 1865 gegründete Zuckerfabrik Nordstemmen war mit eigenen Gleisen an den Bahnhof Nordstemmen angeschlossen.

Im Jahr 1896 entstand der Plan, eine 22,3 km lange Kleinbahn in Meterspur von Nordstemmen aus über Barnten, Schulenburg, Adensen, Hallerburg, Alferde, Eldagsen und Alvesrode nach Springe zu erstellen, die sowohl dem Personenverkehr wie auch dem Güterverkehr dienen sollte. Die Kleinbahn sollte jährlich 100.000 Reisende und 30.000 Tonnen Güter (unter anderem Zuckerrüben für die Zuckerfabrik Nordstemmen) befördern. Der Bau der Kleinbahn scheiterte am Einspruch der Stadt Eldagsen und ihrer Landwirte, die keine Eisenbahn in ihrem Stadtgebiet haben wollten.

Nach der Eröffnung der auf einer anderen Bahntrasse verlaufenden Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg im Jahr 1991 hat sich der durchgehende Personenverkehr im Bahnhof Nordstemmen stark verringert. Heute verkehren auf der Strecke Hannover–Göttingen stündlich Züge der metronom (ME), daneben gibt es neben Güterzügen auch noch einige Intercity-Züge der DB AG, die den Bahnhof Nordstemmen durchfahren. Durch den starken Anstieg des Güterverkehrs seit dem Jahr 2006 ist in Zukunft mit der Durchfahrt von erheblich mehr Güterzügen zu rechnen. Auf der Strecke Hildesheim–Hameln verkehren stündlich Züge der Eurobahn.

Bahnhofsgelände

Der Bahnhof wurde nördlich des damaligen Bauerndorfes Nordstemmen an der Straße nach Rössing errichtet. Die Gleise Richtung Elze führten westlich am Dorf vorbei. Südlich des Bahnhofsgeländes gab es 1853 vier schrankenlose Bahnübergänge, die den Zugang zum westlich gelegenen Auewald Nordstemmer Holz und von dort aus über eine heute nicht mehr bestehende Leinebrücke nach Schulenburg ermöglichten. Die jetzige Kreisstraße K 505 nach Adensen wurde erst 1935 erbaut.

Ansicht des Bahnhofs Nordstemmen im Jahr 1861. Zeichnung von Julius Rasch.

Der Bahnhof Nordstemmen war zunächst ein Durchgangsbahnhof für die am 1. Mai 1853 eröffnete Hannöversche Südbahn von Hannover über Nordstemmen bis Alfeld. Durch den zusätzlichen Bau der am 15. September 1853 durch die Königlich Hannöverschen Staatseisenbahnen eröffneten Eisenbahnstrecke von Nordstemmen nach Hildesheim wurde der Bahnhof zu einem Trennungsbahnhof in Form eines Keilbahnhofs, der wegen des fehlenden direkten Zuganges zur Straße in Insellage lag. Die Bahn transportierte damals neben Fahrgästen auch aufgegebenes Reisegepäck, Fracht, Briefpost, Paketpost und Telegramme. Der Vorteil eines Inselbahnhofes wurde 1853 darin gesehen, dass alle Züge neben dem Empfangsgebäude an einem einzigen Mittelbahnsteig halten konnten und dass das Umladen des Gepäcks zwischen dem Empfangsgebäude und den Zügen ohne die Überquerung von Gleisen vor sich gehen konnte.

Lageplan vom Bahnhof Nordstemmen aus dem Jahr 1861. Im Königreich Hannover gab es bei der Bahn Linksverkehr.

Der Bahnhof bestand 1853 aus verschiedenen Gebäuden, die von Gleisen umgeben waren. Der Zugang zum Bahnhof führte über die Gleise und war durch einen Zugbaum abgesperrt; daneben stand ein Bahnwärterhäuschen. Die Fahrgäste konnten vom Bahnhof aus mit einer Kutsche zu ihrem Reiseziel weiterfahren.

Der Bahnhof wurde mit zahlreichen Gebäuden ausgebaut. Er war ein wichtiger Arbeitgeber für Nordstemmen. Im Jahr 1878 arbeiteten auf diesem Bahnhof ein Vorsteher, ein Geldeinnehmer, ein Auszubildender (Diätar genannt), drei Telegrafisten, ein Magazinaufseher, zwei Wagenmeister, zwei Lademeister, ein Portier, sieben Rangiermeister und ein Gehilfe.

Historische Aufnahme des Empfangsgebäudes um 1861
Postkarte des Bahnhofs um 1915

Nordstemmen besaß fünf Schafställe und war das Ziel von Schafzüchtern und Schafhändlern, die mit der Bahn sogar aus Holland anreisten, um hier zu übernachten und Schafe zu kaufen oder zu verkaufen. An der Laderampe des Bahnhofs standen gemauerte Viehboxen. Wenn ihre Türen hochgezogen wurden, liefen die Schafe von dort über Stege direkt in die Waggons.

Als vom 12. bis 23. September 1858 in der Umgebung die Manöver des X. Bundes-Armeekorps stattfanden, stand vor dem Bahnhof die Feldpost-Expedition, und es warteten dort sechs Postkutschen mit zwölf Pferden auf ihre Fahrgäste.

Im Jahre 1870 wurden die Gleise im Norden durch den Bahnübergang zur Zuckerfabrik und im Süden durch den Bahnübergang zur Marienbergstraße überquert. 1871 entstand an der Ostseite der Gleisanlagen ein Eiskeller für die Bahnhofsgastronomie.

Zahlreiche Eisenbahner nahmen ihren Wohnsitz in Nordstemmen, und das Bauerndorf wurde zum Bahnhof hin erweitert.

Im Norden des Empfangsgebäudes steht im Keil zwischen den Gleisanlagen die ehemalige Remise für die Eisenbahnsalonwagen König Georgs V. von Hannover. Die Salonwagen fuhren vom Norden her nebeneinander durch verschiedene Tore in die Remise hinein; auf der Südseite waren die Räume für die Wachmannschaften. Diese Wagenremise ist erhalten. Sie wird für eine Dienststelle der Deutschen Bahn AG genutzt und besitzt auf der Nordseite des Gebäudes einen Parkplatz mit einer Zufahrt zu der L 410.

Zwischen 1905 und 1908 wurde im Süden des Bahnhofsgeländes anstelle eines dort befindlichen Lastwagenschuppens ein langgestrecktes Dienstgebäude errichtet, das im Nordteil für die Eilgutabfertigung und im Südteil für die Postabfertigung verwendet wurde. Das Dienstgebäude ist erhalten und steht unter Denkmalschutz. Ende des 20. Jahrhunderts diente der nördliche Bereich des Gebäudes zunächst dem Verkauf von Fahrkarten und danach als Wartesaal, bis das Dienstgebäude ganz geschlossen wurde. Seit 2007 liegt das Dienstgebäude in dem für das Publikum nicht mehr zugänglichen Bahngelände.

Das Dienstgebäude und das Empfangsgebäude waren bis 1914 von der Hauptstraße aus durch einen mit einer Schranke gesicherten Bahnübergang erreichbar, der südlich des Dienstgebäudes lag. Seit 1914 gab es daneben einen Tunnel, der den sicheren Zugang zum Dienstgebäude, zum Abortgebäude und zum Empfangsgebäude ermöglichte.

Bis etwa 1970 lag das Geschäftszentrum von Nordstemmen in der Hauptstraße (Landesstraße L 410), danach verlagerte es sich durch Neubaugebiete in die Ortsmitte und in den Südosten von Nordstemmen.

Zwischen 1961 und 1963 wurden die Oberleitungsmasten für die Elektrifizierung der Nord-Süd-Strecke in Nordstemmen aufgestellt. Der elektrische Zugbetrieb wurde am 26. Mai 1963 vom Hauptbahnhof Hannover nach Eichenberg und am 29. Mai 1965 von Nordstemmen über Hildesheim nach Lehrte aufgenommen.

Im Jahr 1980 durchfuhren täglich bis zu 420 Züge den Bahnhof. Dadurch entstanden lange Wartezeiten an den Bahnschranken. Um diese Bahnschranken überflüssig zu machen, wurde in den Jahren 1981 bis 1982 eine Bahnüberführung für die Kreisstraße K 505 nach Adensen und ein Fußgängertunnel für den südlichen Zugang zum Bahnhofsgelände fertiggestellt. Das Bahnhofsgelände ist zuletzt im Jahr 2006 umgebaut worden. Sein Zugang wurde dabei vom Süden nach Norden verlegt. Der Bahnhof erhielt höherliegende Bahnsteige und Rampen für Behinderte, und der bestehende nördliche Tunnel wurde nach Osten hin zur Hauptstraße verlängert, wo eine Park-and-ride-Anlage und eine Bushaltestelle entstand. An den Gesamtinvestitionskosten von über 8 Mio. € hat sich das Land mit ca. 5,5 Mio. € beteiligt.

Im Jahr 2006 spricht die Bahn AG von etwa 2500 Reisenden im Nah- und Fernverkehr, die den Bahnhof Nordstemmen täglich nutzen.[1]

Empfangsgebäude

Die ehemalige Nutzung

Die Architektur des Empfangsgebäudes. Blick auf die Mitte der östlichen Außenfassade.

Das Empfangsgebäude wurde 1853 bis 1854 zunächst von dem Bauinspector Bahr und anschließend von dem Architekten Julius Rasch nach einem Entwurf des Architekten Conrad Wilhelm Hase gebaut. Julius Rasch war seinerzeit Bauconducteur der Hannoverschen Eisenbahndirektion. Günther Kokkelink schreibt a.a.O. auf Seite 53 über ihn: Julius Rasch kommt besondere Bedeutung zu als einem Architekten der Hannoverschen Schule, der den Übergang vom Rundbogenstil zur Neugotik nicht abrupt, sondern prozesshaft vollzog. Er entwickelte eine spezielle Art von Übergangsstil, der Eigenarten beider stilistischen Ausprägungen verschmolz.

Conrad Wilhelm Hase plante das Empfangsgebäude in Anlehnung an die mittelalterliche Backsteinromanik und Backsteingotik im Stil des romantischen Historismus. Dabei verwendete er sichtbare in Mehrfarbigkeit gesetzte Backsteine mit den Grundfarben rot und gelb. Der Grundriss des Gebäudes ist in der Längsachse und in der Querachse symmetrisch angelegt.

Der für den König bestimmte südliche Eckpavillon des Empfangsgebäudes. Werkzeichnung von Conrad Wilhelm Hase.

Ein breiter eingeschossiger Mittelbau mit Satteldach auf rechteckigem Grundriss wird im Norden und Süden von größeren mehrgeschossigen Eckpavillons mit Zeltdach auf quadratischem Grundriss begrenzt. Die beiden Eckpavillons haben als Schaufassade an ihrer Frontseite hervorstehende 12 Meter hohe Blendgiebel, die von Eckpfeilern umgeben sind und turmartig über die Giebel hinausragen. Insgesamt besitzt das Bahnhofsgebäude eine Länge von 63,38 m, eine Breite von 15,80 m, eine Grundfläche von 1.080 m² und ein Bauvolumen von 12.000 m³.

Conrad Wilhelm Hase verwandte bei den Fenstern im Erdgeschoss den Rundbogenstil der Neuromanik sowie romanische Ziersäulen und in den oberen Geschossen Segmentbögen, die den Übergang zur Neugotik darstellen. Auf die Dächer stellte er hohe reich verzierte Schornsteine, die den Seitenanblick des Gebäudes beherrschten. Als Zierelemente für die Fassaden wählte er zopfartige Formziegel, die sich um die Fenster schlängeln, Pflanzenflechtwerk auf quadratischen Ziegelplatten unter den Fenstern und Sandsteineinfassungen bei den Fenstern des Mittelbaus. Er umgab das Empfangsgebäude ringsum mit einem Vordach, das von gusseisernen Stützen getragen wurde. Da diese freistehenden Dachständer den Verkehr der Transportkarren behinderten, wurden sie nach 1945 an den Längsseiten des Empfangsgebäudes entfernt; an den Stirnseiten sind sie noch erhalten.

Als der Bau der Marienburg begonnen war, baute Conrad Wilhelm Hase 1858 bis 1860 in dem südlichen Eckpavillon die drei östlichen Räume mit eigenem Zugang, die bis dahin von der Bahnpost genutzt worden waren, als Empfangsräume für die königliche Familie um und fügte in dem Wartesaal I. und II. Klasse ein Büffet für den Hofstaat ein. Dadurch wurde der Bahnhof zu einem königlichen Empfangsbahnhof. Er bildet mit dem Schloss Marienburg ein Ensemble.

Salonwagen des Königs Georg V. von Hannover aus dem Jahr 1853

König Georg V. von Hannover verließ mit seinem Hofstaat in Nordstemmen den Zug, wenn er zur Marienburg fahren wollte. Er reiste in einem von E. J. H. Witte im Jahr 1853 entworfenen dreiachsigen Eisenbahnsalonwagen an, der außen mit Wappen, Orden, Initialen und Königskronen reich geschmückt war. Die Wagenremise (Wagenschoppen genannt) diente als Abstellhalle für diesen Salonwagen der königlichen Familie. Die Fassade der 1853 – 1854 gebauten Wagenremise und eines der auf der Nordseite hineinlaufenden Gleise sind selbst nach den vorgenommenen Umbaumaßnahmen zu einem Bürogebäude der Deutschen Bahn AG noch sichtbar.

Das Erdgeschoss des südlichen Eckpavillons war für den Aufenthalt der königlichen Familie bestimmt. Die Bahnhofsgebäude in Hannover und in Salzderhelden enthielten ebenfalls Räume für die königliche Familie, die in späterer Zeit dem Kaiser zur Verfügung standen, wenn er mit der Bahn anreiste. In der Mitte des Empfangsgebäudes von Nordstemmen erstreckte sich eine lange Eingangshalle. Links, auf der Westseite, befanden sich zwei Räumen für das Postamt, die Treppe zum 1. Stock und der Zugang zum eigenen Restaurant. Rechts, auf der Ostseite, waren drei Räume für den König und seine Empfänge bestimmt. Dahinter lagen zwei Zimmer für die Königin und ihre Töchter. Von dem hinteren Zimmer der Königin und vom Restaurant kam man in den Wartesaal I. und II. Klasse, der im langgestreckten mittleren Bahnhofsgebäudes lag. Hier hielt sich der Hofstaat des Königs auf.

Nutzung des Empfangsgebäudes im Jahr 1861

An der Rückseite dieses Wartesaales I. und II. Klasse war das Büffet mit der Küche, rechts und links davon kam man zu den Bahnsteigen und zu dem Wartesaal III. Klasse, der ein eigenes schlichtes Büffet besaß. Das nördliche Bahnhofsgebäude enthielt im Erdgeschoss und 1. Stock die Publikums- und Diensträume der Bahn; auch im 1. Stockwerk des südlichen Bahnhofgebäudes lagen Diensträume der Bahn. Südlich und nördlich des Bahnhofsgebäudes standen die Abortgebäude. Das neugotische Mobiliar aus den Räumen des Königs wurde später zur Aufbewahrung in die Marienburg gebracht. Es ist nicht bekannt, ob es sich noch dort befindet; viel von dem dort eingelagerten Mobiliar wurde verbrannt, verkauft oder versteigert.

Das Empfangsgebäude war von Anfang an seitlich von Bahnsteigen und Gleisen umgeben. Spätestens seit dem Jahr 1904 befand sich auf beiden Seiten des Empfangsgebäudes jenseits des benachbarten Gleises ein weiterer Bahnsteig, der nur über das davor liegende Gleis erreicht werden konnte.

Nach dem Jahr 1945 entstand eine Bahnhofsgaststätte in den ehemaligen Räumen des Wartesaales I. und II. Klasse; dazu wurden umfangreiche Umbaumaßnahmen vorgenommen, in deren Verlauf auch zwei neue Seiteneingänge geschaffen wurden, die den Zugang zu Toiletten und zu der Gaststätte ermöglichten. Deshalb ist dieser Wartesaal I. und II. Klasse im Gegensatz zum Wartesaal III. Klasse in seiner Architektur nicht mehr original erhalten. Die Bahnhofsgaststätte wurde von Heinrich Voß und später von August Theodor Osten bewirtschaftet. Zeitzeugen berichten, dass diese Bahnhofsgaststätte durch die haltenden Dampflokomotiven voll Rauch war und dass die Gläser auf den Tischen vibrierten, wenn Güterzüge am Bahnhofsgebäude vorbeifuhren. Diese Gaststätte bestand bis zum Jahr 1975.

Der neugotische Bahnhofs-Wartesaal I. und II. Klasse im Empfangsgebäude im Jahr 1914 in der Ausgestaltung von Conrad Wilhelm Hase

Im Jahr 1977 verlegte die Deutsche Bundesbahn ihre Büroräume in den Elzer Bahnhof. Danach wurde das Empfangsgebäude nicht mehr benötigt und im Jahr 1988 für Fahrgäste geschlossen. Das Inventar, die Fenster und die ursprüngliche Verglasung sind nicht mehr vorhanden.

Im Jahr 2000 wurden die markanten Schornsteine, die das Bild des Empfangsgebäudes prägten, wegen Einsturzgefahr abgetragen. Die Fenster und Türen wurden gegen Vandalismus mit Spanplatten verschraubt. Im Juli 2001 entstand ein Brand im mittleren Teil des Empfangsgebäudes. Dabei wurden Teile der Dachkonstruktion zerstört.

In den Jahren 2002 und 2003 ist das Gebäude in statischer Sicht und auf Schäden hin untersucht worden. Dabei zeigte sich, dass sich der Erhaltungszustand des Gebäudes durch die Ausbreitung des Echten Hausschwammes im Dach und den anderen Teilen der Holzkonstruktion sehr verschlechtert hat; fast das gesamte Gebäude ist betroffen. Anschließend wurden die vorher verschlossenen Fenster mit Gittern versehen, die einsturzgefährdeten Decken abgestützt und das Dach neu abgedeckt.

Weil sich keine Käufer für das denkmalgeschützte Empfangsgebäude fanden, hat die Deutsche Bahn AG im Sommer 2005 an das Eisenbahnbundesamt Hannover (EBA) den Antrag auf Abriss gestellt. Nach dem Abriss soll nach Aussage der Deutschen Bahn AG dort eine moderne, den heutigen Ansprüchen genügende Bahnstation errichtet werden.

Pläne für eine Nachnutzung

Es gibt seit dem Jahr 2005 Pläne, das Empfangsgebäude zu renovieren und zu einer musealen Gedenkstätte für den Erbauer Conrad Wilhelm Hase auszugestalten. Der Heimatbund Niedersachsen (HBN) regte die Präsentation des Lebenswerkes des Conrad Wilhelm Hase und eine eisenbahnhistorische Darstellung der Entwicklung der Königlich Hannoverschen Staatseisenbahnen an. Das Haus Hannover erwägt, den königlichen Empfangsbahnhof in ein neues Marketingkonzept mit einzubeziehen. Damit könnte der Bahnhof künftig in seiner historischen Empfangs-Funktion für heutige Bahnreisende neu interpretiert werden, die das Schloss Marienburg besuchen wollen.

Der Heimatbund Niedersachsen unterstützt diese Pläne, und der Niedersächsische Heimatbund (NHB) nahm das Empfangsgebäude in die Rote Mappe 2005 unter der Nummer 307/05 und in die Rote Mappe 2006 unter der Nummer 308/05 auf. Die Niedersächsische Landesregierung antwortete darauf in ihrer Weißen Mappe 2006. Der Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) machte die historischen Bahnhöfe Deutschlands zu Denkmalen des Jahres 2006, um auf die besondere Bedeutung historischer Bahnhöfe hinzuweisen.

Der von der Deutschen Bahn AG beauftragte Hannoversche Architekt Kleine hat die Kosten einer Sicherung/Instandsetzung der Bausubstanz mit einer Größenordnung von 900.000 € ermittelt. Damit würden alle statischen Probleme behoben, das Dach komplett erneuert und ein sicherer Zustand für einen Aufenthalt von Menschen im und am Gebäude erreicht. Die Kosten für einen Innenausbau wurden bisher noch nicht ermittelt.

Berechnungen der Bahn für die Abrisskosten des Empfangsgebäudes nach DIN-Norm 276 belaufen sich auf rund 630.000 Euro.[2] Es gab eine inzwischen widerrufene Absichtserklärung der Deutsche Bahn AG, die vom Eisenbahnbundesamt veranschlagten Abrisskosten in Höhe von 600.000 € in eine Sanierung einzubringen, wenn sich eine Nutzung sowie die Restfinanzierung findet. Im Mai 2007 erklärte die Deutsche Bahn AG in einem Gespräch, dass die Abrisskosten nur mit ca. 230.000 Euro zu Buche schlagen würden und dass die Abrisskosten auf keinen Fall in eine Erhaltungsmaßnahme investiert werden könnten. Der Kultur- und Heimatverein Nordstemmen bezweifelt diese Schätzung der anfallenden Abrisskosten, weil nach seiner Auffassung allein die Kosten für die Entsorgung der vom Echten Hausschwamm befallenen Balken in einer Sondermülldeponie 200.000 Euro betragen könnten.

In Anbetracht der besonderen Probleme in Nordstemmen wurde der Deutschen Bahn AG bereits 1999 ein sechsstelliger Zuschuss aus Landesmitteln der Denkmalpflege für Sicherungsmaßnahmen in Aussicht gestellt. Dieses Angebot wird vom Land zur Abwehr des Abrisses aufrechterhalten. Zur Sicherstellung der Gesamtfinanzierung für die Restaurierung des Empfangsgebäudes sind aber neben Landesmitteln und Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz auch Beiträge von Niedersächsischen Landesstiftungen notwendig. Von verschiedenen Stiftungen sind bereits Zuwendungen in Aussicht gestellt worden. Der Hildesheimer Bundestagsabgeordnete Eckart von Klaeden (CDU) gab im September 2008 bekannt, dass aus einem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes 300.000 Euro für dringende Arbeiten am Empfangsgebäude bewilligt worden sind.[3]

Ein besonderes Problem für die Nachnutzung des Empfangsgebäudes wird darin gesehen, dass es zwischen den Gleisanlagen der beiden Eisenbahnstrecken errichtet wurde, um das Umsteigen zu erleichtern. Das führte zu einer Insellage zwischen Gleisen, die einen ebenerdigen Zugang zur Hauptstraße verhinderte und einen Zugang durch einen Tunnel notwendig machte. Allerdings wäre eine Erschließung des Empfangsgebäudes etwa über den Keller vom Norden her möglich. Im Norden des Empfangsgebäudes steht im Keil zwischen den Gleisanlagen die ehemalige Remise für die Eisenbahnsalonwagen König Georgs V. von Hannover. Sie besitzt auf der Nordseite des Gebäudes eine Zufahrt von der L 410 mit einem großen Parkplatz.

Es hat Überlegungen gegeben, die auf der Ostseite des Bahnhofsgebäudes verlaufende Weserbahn auf die westlich des Bahnhofgebäudes liegenden Gleise der Nord-Süd-Strecke einzuschwenken, damit ein eigener ebenerdiger Zugang von der östlich gelegenen Park-and-ride-Anlage zum Bahnhofsgebäude möglich wird. Das Land Niedersachsen sieht sich aber nicht in der Lage, die finanziell äußerst aufwendige Verlegung der Gleise zu finanzieren. Es ist der Auffassung, dass sich dieses Problem durch den im Jahr 2006 geschaffenen Bahnhofstunnel erledigt hat.

Nadine Pflüger schrieb im Sommer 2006 ihre Abschlussarbeit zum Thema Umnutzung des ehemaligen Empfangsgebäudes auf dem Bahnhofsgelände Nordstemmen an der Fakultät Bauwesen der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim. Die Professoren Josef Strasser und Jens Sievers und acht Studentinnen des 6. Semesters Innenarchitektur der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst erarbeiteten 2007 verschiedene Nutzungskonzept für das leerstehende Empfangsgebäude. Am 5. Juli 2007 stellten die acht Studentinnen ihre Nutzungskonzepte für den Bahnhof Nordstemmen vor.

Am 16. Juli 2007 forderte der Oberkonservator Ulrich Pagels vom Landesamt für Denkmalpflege den Kultur- und Heimatverein Nordstemmen auf, umgehend ein schlüssiges Nutzungskonzept für das Gebäude vorzulegen, bei dem auch deutlich werden müsse, ob es ein lokales Interesse am Erhalt des Bahnhofs gebe.

Es gab Überlegungen, das Empfangsgebäude zu renovieren und zu einer musealen Gedenkstätte für den Erbauer Conrad Wilhelm Hase auszugestalten. Der Heimatbund Niedersachsen (HBN) regte die Präsentation des Lebenswerkes von Conrad Wilhelm Hase und eine eisenbahnhistorische Darstellung der Entwicklung der Königlich Hannöverschen Staatseisenbahnen an. Der zur Rettung des Empfangsgebäudes gegründete Kultur- und Heimatverein Nordstemmen erarbeitete ein eigenes Nutzungskonzept.

Der Kultur- und Heimatverein Nordstemmen, das Landesamt für Denkmalspflege und der Runde Tisch des Kreistages Hildesheim bemühten sich gemeinsam bis zum August 2010, die Voraussetzungen für eine Renovierung und Nachnutzung des Gebäudes zu schaffen und die Finanzierung zu sichern. Am 16. August 2010 beendete der Runde Tisch aber seine Bemühungen um den Erhalt des Empfangsgebäudes mit der Erklärung, es sei kein Träger für das Gebäude gefunden worden, der die Verantwortung für die Renovierung und die Nachnutzung des Gebäudes übernehme. Das Land Niedersachsen, das Landesamt für Denkmalspflege und die Gemeinde Nordstemmen lehnten es ab, Eigentümer des Empfangsgebäudes oder Träger einer dort beheimateten Einrichtung zu werden. Nordstemmens Bürgermeister Karl-Heinz Bothmann sagte während dieser letzten Sitzung des Runden Tisches: Es ist zu bedauern, wenn der Bahnhof[4] abgerissen wird, aber wir müssen der Realität ins Gesicht sehen.[5]

Es gibt Überlegungen, eine Kleinbahn vom Bahnhof Nordstemmen zum Schloss Marienburg zu bauen (Stand: Februar 2009).

Verkehr

Der Bahnhof wird im Stundentakt von Zügen der metronom Eisenbahngesellschaft und der Eurobahn bedient.

Linie Linienverlauf Taktfrequenz
ME Uelzen – Celle – HannoverNordstemmen – Elze – Kreiensen – Northeim – Göttingen Stundentakt
ERB 77 Weser-Bahn
(Bünde (Westf) –) Löhne (Westf)Hameln – Elze – NordstemmenHildesheim
Stundentakt

Quellen

  1. Broschüre über Personenbahnhöfe in Niedersachsen.
  2. Quelle: Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 23. September 2008.
  3. Quelle: Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 23. September 2008 und Leine-Deister-Zeitung vom 26. September 2006.
  4. Karl-Heinz Bothmann meinte vermutlich das Empfangsgebäude des Bahnhofes und nicht den Bahnhof selbst.
  5. Kehrwieder am Sonntag vom 22. August 2010, Seite 9.

Literatur

  • Adolf Funk: Über Trennungsbahnhöfe, insbesondere über den Bahnhof zu Nordstemmen. In: Zeitschrift des Architekten- und Ingenieurvereins, Band VII, 1861, Spalte 436-442 mit Zeichnungen auf den Blättern 214 und 215.
  • Erläuterungsbericht für eine Kleinbahn von Springe nach Barnten und Nordstemmen. Hrsg.: Das Landesdirektorium, Verfasser: Lichtenberg. Druckerei J. C. Erhardt, Springe 1896. Einsehbar in der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen.
  • Heinrich Bartels: Nordstemmen von der Vorzeit bis zur Gegenwart. Eine Ortschronik. Herausgeber: Volksbank Leinetal eG, Burgstemmen o. J. (1983).
  • Bundesbahndirektion Hannover: 1843-1983. 140 Jahre Eisenbahndirektion Hannover. Hannover o. J. (1983?).
  • Matthias Fuhrmann: Das Bw Nordstemmen. In: Deutsche Bahnbetriebswerke und der Triebfahrzeugpark der deutschen Eisenbahnen von 1920 bis heute. GeraNova Zeitschriftenverlag, München 1994.
  • Günther Kokkelink und Monika Lemke-Kokkelink: Baukunst in Norddeutschland. Architektur und Kunsthandwerk der Hannoverschen Schule 1850-1900. Schlütersche, Hannover 1998.
  • Werner Wagener: Ein Bahnhof für ein Schloss. Schlossbaumeister Hase entwarf auch das Bahnhofsgebäude. In: Aus der Heimat. Band 1997, 4. Januar 1997.
  • Werner Wagener: Was ist aus ihm geworden? Vom königlichen Bahnhof zum Absteiger in Nordstemmen. In: Hildesheimer Heimat-Kalender 1998. Verlag Gebrüder Gerstenberg, Hildesheim 1998, S. 100-105.
  • Annette Roggatz: Nordstemmen – ein Bahnhof auf dem Abstellgleis? In: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen. Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, 20. Jahrgang 2000, S. 27–28.
  • Hansjörg Küster: Abriss oder Aufbruch. Rettung für den Bahnhof Nordstemmen! In: Niedersachsen (Zeitschrift für Kultur, Geschichte, Heimat und Natur seit 1859), 1/2006, S. 31.
  • Michael Bahls: Die Hannover-Altenbekener Eisenbahn. Kenning, Nordhorn 2006, S. 201–203. ISBN 3-927587-77-X.
  • Nadine Pflüger, Werner Beermann: Der Architekt Conrad Wilhelm Hase und seine Bauten aus früher Zeit. Die Bahnhöfe Elze und Nordstemmen. Heft 7 der Schriftenreihe des Heimat- und Geschichtsvereins Elze und seiner Ortsteile e. V., Elze 2007.

Archive

  • HStA (Hauptstaatsarchiv) Hannover, Dep. IX G 2 Kasten 945 (Bau eines Eisenbahnwagens für den Hannoverschen König).

Weblinks

 Commons: Bahnhof Nordstemmen – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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