Bahnsteigkarte
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Bahnsteigkarten-Automat im DB-Museum

Die Bahnsteigsperre stellt sicher, dass nur Reisende im Besitz einer Fahrkarte oder einer Bahnsteigkarte den Bahnsteig betreten können.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Nachdem zu Beginn des Eisenbahnzeitalters der Zugang für Reisende zu dem neuen, ungewohnten und deshalb als gefährlich eingestuften Verkehrsmittel streng reglementiert war (die Reisenden wurden erst auf den Bahnsteig gelassen, wenn der Zug dort stand und nach dem Betreten des Zuges in diesem eingeschlossen), wurde bei zunehmendem Verkehr und einem Publikum, das sich an das neue Verkehrsmittel gewöhnt hatte, im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Zutritt zum Zug freigegeben, Fahrkarten wurden erst im Zug kontrolliert.

Da Ende des 19. Jahrhunderts noch Abteilwagen ohne Übergang von einem Abteil zum anderen überwogen, mussten sich die Schaffner an der Außenseite der Wagen während der Fahrt auf Trittbrettern von Abteil zu Abteil hangeln. Das führte immer wieder zu schweren Unfällen.

Deshalb gingen die Preußischen Staatseisenbahnen ab dem 1. Oktober 1893 dazu über – andere Bahnverwaltungen folgten –, die Fahrkartenkontrolle an den Zugang zum Bahnsteig zu verlegen. Dort wurden Bahnsteigsperren errichtet, die mit Bahnsteigschaffnern besetzt wurden.

Verfahren

In der Regel gab es eigene Bahnsteigschaffnerhäuschen für den Zugang zum und den Ausgang vom Bahnsteig. Personen, die nur auf den Bahnsteig, aber nicht mit dem Zug fahren wollten (Begleitpersonen, Eisenbahnfreunde, die nur den Verkehr beobachten wollten), mussten Bahnsteigkarten lösen. Diese kosteten zunächst 10 Pfennig, später 20 Pfennig. Fahrkarten und Bahnsteigkarten wurden beim Betreten des Bahnsteigs durch die Bahnsteigschaffner gelocht. Beim Verlassen des Bahnsteigs mussten die Karten abgegeben werden und wurden zur Kontrolle eingeschickt, die Stichproben auf die Richtigkeit prüfte, um möglichem Betrug vorzubeugen.

Lenin wird folgendes Zitat zugeschrieben:

„Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas, wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte!“

Abschaffung

Trotz moderner Wagen wurden die Bahnsteigsperren in der Nachkriegszeit in Deutschland belassen, um kriegsversehrte Beamte zu beschäftigen. Seit etwa 1970 wurden im Bereich der Deutschen Bundesbahn die Bahnsteigsperren sukzessive in einzelnen Bahnhöfen abgeschafft, im Sommer 1974 dann endgültig flächendeckend. Heute ist es in Deutschland, Österreich und der Schweiz möglich, sich auf den frei zugänglichen Bahnsteigen ungehindert aufzuhalten.

Ausnahmen

Lediglich in zwei deutschen Verkehrsverbünden ist der Zugang zu den U-Bahn- bzw. S-Bahn-Stationen für Personen ohne gültigen Fahrausweis auch heute noch reglementiert und nur mit Bahnsteigkarten möglich (Stand Dezember 2007):

Quellen

  1. Kieler Nachrichten vom 28.11.2007 "Es gibt sie noch: die Bahnsteigkarte"
  2. MVV Tarifsystem Bahnsteigkarte

Literatur

  • Ulrich Gehrke: Loch um Loch. In: Eisenbahn Geschichte 26 (Februar/März 2008), S. 35 – 37.

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