Bahnhof Praha Masarykovo nádraží
Ursprüngliche Hauptfassade an der Hybernská ulice (Abfahrtsgebäude), im Vordergrund links das Gebäude der ehemaligen Bahnhofsgaststätte
Jetzige Hauptfassade an der Havlíčková ulice (im Hintergrund das ursprüngliche Ankunftsgebäude, im Vordergrund rechts das Gebäude der ehemaligen Bahnhofsgaststätte)

Der Bahnhof Praha Masarykovo nádraží (deutsch Prag Masaryk-Bahnhof) ist ein wichtiger Fernbahnhof in Prag. Erbaut wurde er in den Jahren 1844/45 im Zuge der k.k. Nördlichen Staatsbahn von Olmütz, welche bis 1851 von Wien nach Dresden durchgehend in Betrieb genommen wurde. Der Bahnhof ist heute der einzige Kopfbahnhof Prags. Praha Masarykovo nádraží befindet sich am Streckenkilometer 409,816 der Strecke Wien–Děčín.

Inhaltsverzeichnis

Der Bahnhofsname

Wohl kaum ein anderer tschechischer Bahnhof hat so oft die Bezeichnung gewechselt wie dieser. Im Augenblick trägt er zum dritten Mal den Namen Masaryk-Bahnhof – zu Ehren des ersten Präsidenten der Tschechoslowakei Tomáš Garrigue Masaryk.

  • 1845–1862 Praha / Prag
  • 1862–1919 Praha státní nádraží / Prag Staatsbahnhof
  • 1919–1940 Praha Masarykovo nádraží
  • 1940–1945 Praha Hybernské nádraží / Prag Hibernerbahnhof
  • 1945–1952 Praha Masarykovo nádraží
  • 1. Januar 1953–1990 Praha střed (Prag Mitte)
  • seit März 1990 Praha Masarykovo nádraží

Geschichte

Nádraží Praha 1848
Blick über die Gleisanlagen zum Bahnhofsgebäude
Schalterraum im Südflügel (an der Hybernská ulice)
Verbindungsgang zwischen Süd- und Westflügel
Westliche Bahnhofshalle (an der Havlíčkova ulice)
Gleisende – Prellböcke am Ende der Bahnhofshalle
Blick über die Baustelle der Neuen Verbindung

Der Bahnhof Praha Masarykovo nádraží gilt als ältester Bahnhof Prags. Diesen Rang macht ihm nur der heutige Bahnhof Praha-Dejvice streitig, welcher bereits im Jahr 1831 als Endstation der Pferdebahn Prag–Lana entstand, aber damals außerhalb des Stadtgebiets von Prag lag. Bei seiner Erbauung war er einer der größten Europas.

Der Ort für die Anlage des Bahnhofs und der Gleisanlagen wurde nach einem Vorschlag des Eisenbahnpioniers Jan Perner gewählt. Der Bahnhof wurde von den Firmen Lanna und Gebrüder Klein in den Jahren 1844 und 1845 im Empire-Stil gebaut.

Der erste (inoffizielle) Zug kam am 4. August 1845 an. Die Eröffnungsfeiern begannen am 20. August, am 1. September wurde der fahrplanmäßige Zugbetrieb aufgenommen. Zu dieser Zeit gab es eine weitere Haltestelle in Běchovice. Die Strecke Prag–Běchovice war zweigleisig, der Rest der Verbindung nur eingleisig.

Der Bahnhof lag innerhalb der Prager Wallanlagen. Diese wurden zunächst mit sieben abschließbaren Toren – eines für jedes Gleis – versehen. Erst im Jahr 1874 wurden in diesem Bereich der Stadt die Wallanlagen abgebrochen.

Die Bahnlinie wurde ab 1. Juni 1850, von diesem Bahnhof ausgehend, verlängert über Holešovice bis Bodenbach (heute Děčín) und am 6. April 1851 bis Dresden.

Am östlichen Ende des Bahnhofs befand sich eine weitere Station Hrabovka. Von dort gab es ab 1872 Verbindungsbögen zu den Prager Bahnhöfen Smíchov, Vyšehrad und zum Hauptbahnhof.

Die Zukunft des Bahnhofs

In der Vergangenheit wurde mehrfach über eine Schließung dieses Bahnhofs nachgedacht. Der Grund war jeweils das schwierige Rangieren mit Zügen in einem Kopfbahnhof und vor allem die Tatsache, dass der Eisenbahnknoten Prag aufgeteilt ist in zwei Teile, die weder durch Eisenbahnverbindungen noch durch innerstädtische Verkehrsverbindungen in zufriedenstellender Weise miteinander verbunden sind, was das Umsteigen beträchtlich erschwert.

Aber das im Bau befindliche Projekt der Nové spojení (deutsch Neuen Verbindung), die die Einfädelung des Eisenbahnverkehrs aus dem Norden und Nordosten des Landes nach Prag neu ordnen wird, und die im Jahr 2010 fertiggestellt werden soll, zählt weiterhin auf das Fortbestehen dieses Bahnhofs. Es entsteht dabei auch eine Direktverbindung zwischen den Bahnhöfen Praha Masarykovo nádraží und Praha-Vysočany.

Außerdem ist geplant, in bestehenden Hallen des Heizhauses die Lokomotivsammlung des Technischen Nationalmuseums unterzubringen.

Mittlerweile hat die Prager Stadtvertretung eine Änderung des Flächennutzungsplans und somit das Ende des Bahnhofes beschlossen. An seiner Stelle sollen Wohnhäuser entstehen. Jedoch hat die Stadtvertretung diesbezüglich nicht das letzte Wort. Bis Ende September 2008 soll nun eine definitive Entscheidung über den Bahnhof fallen.

Die Lage des Bahnhofs

Ursprünglich war die Hauptfassade an der Hybernská ulice, parallel zu den Eisenbahngleise, heute ist dies eher ein Seiteneingang. Die Bahnhofshalle am Ende der Gleisanlagen grenzt unmittelbar an die Havlíčkova ulice, dort befindet sich auch eine Straßenbahnhaltestelle. Vom Bahnhof aus gibt es auch einen direkten Zugang zur Station Náměstí Republiky der Linie B der Prager U-Bahn. Der gleichnamige Platz liegt westlich des Bahnhofs.

Der weiter südlich liegende Hauptbahnhof und der Busbahnhof Florenc sind auch für Fußgänger erreichbar.

Die Gebäude

Ursprünglich bestand der Bahnhof aus zwei eigenständigen Gebäuden, dem zweigeschossigen Abfahrtsgebäude in der Hybernská ulice und dem ebenfalls zweigeschossigen Ankunftsgebäude an der Kreuzung Ulice Na Florenci / Havlíčkova ulice. Die dazwischenliegende überdachte Halle mit ihren gusseisernen Trägern stammt aus dem Jahr 1862. 1869 kam dann das Gebäude des Bahnhofsrestaurants an der Ecke Hybernská ulice / Havlíčkova ulice dazu.

Die Gebäude und die Überdachung wurden im Stil des ausgehenden Empire und der beginnenden Neorenaissance bzw. des Klassizismus erbaut.

Weitere Erweiterungen folgten 1893–94 sowie beträchtliche Umbauten 1938–45. Umfangreiche Umbauten erforderten auch der Bau der U-Bahn. Bei den Umbauten in den 90-er Jahren des 20. Jahrhunderts versuchte man, so weit wie möglich, dem Bahnhof wieder sein ursprüngliches Aussehen zurückzugeben: einige spätere Anbauten wurden abgerissen, die verbleibenden Teile erneuert und renoviert.

Gleisanlagen

Zur Zeit des Baus des Bahnhofs war Prag noch eine Festung. Nur ein Teil des Bahnhofs lag innerhalb des Stadtgebiets.

Der Prager Teil des Bahnhofs hatte ursprünglich drei Gleise für den Personenverkehr. Für den Güterverkehr waren drei weitere Gleise vorgesehen, später wurde ihre Zahl auf fünf erhöht. Hinter den Wällen lagen die Abstellanlagen für Waggons, Heizanlage, Lokschuppen, Maschinenräume und Lagerräume.

Seit dem Umbau der Gleisanlagen im Jahr 1932 hat der Bahnhof vier Bahnsteige, von denen der erste, im Norden gelegene, Zugang zu einem Gleis gibt, den drei anderen sind jeweils zwei Gleise zugeordnet. Der Zugang zu den Bahnsteigen erfolgt über eine überdachte, zwischen Bahnhofsrestaurant und Abfahrtsgebäude liegenden Fläche. Die Gleise sind von 1 bis 7 nummeriert.

Der Bahnverkehr vom und zum Masaryk-Bahnhof heute

Heute dient der Bahnhof einzig und allein dem Personenverkehr. Die von hier abfahrenden Züge verkehren auf den Kursbuchstrecken 011, 091, 120, 231 der Tschechischen Bahnen. Es sind dies im einzelnen:

Seit dem 9. Dezember 2007 wurden Teile dieser Linien zur Esko Prag. Am Masarykovo nádraží enden vier der 9 Linien aus dem Umland.

Wegen der geringen Kapazität des Masaryk-Bahnhofs, auch an Abstellmöglichkeiten, enden bzw. starten manche Züge dieser Strecken – vor allem in den Tagesrandverbindungen – an anderen Prager Bahnhöfen.

Quellen

Weblinks

50.08777777777814.4330555555567Koordinaten: 50° 5′ 16″ N, 14° 25′ 59″ O


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”