7 Steinhäuser
Anlage D als größte Grabanlage der Sieben Steinhäuser

Die Sieben Steinhäuser sind eine Gruppe von fünf Großsteingräbern in der Lüneburger Heide im NATO-Truppenübungsplatz Bergen-Hohne, Niedersachsen (Deutschland). Das 1923 unter Schutz gestellte Kulturdenkmal wird der Nordischen Megalitharchitektur zugerechnet.

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage

Die Sieben Steinhäuser befinden sich etwa in der Mitte des Truppenübungsplatzes Bergen, zwischen Bad Fallingbostel im Nordwesten und Bergen im Osten. Die einzige öffentliche Zufahrt zu den Grabstätten beginnt an einem Posten mit Schlagbaum in Ostenholz, rund 4 Kilometer südöstlich des Autobahn-Dreiecks Walsrode. Die Zufahrtsstraße führt durch mehrere Kilometer Sperrgebiet des Truppenübungsplatzes. Sie wird für die Besucher regelmäßig von Munitionsresten befreit.

Die Großsteingräber stehen zwischen etwa 56 und 67 m ü. NN. Vorbei an der Gräbergruppe fließt in Nord-Süd-Richtung der „Hohe Bach“, der einen nordöstlichen Zufluss der Meiße im Einzugsgebiet der Aller darstellt.

Geschichte

Lageplan der Anlage

Die Grabanlage Sieben Steinhäuser wurde um 2500 v. Chr in der Epoche der neolithischen Trichterbecherkultur von den ersten sesshaften Bauern errichtet. Die große Grabanlage D zeigt Ähnlichkeiten zu französischen Grabanlagen, die anderen vier Gräber entsprechen denen des Elbe-Weser-Dreiecks.

Zwar spricht man traditionell von den „Sieben Steinhäusern“, tatsächlich aber handelt es sich nur um fünf Gräber. Da auch eine alte Abbildung von 1744 bereits nur fünf Gräber zeigt, geht man heute davon aus, dass die magische Zahl Sieben im übertragenen Sinn für eine größere Anzahl verstanden werden muss, wie beispielsweise sieben Sachen. Die erste schriftliche Erwähnung fanden die Gräber 1720 durch einen Gelehrten. Zur ihrer Bekanntheit trug im 19. Jahrhundert der Heimatschriftsteller August Freudenthal bei. Schon in dieser Zeit waren sie ein beliebtes Ausflugsziel.

Beschreibung der Gräber

Die Grabkammern sind alle in Nordost-Südwest-Richtung angelegt und rechteckig. Ihre Decksteine sind nicht als Joche, sondern fast immer in Drei- sowie Vierpunktauflagen aufgelegt.

Alle Gräber waren ursprünglich von Erde bedeckt, so dass es sich um Erdhügel handelte. Im Laufe der Zeit erodierte die Erde durch Wind und Niederschläge, so dass die Steine wieder sichtbar wurden. Vier Gräber wurden zwischen 1924 und 1937 ausgegraben und dabei restauriert.

1958 wurden die Gräber mit mehreren Meter hohen Schutzwälle aus Erdreich eingefasst. Sie schützen die Grabstellen vor Granateinschlägen, da sich die Anlage inmitten eines Truppenübungsplatzes mit Schießbetrieb befindet.

Anlage A

Die Anlage A besteht aus je vier Tragsteinen an den Langseiten und einem Schlussstein an beiden Schmalseiten. Auf den Tragsteinen ruhen drei Decksteine, von denen der mittlere, wesentlich schmalere zerbrochen ist. Die lichte Weite der Kammer misst 6,5 x 2 m²2. Mittig an der Südostseite liegt der Zugang, von dem nur das Tragsteinpaar erhalten ist.

Anlage B

Innenansicht von Anlage B

Auch an der Anlage B bilden vier Tragsteine die Langseiten, zu denen aber im Gegensatz zu Anlage A auch vier Decksteine gehören. Einer ist sehr schmal und daher wie ein Jochstein zwischengelegt. Die lichte Weite der Kammer beträgt 7 x 2,2 m². Vom Gang in der Mitte steht nur noch der südliche Tragstein.

Anlage C

Die relativ kurze Kammer der Anlage C besteht aus drei Tragsteinen an der Südost- und vier an der Nordwestseite sowie den beiden Schlusssteinen und den drei Decksteinen. Vor der Restaurierung befanden sich nur die nordöstliche Dreipunktauflage, der mittlere der drei Tragsteine der südöstlichen Langseite und der südwestliche Schlussstein in situ. Zwei Decksteine waren wahrscheinlich nach Manipulationen an den Tragsteinen durch das Gewicht zusammengestürzt. Die lichte Weite der Kammer beträgt 5 x 2 m². Der außermittige Zugang scheint sich zwischen dem ersten und mittleren Träger im Süden der südöstlichen Langseite befunden zu haben.

Anlage D mit Einfassung

Die Anlage D ist die ansehnlichste Erscheinung der ganzen Gruppe. Die Tragsteine der kurzen, fast quadratischen Kammer bestehen aus einer Platte an der Südwestseite, und zweien an den übrigen Seiten. Die Kammer wird von einer mächtigen Steinplatte bedeckt, die 4,6 x 4,2 m² misst und eine Stärke von einem halben Meter aufweist. Die lichte Weite der gedrungenen Kammer beträgt etwa 4 x 3 m². In der Mitte der Südostseite befindet sich der Zugang, dessen Tragsteine original sind, während ihr Deckstein ergänzt wurde.

Zu dieser Anlage gehört eine rechteckige Einfassung, so dass wir es mit einem erhaltenen Hünenbett ohne Kammer zu tun haben, dessen Einfassung restauriert wurde. Sie ist ungefähr 7 m breit und 14 m lang, bricht aber im Südwesten unvermittelt ab. Da sich hier keine Standspuren von entfernten Steinen fanden, vermutet man, dass dieser vermutlich noch für weitere 3 bis 4 m geplante Teile der Anlage bereits in der Jungsteinzeit zum Bau eines anderen Grabes verwendet worden sein könnte.

Anlage E

Die Langseiten der Anlage E bestehen wie bei Anlage A aus je vier Trägern, auf denen drei Decksteine liegen. Der Tragstein der südwestlichen Schmalseite wurde ergänzt. Aus der Tatsache, dass zwei Decksteine der Kammer (der südwestliche und der mittlere) Hälften desselben Findlings sind, ist nicht zwingend zu folgern, dass der Steinblock vorzeitlich künstlich gespalten wurde. Bei den Restaurierungsarbeiten legte man die leicht verschobenen Decksteine wieder auf. Die Kammer hat eine lichte Weite von 5,6 x 2 m². Vom Zugang in der Mitte der südöstlichen Langseite, der aus zwei Jochen bestand, sind nur noch die zwei äußeren Tragsteine vorhanden.

Die Sage von den Sieben Steinhäusern

Einer Sage nach, die viel in der Heidmark erzählt wurde, ist der größte Stein vom Riesen von Borg in einer Schleuder von Elferdingen, wo er bei der "Orskarrn" lag, nach den Sieben Steinhäusern geschleudert. Die beiden größten Tragsteine des größten Grabes wurden von dem Riesen in die "Schubtaschen" seines Mantels gesteckt. So ging der Riese über Fallingbostel nach den Steingräbern. Da die Gegend sehr sandig war, hatte der Riese bald seine Schuhe voller Sand. Den schüttete er bei Fallingbostel aus, und so sind Tut- und Weinberg entstanden.[1]

Zugänglichkeit

Die Sieben Steinhäuser befinden sich im militärischem Sperrgebiet des Truppenübungsplatzes Bergen. Sie sind daher nur an übungsfreien Tagen an Wochenenden und an Feiertagen zugänglich.

Literatur

  • E. Sprockhoff: Atlas der Megalithgräber Deutschlands. Teil 3, Niedersachsen und Westfalen. (Hrsg. G. Kröner Bonn 1975). ISBN 3-7749-1326-9
  • Ernst Andreas Friedrich: Wenn Steine reden könnten. Band II, Landbuch-Verlag, Hannover 1992, ISBN 3-7842-0479-1
  • H. Schirnig: Archäologischer Wegweiser. Die Sieben Steinhäuser bei Fallingbostel. Hildesheim 1982.

Einzelnachweise

  1. Hans Stuhlmacher: Die Heidmark. Louis Scheling, Walsrode 1939

Weblinks

52.8004916666679.79736166666677Koordinaten: 52° 48′ 1,8″ N, 9° 47′ 50,5″ O


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