Bahnstrecke Aßmannshausen–Jagdschloss

Die Bahnstrecke Aßmannshausen–Jagdschloß war eine 1,53 Kilometer lange meterspurige Schmalspur- und Zahnradbahn. Sie führte von der Talstation in Assmannshausen zur Bergstation Jagdschloss. Von dort führte ein 2,5 Kilometer langer Waldweg zum Niederwalddenkmal.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Bahn war das kleinere Schwesterprojekt der Niederwaldbahn von Rüdesheim am Rhein zum Niederwalddenkmal. Beide Bahnen, aus unterschiedlichen Initiativen gestartet, aber gleicher Technik ausgeführt, wurden letztendlich in der Niederwaldbahngesellschaft AG vereinigt. Der Firmensitz wurde 1900 nach Berlin verlegt, wo der damalige Hauptaktionär, der Bankier G. Lilienthal, seinen Geschäftssitz hatte. G. Lilienthal verursachte 1911 mit seiner Bank einen betrügerischen Bankrott, der auch die Niederwaldbahngesellschaft AG mit 70.000 Mark Schulden zurück ließ.

Technik

Um die Steilstrecke hinauf zum Jagdschloss mit einem Höhenunterschied von 230 m zu überwinden, wurde das Zahnradsystem Riggenbach verwendet. Die Züge wurden von Dampflokomotiven geführt, die immer talseitig fuhren.

Betrieb

Die Bahn wurde am 10. Oktober 1885 im Probebetrieb eröffnet. Es handelte sich um eine Bahn rein touristischen Charakters: Sie verkehrte nur vom Palmsonntag, Ostern oder 1.Mai bis Ende Oktober. Die Nachfrage nach dem Angebot der Bahn war von Anfang an stark schwankend und witterungsabhängig. Die Gesellschaft versuchte dies mit der Anschaffung eines Bootes auszugleichen, dass zwischen Rüdesheim und Assmannshausen verkehrte und so Rundfahrten über beide Bahnen der Gesellschaft ermöglichen sollte. Auch das erwies sich als nicht erfolgreich und fuhr nur Defizite ein. Mit dem Ersten Weltkrieg brach der Tourismus und damit die Nachfrage nach der Bahn drastisch ein, der Verkehr musste eingeschränkt und am 6. August 1917 ganz eingestellt werden. 1920 stellte die Betreibergesellschaft den Antrag auf Entbindung von der Betriebspflicht, dem 1921 stattgegeben wurde. 1922 wurden die Anlagen abgebrochen, Gleise und Fahrzeuge verschrottet.

Nachspiel

Die Tourismuswirtschaft in Assmannshausen bedauerte den überstürzten Verzicht auf die Bahn schon bald. 1925 gab es Bestrebungen, eine neue Bahn aus Mitteln des Kleinbahnfonds zu errichten. 1927 arbeitete Orenstein & Koppel das Projekt einer elektrifizierten meterspurigen Bahn aus, die von Assmannshausen über das Jagdschloss bis ans Niederwalddenkmal führen sollte. Ausgeführt wurde das Projekt nicht, vielmehr wurde eine Omnibuslinie eingerichtet. Am 8. Juli 1953 wurde dann auf der Strecke Assmannshausen – Jagdschloss ein Sessellift in Betrieb genommen.

Literatur

  • Gerd Wolff und Andreas Christopher: Deutsche Klein- und Privatbahnen. Band 8: Hessen. EK-Verlag, Freiburg 2004, ISBN 3-88255-667-6, S. 94 ff.. 

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