St. Stefan (Istanbul)

St. Stefan (Istanbul)
Die bulgarisch-orthodoxe Kirche St. Stefan.
Die Ikonostase in der zum Goldenen Horn gerichtete Apsis.

Sankt Stefan (bulgarisch Свети Стефан / Sweti Stefan, türkisch Aya Stefan) ist eine bulgarisch-orthodoxe Kirche im Stadtviertel Fener der türkischen Metropole Istanbul. Die am Ufer des Goldenen Horns gelegene dreischiffige Basilika wird aufgrund der Tatsache, das als Baumaterial hauptsächlich Gusseisen Verwendung fand, auch als „Eiserne Kirche“ bezeichnet.

Die bulgarisch-orthodoxen Christen im Osmanischen Reich waren über mehrere Jahrhunderte dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel unterstellt, in dessen Kirchen sie auch ihre Gottesdienste feierten. Im Zuge der „Bulgarischen Wiedergeburt“ setzten sie sich zunehmend für die Unabhängigkeit von der griechisch-orthodoxen Kirche ein. 1870 wurde schließlich durch einen Ferman des Sultans Abd ul Aziz das Bulgarische Exarchat mit Sitz in Konstantinopel eingerichtet. Auch nach der Loslösung Bulgariens aus dem Osmanischen Reich 1878 blieb Konstantinopel das Zentrum der bulgarischen Kirche.

Anfangs wurde von der nun unabhängigen Gemeinde der Konstantinopler bulgarisch-orthodoxen Christen ein vom osmanischen Staatsmann, der bulgarischer Knjaz Stefan Bogoridi geschenktes Holzhaus, am 9. Oktober 1849 zur Kirche geweiht, für ihre Gottesdienste genutzt. Durch die Verlesung des sultanischen Fermans zur Einrichtung des Exarchats am 28. Februar 1870 wurde es zu einer wichtigen Stätte der bulgarischen Unabhängigkeitsbewegung.

Nach einem Brand in der Holzkirche erhielten die bulgarischen Christen am 25. Juni 1890 vom Sultan die Erlaubnis, neben der Holzkirche ein neues Gotteshaus zu bauen. Auf Initiative des Exarchen Josef I. wurde am 27. April 1892 der Grundstein für den Neubau gelegt. Der beauftragte armenische Architekt Hovsep Aznavor entschied sich angesichts des schwachen Untergrunds am Goldenen Horn für einen leichten Bau komplett aus Stahl und Eisen und gegen eine Stahlbetonkonstruktion. Nach einer internationalen Ausschreibung wurden die einzelnen Elemente, die zusammen rund 500 Tonnen wogen, zwischen 1893 und 1896 durch Rudolph Philipp Waagner (nunmehr Waagner-Biro) in Wien gefertigt und über die Donau und das Schwarze Meer nach Istanbul verschifft. Nach rund eineinhalbjähriger Bauzeit wurde die neue Kirche am 8. September 1898 von Josef I. dem heiligen Stephanus geweiht. Kurz darauf wurde die alte Holzkirche abgerissen.

Der tragende Rahmen der Kirche besteht aus Stahl, die Außenhaut aus gusseisernen Platten, die miteinander vernietet, verschweißt und durch Bolzen miteinander verbunden. In ihrer Architektur vereint die kreuzförmige Kirche Elemente der Neugotik und des Neobarock. Die sechs Glocken des 40 m hohen Glockenturms wurden in der russischen Stadt Jaroslawl gegossen. Die hölzerne Ikonostase wurde in Moskau angefertigt.

Die über ein Jahrhundert der Witterung ausgesetzte Eisenkonstruktion leidet heute vor allem unter der fortschreitenden Korrosion des Materials. Daneben haben sich in den Eisenplatten Risse gebildet. Um den Zerfall des Kirchengebäudes aufzuhalten, werden seit 2005 Restaurierungsarbeiten durchgeführt.


Siehe auch

Weblinks

41.03180555555628.9497222222227Koordinaten: 41° 2′ N, 28° 57′ O


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