Sportsoldat

Sportsoldaten sind Sportler beiderlei Geschlechts, die als Militärangehörige des jeweiligen Landes hauptsächlich wegen der Ausübung ihres Sports staatlich unterstützt und besoldet werden. Dabei ist die persönliche Bindung zum Militär je nach Land verschieden. In manchen Ländern existieren daneben andere Fördersysteme wie durch den Zoll, die Grenztruppen oder die Polizei.

Inhaltsverzeichnis

Geförderte Athleten

Vor allem in kleineren und Randsportarten tritt in Deutschland die Sportfördergruppe der Bundeswehr als Unterstützung auf den Plan. Nicht selten können Sportler nur durch die Unterstützung des Militärs ihren Sport auf hohem Niveau ausüben. Die Unterstützung durch das Militär gibt es in vielen Ländern. Neben Deutschland sind dies auch Österreich, die Schweiz, Italien, Frankreich, China, Russland, die Ukraine, Slowenien, Schweden, Lettland, Litauen, Slowakei, Finnland, Norwegen, Rumänien, die USA, Japan und Spanien. Es werden sogar eigene Militärweltmeisterschaften ausgetragen.

In Deutschland machte sich die militärische Sportförderung in den letzten Jahren vor allem im Wintersport bemerkbar. Viele Spitzenathleten werden oder wurden von der Bundeswehr gefördert, wie etwa Georg Hackl, Ricco Groß, Kati Wilhelm, Andrea Henkel, Ronny Ackermann, Sven Hannawald, Susi Erdmann, Annette Dytrt, Silke Kraushaar-Pielach, Frank Luck, Stefan Lindemann, Claudia Nystad, Tobias Angerer, Anni Friesinger, Michael Greis, Sylke Otto, René Sommerfeldt, Axel Teichmann, Manuel Machata, aber auch Sommersportler, wie Falk Balzer, Ralf Bartels, Anja Dittmer, Heiko Meyer, Silke Rottenberg oder Ronny Ziesmer.

Bei den olympischen Spielen stellen die Staatsamateure in der deutschen Mannschaft schon länger die Mehrheit. Zum Beispiel traten 2010 einzig die deutschen Mannschaften beim Curling und Eishockey ohne Staatsamateure an. [1]

Sportsoldaten spielten auch im System des DDR-Sports eine herausragende Rolle. In den Sportklubs der Armeesportvereinigung Vorwärts (NVA) und der Sportvereinigung Dynamo (VP, MfS) trainierten viele namhafte Spitzensportler wie Henry Maske, Falk Boden oder Wolfgang Hoppe und Bogdan Musiol unter Profi-Bedingungen.

In Österreich zählen zu den geförderten Athleten Friedrich Pinter, Wilhelm Denifl, Bernhard Gruber und Martin Tauber, in der Schweiz Simon Hallenbarter. In Italien sind oder waren Sportsoldaten Wilfried Pallhuber, Giorgio Di Centa, Silvio Fauner, Christian Oberstolz, Patrick Gruber und Alberto Tomba. In Frankreich gehören dazu Olympiasieger Vincent Defrasne und Raphaël Poirée, der seine Karriere bei Militärweltmeisterschaften beendete.

Berufliche Situation

Sportsoldaten müssen nicht alle Pflichten erfüllen, die jeder andere Soldat erfüllen muss. So müssen sie z.B. nur einen verkürzten Grundwehrdienst leisten und werden von Manövern befreit.[2]

In Deutschland stehen über 820 Sportler in Diensten der Bundeswehr, bei (Bundes-)Polizei (Claudia Pechstein, Uschi Disl), Zoll (Maria Höfl-Riesch) und den Feuerwehren der Bundesländer (Mirko Englich) sind insgesamt rund 1000 Sportler unter Vertrag. Die Mehrheit der Sportsoldaten hat die Laufbahn der Unteroffiziere mit bzw. ohne Portepee eingeschlagen, nur wenige dienen im Mannschaftsgrad oder aber als Offizier: Zu letzteren zählen Sepp Ferstl und Ingo Schultz (beide zuletzt im Dienstgrad Hauptmann)[3], die Triathleten Thomas Bartsch (Hauptmann), Sabrina Wimmer (Stabsapothekerin) und Astrid Karnikowski (Leutnant). Ähnlich verhält es sich mit den Sportlern im Beamtenverhältnis, die meist die mittlere Laufbahn einschlagen, selten die gehobene.

Kritik

Staatsamateure treten in vielen Fällen direkt nach Abschluss der Schulausbildung in den Staatsdienst über, um sich dort auf ihren Sport zu konzentrieren. In der Bundeswehr ist die parallele Ausbildung in einer Lehre oder höheren Lehranstalt nur freiwillig, und so gibt es Sportsoldaten, die nach Ausstieg aus dem Sport keine berufliche Perspektive haben. Weiter wird kritisiert, dass auch Sportler, die über große Werbeeinnahmen verfügen, noch als Sportsoldaten angestellt sind und dadurch nur noch aufgrund ihrer Werbefunktion für die Bundeswehr antreten, teilweise zu Medaillenverleihungen sogar in Uniform erscheinen. Die Subvention der Sportler über die Bundeswehr wird auch angesichts der Möglichkeit einer Unterstützung über die zivile Stiftung Deutsche Sporthilfe kritisiert.

Weblinks

Referenzen

  1. http://www.taz.de/1/sport/artikel/1/fast-schon-militaerfestspiele/
  2. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,772583,00.html#ref=rss
  3. http://www.bwforum-online.de/index.php?showtopic=3184



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