Bahnhof Železná Ruda-Alžbětín
Bahnhof Bayerisch Eisenstein im April 2005

Der Bahnhof Bayerisch Eisenstein (tschech: Železná Ruda-Alžbětín) bildet die Verbindungsstelle zwischen der von der Bayerischen Ostbahn 1874 begonnenen und von der Königlich Bayerische Staats-Eisenbahnen vollendeten Bayerischen Waldbahn PlattlingBayerisch Eisenstein und der von der Eisenbahn Pilsen–Priesen(–Komotau) erbauten Eisenbahnstrecke Pilsen–Markt Eisenstein (heute: Železná Ruda) in Tschechien. Die Staatsgrenze zwischen Deutschland und Tschechien verläuft durch das Bahnhofsgebäude.

Inhaltsverzeichnis

Bau

Bahnhofsgebäude mit Grenzlinie auf der Straße.
Der Bahnhof um 1880.

Grundlage dieser Bahnverbindung ist der Bayerisch-Österreichische Staatsvertrag vom 21. Juni 1851. Auf böhmischer Seite baute die Eisenbahn Pilsen–Priesen(–Komotau) das bis zur Grenze fehlende Streckenstück von Neuern her zum Bahnhof Eisenstein und eröffnete es am 20. Oktober 1877. Auf deutscher Seite wurde nach der Verstaatlichung der bayerischen Ostbahngesellschaft zum 10. Mai 1875 die Strecke von der Bayerischen Staatsbahn vollendet und das letzten Streckenstück von Ludwigsthal nach Eisenstein am 15. November 1877 dem Verkehr übergeben.

Erst gegen Ende des Streckenbaus vereinbarten die beiden Bahngesellschaften am 17. Mai 1877 Einzelheiten zu den großen Gleisanlagen für den Übergabebetrieb und für den Bau des sehr großen Empfangsgebäudes. Dazu musste das örtliche Gelände mit über 250.000 m³ Erdreich aufgefüllt und eingeebnet werden. Das Empfangsgebäude wurde mit seinem Mittelteil genau auf der Grenze erbaut. Daran schließt sich auf beiden Seiten jeweils ein Gebäudeflügel der jeweiligen Bahngesellschaft an. Die Wartesäle wurden dem damaligen Stil entsprechend sehr repräsentativ gestaltet. Im Wartesaal 1. Klasse befindet sich die größte erhaltene Kölner Decke. Fertiggestellt wurde der Bahnhof im Jahre 1878. Auf seiner Südseite liegt westlich des Gleisfeldes, das anfangs 9 Gleise, später 11 Gleise hatte, der Ringlokschuppen mit Drehscheibe, in dem heute der Bayerische Localbahn Verein im Bayerischen Localbahnmuseum mehr als 20 Fahrzeuge aus der Lokalbahnzeit ausstellt.

Die Bahnstrecke war als die kürzeste Bahnverbindung zwischen Prag und München konzipiert, wegen der starken Steigungen und der engen Bögen vor allem auf böhmischer Seite erlangte sie jedoch nicht die ihr zugedachte Bedeutung. Einen grenzüberschreitenden Zugverkehr hat es bis 2006 nicht gegeben, selbst nach der zwangsweisen Angliederung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich im Jahre 1938 nicht. Nur um die Jahrhundertwende 1900 liefen für einige Jahre durchgehende Kurswagen München-Prag über die Strecke. Der durchgehende Güterverkehr beschränkte sich auf die Region.

Eiserner Vorhang

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam der grenzüberschreitende Zugverkehr völlig zum Erliegen. 1953 wurde von der Tschechoslowakei ein Drahtzaun quer über die Bahnanlagen gezogen und die Gleise unterbrochen. Selbst im Empfangsgebäude hatte man die Trennung durch Mauern vollzogen. Die tschechischen Personenzüge endeten nun im einige Kilometer nördlich der Grenze gelegenen Bahnhof Železná Ruda (Markt Eisenstein). Die DB fuhr mit ihren Zügen bis zum Prellbock am Grenzzaun und nutzte die südliche Hälfte des geteilten Empfangsgebäudes. Der Dampfbetrieb der DB bis Bayerisch Eisenstein endete für den Personen- und Güterverkehr in den 1970er-Jahren. Es blieben für lange Zeit die Schienenbusse, diese wurden später durch Diesellokomotiven mit Nahverkehrswagen abgelöst.

Ein Zug der Tschechischen Bahn (hinten) wartet auf Fahrgäste aus Richtung Plattling. (April 2005)

Wiedervereinigung

Der Grenzübergang wurde für den Schienenverkehr am 2. Juni 1991 wieder geöffnet. Seither kann man bei kurzem Aufenthalt in die Züge der České dráhy (ČD) nach Klatovy (Klattau) und Plzeň (Pilsen) umsteigen. Für Rangierfahrten nutzen beide Bahngesellschaften die Gleisanlagen ohne Rücksicht auf den Verlauf der Grenze. Heute fahren auf deutscher Seite die Züge der Regentalbahn im Auftrag der DB Regio Bayern unter dem Logo „Waldbahn“ von Plattling über Regen und Zwiesel nach Bayerisch Eisenstein. Nachdem die Signalanlagen des Bahnhofs für den grenzüberschreitenden Verkehr vorbereitet wurden, fahren seit 28. Mai 2006 Waldbahn-Regio-Shuttles bis in das 7 km entfernte Špičák (Spitzberg). Dort gibt es dann eine Umsteigemöglichkeit nach Pilsen. Dies ist der erste fahrplanmäßige grenzüberschreitende Verkehr auf dieser Strecke seit der Fertigstellung der Strecke im Jahre 1877. Das Tarifangebot Bayerwald-Ticket wurde auf diesen Fahrten bis nach Špičák verlängert.

Im Dezember 2006 wurde der bisherige Name Železná Ruda des tschechischen Bahnhofsteils offiziell in Železná Ruda-Alžbětín geändert.

Im Jahresfahrplan 2007/08 verkehren im Stundentakt Züge von Plattling nach Bayerisch Eisenstein. Einzelne Zugfahrten verkehren dabei bis nach Špičák. Auf tschechischer Seite verkehren im Wechsel Nahverkehrszüge nach Klatovy und Schnellzüge bis Plzeň, die zum Teil nach Prag verlängert werden.

Der Bahnhof Bayerisch Eisenstein ist ferner ein Grenztarifpunkt.

Weblinks

49.12177581833913.2090210914617Koordinaten: 49° 7′ 18,4″ N, 13° 12′ 32,5″ O


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