Spreewaldgurke

Spreewaldgurke
Das EU-Siegel geschützte geografische Angabe gemäß Verordnung (EWG) Nr. 2037/93 der Europäischen Kommission

Spreewälder Gurken g.g.A. sind eine namensgeschützte Spezialität aus Brandenburg.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Herstellung

Schon in den 1870er Jahren fand Theodor Fontane, die Spreewaldgurke stehe an der Spitze der landwirtschaftlichen Produkte im Brandenburger Spreewald:

"Die Spreewaldprodukte haben nämlich in Lübbenau ihren vorzüglichsten Stapelplatz und gehen erst von hier aus in die Welt. Unter diesen Produkten stehen die Gurken obenan. In einem der Vorjahre wurden seitens eines einzigen Händlers 800 Schock pro Woche verkauft. Das würde nichts sagen in Hamburg oder Liverpool, wo man gewohnt ist, nach Lasten und Tonnen zu rechnen, aber jede "Stelle hat ihre Elle", was erwogen für diese 800 Schock eine gute Reputation ergibt. Im übrigen verweilt Lübbenau nicht einseitig bei dem Verkauf eines Artikels, der schließlich doch vielleicht den Spott herausfordern könnte, Kürbis und Meerrettich schließen sich ebenbürtig an ... .

In Lubolz, Unterspreewald

Das Geheimnis des besonderen Geschmacks der Spreewaldgurke blieb auch dem Spötter Fontane verborgen. Wahrscheinlich tragen die feuchten humusreichen Böden und das Klima im Spreewald zum guten Wachstum der Gurkenfelder bei. Der eigentliche Grund speziellen Geschmacks mag jedoch eher in ihrer Verarbeitungsform zu finden sein. Während der Gärungsprozess in großen Fässern früher mehrere Wochen in Anspruch nahm, kommen die Gurken heute bereits nach nur eintägiger Verarbeitung in den Handel – sei es als  Senf-, Gewürz- oder saure Gurken. Bei der Verarbeitung werden die Gurken auf siebzig Grad Celsius unter Zugabe von Natronlauge erhitzt. Die Zusammensetzung der weiteren Zugaben allerdings bleibt auch heute noch ein wohlgehütetes Geheimnis der ca. zwanzig Einlegereien. Diese Zugaben wie Basilikum, Zitronenmelisse, Wein-, Kirsch- oder Nussblätter geben der Spreewaldgurke ihren Geschmack.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 war die Spreewaldgurke eines der wenigen DDR-Produkte, die ohne Unterbrechung weiter erhältlich waren. Berühmtheit auch im Westen erlangte die Gurke im Jahr 2003 mit dem mehrfach preisgekrönten Spielfilm Good Bye, Lenin! von Wolfgang Becker. In dieser Tragikomödie hat Daniel Brühl schon kurz nach der Wende große Schwierigkeiten, die von seiner Mutter (Katrin Saß) heißgeliebten Spreewaldgurken aufzutreiben, die er unbedingt braucht, um seiner kranken Mutter das Fortbestehen der aus ihrer Sicht "heilen DDR-Welt" vorgaukeln zu können.

Die Gurke ist unter ihrem Markennamen Spreewälder Gurken erhältlich, der im März 1999 EU-weit geschützt wurde. Im Jahre 2004 kündigten 50 Betriebe der Region an, eine Selbstverpflichtung einzugehen, den Spreewald zur Gentechnik-freien Region zu erklären.

Anbaugebiete

Gurkenfelder finden sich im gesamten Spreewald, dessen größter Teil seit 1990 als Biosphärenreservat Spreewald besonders geschützt ist. Folgende Orte bieten Spezielles zur Gurke und um die Gurke herum an:

  • Golßen. Spreewaldkonserve Golßen - Besichtigungsmöglichkeit der Gurkenproduktion
  • Leipe. Traditioneller Gemüseanbau.
  • Lehde. Bauernhaus- und Gurkenmuseum.
  • Schlepzig. Agrarhistorisches Museum
  • Lübbenau/Spreewald. Spreewaldmuseum

Trivia

Tourenlogo Gurken-Radweg

Weiterhin existiert ein Gurken-Radweg – das Tourenlogo zeigt eine lachende Gurke auf dem Fahrrad.

Beim alljährlichen Spreewald-Marathon, der in den Disziplinen Laufen, Radfahren, Wandern, Paddeln und Feiern ausgetragen wird - heißt es beim Start "Auf die Gurke, fertig, los"...

Literatur

  • Theodor Fontane, Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Teil 4. Spreeland. Zitiert nach der Ausgabe 1998, Frankfurt/M, Berlin.

Weblinks


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